Ausgabe 
28.10.1908
 
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feilt

eine

Lokalpoeten zur Verfügung gestellt wird.

Die A e t i e u -- ck e r e i.

Der Bäcker ist nun übel d'ran, Kann seinen Ladew schließen;

Was er der Menschheit Leid'S gethan. Darob mutz schwer er büßen I, Die gölbneii Zeiten sind vorbei, Er kann sie nur beklagen, Ich rui's int Liede sroh und frei: Sein Stündlein hat geschlagen!

Boll Eifer sieht man, stolz und kühn, . Sich Actien-Bäcker einen, And segenreich dem edlen Müh'n Des Himmels Sonne scheinen !

Herbei! herbei mit Muih und Krast, Herbeil zum schönen Bunde!

And wer des Edlen gerne schafft, Dein sey dies frohe Kunde,

Wir veröffentlichten kürzlich ein kleines' Anfsätzchen über _____ Aktienbäckerei, die im Jahre 1847 von Gießener Bürgern gegründet worden war, um sich gegen die hohen Brotpreise zu verwahren. Hierauf bezieht sich das folgende Gedicht, das uns von einem Nachkommen eines damaligen Gießener

lehrt werd, die «der, soweit die deutsche Zunge lli.it 9f, bewußt »der unbewußt nachgeahmt wird, unserer aller Denkart beeinflußt und in den deutschen Humor eine vollkommen neue Farbe und Heue Note eingefügt hat. Ihre Wirkungen beruhen vornehmlich auf einer künstlerisch bewußten Verwertung trivialer Verstellung^ werte, Wert-, Klangverbindungen. Sie leuchten in verfeinerter Form aus seinen viel $u wenig bekannten Gedichtsammlungen Kritik des Heyens" Usch'Zu guter-Letzt" wie durch' eine Kiesel­haut schimmernde Edelsteine. Diese eigentümlich knorrige, ebenso drastische wie Plastische Darstellungsweise atmen auch die Briefe pon denen ein wichtiger Teil, an die in Mainz wohnende Maria Anderson gerichtet, vorliegt. Allein schon ihrer Form wegen ivtrb man diese köstliche Sammlung den Werken des großen Humoristen anrieihen müssen. Nicht minder wertvoll sind sie durch ihren Inhalt, der uns einen Einblick, zwar nicht in das lünst- leriskhe Schaffen, wohl aber in die philosophisch schürfende Denk- und Empstndungsweise des großen humoristischen Weltweisen geben.

Frau Marie Anderson ist eine! Holländerin. Die Korrespondenz zwischen ihr und dem im Briefschreiben sehr zurückhaltenden Busch entspann sich durch eine Anfrage, die Frau Anderson im Januar 18 ko an Busch wegen einer iHv unverständlichen Stelle seiner damals erichienenen GedichtssammlungKritik des Herzens" rich- tete. Dres Buch lag dem durch seine komischen Bersepen damals schon berühniten Humoristen besonders am Herzen, und so ent» -vickelte sich zwischen ihm und der holländischen Schriftstellerin W vom Januar 1875 bis August 1878 dauernder Briefwechsel. Wie die omden Gedichtbücher und' manche Stelle feinen unsterb- lr-heir Bersepen erkennen lassen, steht die Weltanschauung Buschs vorwiegend unter! Schopenhauers Einfluß, Die Briefe sind zu einer Zeit entstanden, als dieser besonders stark war. Sie zeigen uns, ww iiitermudlich Busch über den tiefsten Problemen des Dasenw arnbelte, tote er sie als vorsichtig tastender Denker ans den Zwiebelschalen der Erscheinungswelt herauszuschälen versucht und dem geipiirten Kern durch die scheinbar zwanglos hinge- plauderte Sprachform »ne wundervolle ä jour-Fassung gibt. Wille, Aoochnt, Rvttoendigteit, Weltschmerz', Erbsünde, Schuld, Tod, litt» sterblichkeit, Seelenwanderung: das sind die in den Briefen immer «nmrv wechs.elndec Durchleuchtung erörterten Fragen.

kann ich hier Nicht emgehen, es hieße dem Ganzen S'Ä Mnßeit. Km- für die originelle Form einige Beispiele. rüvJit 'i'vVL IJvlpI- vy

, - ".'D» Gedanke an den Tod scheint mir deshalb meistens so verdrießlich, weil der Einem die Laterne auspustet und Einen in eine neue .Wit steckt, von der man nicht tojeiß, ob sie besser! ist als die, welche man ausgezogen."

