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Wirket, so lange es Tag ist.
Roman von Maximilian Böttcher-, (Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Doch Heinz kam nicht mehr. Zwei Tage wartete er auf eine Nachricht von Isabella. Dann sandte er ihr alle Briefe zurück, die sie ihm geschrieben, alle ihre Bilder und alle Geschenke, die sie ihm gemacht hatte.
Vorbei. —
Die Wochen gingen hin.
Des Sommers Glut verglomm, die Felder würden kahl, und der Herbst kam.
Als Heinz seiner Mutter von der Auflösung seiner Verlobung Mitteilung gemacht hatte, war sie ihm tränenden Auges nm den Hals gefallen und hatte ihr Gesicht voll warmer Zärtlichkeit an seine Wange geschmiegt.
„Junge, Junge! Ich kann dir ja gar nicht sagen, wie froh ich bin. Wie ein Stein fällt mir's vom Herzen. Nun weiß ich doch, daß bit noch glücklich werden kannst, und nun brauch' ich doch auch keine Angst mehr zu haben, daß ich dich einmal ganz verliere. Die Zierpuppe nnb du — ich versteh' noch immer nicht, wie du dich mit der zusammengefunden hast."
An Martha war nichts von freudiger Erregung bemerkbar geworden; mit keinem Wort hatte sie je über die Auflösung der Verlobung gesprochen, nm keinen Hauch hatte sie ihr gemefsen- freundschaftliches Wesen gegen Heinz geändert.
Die Wochen gingen hin.
Martha rüstete zur Reise, von der nur noch wenige Tage ,ie trennten. Und bei jedem Stück Wüsche oder Kleidung, das sie fertig in Koffer oder. Korb packte, hätte Heinz ihre Hände nehmen, sie festhalten und sagen mögen: „Laß doch. Geh' doch nicht. Bleib bei uns!"
Oft, wenn sie die Nadel durch Tuch oder Linnen zog, beobachtete er sie heimlich. Und ihm war, als wäre sie blaß geworden in letzter Zeit, als hätte ein Zug herber Trauer sich um ihren Mund eingegraben. Dann fragte er sich wohl: „Hat das sie blaß gemacht, daß sie so viel in der Stube hockt, daß Luft ihr so selten um die Stirn streicht — gränit sie sich noch immer um Vater und Bruder, für die's doch am besten war, daß sie starben — oder fällt der Abschied ihr nun doch schwer auf's Herz?"
Immer drängte cs ihn, sie zu fragen, von dem, !vas seine Brust stürmisch bewegte, zu ihr zu sprechen: aber so oft er sich's vornahm — eine beklemmende Scheu ließ ihm immer das Wort auf der Zunge erstarren.
Der Tag des Abschiednehmens kam.
Mit Küssen und Segenswünschen hatte Frau Vollrath Martha bis an die Tür begleitet. Nun saß sie in ihrem Stübchen, fuhr mit dem Schürzenzipfel über die Augen und war voll Zornes gegen Heinz, den sie in Gedanken einen dummen Jungen nannte.
Underdes ging Heinz an Marthas Seite durch den Heimatwald dem Bahnhof zu: — trotz ihres Protestes hatte er sich's nicht nehmen lassen tvolleü, sie an den Zug zu bringen.
Es war noch in der ersten Morgenstunde. Still lag der Wald, über dessen Boden der fallende Herbstnebel einen seinen Schleier breitete.
Die Stämme der Buchen am Wege erschienen rot, von goldener Glut übergossen. Rein wölbte der Morgenhimmel seine Kuppel. Außer Heinz und Martha kein Mensch: — sehr zeitig waren sie von Hause aufgebrochen, und nur Wenige benutzten um diese Jahreszeit den Frühzug, der mit dein ersten Oktober einging. Irgendwo im Holz schrie ein Eichelhäher, eine Meise piepte in der Krone einer Eiche, und das welke Laub, raschelte unter den Füßen. ■ v
Plötzlich blieb Heinz stehen.
„Martha!" sagte er.
Martha machte Halt und blickte Heinz fragend an.
Schwer atmete feine Brust.
„Martha!" wiederholte er und nahm ihre Hand, die sich willig in die seine legte, „Martha, ich kann dich nicht ziehen lassen, ohne dich um Verzeihung zu bitten. Dafür, daß ich in die Irre geriet, daß ich an dir achtlos vorbeiging. Ich weiß nicht, ob du begreifst, wie's geschehen konnte. Ich felbst begreife es heute nicht mehr und kann dir's jetzt, in dieser Abschiedsstunde, nicht erklären. Ich war blind. Darf ich dir schreiben, dir alles klar zu machen versuchen, in Ruhe und Gründlichkeit?"
Martha schüttelte leise den Kopf.
„Ich begreife alles, sah. Wie alles kam und ging, und habe dir nichts zu verzeihen."
Sie wandte sich und wollte weitergehen.
Heinz aber hielt ihre Hand fest und ließ sie nicht.
„Ich habe nur dich lieb," fuhr er fort, „nur dich. Darf ich — wenn noch einige Zeit vergangen ist, wenn du mir ganz gewiß vergeben hast — wenn nicht der Hauch eines Grolles mehr dein Denken an mich trübt -— darf ich dann kommen, dich wieder heimzuholen?"
Martha hatte beit Blick gesenkt. Zwei Tränen rannen über ihre Wangen.
„Du kannst kommen, wann du willst. Ich hatte mein ganzes Leben auf dich gewartet."
Beseligt lächelnd sah sie ihn an.
John Darrows Tod.
Rom.a.n von Melvin L. Severy,
- r (Nachdruck verboten.),
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Sn der Däm m ern ng.
1. Kapitel.
Da ich bei den Ereignissen, die ich berichten Will, Mehr die Rötst eines unbeteiligten Beobachters gespielt, als selbst mitgewirkt habe, so kann ich mich über meine eigene Person kurz fassen. Ich habe an einer Universität des amerikanischen Westens Medizin studiert, bin nun Arzt in Boston nnd erfreue mich einer ausgebreiteten Praxis, feit ich das Glück hatte, daß eine an,


