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Straßen! und Abfuhr gesorgt, so daß es sich ganz gut btt leben läßt. Das Klima ist bekömmlich, nur wehen oft recht unangenehme Seewinde. Hauptsächlich fehlt es in Lüderitzbucht an gutem Wasser, doch haben sich auch hier die Verhältnisse gebessert. Während früher englische Dampfer von Kapstadt Wasser zu horrenden Preisen ■ brachten, wandelt jetzt eine staatliche und eine bahnamtliche Kondensatoranlage Seewasser in das nötige Frischwasser um. In dieser Beziehung hat sich also Lüderitzbucht von englischer Hilfe freigemacht. Sur Verpflegung waren wir durch den Rcichseisenbahnkommissar, der sich unserer ganz besonders annahm, in die Beamtennicsse empfohlen worden. Die unverheirateten Beamten, u. a. der Postdirektor, der Bezirksamt- mann, der Bezirksrichter, der Regierungs-Tierarzt, führen gemeinschaftliche Wirtschaft und haben als Messe ein kleines Well- blechhäuschcn gemietet. Wir fühlten uns int Kreise der Herren sehr ivohl utib waren für die Aufnahme in der Messe recht dankbar. Der Verpflegungssatz ohne Getränke betrug für uns pro Mann und Tag 8 Mk., ein weiteres Zeichen, daß auch bei Berechnung der Selbstkosten, wie es in der Messe üblich, Lüderitzbucht gerade nicht als billig gelten kann. Im Innern sollten wir später noch ganz andere Preise kennen lernen., Einen recht angenehmen Abend verbrachten wir auch auf Einladung eines Herrn im Offizierskasino. Die Gastfreundschaft findet man in Südwestafrika in ausgedehntem Maße und es ist an der Tagesordnung, sich gegenseitig in die Messen oder Kasinos einzuladen. Die Herren vom Militär liehen uns eines Morgens Pferde uub begleiteten uns auf einem Ritt tu die Umgegend von Lüderitzbucht. Herrlich war dieser Morgenritt. Weit aus blickte das Auge über die tiefblaue See, die ein fast stets wolkenloser Himmel überspannt. Am Horizonte sahen wir die Ausläufer der Bucht und vor uns lag langgestreckt die Haifischinsel, auf der sich das Lazarett befindet und wo seinerzeit die Kriegsgefangenen nntergebracht waren. Aus dem Friedhof, den !vir besuchten, steht ein Gedenkstein an die Besitzergremmg des Landes durch Lüderitz. Weiter gin.gs tu sausendem Galopp nach dem Burenkamp, wo noch ein Teil gefangener Herero lag/ nach dem Proviantlager des Militärs uub zurück nach Lüderitz- bncht. Schmerzten auch die Glieder etwas ob des ustgewohnten Reitens, war ich doch seit meiner Rückkehr aus Rumänien kaum noch geritten, so wurde dies doch ausgewogen durch das Gesehene, das uns in jeder Beziehung neu und eigenartig an- mutcte. Durch Ankunft des landwirtschaftlichen Sacqverstäudtgen, der vor unserer Ausreise noch die Kapkolonie besucht hatte, wurde unsere Expedition vollzählig. Die Abreise aus Lüderitzbucht konntest wir bereits auf Montag, 4. November, scstsetzen, an welchem Tage wir morgens 7 Uhr das für uns so gastliche Gestade ver-. ließen und im Salonwagen, den uns die Bahnverwaltung bezw. der Reichseisenbahnkommissar in liebenswürdigster Wetse^zur Verfügung gestellt hatte, deut Innern zudampftcn, das uns yoffentltch viel Jntcressanies und Erzählenswertes bieten wird.
