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„fürchte nichts". , , , „ . , ..,
Edeltraut hörte das alles. Ihr Gefecht versteinerte sich !
förmlich, sie wandte sich von Loyscn, der sic noch immer, achtlos aus die übrigen, wartend und bittend ansah und ging, ohne ein Wort zu verlieren, mit der Hausfrau in den Salon.
„Alter Junge!" —hörte man Regitz .rufen mit seiner Stentor- ftiuntte — „kommst dn eine Zigarre rauchen?"
Er drehte sich kurz nm, aber anstatt in das Rauchzirnnier, ging er stracks in die Borhalle und die Treppe hinab. Mochte Recknitz denken, daß er vorgezogen habe, den Tarnen Gesell,chasl zu leisten.
Draußen stand er einen Augenblick und hielt sich die Hand vor die Stirn. Klarheit mußte er haben, und zwar gleich. Nicht eine Stunde konnte er diesen Zustand länger aushalten. Klarheit konnte ihm aber nur Wilhelm bringen — also zu Wilhelm.
In drei Stunden kamen die, Gäste, die ihm zu Ehren geladen waren, er hatte Recknitzens versprechen müssen, da zu sein also galt rs eilen. Edeltraut durfte auch nicht ahnen, wo er gewesen. , „ „ .... , . . .
Während er d>is dachte, lvar er schon im Stall, öffnete seines
Mittag ankäme, die Gäste wurden erst am Nachmittag erwartet. i Zum Essen würde man ganz „unter- sich sein. Dann kam erst die Frage: „War Helmuth heute morgen, in Rothmde?
Ja er hatte es mir schon gestern gesagt. Deshalb lud ich ihm seine Schwägerinnen ein. Wilhelm war nicht zu Haufe, I er war zu einem Schwerkranken gegangen." .
„Seine Schwägerinnen?" wiederholte Anne Marie
Ja Frieda und Julchen. Sie freuten sieh so sehr, ihn - !£ L * ** -
Endlich wa/ BacdcS ^reicht. TaS Psiw WJj«#*] ben Kopf und Anne Marie liest es im Schritt durch den Part I gehen. Als man aus diesem heraus in die Anlagen tarn mit I ihren Springbrunnen und Blumenroiidells, erblickte Edeltrant I rechts auf der Bank unter deii alten Eichen em Paar sitzen — Lohseu und die schöne Ada von Valois. I
Das also nannte Anne Marie „ganz unter uns . vss l wurde ihr jetzt erst klar, dast ihr dies Bild während der ganzen Fahrt vorgeschwebt hatte, und sie wunderte sich, datz sie es so im voraus gewusst hatte. , I
Das Paar erhob sich, als das Dogcart in sicht kam, und i näherte sich dem Hanse. Lohseu grüßte, vergeblich auf einen
Gegengrust wartend. Ada sagte, als fw in Hörweite waren vernehmlich mit ihrer tiefen Stinnne. „Oh! - Gesuch? Und ich hoffte, wir mürben bis zum Nachmittag unter uns bleiben.
Ihr Begleiter achtete gar nicht ans ihre Bemerkung, ferne Blicke folgten der Gestalt im wehenden Staubmantel, die schon Dom Wagen gesprungen und zwischen Marie Anne und Anne Marie im Portal verschwunden war.
Da war nur Zeit zu einer kurzen Begrüßung, dann ging es zu Tisch. Es mar wirklich nur eine kleme Tafelrunde und Edeltrant fast dein schönen Paar gerade gegenüber. \.oi)jeit redete sie mehreremal an nnd sie antwortete mit erzwungener Heiterkeit und bereute mit jeder Sekunde mehr, hierher gc- kommen zu sein, denn wahrlich, so gestand sie sich mit Ber^ wundern, hier luar es noch unerträglicher als zu Haufe.
Dix schöne Ada hatte das Talent, die Unterhaltung zu I beherrschen. Sie sprach dabei sehr langsani und leise, aber ihre । gehaltvolle Stimme drang an jedes Ohr und konnte Nicht ig- noriert iverden. Natürlich sprach sie von Loysens Aufenthalt in Afrika und schien alles zu wissen, was er getan und erlebt hatte. Edeltrants Ohr sing die in ziemlich regelmäßigen Zwischenräumen wiederkehrendcn Versichernngen ihrer Teilnahme imb Sätze aus, luic: Das hat mir ben tiefsten Eindruck ge- macht! — Tas hat mich stark ergriffen! — Tas gab mir am meisten zu denken. , , „ ,,
Endlich war die Mahlzeit beendet, allgemeines Händeschütteln. Marie Anne küßte Edeltraut herzlich und ganz un- besangen, zog dann bereit Hand durch ihren Arm und führte sie, von Lilly nnd den Kadetten erzählend, in den «alon, al» Lohseu ihnen in den Weg trat. Er verneigte sich vor Edel- traut und sie reichte ihm ihre freie Hand, — die Linke. ,
„Ich bitte um Ihre Hand, aber um die Rechte, trautem Don Haide," sagte er — es war ihm unmöglich, sie vor der Fremden beim Taufnamen zu nennen. Ada Valois, die mit Marie Anne vorausging, nickte dieser lächelnd zu:
„Fräulein von Haide wird das für einen Heiratsantrag nehmen," sagte sie scherzend — „cs klang beinah so.
