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„P istoriad e", das aber nur handschriftlich verbreitet Wurde. Lier einige Proben:
Was nahet so dumpf, was walzt sich so schwer Hin zu dem Hause des Herrn von. S ö h r?
Tie Professoren sinds der Juristenfakultät, Ter Kanzler an ihrer Spitze geht.
Und hinter ihnen, nicht auf Rosen, Schreitet Herr Pistor in kurzen. Hosen; Heut hilft kein Auszug, kein Extrakt, Heut wird er im „Mündlichen" angepackt.*)
Tie Professoren nahmen Platz: sekundiuni ordinem. Dekan ^vvn Löhr hält den» Kandidaten eine kleine Standrede über seine ' Maturität, sein Betragen, seinen Fleiß. Tas stand alles in den Mkten. Ganz säuberlich waren die Tinge nicht. Da aber Pistor „fein Demagoge gewesen", wird er zum Examen zugelassen.
„9hir Mut und Geistesgegenwart" empfiehlt Herr von Löhr und fragt:
„Was ist die falcidisch-e Quart?"
Tas Gedicht fährt fort:
„23ei dieser Frage des Herrn Dekan
Sah ihn der Pistor voll Erstaunen an
Und sprach: „Daß ich oftmals dabei bin gewesen, Ist deutlich in meinem Gesichte zu lesen.
In Heidelberg schlug ich wohl manche Quart, Doch niemals eine von dieser Art.
Toch will ich gleich eine Wette wagen,
Tie Falcidische lern' ich auch noch schlagen."
Tie Professoren waren von dieser Antwort wenig befriedigt: . in der „Pistoriade" heißt es:
.„Bei dieser Antwort des Herrn Pister
Entstand ein allgemeines Geflüster;
Tie Fakultät schüttelt mit lautem Hem! Hem!
Die Köpfe extra ordinäm."
Herr von Löhr legte dem Kandidaten noch eine Frage vor: „Was ist der Grund, au5 dem das corpus jnris canpuicb Aufhob die Wirkung der Infamie, Was ist die legis ratio?"
-Pistor antwortete:
„Ich ahne, was den Herren im Köpf gesteckt hat, Sie haben gedacht: Varia tio delectat."
Run begann Professor von Lin de los**) zu sragen: „Herr Kandidat, können Sie mir sagen: Wer hat die goldene Bulle verfaßt?"
Und der Pistor ries:
„,Tarauf hab' ich lang gepaßt,
Was weiß ich genau und wills nur gestehen,
Ich Habs in Darmstadt im Theater gesehen, Es war der Otto von Wittelsbach,
Ter den Götz von Berlichiugen meuchlings erstach." Prosessor von Linde los fragte weiter:
„Was verstehen Sie unter Aktenextrakt?"
Pistor antwortete:
„Extrakte kennt jedes Schaf,
Es sind Auszüge in kleinem Oktav,
Tie, wenn sie das schriftlich« Examen wagen, Tie Kandidaten in ihren Stieseln tragen." Run begann Herr v. Linde zu examinieren:
„Was nennt man Apostel im Prozeß?"
Pistor antwortet:
„Tie Apostel sind vor anderen/Leuten
Bei unserem Herrn Christus bis ans Ende gebkieben> link haben hernach die Bibel geschrieben."
Herr von Linde fragte weiter:
„Was mag die Lungenprobe sein?"
sllnd der Pistor mit lächelnder Miene fiel ein: ■ „Herr Professor, bevor Sie weiter sprechen. Erlauben Sie mir, daß ich Sie unterbreche, Sie taten die Lungcuprvbe sagen And wollten gewiß nach der Nagelprobe fragen Tenn diesc„. bekomm' ich ein Bierglas zu fassen, .Hab' ich noch niemals darinnen gelassen."
IWseffor v. Linde prüfte weiter:
„Herr Kandidat darf ich Sie bitten,
Mir zu sagen, was man einen Wechsel nennt?" Weich ries der Pistor: „Ein jeder Student, Weiß einen Wechsel zu definieren, Es ist Geld zum Kneipen und Suitisieren, -Einen Wechsel bekam ich blank und bar, Mach Heidelberg jedes halbe Jahr."
Darauf nahm der Präsident v. Areus das Wort, .And setzte die Prüsnng also fort:
„Herr Kandidat, sagen Sie mir, was man Konvent In jure ecclesiastico nennt?"
*) T,efe Verse entrissen wir bereits während, des Aniversitäts- subckaums der Vergessenheit und druckten sie in unserem Haupt- blatte ab. D. Red.
**) Ter spätes Hess. Jush'zmiuister.
Pistor war sich nicht klar darüber, deshalb antwortete err „Erlauben Sie mir, daß ich auf die Frage Um eine Erklärung zu bitten wage.
Ta man verschiedene Dinge so nennt. Meinen Sie den Bier- oder Korpskonvent?"
