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reich auf: „Endlich! Endlich haben Sie begriffen: Es muß ja nicht gerade Piepmatz sein---wenn Sie nur aufhören,
Bierbaum zu heißen! Ihr Name ist das Greuel an Ihnen. Leaeu Sie ihn pst, indem Sie gleichsam nach dem Worte der Schrift handeln: Wenn dich dein rechtes Auge ärgert, so reiße es Vus und wirf es von dir!" Da gingen dem Dichter die Augen laut und er beschloß, sich künftig — Otto Julius Mil chbaum zu nennen . . .
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* Ein sparsamcr Konig. König Friedrich. Wilhelm I. voll Preußen hatte die Lieferung des Konfekts für seine Tafel im Jahre 1731 dem Konditor Huneken für 1400 Thaler jährlich in Entreprise gegeben. Dafür war er verpflichtet, Mittags und abends die „benötigten" Körbe mit Konfekt zu liefern, und zwar „allezeit frisch und gut, reinlich und propre". Außerdem war er verpflichtet, täglich auch für Zucker nnb . frische Butter auf allen königlichen Tafeln zu sorgen. Waren bagegen fremde Herrschaften länger als fünf Tage anwesend oder hielten große „Traktierungen" ebenfalls länger au, so wurden ihm für jeden Korb Konfekt zwanzig Groschen vergütet- Bei dem Paragraphen „Gellee und andere Erfrischungen, so denk Konditor zu machen zukommen, muß er, so oft es Se. Köuigl. Majestät verlangen, liefern," hatte der Monarch die eigenhändige Bemerkung au den Rand gesetzt: „So oft ich krank bin!" Ebenso hatte er „Abends einen Korb voll Konfekt für die Kaiserlichen Kinder" gestrichen. Ob der Lieferant trotzdem seine Rechnung dabei gefunden hat, muß dahingestellt bleiben.
* Die Bolkoburg. Schlesische Burgen haben oft eine andere Entwicklung als solche im übrigen Deutschland. Hier leben sie eine eigene, rein individuelle Geschichte, die oft genug in einen Gegensatz zu den Fürsten oder Städten geriet; in Schlesien tauchen sie hinein in das volle Fluten der Gesamtgeschichte des Landes. In unserer Gegend, am Rhein, in Süddeutfchland oder Thüringen ist die Burg zumeist mit dem Schicksal eines Geschlechts verknüpft; mit ihm tritt sie oft ganz unvermittelt in eine glänzende Geschichte, trotzdem vielleicht in Sehweite eine gleiche Burg von ähnlicher Bedeutung steht. Auf den Bergen Schlesiens aber gehört die Geschichte zur Landes- entwicklung, die plötzlich, wie die Bolkoburg 1289 durch einen Mongolenzug, in ein Ereignis von landesgeschichtlicher Bedeutung hineingezogen wird. Unter den schlesischen Burgen nimmt die Bolkoburg wegen ihrer Größe, ihres Alters und ihrer imposanten Lage einen hervorragenden Platz ein. Hoch über der Stadt Bolkenhain thront sie in beherrschender Stellung, während sich die Häuser wie hilfesuchend um den Burgberg legen. Ihre festen Basaltmauern haben den Stürmen der Vergangenheit erfolgreich getrotzt, nur im Innern hat die Gleichgültigkeit späterer Geschlechter einzelnes verfallen lassen. Die Anfänge der Burg verlieren fich im Dunkel der Frühgeschichte. Noch zeugen die vier Meter dicken Mauern des gewaltigen Turmes, den man in das 9. Jahrhundert setzte, von einer Zeit, in der das Christentum soeben erst Fuß in Schlesien faßte. In dem erwähnten Mongolensturm sank die Bolkoburg in Trümmer; Herzog Bolko I. von Schweidnitz baute sie dann wieder auf, in der Gestalt, in der sie uns heute im wesentlichen erscheint. Wenige Jahre vor dem Ereignis besuchte sie Rudolf von Habsburg, um hier eine zweitägige Rast zu machen. Später kam sie an die Krone Böhmen, die das feste Schloß wiederholt verpfändete und schließlich verkaufte. Im Schwedenkriege von 1648 hatte es noch einmal eine achttägige Belagerung auszuhalten, um dann in einem geschichtslosen Leben dahinzudämmern.