„So — phantasievoll ist Trautehen nicht, bemerkte Anne Marie mit all der ihr zu Gebote stehenden leisen Bosheit,
Gaules Box, führte ben Rappen heraus, legte ihm den Sattel ans, warf ben Zaum über, und als der erschrockene Reitknecht herbei* stürzte, war Fra Tiavolo schon gesattelt und der Rittmeister ritt bir-eft hinter dem Stall unter den alten Linden hin in den Park. Zuerst im Schritt, dann, als der Park erreicht war, im Trabe und dann in Galopp fallend. Seine Hand strich über des Rosses Mähne, „alter Freund," sagte er, „du sollst heute dein Meisterstück machen. Es gilt!" — und dann gab er dem Pferde Raum, e§ griff in mächtigen Sätzen aus. Tast er gar Nicht tut Reitanzug, sondern im schwarzen Rock war und Lackschuhen, fiel ihm erst em, als der Park schon weit hinter ihm lag. Einen Hut hatte er, aber weder Handschuh, noch Gerte, noch Sporen. Trotzdem merkte Fra Tiavolo plötzlich, dast cs Ernst sei — er durste nicht nur, er musste, lind da fuhr es ivie Feuer in des Pferdes Gliedei, es streckte sich und nahm den Weg mit Windeseile in langen, flachen Sätzen. Der Weg ivar weit und Fra Tiavolo halte ihn heute schon einmal gemacht, aber Loyscn hatte sich mast iiiihin getäuscht Unter der sengenden Somieuglut trug ihn das vTcro in einer Zeitspanne, die er nachher nie zu nennen langte, gen Rothaide, durch den alten Torweg in den Hof hinein. Am
i Stall hielten sie. Der Schwelst sloß dem Tier m ertönten I am Leibe herab, der Atem flog, aber das Äluge blickte nut all
der gewohnten trotzigen Wildheit, und von Ermüdung zeigte ,tch
Abreiben!" — rief Lotsten dem Kutschet zu und sprang dann 'ins Haus, direkt in Wilhelms Zimmer. Der fast rechnend am Schreibtisch und blickte sich bestürzt um, als Loyfen ohne weiteres einen Stuhl herbeizog, sich setzte, mit dem Taschentuch über seine Stirn fuhr und sagte:
I „Wilhelm, ich habe mit dir zu reden. Was ist mit Edel- I l‘T „Lieber Helmuth — ich bin noch ganz erschrocken. Tn hier?
Was" ist uttt Edelttaut!" — wiederholte Helmuth hartnäckig, „ich "gehe liicht, bis ich das weist! — Sie ist, ja nicht rnehÄ dieselbe. Sie kann kaum ihre Briefe felbst gefchrreben haben. Stumpf, gleichgültig, stumm sitzt sie da — iimgewandett und ""^Lieb^Freund, jt1 ihr ist etwas, geschehen Ich habe darauf gewartet, dast du mich tragen würdest. Ich mußte emcntlich fagen, mir ist etwas geschehen, aber das ist ja ^-fchen Cd l und mir dasselbe. Ich must also von mir reden. Emmi erst du dich, I daß ich dir einmal hier von einer Jugendneigung spracy, der
"Lulle stammelte Lohseu völlig verwirrt — er fühlte sich I auss peinlichste berührt und wußte selbst kaum, daß er laut dachte. I Wilhelm fuhr auf und sah ihn sprachlos an.
I Verzeih Wilhelm, ich hätte den Namen nicht nennenjoHen Ä nun ift üe ja nicht mehr. Dein Geheimnis war
- Luise? - Stand,. armer Helmuth, hast du das wirklich geDachl? für immer
Als Luise in unser Haus kam, war mein Herz langst für immer burd) die Eriunermtg an eine andere gefeit. Nun mid ■ diese anbere . . . siehst du, dir muß ich's sagen! ™ war deine Schwester ^""Loysen chst sprachlos rar Statuten. Tas war ihm unfaßlich.
Wilhelm erzählte ihm nun alles — auch wie sie sich M nach siebzehn langen Jahren wiedergefunden hatten m treuer Freundschaft.
Denke nicht, daß ich mit so ilnzureichendeni Namen nenne, was "einen höheren Titel beansprucht. . ich bm ^r tchm das, vin-t fühlt ganz klar, aber fie will es fo uninen.
Und nun hast du den Schlüssel zu Edeltrants Wesen — 1>e weiß hierum. Begreifst du,was das heißt.
und schlug sich mit der Hand vor die Stirn.
„Ich hätte es mir denken können!" - murmelte ei - i „nur' das konnte sie so verändern."
Er stand und sah starr ins Leere.
„Als ein entwurzelt Bäumchen steht sie da/ fuhr Wilhelm fort „und ich denke, du allein kannst es wieder einpslauzM.
Da "ging es wie ein Ruck durch die Gestalt des anderen, I cd neckte sich empor und ein helles Feuer leuchtete in seinen | Augen. , ~
„Für das Wort danke ich dir, Wilhelm! — Und nun I6H I mich • . • ich weiß genug!"
(Fortsetzung folgt.)