Ergötzlich ist, was Dalwigk über den Pros. Stickel meldet, nämlich: Als nun die Reihe weiter zu fragen, An Herrn Stickel kaue, hat es sich zugetragen, Daß er über dem Mittagessen
Tas Examen und sich selber vergessen.
And es trat für solche häusige Fälle
Herr Professor von Linde an seine Stelle.
Und sprach: „Sie haben in so langer Zeit Und bei so guter Gelegenheit Historischer Studien sich beflissen.
Trum wünscht' ich des Lehnrcchts Geschichte zu wissen."
Auch in dieser Disziplin schwatzte Pistor einen Haufen Ansinn, Weshalb Herr v. Linde die Prüfung im Naturrecht ganz unterließ.
Zuletzt begann Professor Ma re zoll zu examinieren.
Er wollte wissen, was man im „Jus" einen Köter nennt. Pistors Antwort erregte allgemeines Gaudium. Tauu sragte M arezoll:
„Was ist die carolina criminalis?"
Und der Pistor sprach: „Virgo maritälis' Die Tochter des Kriiyinalrichters Danz, Tie schönste im Gießener Mädchenkranz, Sie soll unter anderen guten Gabeir Auch 60000 Taler haben.
Wen sie zum Manne sich auserseheu, Ter braucht in kein Examen zu gehen."
Nun folgt der Schluß der „Pistoriade" mit solgenden Versen: „Bei dieser Antwort des Herrn Pister, Entstand ein allgemeines Geflüster, Tie Fakultät schüttelt mir lautem .Hem! Hem!
Tie Köpfe extra ordinem.
Und zuletzt schüttelte der alte Akruarius
Ten seinen Hintern: Ofen zum Schluß, Und mit Recht hat Pistor gesagt und geschrieben: „Keine Antwort bin ich schuldig geblieben.
Und cS ist die größte Schikane von allen, Daß ich bin durch das Examen, gefallen."
Betrübt, gekränkt, verärgert wandte Pistor der alma mater Ludoviciana beu Rücken, sein ungeheurer Durst blieb fein treuer Begleiter. Durch Vermittlung von einflußreichen,Freunden und Gönnern erhielt er in Darmstadt die Stelle eines Sekretärs deins Oberschulrat. Nach wie vor verübte er immmc Streiche; eines Tages erregte er öffentliches Aergernis vor dem GroM. Palais, er wurde abgesetzt, erhielt aber einen Gnadengehalt, den er in Schaafheim^ einem schönen Marktslecken, etwa 6 Kilometer! südlich von Babenhausen gelegen, verzehrte. Mit Geld verstand Pistor nicht umzugehen; deshalb erhielt er einen Kurator, der allmonatlich Kvst, Wohnnng, Kleider, Brennmaterial und dergl. von vornherein bestritt und ihm den kleinen Rest anshändigte. Wenige Tage später war der Rest vertrunken.
Ich lernte Pistor in den 50er Jahren kennen, er unterrichtete uns in Herstellung des Crambambnlis, eines Trankes, der außer Kurs und Mode gekommen ist. In Pistors Wohnung, „Burg Zion" genannt, sah cs fürchterlich aus. Selten verließ er die Bude. Geschah es einnml, so spazierte er gravitätisch durch die Straßen; eine hoch heraufgehende schwarze Lastingbinde, aus denen zwei bis unter die Ohren reichende Vatermörder hervor-- drangen, ein alter Hut, den Rohrstock in der Hand, weder rechts noch links schauend, machten ihn zu einer eigenartigen Erscheinung. Besuchte man ihn aus seiner Bude, so war er sehr freundlich. Teu Namen „Dalwigk" durfte man nicht nennen, sonst wurde Pistor zornig, wobei er kollerte wie ein Truthahn. Nie besuchte er eine Mrche. Trotz seines unregelmäßigen Lebens erreichte er das hohe Alter von 77 Jahren. Wäre er jung gestorben, so hätten die Leute gesagt: Ter Mann hat sich totges--•. Er ist aber alt geworden,
drum hieß es: den hat der Wein erhalten.
VSDMSßcL-LSS.
* Die kostbarsten Kleider der Welt. Welche ungeheuren Werte in kostbaren Kleidern niedergelegt find, das beweisen die Aufstellungen einer englischen Zeitschrift, die die teuersten Kleider der Welt herzählt. Au der Spitze steht die Königin von Sianr mit ihrem Staatsmantel, den sie nur einmal im Jahr anlegt. Dieses seidene Klei- duugsstück ist über und über mit Diamanten, Smaragden, Rubinen und Saphiren besetzt, so dicht wie die Milchstraße mit Sternen, und der Wert dieser herrlichen Edelsteine läßt sich nur ungefähr schätzen, übersteigt aber sicher die Summe von 20 Millionen Mark. Eine der beiden Schwestern des Zaren, die Gattin des Großfürsten Alexander Wichaclowitsch, steht der siamesischen Herrscherin nicht viel nach, denn fie besitzt ein wundervolles Kleid in der russischen


