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Nationaltracht, das ebenfalls ganz mit Edelsteinen beseht ist. Das Mieder und die dreispitzartige, niedliche Mütze bestehen eigentlich nur aus Juwelen unb sind daher so schwer, daß sie nur selten angelegt werden können. Hinter den Herrscherinnen wollen die amerikanischen Millionärinnen nicht zurückstehen. Sie haben zwar nicht ein so kostbares Kleid, aber dafür viele, die sehr viel kosten. Ein Kleid der Fran Mackie z. B. Miet, 200 000 Mark, denn bic Dame, deren Gatte durch einen aiisgedehnten Schweiuehandel ungeheure Reichtümer gesammelt hat, geht nicht anders, als in den schönsten Brüsseler Spitzen und in echter Perlenstickerei. Zwei Brüsseler Schals, die sie als Fichu auf einem Kleide verarbeitet hat, sind allein 100 000 Mark wert oder mehr als 200 mal ihr Gewicht in Gold. Eine russische Millionärin besitzt einen langen Mantel aus Silberfuchs, dessen Wert nicht abzuschätzen ist und der jedenfalls nicht bezahlt werden könnte, wenn man ihn auch ganz mit Goldstücken belegte. Der Halskragen allein hat 12 000 Mk. gekostet. Einen einzigartigen Reichtum an Pelzen besitzt auch die Witwe des chinesischen Staatsmannes Li Hung Chang, in deren Garderobe 600 Pelzroben der allerkostbarsten Art sich befinden. Den Millionärinnen suchen die Stars der Bühne an ausgewählten Toiletten nicht uachzustehen. Die Schauspielerin Langtrv trägt Toiletten, die ans Edelsteinen, Spitzen und Seide so verschwenderisch kvmopniert sind, daß sie nicht selteii den Wert von 200 000 Mark übersteigen, und sie bringt es fertig, ihre Kleidung an einem Abend sechsmal zu wechseln. Auch die Sängerin Melba trägt Juwelen au ihren Kleidern, deren Wert sich sogar bis auf eine Million beläuft. Bon französischen Schauspielerinnen sind die „göttliche Sarah" und die Röjane ihrer kostspieligen Toiletten- launen wegen berühmt, wenngleich ihre Gewänder selten mehr als 20 000 Mark kosten.
* Die Chemie der Vulkane. Eine neue Erklärung für das Wirken eines Vulkans veröffentlicht der Schweizer Gelehrte Albert Brun. Seine Theorie, zu der er jahrelang Studien an Kratern gemacht Hat, ist rein chemischer Natur und geht von einer Erscheinung ans, die man bisher falsch erklärt hatte: die ungeheuren Wolken, die dem Vulkan unter Blitzerscheinungeu entquellen, hat man für Wasserdampf angesehen, dessen Reibung die Feuer- erscheinuugen erklären sollte. Dies stand mit der andern falschen Annahme in Zusammenhang, daß Wasser in das glühend flüssige Innere des Vulkans gelangt und durch die plötzliche ungeheure Dampferstickung eine Art Explosion hervorruft. Bei allen Untersuchungen hat nun Brun ge- funden, daß überhaupt kein Wasser vorhanden ist. Die Dampfwolken bestehen aus Salmiak, Salzsäure und Kohlensäure, so daß nichts ials die Annahme übrig bleibt, daß oas chemische Zusammenwirken dieser Stoffe die Ursache des Ausbruchs ist. Auch die Flammenerscheinungen finden so ihre Erklärung; denn diese Gasmassen sind bei der hohen Temperatur des Vulkans imstande, sich an der freien Luft zu entzünden. Eure weitere Stütze für diese Erklärung ergab die Untersuchung der Lavamasfen: Steinproben, die von verschiedenen Vulkanen entnommen waren, enthielten ausnahmslos Salmiak. Die Wasserdampfwolkeit, die mitunter auch beobachtet werden können, verdanken ihr Entstehen nur dem Regen. Auf der Insel Lanzarvte, wo es überhaupt nicht regnet, ist dementsprechend der Timanfaha- Vulkan vollständig frei von Wasserdanipfwolken.
Astronomsskhös.
