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mugtat; in Oesterreich geschah es unter Joseph II., in Preußen durch Hardenbergs Edikt vom 11. Mär- 1812. Biele wählten einfach den Heimatort als Familiennamen wie Kassel, Wien, Speyer, Berlin, dazu kamen Hildesheimer, Meseritzer, Stettiner nsw. Die mannigfachsten Ursachen haben eigentümliche Namen hervorgebracht, darunter zuweilen auch harmloser oder boshafter Scher- der Behörden und Mißverständnisse.
Haben wir bisher von mehr äußeren Elementen bei der Namengebung geredet^ so müssen wir jetzt auf die Eigenschaften des Menschen als Elemente, aus denen er seinen Namen wählt, angel«». Freilich iverden hier auch die rein äußerlichen Eigenschaften des Körpers, sowie die Körperteile herangezogen: nicht selten kommen die Namen Groß und Klein, Kurz (e) und Lang (e) vor; dazu z. B. Finger und Zusammensetzungen mit .Haupt (Breithaupt, Rauchhaupt), Kops (Großtopf), Haar (Gedhaar), Bein (Krummbein und Langbein). Nach geistigen Eigenschaften sind Klug und Weise, nach sittlichen Gottgetreu, Wolzogen (wohl- erzvg-en) genannt.
Zum Schluß müssen wir-noch eine eigentümliche, aber recht häufige und vom Laien meist nicht erkannte Namenform nennen, die Satznameu, die aus kurzen Sätzen befehlender Art zusammen- geschobeu wurden. In dem Euleuspiegel erkennen wohl wenige den Uhl (fege, kehre), den Spiegel; der Suchenwirt ist aus Such entstanden. Wir nennen wieder nur einige noch vorkommende Namen: Hassenpflug-Haß den Pflug, Griefenkerl-Greif den Kerl, Schmeckebier und Bleibtreu, Trinkaus, >vo der Imperativ wohl noch allgemein zum Bewußtsein kommt.
Wir haben unseren Gang durch das Gebiet der deutschen Familiennamen etwas rasch machen müssen, aber auch so wird der Leser gemerkt haben, wieviel von unserer Geschichte, Kulturgeschichte, Weltanschauung in den Namen seinen Niederschlag gefunden hat. Dr. Richard Böhme.
* An Weihnachten oder zu Weihnachten? Im oberdeutschen Sprachgebiet sagt man vielfach „an Weihnachten", im mittel- und niederdeutschen „zu Weihnachten". Zn entfdjdbeit, welche dieser Bezeichnungen richtiger sei, und welche wegen ihrer größeren Verbreitung den Vorrang in der Schriftsprache verdiene, dazu hat man den Sprachverein aufgerufen. Sollen wir nun in diesem Falle einmal das Oberdeutsche den kürzeren ziehen lassen, während es umgekehrt gesiegt hat, als die Schreibweise Hülse jüngst aus dem amtlichen Regelbuche verbannt wurde? Sind nicht „au Ostern, an Pfingsten, an Weihnachten, an Neujahr" rein mundartliche Redewendungen, die in den neuen großen Wörterbüchern überhaupt nicht, von Paul nur als „süddeutsch" erwähnt werden? Gewiß! aber damit soll durchaus nicht gesagt sein, daß sie falsch seien; man kann „an Weihnachten" schließlich geradeso gut sagen wir „am Sonntag", »ich Kinder, die das Seltenere ans Häufigere gerne ungleichen, sagen auch in Niederdeutschland ost „an. Weihnachten", weil sie „am Sonntag, am Montag, am Feiertag, am Geburtstag, am Namenstag" hören und sagen. „Zu Weihnachten" ist also als die verbreitetere schriftdeutsche "Art anzusehen; „an Weihnachten" kau» aber auch, und besonders in mundartlich gefärbter Rede gesagt werden. Tas Nebeneinander beider Fügungen gestattet uns aber auch ein seines Unterscheiden, denn auch im Süden sagt man z. B. etivas zu Weihnachten bekommen , und „er soll zu Weihnachten entlassen iverden"; aber anderseits heißt es: „an Weihnachten haben sie sich verlobt." Sagen wir ooch auch: „Er verlobte sich an seinem Geburtstag", aber: „Er bekam zum Geburtstag ein schönes Buch."
* Eine ganze Familie vom Verfolgungswahn ergriffe n. Der unheimliche Fall, daß eine ganze Familie vom Verfolgungswahn ergriffen wird, ereignete sich nach einer Meldung des „Tags" in Cava Manara, in der Nähe von Pavia (Italien). Dort lebte ein Bauer mit feiner Frau, drei erwachsenen Töchtern und einem Sohne. Die älteste Tochter, 34 Jahre alt, verliebte sich in einen Jüngling von 18, der ihre Liebe jedoch nicht erwiderte. Das Mädchen grämte sich, wurde krank und bekam plötzliche Anfälle von Berfvlgungstvahn, die immer mehr zu- uatzmen. Sie bildete sich ein, das ganze Dorf habe sich verbündet, um ihre Liebe „zu durchkreuzen". Nach einiger Zeit wurden ailch die übrigen Mitglieder der Familie von diesem Wahrt ergriffen. Die Hexe des Dorfes versuchte den bösen Geist durch allerhand Beschwörungen zu verscheuchen. Aber ehe sie mit ihren Versuchen zu Ende gekommen, nahm dre Familie den Kampf mit dem bösen Geist selbst auf. Sie bewaffnete sich mit Hackbeilen, zerschlug sämtliche Möbel und die Fußböden des Hailses, schafften die Trümmer auf die Straße und zündeten sio dort an. Und als der böse Geist auch dann noch nicht wich, verbarrikadierten sich die Unglücklichen in ihrem Haus. Jetzt holten die Dorfbewohner Carabineri herbei, die eine regelrechte Belagerung
>es Hauses einleiteten. Endlich gelang es, durch ein Fenster! tn die Küche des Hauses zu dringen. Die Wahnsinnigen hatten sich mit Sensen und Beilen bewaffnet, und dq ie sich nicht ergeben wollten, kam es zu einem wilden Kampfs tn dessen Verlauf einige der Gendarmen verwundet wurden. Schließlich gelang es, die Familie zu fesseln und in die Irrenanstalt zu überführen.
