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Schon regen sich der Hände viel, Von Thatkraft heiß durchdrungen; O großes Werk, o schönes Ziel, Dein Lod sey hoch besungen!
Zwar manches Auge, zornentbrannt. Wird dir entgegenglühen;
Doch Muth! es ist nur leerer Tand, Muß gleich ivie Nebel fliehen.
Daß doch die Mängel dieser Welt Sich selbst der Mensch ost schmiedet, Gar schlimm ist's in der Brust bestellt. Wo schnöde Habsucht brütet!
Gar Manchen beugt die Schuld so schwer Ter irevelnd, kalt zerstöret Tie schönsten Blüthen um sich her, Menn sich sein Gut nur mehret.
Der arme Mann in seiner Noth, Wat ost in dein Gedränge Für Geld um Brod, und ach, ums Brod Gab es ost Handgemenge!
Es ist gar lustig anzuseh'n In diesen Brodbeschwerden, Ter Greis will in die Lehre geh'n. Will auch noch Bäcker werden.
Sie muß sürwahr magnetisch seh« Die Bäckerei, sie meistert Ein frohes Chor in großen Reih'», Von ihr beseelt, begeistert! — Die lnst'ge, neue Bäckerschaar Erheb' ich im Gesänge, Sie blühe fort von Jahr zu Jahr, t Besteh' im Zeitendrange.
Ja, übel ist der Bäcker d'ran, Sein Stündlein hat geschlagen! Die goldnen Zeiten er nur kann Im Stillen noch beklagen. So ist's einmal im Erdenthal, Das Alte muß vergehen, Itub in der Glorie hellstem Strahl Das Nene auferstehen.
NermrWLe-.
* D e r älteste Mensch. Die „Zeitung bet Rigaischen Stadtpolizei" bringt folgende Mitteilnrrg: Am 5. September weilte in Riga, ans der Durchreise nach Warschau zuni Jubiläumsfest des ersten Dragonerregiments des Königs von Württemberg, der verabschiedete Wachtmeister dieses Regiments Andrei Nikolajewitsch Schmidt, der am selben Tage auch 136 Jahre alt wurde. Zur Bestätigungsetiles hohen Alters zeigte er seinen Wschiedsukas Nr. 120, auf dem gesagt ist, daß er, der verabschiedete Wachtmeister Andrei Nikolajewitsch Schmidt, den Kleinbürgern der Stadt Schanlen im Gouvernement Kvwno entstammt, am 5. September 1772 geboren, orthodoxer Konfession, des Lesens und Schreibens kundig, verwitwet und am 6. August 1796 aus den Kantonisten zum Dienst in das Revaler Bataillon eingereiht worden ist. Am 18. Juli 1798 überschritt er die Alpen unter dem Feldmarschall Sfuworow. Für die Eroberung zweier Geschtche bei Maly-Jaroßlawcz und einer feindlichen Fahne bei Smolensk im Oktober 1812 erhielt er den Georgs-Orden 3. Klasse und eine silberne Medaille an: Georgen-Bcmde. Für die Eroberung einer türkischen Standarte bei der Erstürmung Eriwans im persischen Kriege 1827 bis 1829 wurde er von Paskiewitsch persönlich mit den Abzeichen des Militär-Ordens 2. Klasse ausgezeichnet. Bei der Erstürmung von Praga im Jahre 1831 wurde er mit dem 'polnischen St. Stanislaus-Orden und für die Erstürmung von Warschau im Jahre 1832 mit der silbernen Medaille am Andreas- Bande dekoriert. Nach der Eroberung von Tiraspol im Jahre 1848 erhielt er ebenfalls die silberne Medaille am Andreas-Bande. Bei der Erstürmung des Malakow-Hügels in der Kampagne von Sewastopol erhielt er für die Rettung des Kontreadmirals Nachimow den Militärorden 1. Klasse. Im Jahre 1857 wurde er wegen Krankheit und Schwäche aus den: Dienst unter Verleihung einer jährlichen Pension vor: 1200 Rubel entlassen. Während seiner ganzen Dienstzeit ist er kein einziges Mal bestraft worden. Dieser Veteran geht noch ohne fremde Hilfe, nur auf einen Stock gestützt, hört gut, spricht vernehmlich, sieht aber schlecht. Er hat, wie er selbst erzählt, nie geistige Getränke gebraucht und nie geraucht, ist aber ein Freund von Schnupftabak. Seit
62 Jahren ist er Witiver, ititb sein einziger Sohn ist im Kriege mit beit Türken gefallen. Zum Jubiläum reiste ev im Mantel und mit ber Mütze, die er sich seit dem Tage seines Austrittes aus dem Dienst aufbewahrt hat. Sein Gedächtnis ist ausgezeichnet, und mit Lächeln gedenkt er detz Zeiten, da die Truppen in Bastschuhen zur Parade zogen, und da es nicht nur keine Eisenbahnen, sondern auch keine Chausseen gab. Der Veteran lebt ständig in Tiflis.
