Ausgabe 
29.1.1908
 
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Mittwoch den 29. Januar

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Kelrnuil) von Loylm.

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Habt ihr end) nun darüber geeinigt?" fragte er.

Nein, gar nicht!" sagte Marie Anne lebhaft,nur darin sind wir einig, daß dies Schmerzensgeld, welches uns der Wirt­schaftsärger erpreßt hat, nicht für profane Zwecke ausgegeben werden soll."

Onkel Helmnth" bettelte Lilly,sage du cs, daß die Eltern uns dafür ein Gartenhäuschen mit einer wirklichen Küche und Milchkammer bauen sollen."

Ihr habt doch eben gehört, daß es höheren Idealen ge­opfert werden soll," beschwichtigte der Onkcst

Ja, da sage mal was!" -r- ermahnte Necknitz.

Ja, was denn gleich? Als ich Wilhelm mal von der Existenz dieser famosen Sparbüchse erzählte vor Jahren sagte der gute Mensch: kauft doch dafür mal einen afrikanischen Sklaven los."

Ganz wie Haide!" sagte Marie Anne kopfschüttelnd.

Recknitz aber wandte sich zu den Kindern:

Ja, was meint ihr denn? Was würdet ihr zu so einem kleinen schwarzen Racker sagen?"

Maßlose Aufregung bemächtigte sich der Jugend.

Lilly war kaum noch auf ihrem Sitz zu erhalten und ver­schluckte sich, als sie atemlos ihre Ansicht hervorsprudeln wollte, Heinzi schlittete sich seinen Teller mit Braten und Sauce auf die Kniee. Er stotterte entsetzlich, lucnn er aufgeregt war:I iiWilliWilli so einen Schwarzen."

Ja, du Papa, das ist eine gute Idee!" rief Helmi, der älteste, Loysens Pate.

Aber einen ganz kleine::" schrie Lilly mit ihrem gellend­sten Sopran,ich nähe ihm dann einen feuerroten Rock und blaue Höschen, und er darf frei herumlausen, nicht?"

Tie Gouvernante räusperte sich und erinnerte daran, daß es sich nicht um einen Assen, sondern um einen Menschen,mit einer Seele" handle, eine Mitteilung, welche gewissermaßen einen Tümpfcr auf die Freude setzte.

Onkel Helnmth," begann die unermüdliche Lilly wieder,du wirst ihn besorgen, nicht?"

Menschenbesorgt" man nicht, nur Affen oder Zigarren," sagte Lvysen mit einem lustigen Augenblinzeln nach der Gou­vernante.

Aber du verschreibst ihn," drängte Lilly.

Aber Schatz, der Unglücksrabe soll doch losgekauft und nicht gekauft werden. Begriffsverwirrung!"

Die Gouvernante nickte Beifall, Lilly hängte den Kopf.

Wir möchten ihn aber doch gern sehen, das könntest du doch wenigstens"

Absolut nicht."

Was kostet ein Mensch?" begann sie von neuem.

Nun bitte ich mir aber Ruhe aus," donnerte Recknitz.

Nach den: Essen war es ein für allemal ausgemacht, daß der

Baler Mittagsruhe hielt und die Kinder unterdessen mit der Gouvernante spazieren gingen.

Also saßen die Geschwister im behaglichen Salon der Hausfrau und hatten ein intimeres Gespräch. Marie Anne war tvirklich glücklich, den Bruder hier zu haben und dazu erfüllt von echt frauenhafter Neugier. Sie ahnte, daß er mit diesem längst ver-, sprochenen und wieder Vorschvbenen Besuch noch eine andere Absicht verband. Natürlich keine unzarte, verfrühte Frage aber so ein wenig sondieren konnte man schon, wobei man wie die Katze um den heißen Brei ging.

Er saß da, schlank und, mie sie mit Stolz seststelltc, unendlich vornehm aussehend, und rauchte die ihm auf genötigte Zigarre, und sie nähte an einem Kleidchen für die Kleine, welche zu ihren Füßen auf dem Teppich mit einem Wollschaf spielte.

Arme Anne Marie," sagte sie mütterlichihr Leben ist doch so öde, so unbefriedigt, wenn sie nur wenigstens ein Kind hätte! Sie läßt sich's ja nie anmerken, aber wie kann Ermunds Frau glücklich sein! Wenn ich dächte, daß das mein Mann wäre! Schrecklich. Liebster Bruder, ich wünsche dir mal von Herzen solch ein Familienleben, wie wir es genießen dürfen."

Das wünsche ich mir auch," sagte Lohsen freundlich.

Tn hast Kinder gern?"

Riesig gern."

Konrad muß der Pate deines ersten Sohnes sein!"

Selbstverständlich. Willst du das erste Mädel übernehmen?" er lachte,ich glaube, ich habe Talent zum Familienvater."

Da fällt mir ein" sagte die Gute (sie hatte die ganze Zeit daran gedacht),daß morgen Empfangstag in Lobwitz bei Pranckcns ist. Tas geht so Reih um, weißt du. Bei uns ist es der zweite und sechzehnte jeden Monats. Tn kommst doch mit hin? In Lobwitz findet man sicher die ganze Nachbarschaft und da kannst du Bekanntschaften erneuern und anknüpfen."

Kann ich denn, ohne vorherigen Kartenabwurf?"

Ach, wir sind nicht zeremviriell, natürlich kannst du. Es wird dir Spaß machen . .. und junge hübsche Mädchen haben wir jetzt im Ueberfluß. Tie Wessendorfs aus Dalitzsch werden da feilt, die Töchter sind allerliebst, dann Oberamtmmius aus Jarvwitz, dann natürlich die Ellenheims, das sind dir übrigens ziemlich unangenehme Parvenus. Er sieht jüdisch ans und die Frau und die Töchter tragen unglaublich viel Schmuck. Und Hochwerth in diesen Händen"

Nebenbei bemerkt, Mieze, wie blieb das damals mit der Rüstung unseres Ahnherrn?"

Ja, da hat sich Recknitz alle Mühe gegeben, aber die ist dem Ellcnheim nicht feil. Eine echte, nicht imitierte, Ritterrüstung, in welcher innerlich wirklich Blut klebt das ist ja unersetzlich in feinem Ahnensaal."

Ich ärgere mich, daß Graf Trauen verkaufte. Solange er Hochwcrth besaß, dachte ich gern daran."

Ja, Trauen brauchte Geld. Zwei Töchter ivaren -auszu- statten und dazu der Sohn bei den Gardehusaren kostet ihm auch viel. Er wird vielleicht in Lob mit fein, immer noch ein eleganter alter Herr. Die kleine Henny ist eine leidenschaftliche Sport?