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eist Auslegeti des Fallreeps in die immer auf- und abtanzenbett Leichterboote. Die Passagiere werden deshalb ntittelst eines an dem Tau der Dampfwinde hängenden Lehnstuhls in die Boote hinabgelassen und die Besucher auf gleiche Art an Bord geholt. Für Damen ist dieses Ansbooten keine Annehmlichkeit, wenn sie in dem Stuhl ziemlich hoch in den Lüften zwischen Himmel und Wasser schweben. Während des Ausbootens unserer Reisenden war die See auffallend ruhig und es ging alles glatt ab; nur ein allzu eifriger Besucher, der, im letzten Augenblick auf den bereits im Hochziehen besindlichen Stuhl sprang, glitt ab und fiel ins Boot zurück, ohne sich jedoch erheblich zu verletzen. Der für Afrika sehr seltene uttb schöne Rosenstrauß, den er in der Hand trug, ging leider verloren. Der Eifer der Besucher, an Deck zu kommm, war leicht begreiflich, erwartete doch mancher Ehemann die zurückkehrende Gattin, mancher Bräutigam die Braut, Eltern ihre Kinder, und umgekehrt. Nun, denkt man, können die Reisenden mit ihren Verwandten und Bekannten gleich mt Land zurückkehren, doch so einfach ist die Sache nicht. Es erscheint da zuerst der Bezirks- amtmann mit einem Sekretär, schlägt sein Bureau int Rauchsalvn auf und prüft die vom Schiffsverwalter aufgestellten Personalien jedes Passagiers, wozu Reise-, Militärpaß oder sonstige Answeisvapiere vorgelegt werden müssen. Neu ins Land Kommende, die keine feste Stellung haben, müssen genügende Existenzmittel Nachweisen. Nach Erledigung dieser Formalitäten, die sich rasch und in freundlicher Weise abspielen, steht dem Passagier der Weg ins Land und zum Ziel seiner Wünsche offen. Werdens alle erreichen? Noch ein letzter Händedruck, ein herzliches Lebewohl und hiuab saust der Stuhl ins Leichterboot, das bald darauf tiuseren Blicken cntschwittdet.
Nm 2 Uhr nachmittags gingen wir Anker aus und setzten die Fahrt nach Lüderitzbucht fort. In allen drei Klassen war es leer geworden und nur einige neue Passagiere waren in Swakopmund an Bord gekommen. Noch eine stürmische Nacht bescherte uns Neptun zum Abschied und unser Endziel war erreicht. Gegen Mittag fielen die Anker vor Lüderitzbucht. Mein Reisegefährte und ich waren marschfertig und fuhren nach Erledigung der Einwanderungsformalitäten an Land. Das Ausbooten Ivar bequem, da wir tttittelst der Fällreeptreppe direkt auf den kleinen Dampfer steigen konnten, der uns in kurzer Fahrt nach der Landungsbrücke brachte. Der Hafen von Lü- derttzbucht ist trotz seiner nackten Klippenberge mit der vorgelagerten Häisischinsel von eigenartig anziehender Schönheit. Unsere Einfahrt gestaltete sich dadurch sehr interessant, daß zu gleicher Zeit drei große deutsche Dampfer, der „Feldmarschall", der „Gouverneur" und der „Eduard Woermann", stolz mit den deutsche»! Farben gesehmückt, in die Bucht entliefen. Ganz in der Nähe des Landes liegt ein gestrandeter großer englischer Dampfer der Houtson-Linie. Auch während wir einfuhren, strandete vor der Bucht ein Dantpfer der gleichen Linie. Die Passagiere wurden alle gerettet, doch sollen Ladung und Gepäck verloren sein. Eine junge Dame, die ihr Pferd an Bord hatte und mit ihm das Land erreichte, sprengte ohne Sattelzeug nach Lüderitzbucht, überbrachte dort die erste Nachricht von der Strandung und setzte so die erste Hilfe in Bewegung.