* Die Wünschelrute. Als vor einer Reihe von Jahren der Plan auftauchte, mit Hilfe der Wünschelrute, jenes altgermanischen Zauber- und Beschwörungsmittels, dem Schoß der Erde Quellwasser zu entlocken,, begegnete man dieser Absicht im großen Publikum zum Teil mit Kopf-, schütteln, bet den Sachverständigen mit offenem Hohnlächelt. Indessen der Erfolg der Versuche mit der Wünschelrute schien die Zweifler Lügen zu strafen. Immer wieder suchte unÄ fand, so schreibt das „Berl. Tagebl.", man mit der Wünschelrute Wasser, und in letzter Zett erst hat bet Pastor Bauae- mann auf dem Hexentanzplatz im Harz mit Erfolg die Wünschelrute in Aktion treten lassen. Auch die Reichs- kolontalverwaltung verhielt sich der Wünschelrute gegenüber nicht ablehnend und sandte Landrat v. Nslar, der daK Landratsamt in Apenrade verwaltete und ganz besonderes Glück in der Handhabung der Wünschelrute gehabt hatte, nach unseren Kolonien, für die das Wasser eine Haupt- uue Lebensfrage ist. Herr v. Uslar hat sich über zwei Jahre int Auftrage der Regierung in Deutsch-Südwestafrika aufgehalten. Er bereiste während dieser Zeit, wie uns auf unsere Anfrage an zuständiger Stelle im Reichskolonialamt mitgeteilt wurde, die ganze Kolonie, von einem Ende zum anderen, und hat überall seine Kunst und die Kraft dey Wünschelrute erprobt. Der quellensuchende Landrat nahnk auch an einem Borstoße unserer Truppen regelt die Kalahari-Wüste teil und hat hier ebenfalls seine Versuche angestellt. Diese Versuche sind im allgemeinen von gutem Erfolge begleitet gewesen, und es gelang Herrn von Uslar, at$ vielen Stellen Deutsch-Südwestafrikas Wasser zu erschließen. Vor einiger Zeit ist Herr von Uslar, dessen Geschäfte während feiner Abwesenheit von Assessor Dr. Dryander, dem Sohu des bekannten Hofpredigers, verwaltet wurden, nach Deutschland zurückgekehrt und hat die Verwaltung des Landratsamtes in Slpenrade wieder übernommen. Der Kaiser hak nun den Auftrag erteilt, daß ihm über die Tätigkeit des Herrn v. Uslar als Quellensucher in Deutsch-Südivestafrika: ein Jmmediatbericht erstattet werde, der augenblicklich im Reichskolonialamt ausgearbeitet wirb. Ferner ist Herrn von Uslar anheimgegeben worden, an entern noch nähe« festzusetzenden Termin dem Kaiser persönlich einen Vortrag über seine Erfahrungen zu halten.
* Nelsons Flags chiff bei Trafalgar, die „Victor»", soll nach einem Beschluß der englischen Admiralität genau s» wiederhergestellt werden, wie sie an dem historischen Tage die britische Flotte in den Kampf fiihrle. Die gegenwärtigen Masten sollen entfernt werden und die Takelung bis auf die kleinsten Einzelheiten getreu in der ursprünglichen Art eriolgen; alle Hölzer und alles Tanwerk werden genau nach den alten Modellen kopiert. Auch der Rumpf des Schiffes wird von allen späteren Zutaten befreit ; namentlich werden die Aufbanleu entsernt, die in den letzten Jahren das Oberdeck verunziert haben. Auch der Anstrich soll in der alten Art mit abwechselnden Streifen von Schwarz und Weiß erneuert werben. Mau bedauert es sehr, daß die Kanonen, die das Schiss am Tage von Trafalgar trug, heute fast alle von Bord verschwundeit sind, aber man macht alle möglichen Bemühungen, sie wieder zusammenzubringen und aufzustellen. Am Gedenktage der Schlacht soll Nelsons unsterbliches Signa! mit genau denselben Flaggen, mit denen eS damals gegeben wurde, gehißt werden. So wird die „fBictori)", fast daS letzte Schiff, das auS der Zeit der großen Seckriege noch übrig geblieben ist, und das den Stolz jedes Engländers bildet, in ihrem alten Glanz wieder erstehen.
Ergäuzungsrätsel.
S .. g , u .. . l. g .
W.ch.t . n. T.g.;
M . ß . . i. . e . j. g . n O .. r e.. r . g ..!
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer:
Von Hattse ans dich Keiner hier
Für wacker oder niedrig hält;
Nur deine Talen machen dich
Geehrt, verachtet in der Welt. Heyse.
Nedaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag bei Brühl'jche» UntversttälK« Buch- und Stemdruckereh R. Lange, Gießen.


