Ausgabe 
29.6.1908
 
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Hm und der FluviLr. Florence faß- am Klavier. Schließlich wäre noch zu erwähnen, daß es keine Nischen, Wandschränke oder Türvorhäuge im Zimmer gab.

Ob nun die int Zimmer herrschende Dämmerung dazu Anlaß gab, oder ob es bloßer Zufall war, ich weiß cs nicht; jedenfalls begann Fräulein Darrow mit tiefer, voller Altstimme von be­rückend melancholischem Zauber das Lied zu singen:In der Dämmerung". Jeder Ton erklang so voll und weich, alö rührte eine Meisterhand die Saiten des Cellos. i ,

In der Dämmerung, Geliebte, Wenn die Schatten facht Bon den Bäumen niederwallen, Leis der Wind erwacht Und in sanften Schmeicheltönen .

Kündet fel'gc Nacht: , >

Denkst du -da in Liebe meiner, / Wie du einst gedacht?. '.

In der Mmmerung, Geliebte, Denk nicht grollend mein, 1 \ 1 Ging ich schweigend auch von hinnen, . Ließ dich dort allein!

Ach, mein Herz toctxl wund von Zweifel Und von banger Pein. - Was für uns so süß gewesen,

Kann nie wieder" ! , 1 -f.

Aber die letzte Zeile blieb Unvollendet. Mit einem wilden Aufschrei, mehr der Furcht als des Schmerzes, fuhr Darrow in die Höhe.Meine Herren, ich bin gestochen!" war alles, was er sagte, worauf er wieder schwer in seinen Stuhl zurücksank. Die rechte Hand hielt er an seine Kehle gepreßt, und seine Augen schienen aus ihren Höhlen springen zu wollen, als er mit rauher Stimme hervorstieß:Ern Licht, ein Licht! Um Gottes toiUcit, laßt ihn nicht noch einmal ans dem Dunkeln irach mir stoßen!" Schon war Maitland dabei, das Gas anzuzünden, und Herne und Brown suchten, wie Brown mir nachher erzählte, dett An­greifer .zu fassen. In der Tat erinnerte ich mich, als alles vorüber war, daß Brown eine rasche Bewegung nach dem dunkelsten Winkel im Zimmer, gemacht hatte.

Jetzt flutete helles Licht durch den Raum, und ich sah mich nach dem Täter um. Aber es war keiner zu sehen! 9iicntanb als Florence, Darrow und wir vier befanden sich im Zimmer! Die Türen waren geschlossen, die Fenster unverändert. Unmöglich konnte jemand beit Raum betreten oder verlassen haben, aber wo war dann der Täter? Nur eine Lösung blieb noch übrig: Darrow litt unter dem Eindruck einer Sinnestäuschung, und Florences Stimme brachte ihn vielleicht wieder zur Besinnung. Als sie zu sprechen anfing, trat ich näher, um zu sehen, welche Wirkung ihre Worte auf ihn ansü-bten.Sei ohne Furcht, Vater," sagte sie leise, während sie ihr Gesicht an seine Wange legte, hier ist niemand, der dir etwas zu Leide tun kann. D-u bist krank ich will dir etwas Stärkendes zu trinken geben, und es ist im Augenblick vorüber." Sie wollte sich erheben, aber ihr Vater faßte sie krampfhaft am Arm, und in heiserem, ängst­lichem Flüstern. kam es von seinen Lippen:Geh nicht weg! Siehst du nicht? Geh nicht weg!" Zum erstenmal entfernte er hierbei die Hand von seiner Kehle, nahm Florences Kopf zwischen seine Hände und schaute ihr mit flehendem Blick in die Augen. Er wollte wieder sprechen, vermochte es. aber nicht ünd sah uns mit einem Ausdruck der Hilflosigkeit an, den ich niemals ver­gessen werde. Maitland, dessen Augen den. alten Herrn nicht loslicßen und der seine Gedanken zu ahnen schien, zog schnell einen Bleistift und ein Notizbuch hervor und hielt es ihm hin, aber Herr Darrow bemerkte es nicht, denn er hatte Florences Gesicht zu sich herabgezogen und küßte sie leidenschaftlich. Im nächsten Augenblick war er auf den Füßen, und ans dem An- schwellen seiner Venen, die an seinem Halse wie auf seiner Stirn aufquollen wie Stricke, konnten wir erkennen, welche schreckliche Aiistrengnng er machte, ein Wort hervorzubringen. Endlich kamen die Töne, als würden sie mit Gewalt herausgerissen, zischend aus seiner Kehle; nach jedem Wort holte er tief Atem: Flo­rence ich wußte es! Leb wohl! Halte dein Ver­sprechen !" Hierauf fiel er, eine regungslose Masse, in seinen Stuhl, nach meiner Ueberzeugnng von der entsetzlichen An­strengung, die er gemacht hatte, überwältigt. Maitland nahm ein GlaS Wasser und befeuchtete ihm das Gesicht. Ich löste ihm die Kleidung am Halse, und während ich dies tat, sank sein Kopf nach hinten, das Gesicht mir zugewendet. .Die Gesichtszüge waren verzogen die Augen gläsern und starr. Ich fühlte nach seinem Herzen: er war tot. ,

