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Umständen ist ein anderer Kragen zn wählen: für Spaziergänge am Vormittag ist nur der Umlegekragen schicklich: beim Dejeuner trägt man Stehkragen mit umgeschlagenen Ecken: bei Besuchen und bei Soireen ist nichts anderes erlaubt, als der Stehkragen, dessen Ecken ganz leicht aufgebogen sind. Dabei müssen die Bänder unmittelbar aneinander anschließen. Ruch was für Krawatten in diesem Jahre modern werden, kann man jetzt bestimmt angeben. Besonders nach Popeline und chinesischem Crßpe ist die Nachfrage groß, und für gestrickte Krawatten gilt das gleiche. Helle Farben sind besonders beliebt, vorzüglich Heliotrop und Grün, von denen man int Londoner Westend nicht weniger als 40 Farbenabstufungen sicht. Braun und Gran, mit oder ohne Streifen, ist ebenfalls beliebt. Außer Streifen sieht man auch andere bunte Muster, deren Figuren sich von einem einsarbioen Grunde in einer anderen Farbe abhebeu. Die Zu- samntenstellung von Grün und Blau, die im vorigen Jahre bei der Damenwelt so beliebt war, scheint für die Herrenkrawattcn des Jahres 1908 als up-to-date zu gelten.
* D i e S ch n e i d e r m a ß m a s ch i n e. In den Schaufenstern eines Newyorkcr Schneiders, welcher sein Geschäft in einem der komfortablen Broadway Lokale betreibt, ist eine Maschine ausgestellt, welche dem Schneidermeister die Arbeit des Maßnehmens abn-mm.t und dabei ganz außerordentlich exakt verfährt. Der Kunde stellt sich auf eine Plattform, unter welcher sich eine Wage befindet, während über seinen Häupten eilt Winkelholz die Körperlänge mißt. Rechts und links steigen in vertikaler Richtung Holzstäbe aus dem Apparat heraus, welche horizontal gelegte Holzrollen tragen. Diese gleiten unter die Arme und ermöglichen so. ganz genau festzustellen, um wieviel das rechte Armloch niedriger ist, wie das linke. In ähnlicher Weise werden die übrigen Maße genommen, und das Resultat soll ein ganz vorzügliches sein.
* Was eine englische Dame kostet. Man hat unlängst berechnet, daß ein junger Amerikaner oder Engländer, der Advokat, Ingenieur oder Arzt werden will, bis zur Vollendung seiner Studien der Familie 100 000 bis 120 000 Mk. Kosten verursacht. Die Erziehung eines englischen Mädchens kostet im allgemeinen weit weniger; es kann aber bei den englischen Erziehungsmethoden trotzdem vorkommen, daß ein Mädchen aus Zeichen Bürgerkreisen — gar nicht zu reden von einer Jungfrau aus der reichen Aristokratie — weit größere Summen „verschlingt" als ein junger Gentleman. In einem im „Resto del Carlino" veröffentlichten Londoner Brief erzählt Gaetano Chiesi von einer Dame, beten Tochter in den ersten Jahren ihres Lebens für „nurses", Kleider und Sonstiges durchschnittlich 4400 Mark im Jahre brauchte. Vom 9. bis zum vollendeteit 15. Lebensjahre war das junge Fräulein unter der Obhut einer Erzieherin und hatte Musik-, Zeichen- und Tanzunterricht, was jährlich 5600 Mk. kostete, in sieben Jahren also 39 200 Mk. Es folgten drei sogen. Studienjahre in einer großen Erziehungsanstalt mit einem Kostenaufwand von 9400 Mk. im Jahre oder 28 200 Mk. iit den drei Jahren. Dann kam ein halbes Jahr Aufenthalt in einem Pariser und ein halbes Jahr Aufenthalt in einem Dresdener Pensionat; in dieser Zeit sollte die junge Dame gründlich Deutsch und Französisch lernen, was die Kleinigkeit von 15 800 Mk. kostete. Vollständig „fertig" war das Fräulein aber noch immer nicht, da nach englischen Begriffen ein Mädchen der guten Gesellschaft nicht behaupten kann, gebildet zu sein, wenn es nicht mindestens eine „feason" in London verbringt und bei Hof vorgestellt wird. Nun kostet aber eine „feason" von wenigstens drei Monaten mit den für die Vorstellung bei Hof erforderlichen Toiletten und mit den Festen, Theaterbesuchen nfiv. nicht weniger als 60 000 Mk.; rechnet man davon auch nur die Hälfte als Beitrag zur Erziehung des Mädchens, so erhält mau eine Summe, die, zu den früher angegebenen hinzugezählt, die Gesamtkosten der „Erziehung" aus 147 600 Mk. emporschnellen läßt!
*Der boykottierte Bräutigam. Ein junger Mann, Namens Flyun, aus Ballnagleragh in der englischen Grafschaft Leitrim ist der unglücklichste aller Ehemänner. Er löste seine Verlobung mit einem jungen Mädchen der. Nachbarschaft und heiratete eine andere. Als er mit feiner jungen Frau vom Standesamt nach Hause kam, erwartete ihn vor der Tür ein Haufen von ca. 30 Männern, trennte ihn von seinem Weibe Und zwang letzteres in das Haus ihres Vaters zurückzukehren. Sodann plünderten die Leute die reichlich besetzte Hochzeitstafel, machten sich über den Weinkeller her, dessen Vorräte sie sich einverleiüten, und sperrten Flynn, welcher versuchte, seine Frau einzuholen, in ein Zimmer ein. Wenn er versucht, sein Zimmer zu verlassen, wird er von einer heulenden und johlenden Meute verfolgt, die ihn auch daran hindert, seine Feldarbeiten zu verrichten. Er beschwert sich darüber, daß die Polizei ihn nicht unterstütze, und hat beschlossen, Selbsthilfe walten zu lassen. In ein oder zwei Tagen will er mit seinem Anhang das Haus seines Schwiegervat-rs angreifen, um sich seine Frau im Sturme zurückzuerobern. Mittlerweile ist die feindliche Schutzwache vor diesem Hanse verstärkt worden.