* Wieviel inan in dreißig Jahren ißt und trinkt. Ein sonderbarer Kauz hat sich in der Berliner Volkszeitung der Mühe unterzogen, festzustellen, wieviel Nahrung sein Körper innerhalb dreißig Jahren aufgenom- men hat. Er ist zu folgendem Resultat gelangt: Seit 30 Jahren, sagt er, bin ich verheiratet. Jeden Tag nehme, ich aus den Händen meiner Frau drei Tassen Kaffee entgegen, zwei des Morgens und eine des Abends. Das macht 35 040 Tassen ober 70 Fäßchen ü 136 Liter zirka, genau gerechnet, wenn ich die Größe meiner Tassen in Betracht ziehe, 95403 Liter. In Gewicht ausgedrückt, habe ich 9000 Kilo Kaffeeflüssigkeit zu mir genommen. JnnerhalA dieser dreißig Jahre habe ich selbst an Gewicht nicht zugenommen noch abgenommen. Ich wog damals und wiege heute zirka 162 Pfund. Ich habe also 11 mal mein eigenes Gewicht in Kaffee vertrunken. Ich bin kein großer Fleischesser. Trotzdem aber habe ich zirka zehn Ochsen in bett dreißig Jahren aufgegessen. Nahrungsmittel, welche hauptsächlich aus Mehl bestehen, wie Brot, süße Speisen nfw. liebe ich sehr. Ich habe 7000 Liter Mehl aufgebraucht. Ich habe weiterhin 2700 Liter Branntwein getrimken. Hierllnter verstehe ich alle Arten Liköre. Da ich mich eines! angenehmen Wohlstandess erfreue, habe ich es mir leisten können, in den dreißig Jahren 1500 Flaschen Champagne« zu trinken, doch habe ich diese nicht für mich allein geleert, es waren immer noch andere Abnehmer dabei. Wenn ich nun noch alle anderen Nahrungsmittel, welche ich zu miv nahm, Hinzuzühle, wie Früchte, Gemüse, Suppen nsw., komme ich zu dem Schluß, daß ich innerhalb der letzten dreißig Jahre mein eigenes Gewicht von 162 Pfund in Eß- und Trinkmaterialien 1100 mal zu mir genommen habe. Dabei habe ich die zahlreichen Mengerl frischen Wassers, tvelche ich trinke, noch nicht einmal gerechnet, auch nicht die Arzneien, tvelche mir mein Arzt verordnete, und die vielen bitteren Pillen, tvelche mir das Leben zu schlucken gab.
* Aus der Jugend. Wahres Geschichtchen. Bekanntlich hat die Militärkarte 1 :100 000 oie Annehmlichkeit mit dem Zentimeter-System übereinzustimmen. Ein Zentimeter der Karte entspricht einem Kilometer im Terrain. Im Feld sind aber Zirkel rar — daher das bekannte Hilfsmittel: Der Daumennagel gleich einem Zentimeter der Karte, weiter gleich einem Kilometer der Wirklichkeit. Der Leutnant Hais den Rekruten mühselig erklärt und fragt in der nächsten Stunde: „Wie hilft man sich, wenn man keinen Zweifel hat, um einen Kilometer auf der Karte abzugreifen?" Zuerst tiefes Schweigen, dann meldet sich Dragoner Koller: „Ein Kilometer ist so groß, wie das Schwarze unter meinem Nagel." — Ein bekannter Sittlichkeitsfanatiker sieht in dem Auslagefenster einer Buchhandlung ein Buch mit dem aufreizenden Titel: Sensationell! Nur für Frauen! „Gewiß wieder so eine Schweinerei", denkt er sich, geht in den Laden und verlangt das Buch. — „Mer, Herr Professor, es ist nichts für Sie." — „Ich muß das Buch haben." — „Wir versichern Sie, es ist gewiß nichts für Sie, Herr Professor!" — „Macht nichts, ich muß das Buch haben, koste es, >vas es wolle!" Endlich nach einigem Zögern und mit Widerstreben reicht man dem Herrn das — neueste Kochbuch.
Rätsel.
Endlos ausgestvecii Scheinet die Fläche, Wechselvoll zeigt sich ihr zoubrisches Bild, In sich vereinigt sie Flüsse und Bäche, Sonne drin spiegelt sich prächtig und mild; Maßvoll erschein ich dir, wenn in die Mille Tu noch ein trennendes Zeichen gefügt, Hebernd braucht man, so will e§ die Sille, Mich, damit keiner den andern betrügt. hb.
Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung des Weihnachtsrätsels in voriger Nummert C h r i sl k i u d ch e n h a a r (Lametta).
Redattioni E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag 6ee Brühi'sche» Universität-»Buch- und ©leutötudetei, R. Lange, Gießer».