(Fortsetzung folgt.)

Nachteile und Vorteile der Erdbeeren.

Die englische medizinische WochenschriftThe Lancet" be­schäftigt sich znr passenden Zeit mit der gesundheitlichen Bedeutung der Erdbeeren. Da diese Frucht allgemein verbreitet ist, ist cs erklärlich, daß Ban sich vielfach über ihre Vorteile und Nach­teile für den menschlichen Organismus unterhält. In Bezug auf die letzteren wird man häufig von einer Idiosynkrasie gegen Erdbeeren sprechen, die in der Hauptsache Kinder betrifft. Solche Personen bekommen schon bei dem Genuß einer einzelnen Beere einen eigentümlichen 'Hautausschlag, der mit dem bei Masern, große Aehnlichkeit hat. Anderseits aber herrscht die Ansicht, daß der Genuß der Erdbeeren von Vorteil gegen die Gicht sowie in Bezug auf die Haut und die Verdauung nicht schädlich sei.

Wenn man die Frage vom medizinischen Standpunkte aus betrachtet, so unterliegt es keinem Zweifel, daß der Säst der Erdbeeren in hervorragender Weise die B e r d a n u n g fördert. Um das festzustellen, hat man Versuche mit hartgekochtem Eiweiß gemacht, das aufgelöst wird, wenn man das Ei mit dem Safte der Erdbeeren bestreicht. Hieraus läßt sich die auflösende Wirkung des in dem Ei enthaltenen Enzyms auf das Eiweiß erkennen.. Es findet also unter Umständen eine Verbesserung der Ernäh­rung durch die freie Verwendung der Erdbeeren statt, wenn es auf die Förderung von Ausscheiduitgsprodukten und eine Ab­schwächung der ernstesten Erscheinungen der Gicht ankommt. Indes teilt die Erdbeere diese Eigenschaft mit dem Safte anderer Früchte, denn auch diese enthalten häufig ein Ferment, das in gleicher Weise auf die Vertäuung einwirkt. Personen, die aus irgend! welchen Gründen ihrem Körper keinen gewöhnlichen Zucker zu- führcn dürfen, sind die Erdbeeren sehr nützlich, denn die geringe! Menge von Zucker, die sie enthalten, ist leicht verdaulich. Mag man aber über die Heilkraft der Beeren denken, wie man will, das. eine ist jedenfalls sicher, daß aus das Blut insofern eine günstige Wirkung ausgeübt wird, als dieses infolge der in der Frucht verteilten alkalischen Salze selbst alkalisch wird. Aber auch hierin steht die Erdbeere nicht allein da, sondern bei anderen Früchten findet sich die gleiche Beeinflussung unseres Blutes.