* Woraus die Stern e b esiehen. Bor 40 Fahren war die Himnielskunde noch eine ganz andere als heute, so daß man in jene Zeit fast die Grenze einer alten und neuen Astronomie verlegen könnte. Damals beschäftigte sich der Astronom im wesentlichen damit, die Stellungen der Gestirne und die Gesetze ihrer Bewegungen festzustellen, und erst dann kam die Möglichkeit hinzu, auch die Zusam- Mensetzuug der Himmelskörper zu erforschen. Was die Spektralanalyse in dieser Richtung geleistet hat, kann dem Menschen so recht zur Warnung dienen, er solle nie etivas in alle Zukunft für unmöglich bezeichnen. Der berühmte
Astronom David Gill hat jetzt in einet» Vorträge daran erinnert, daß vor 60 Jahren ein großer Philosoph, als es ihm darauf ankam, das Unerkennbare zu kennzeichnen, sagte, es sei für den Menschen unmöglich, zu wissen, woraus die Sterne bestünden. Jetzt hat die Spektralanalyse in Verbindung mit der Photographie dies Philosophenwort ganz und gar Lügen gestraft, denn wir wissen heute ziemlich genau, aus welchen Stoffen die Sonne und andere Sterne aufgebaut sind. In der Atmosphäre der Sonne findet sich wenigstens die Hälfte aller Elemente, deren Vorhandensein auf der Erde bekannt ist und wahrscheinlich wird es mit der Zeit möglich sein, überhaupt alle Grundstoffe unseres Planeten auf der Sonne nachzuweisen, soweit nicht etwa die rastlose physikalische und chemische Forschung bald dazu konrmt, manche der bisher für Elemente gehaltenen Stoffe ihres Nimbus zu berauben. Die außerordentlichen Verhältnisse von Temperatur, Druck und elektrischer Erregung, unter denen der Sonnenball steht, lassen übrigens die Spektra der Elemente in merkwürdigen Aenderungeu erscheinen, bereit genauere Erforschung vielleicht noch zur Auffindung neuer wichtiger Gesetze führt, wie ja beispielsweise auch die Kepplerschen Gesetze durch die Untersuchung scheinbarer Unstimmigkeiten gefunden wurden. Diese Erscheinungen hängen wahrscheinlich mit den ungeheuren Ausb.rüchen der Sonne zusammen, von denen wir uns nach unseren „Vulkänchen" aus der Erde keine Vorstellung machen können.
Für die Küche.
— Ka l t e M e e r r e t t i ch s a u c e z u H i r s ch b r a t e tt. Kürz vor dem Aufträgen des Bratens zerreibt man eine Stange frischen Meerrettich, gibt Salz, Zucker, frischen, gesiebten Zitronensaft und soviel dicke süße Sahne dazu, daß eine bündige Sauce entsteht. Durch längeres Stehen büßt sie ihre Aroma ein! _
— Karpfen blau mit gefrorener Sch lag - sahne und Meerrettich. Ein Karpfen von 2»/z kg wird vorsichtig ausgenommen und geschuppt. Dann legt man beit Fisch auf eine große Schüssel und übergießt ihn mit heißem Essig, durch beit er ein blaues Aussehen ge- ivinut. Mit gesalzenem Wasser, einer Zwiebel, Gewürz und einem geringen Essigzusatz weich gekocht, gibt man ihn auf einer gebrochenen Serviette, garniert ihn mit Zitronenscheiben und Petersiliensträußchen und reicht dazu zerlassene Butter nebst gefrorener Sahne. Diese wird mit dem Rutheubesen steif geschlagen, mit geriebenem Meerrettich und eilt wenig feinem Zucker durchzogen, nt eine Eis form gefüllt und muß in geschlagenem gesalzenen Eis erstarren, um dann gestürzt angerichtet zu werden.
Weishcrtswortc.
Das Weib ist das Hauptwerk, die Krone der Schöpfung, ist bc5 Himmels bestes, letztes Geschenk. * Milton.
Bewahre deine Zunge, denn cS quillt der Strom des Lebens auS ihr! Der Mensch ist eigentlich ein fleischgewordencs Wort: daS Wort, das er spricht, ist der Mensch selbst. Sind die Augen ivohl deswegen in unseren Kops gesetzt worden, daß wir setzen, oder nur deswegen, das; wir uns verstellen und mit einem Schein von Wahrheit behaupten, wir hätten gesehen? Ward uns die Zunge in den Gaumen gehängt, daß sie getreulich das erzähle, was sie gesehen, daß sie den Menschen zum Bruder seines Nächsten mache, oder bloß, um leere Töne und verwirrendes Geschivätz von sich zu geben und so durch finstere Zaubermauern die Vereinigung aller Menschen zu vereiteln? Tu, der du jenes sinnreiche, vom Himmel erschaffene Organ besitzest, bedenke es ivotzl I Zeh bitte dich darum : Sprich nicht i ruh er, als bis dein Gedanke in Sctzivcigen gereift ist.Johnson.
Rätsel.
Verdopple mein Erstes und ein Laut Erklingt, sür jedes Kind so holt und traut. Ein Zeichen hänge an: o welche Zeit Der bllitejungen SchövsungStzerrlichkeit l Ein wcitreS Zeichen, und ein silbern Band Der Fluten wälzt sich durch bcsruchtet Land. Nun füge noch ein Zeichen an den Schluß, Du hast die goldne Stadt an jenem Fluß.
64 i e ß e n. Dr. H.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung bev Charade in voriger Nummer: Noß-bach.
Redaktion; P. Wittko. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'jchen llniversitäts-Buch- und Stciadruckerei, R. Lange, Gießen.