Bon der Seelenwanderung:

Jede Geburt ist Wiedergeburt. Warum wissen wir nichts Mehr von unserem Vorleben? Weil wirLethe" tranken, als wir starben, so gut, toie tote Lethe trinken müssen, wenn wir Der Säugling hat seine Leib- und son- <?Se.?C1LöS.inr? < eil! Taugenichts war vor j?«er Geburt. Meist sind die Kinder den Eltern, ost sind die Enkel den Großeltern ähnlich. Warum? DieSeele" wandert aus nein Einen heraus, in den Anderen hinein "

Boni Genie und den Frauen:

ra.,,Ein Hoher G«ld von Willen und Intellekt, vereinigt, gibt And die Fmuen Nicht Meister in List und Schlauheit?

Zeugen List und Schlauheit indjt iwit scharfem Intellekt? Es »IHV her starke Kenner ttiid das große Ziel."

M-vx't ..Ironie^ aber der Freundin gegenüber immer . .CK* k>ch dev Schopenhauer Freund Busch mehrfach d»e Frauen. Ihre Schwächen sind ihm nicht verborgen, aber t c-n s kvrrd er gerecht. Er ist durchaus fein Weiber- 6niiti wie dev Weise von Frankstirt. Er sckstlt ihn wegen seiner li.y rrr urr "rTC. ....s.... < i: . . / ... L.v> . , '> »kl ti l UlNbaitel , gibt mit

sollen der Lieoe zn Mutter und Schwester Ausdruck und «?<LsvVtnewÄusammenkunft der holländischen Freundin Niuiwlich erklärt, weshalb er Junggeselle geblieben sei:

,nic6 denke nie daran, zu heiraten. Als ich gern geheiratet hatte, da mußte ich. von 400 Gulden iM Jahre leben und studieren, und ims habe ich auch, ohne Schulden, zu machen, fertig gebracht. Spater, als ich pekuniär! m der Lage gewesen wäre, zu heiraten, da war das Mädchen, das ich liebte, gestorben."

UebregiNs hat Busch dieser!toten Liebe", wie bei dieser Ge­legenheit erwähnt sein mag, in seinerKritik des Herzens" einem ebenso tlefmnpstindenen wie poetisch schönen Nachruf gewidmet: Wärst du ein Büchlein, ich ein Bach, So eilt ich dir geschwinde nach.

Und wenn ich dich gefunden Hütt' In deinem Bliimenuferbett, Wie wollt ich .mich in dich ergießen Und ganz mit dir zusammen fließen, Du vielgeliebtes Mädchen du!

Dann strömten wir bei Nacht und Tage Vereint im süßen Wellenschläge Dem Meere 51t.

Vielleicht wird man in diesen schlichten Worten und Versen delt Grund seiner frühen Vereinsamung suchen dürfen. Der Mensch Busch war eine durchaus vornehme Natur, die an dem eigenen und der Welt Md schwerer trug, als man dem- Spötter

Wd WeltveE«« Buich gemeiniglich Mrgut. Diese Boruetzmi, r'f/L kn Gesinnung uno HMensgüte leuchtet auch aus denBrie­fen hervor, obwohl er mit ironischen Bemerkungen über das »ich sparsam ist. 'Ich absolviere so frffch weg ins Blaue hinein, weil ich bemerke, daß ich selbst nicht v el tanae" lichen^Seele