Leider muß noch auf einen Nachteil aufmerksam. gemacht werden, den der französische Gelehrte Pros. Metchnikoff hervor­hebt. In unserm Berdauungskanal befinden sich nämlich täglich nicht weniger als 128 Billionen Bakterien, von denen die einen nützlich, die anderen aber schädlich find. Nach ihm soll man so. weit wie möglich fremde Bakterien fernzuhalten suchen, wenn mau alt zu werden wünscht. Daher will er ungekochten Salat und ungekochte Früchte vermieden wissen, und ganz besonders. Erdbeeren. Gerade diese Frucht unterliegt nämlich sehr leicht einer Beschmutzung, namentlich infolge des Düngens, obgleich eine Strohdecke eine Berührung der Früchte mit dem Boden! verhindern könnte. Auch bei der Ernte ist mannigfache Gelegenheit zum Beschmutzen der Beeren gegeben, weshalb sie unter allen U 11t st ä 11 b e n v 0 r d e m Genuß a b g e w a s ch e n werden sollten. Sonst ist man der Möglichkeit von Störungen seitens der Verdaunngsorgaite nach dem Genuß von Erdbeeren ausge­setzt, wenn man eine derartige Vorsicht nicht beachtet. Werden sie jedoch vor Berührung mit anderen Bakterien geschützt, so liegt fein Gründ vor, weshalb diese beliebte Frucht, wenn sie selbst gesund und reif ist, nicht durchaus bekömmlich sein sollte.

* Gold in Deuts ch - N e u g u i n c a! Um die Jahreswende 1907/08 hat Herr W. C. Dmnmkochler, der sich durch mehrere kühne Expeditionen ins Innere von Neuguinea in geographischen und kolonialen .Meisen ritten Namen gemacht hat, das bisher ganz un- bekannte Gebiet zwischen dem Huongolf und der Astwlabebai, das Stromsystem des Markham- und Ramuflnsses, erforscht und dabei festgestellt, daß dieser Teil unsrer Kolonie nach verschiedener Richi- tuug wirtschaftlich sehr aussichtsvoll ist. Die Ergebnisse seiner Reise sind in der ZeitschriftKolonie it-ud Heimat" (Verlag E. Buch- maitit, Berlin SW., Wilhelmstr. 4.5) veröffentlicht. Der Zweck des Unternehmens war nicht allein, das Land im allgemeinen zu erforschen, sondern namentlich zu sehen, welche Gesteiuarten sich im Krätke- und Bismarck-Gebirge finden, - um das Vorkommen von Gold fest,zustellen. Dammkoehler hatte schon vor Jähren nut oberen Raum geringe Mengen von Gold gesunden und vor zwei Jahren gutes Golderz. Außerdem würde sich seiner Ansicht nach die große Steppe mit ihrem vorzüglichen Boden sehr für Baum­woll-Kulturen eignen. Er hat aut' oberen Ramu in den Monaten Juli bis Oktober eine richtige Trockenzeit beobachtet. Die Regen­zeit währt von November bis Mai. Die Ernte der Baumwolle würde also in die Zeit der Trockenheit fallen. In den südlich vom ersten Teil seiner Marschroute nahe der englischen Grenze ge­legenen Gebirgen liegen die neuesten Goldfunde, die 'jetzt so viel von sich reden nrachen. Da hast überall in Neuguinea in den Flüssen Gold vorkommt, so würde cs wohl sehr aussichtsvoll sein, wenn eine Anzahl unabhängiger kleiner Leute als Prospektoren drüben ihr Glück versuchen würden. Wenn jetzt wirklich Gold.in größerer Menge festgestellt wird, so dürfte äuch die Grundlage für eine Erschließung des Markhamgebielcs durch eine Eisenbahn ge­geben fein. Es brauchte ja vorläufig nur eine Feldbahn von etwa