** Eiu Ehekontrakt vor 2000 Jahren. Ein Ehe
kontrakt, der über 2000 Jahre alt ist, ist in einem Grab in der Nähe von Kairo entdeckt worden. Er befindet sich jetzt in dem Kunstmuseum in Toledo in Amerika. Deutschen Aegyp- tologeu ist es gelungen, ihn zu entziffern, und das Ergebnis,' ist, besonders interessant, weil es zeigt, daß die Frau in jener Seit mehr Rechte hatte, als sie heute anstrebt. Der ägyptische Ehegatte erhielt bei der Eheschließung nicht nur nichts von der Brant, sondern mußte ihr ein Geschenk machen, um die Eheschließung zu ermöglichen. Wurde die Ehe getrennt, so durfte er nur ein Drittel des Vermögens behalten, das während der Ehe erworben worden war. Das Dokument gibt außer diesen An- .gabeu auch historisch wichtige Aufschlüsse über einen ägyptischen König aus dem Jahre 341 v. Ehr., der bisher unbekannt iuar.;
,* Ländliches Idyll. Der „Bote für das Geiseltal", ein sächsisches Amtsblatt enthalt folgendes Inserat: „Die Gemeinde Alsmdorf sucht zum 1. April 1908 einen Säet er, welcher die Nachtwache sowie das Gänfehüten mit zu übernehmen bat. Ter Ortsvorstand." Sollte der Ortsvorstand von Almsdorf iür den backenden Nachtwächter wirklich nicht noch irgend eine Beschäftigung haben? Der Mann wird sich langweilen.
* Zerstreut. Primaner: „Herr Professor, soeben erhalte ich ein Telegramm, daß meine Mntter gestorben ist." —- Professor : „So, so, das ist mir herzlich leid, reisen Sie gleich nndi sprechen Sie der guten Frau mein Beileid aus." ■— Primaner k „Herr Professor, das kann ich doch wohl nicht!" — Professor; „Doch, doch. Sie sind ja einer meiner besten Schüler!"
Der Trompeter von .Herchenhain.
(1622.)
's lag Christian von Braunschweig Bei Crainfeld im Quartier, Ringsum die Dörfer plündernd Nach alter Kriegsmanier.
Und wo die wilde Horde Nichts mehr zu rauben fand, Trug sie mit Schwert und Feuer Verderben noch in's Land.
Die Herchenhainer bangten, Daß bald ihr Stündlein fchlüg', Daß man in's Dorf auch ihnen Die roten Hähne trüg'.
Vor'm Dorf lebt ein Trompeter, Ein kläglich armer Wicht, Doch Ränke auSzuhecken, Versagt er sicher nicht.
Er schlich sich Hinterm Feinde Hinab ins Mooser Tal, Zum Rückzug mächtig blasend Dort ein ums andre Mal.
Er hatte die Signale Dem Feinde abgelauscht. Saß droben er beim Hüteiy Vom Haselbusch umtauscht.
Als Herzog Christian hörte, Wie's laus zum Abzug blies, Die tmiruchtbaren Hoheit Mit Freuden et verließ.
Es führte der Tromveter Den Feind durch's Steinautal, Vor ihm zum Rückzug blasend Wohl ein um's andre Mal.
So kam der Feind zur Kinzig In sonn'ges Fruchtgefild, Da waren ihm vergessen Tie Berge rauh und wild.
Dr. Carl Pilfch.
Gster-preisrätsel.
Auch zum Osterfeste unterbreiten wir unseren Abonnenten ein Preisrätsel.
Dieses Viereck ist derart auSzuiülten, daß ~ die einzelnen Reihen folgendes bedeuten: __1. Eine Frucht.
2. Ein Uebel.
----------------- 3. Ein Rätsel.
4. Eine Lästerung.
-- —_—.—.— 5, Eine Reise.
Tie Anfangs- und Endbuchstaben der richtig gefundenen Wörter richtig umgestellt ___________ ergeben der Wunsch der Redaktion.
(Eingesandt von Dr. E. RenningH
Als ersten Preis beabsichtigen wir im Interesse der körperlichen A tt s b i l d u n g 'unserer ländlichen Jugend eine Anzahl von
---------------------- Fugerrdspielgerötett
den land liehen Gemeinden unseres Verbreitungsbezirks zukommen zu lassen, aus denen uns die m eisten richtigen L o s unge n zugehe».
Ferner haben wir auch fünf wertvolle Bücher als Preise in Aussicht genommen, die in derselben Weife tuie bei Misere» früheren Preisrätsel-Ausschreibungen zur Verteilung gelangen salleit.
Lösungen nehmen wir bis zum 11. April entgegen. Tis PreiSverkündigung tvird in unserer Nummer vom 16. April erfolgen, fodaß 'die Preise zum Osterfeste in den Händen der Gewinner fein werden.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Joppe.
Redaktion: P. W i t t k o. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