^ie.Arabesken um ein Grundmotiv ranken sich um den Philosophischen und moralphilosophischen Kern der Briefe zahl­reiche Erörterungen über verwandte und andere Dinge Wie ffliÄV M r-B. die Plaudereien

I'ber das Schweinschlachten, über Grausamkeit der Kinder, über

^'5'^ktion, über platonische Liebe, über male- lerische Ideen, über die Kritik der Sprache als Mittel zur philo­sophischen Erkenntnis u. a. m. Immer trifft hier Busch den Nagel manchmal mit derbem Hammerschlag auf den Kopf. Prü­derie kennt, er in denBriefen" ebenso wenig wie in seinen Werken. Selbst incht bei ganz persönlichen Dingen. Ganz un- gemert iretgt er bei der Freundin an, als sie ihm anscheinend eine Art Seeleiibeichte abgelegt hatte:Welcher Teufel versuch« Sie denn ? yfl es der Ernährnngsteufel. oder der Fortpflan- zuiigstensel?" And welches Auge bleibt trocken, wenn wir im Anschluß an einen von Fran Anderson verschluckten Glassplitter von Busch den Bericht von dem viel verhängnisvolleren Anfall derleligeu Pastorin Prömmelmann" vernehmen.Als die ihren schönen falschen Zahn sich ausgebissen und hintergeschluckt

ach lieber Gott! was mußte die für schwere Prüfungen erleben, eh' sie ihn wieder an seiner ersten Stelle hatte!" kieber- haiipt liegt ja in demPersönlichen" der eigentliche Reiz dieser Bnschbriefe, sowohl in ihrer literarischen Jch-Note als in dem, was darin aus feinem eigenen Leben zu uns spricht. Denn wie wenig wissen wir davon! Wer, der Busch als Karikaturisten/ kiebgewonneii, wünschte nicht auch etwas davon zu wissen, wie er gemalt hat. In seinen brieflichen Mitteilungen sehen wir, daß er es sogar fleißig getan. Eins seiner Bilder hängt in der Münchener Neuen Pinakothek. Seine Schule hat er sich aus den alten Niederländern geholt, von denen er den Meister, Franz Hals, besonders verehrt. Persönlich berührt es, wenn er der Freundin ans Anfrage mitteilt, daß seine Körpergröße gleich dem! um das Antwortblatt gewickelten Faden sei (iSli/a Zentimeter). Persönlich" ist sein Haß gegen die Photographen, seine Ratur­betrachtung aus dem Gesichtswinkel des Malerischen, seine Tier- srcundschast, seine Liebe zum Wattdeutschen und anderes. Eine persönliche Note oder Reminiszenz finden wir schließlich in den! Briesen für manches, was uns in den komischen Epen unwider- stehlich zum Lachen reizt. Der Poet mit demfeucht verklärten Blick" und dembekannten Griff in die linke Busentasche" oder die Vorstellung des auf der Wiese liegenden Briefschreibers,das eine Bein zurückgezogen, das andere darüber geschlagen, ruft uns das Dichterbild des unsterblichen Balduin Bählamm ins Gedächtnis zurück. Wenn Busch Yon sich berichtet:Glauben Sie nur ja nicht, ich wäre tot, so hinge ich noch rauche; und das tue ich!", wem fiele da nicht sein in der Fülle der Wieder-- genesung rauchender Frosch ein! Ja, einige Wendungen muten wie Intermezzi aus niigeborenen Buschiaden an, so z. B. die briefliche EinleitnngsformelWer mal so ist, der bleibt auch so" oderObgleich der Floh.... gar pfiffig ist". Ueherhaupt be­klage ich sehr, daß diese von Fran Anderson angeregte Floh­betrachtung nicht ihren Niederschlag in einem epischen Gegenstück zuFips, der Äffe" gefunden hat. Der betreffende Brief gibt einen vollständigen Entwurf in iniice; es wäre voraussichtlich

schlechterBusch" geworden. . .

WilHelm P0cck.

Die MLre»h«ickerei in Gieße».