Jit Lüderitzbucht nahmen wir Wohuiing im Hotel „Europäischer Hof". Trotz des stolz klingenden Namens war es sehr einfach, die Preise afrikanisch. Eitt kahles Zimmer mit zwei eisernen Feldbetten war für die nächsten Tage unser Heim. Das Zimmer kostete pro Bett 5 Mk., ein Frühstück 2.50 Mk., ein Fläschchen Selterswasser 1 Mk., eine Flasche Bier 1.50 Mk. u. s. w. Unsere Aufgabe in Lüderitzbucht war es, möglichst rasch unser Gepäck nebst Instrumenten und Werkzeug zu sammeln und zu verladen, um dann ins Innere nbfahren zu können. Mit dem Aufsuchen der Sachen im Zollhof, mit dem Verzollen und Einladen in zwei Bahuwagen vergingen einige Tage. Eine Kiste war aus. Versehen auf dem „Feldmarschall" zurückgeblieben Und mit biefem abgedampft. Ich reklamierte sofort bei dem zuständigen Herrn ittib erhielt die Kiste etwa einen Monat später nachgesaudt. lieber solche Kleinigkeiten darf man sich nicht aufregen, da Aufregung oder gar Räsonnieren zwecklos ist und oft das Gegeitteil des Gewollten bewirkt. Bei den Behörden war unsere Expedition bereits angemeldet und wir sanden überall Unterstützung und liebenswürdiges Eittgegen- kommen. Sowohl Zivil- und Militärbehörden halfen uns, wo sie konnten. Der kaiserl. Lagervertvalter kümmerte sich in dankenswerter Weise um unser Gepäck; zum Verladen stellte uns das kaiserl. Bezirksamt Strafgefangene» zur Anfahrt des Gepäcks nach den Bahnwagen die Kommandantur Fuhrwerk und Soldaten zur Verfügung. Die Bahnverwaltung ließ uns die Wagen auf das Hafengeleis schieben, ivas das Einladen sehr erleichterte. Im Zollhof unterstützte uns der Amtsvorsteher nach Kräften, so daß sich unsere Angelegenheiten • glatt und für afrikanische Verhältnisse recht rasch ablvickelten. Dieses Ent- gegenkotnmen der Zivil- und Militärbehördensowie der einzelnen Beamten traf ich auf meiner ganzen Reise und ich kann die liebenswürdige Aufnahme, die wir überall, sowohl tu dienstlicher wie in privater Eigenschaft fanden, nicht genug hervorheben und loben. „ „ r
In Lüderitzbucht sahen wir uns natürlich, tüchtig um. Las Städtchen ist ganz nett gelegen, cs wird für Sauberkeit der
Otto Julius MilchSaum.
Der Aufruf der Alten Herren an die deutsche Burschens schäft gegen den Trinkzwang hat Otto Julius B i e r b a u ml zu einer Satire veranlaßt. Ein den Burschensch. Blättern uta* lassenes Schreiben schildert phantasievoll Bierbaums Erlebnisse auf einem Kommers des Korps Abstinentia (kremewetge Stürmer mit milchweißer Einfassung, Wahlspruch fidesitcr et abstinenter). Der Kommers wird in bett Festräumen der Molkerei Salmitas begnügen. Bein« Forellenreiben zu Ehren Professor Forels wurde auch des Dichters Name genannt, wobei eine Art Schauder durch die Versammlung ging. Otto Julius dachte an die sündigen Trinklieder ans seines Lebens Maienblüte, trank pro poena zwei Ganze Vollmilch bis zur, Nagelprobe, wurde aber dennoch streng gemietet, und bie Füchse waren nahe daran, UM einen Gemralmilchjungett aufzubrumnien. Endlich teilte der erste Chargierte mit käsebleichem Gesicht ihm mit, daß ein Milchgericht gegen ihn eingesetzt weichen müßte.
„Warum?" fragte der Dichter und erklärte, er schreibe seit acht Jahren nur völlig alkoholfreie Verse. „Ja, es ist nicht das," Mitwortete der Senior, „es handelt sich um raten Makel, bi n ©ie an sich tragen." Umsonst betrachtete sich der Verzweifelte von oben bis unten, umsonst schwor er bet der Milchstraße, bei seiner ewigen Nüchternheit — es hals Nichts; er wurde vor das Tribunal geschleppt. Und ein alter Herr mit milchfarbenem Barte erhob sich zu einer längeren Rede, die ihm luie Milch und Honig von den Lippen floß; aber auch aus ihr vermochte der Unglück- liche nicht zu erkennen, Ivelches Verbrechens er beschuldigt wurde. Er sank iu einen Stuhl und seufzte: So sagen Sie mir doch nur endlich, was ich begangen habe! Ich will es ganz gewiß nicht wieder tun." . .
„Tun? Tun?" rief der alte Herr. „Wer spricht von tun ? Tun tun Sie uns nicht das Geringste. Sie beleidigen uns auf viel raffiniertere Weise: Sie beleidigen itns passiv. Ohne auch nur den Mund aufzittutt, schlendern Sie uns unausgesetzt eine Beleidigung ins Gesicht." Des Dichters Seele verlangte in diesem! Augenblick zum ersteumale seit acht Jahren nach einem Kvgnak. Da üe aber keinen bekam!, schrie sie lvild auf: „Wenn ich von biefem Wahnsinn auch nur ein Wort verstehe, will ich Pteptnatz heißen." Ta lächelte das Antlitz des zornigeti alten Herrn lieb-