* Blühende Zweige int Winter. Um diese zu erhalten, gibt die bekaitnie populär-naturwissenschaftliche Monatsschrift „Kosmos" folgende Anleitung. Ende Januar schneide man Zweige vom Haselnußstrauch, von der Weide, vom Flteder, vom Pfirsich, Kirschbaum, Schlehdorn, vom Hartriegel, von fcer Roßkastanie und vom Goldregen ab und stelle ste in einem geheizten Raum, am einfachsten tn der Wohnstube oder der Küche, in ein Glas Wasser. Das Wa,ser wrrd alle 3—4 Tage erneuert, und täglich bespritze man bte Zweige mit Wasser. Nach 4—8 Wochen ist das « We^en. Zweigen geschmückt. Am schnellsten
entwrcceln stch bte Zweige der Werde, des Hafelnußstrauches, dann folgen Flteder, Hartriegel und die Kirsche; Kastanie
und Goldregen brauchen etwas länger Zeit; Mitte März werden sich alle Knospen entfaltet haben. Der Gedanke liegt nahe, daß Zweige, die man früher in die warme Stube bringt, auch früher zur Blüte gelangen; dies ist jedoch nicht der Fall. Zweige, die man z. B. schon int Oktober in die warme Stube bringt, kommen gar nicht zur Knospenbildung, sondern geben zugrunde, und Zweige, die man int Dezember abschneidet, brauchen längere Zeit zur KnospenentfalMng als solche, die man im Januar abschneidet. Ebenso ist Gasbeleuchtung der Knospen-Ent- wickelung hinderlich, weil die Verbrennungsgase schädliche Stoffe enthalten. Es ist also nicht allein die int Winter fehlende Wärme, die die Knospenentfaltung zurückhält, sondern die Pflanzen haben gerade so eine Erholungszeit notwendig, wie die Menschen und Tiere, indem sie schlasen; das beweisen die Versuche, die die Botaniker mit Kartoffeln und anderen Pflanzen angestellt haben. Kartoffelknollen, die man gleich nach der Ernte in Blumentöpfen vor Licht geschützt zum Keimen aussetzt, kommen viel später zum Keimen, als solche Knollen, die man zuerst 4 Wochen lang in einen Eiskeller legt, wo sie abgekühlt werden, wodurch das Leben in der Kartoffelknolle mehr oder weniger zur Ruhe kommt, ähnlich wie bei Menschen uttd Tieren im Schlafe.
* DasSchwein. Ein württenMergischer Leser eines großen Blattes schickte diesem kürzlich folgenbeit Originalaufsatz eines vielversprechenden jungen Schriftstellers ein, der zurzeit noch die Gemeindeschule besucht:
Das Schwein."
Tas Schwein ist ein großes und ein kleines Tier, je nachdem. Es ist auch ein borstiges Tier tmb will oft nicht in den Stall hinein: aber es muß heraus, wenn der Metzger kommt. Der packt es am Fuß und am Schwanz und der Vatter lupft es an den Ohren. Und dann tun sie es auf den Wagen. Wenn das Schwein keine Ohren hat, kann man es nicht lupfen; und deswegen muß die Sau Ohrlappen haben. Die Ohrlappen ißt der Vatter. Das Schwein ist gar ein gutes Tier und läßt sich metzgen. Aber dann tut es arg schreien, weil ihm das Stechen nicht gefallt. Den Herrn Brofiehser tut mein Vatter zur Metzelsuppe einladeit und der Herr Pfarrer kriegt den Saukops. Tetr tut ihm meine Mutter bringen und auch Würste. Ter Schulmeister braucht nichts; der hat immer Händel mit meinem Vatter und tut den Michele so arg verhauen. Christian Dengelmaier.
* Paris vor hundert Jahren. Im Januar 1808 zählte Paris 600000 Einwohner. Heute zählt es 2 800000. Im Januar 1808 führte mau die Gasbeleuchtung ein und 300 Feuerbecken beleuchteten das Hospital Saint-Louis unter Anwendung der Erfindungen des Chemikers Darest. Heute verlangt man überall elektrisches Licht. Im Januar 1808 kündigte die Privatpost eine Herabsetzung der Preise und der Fahrtdauer zwischen Paris und Lüttich an: 4 Tage; Fahrt und 67 Franks 50 Cent, die Kosten des Platzes. Heute fährt man vier Stunden.
Goldene Worte.
Verträumtes ®(ilcf, Versäumtes Glück Kehrt nie zurück. Sanders.
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Kein menschliches Institut verträgt seine äußersten Kon- seguenzeu. Vollkommen konsequent vermag ohne Schaden nur em Wesen zu handeln, welches vollkommen weise und heilig ist.
* W. Roscher.
Herrenlos ist auch der Freiste nicht.
Ein Oberhauvt muß sein, ein höchster Richter, Wo man das Recht mag schöpfen in dem Streit.
Schiller.
ES ist em unterschied zwischen den Menschen, die wollen, daß die Wahrheit geßmden wird, und denen, die dazu wollen, daß ste selber es sind, welche die Wahrheit ftnden.
_____________ Walter CalS.
Rätsel.
Nimm die Hältte von einem Sperber und ein Stückchen von einem Lineal, und du wirst zu deinem Erstaunen eine Weltstadt erhalten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des dreisilbigen Rätsels in voriger Nummert Augenblick.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Vuch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießern


