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Samttag Sen 28- Mrz
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Kelwutß von LsAlm.
Roman von Ursula Zöge von Manteuffel, (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Bitte Heh hinauf" — sagte sie — „Vater fragte nach dir. Gotthard ist gekommen und Vater wünscht, daß ihr euch an seinem Bett begrüßt"—- sie sah die Schwester bedeutungsvoll an. Luise erblaßte. So hatte sie es nicht gewollt — keine Szene in Gegenwart des Kranken. Aber Frieda drängte sie hinaus und sprach noch iirti Hausflur flüsternd:
„Es wird Vater beruhigen und Gotthard sieht das ein , . . geh, geh, geh!"
Zögernd stieg Luise die Treppe hinauf und öffnete langsam die Tür zuni Krankenzimmer. Der Pastor lag noch ebenso da, still und ergeben, die Hände auf der lveißen Decke gefaltet. Ter Kandidat stand zu Füßen des Bettes, den Kops gesenkt, die Lippen znsam-mengepreßt, augenscheinlich erschüttert über den Anblick des fahlen Gesichtes, auf das der Tod schon sein Siegel gedrückt zu haben schien — aber dabei auch in heftigem Kampf mit sich selbst. Als die Schwester eintrat, wandt: er den Kvpf. Sie ging an das Bett, beugte sich über den Vater! und sagte fragend mit vibrierender Stimme: „Lieber Vater?" —
Mühsam legte er feine Hand auf die ihrige und sprach stockend:
s)Sieh — da ist — dein Bruder. Ich gräme mich — daß Groll •— zwischen euch ist."
Er hob die Hand, als wolle ■ er den Sohn herbeiwinken, sie fiel kraftlos wieder herab. Ter Kandidat trat einen Schritt näher, sein Gesicht lvav finster und nur mit äußerster Anstrengung gewann er es über sich, die Hand auszustrecken, in welche Luise ihre kleine» bebende, eiskalte Rechte legte. Sprechen konnte er nicht, der Vater tat es für ihn.
„Gotthard, sie ist — ja wieder mein — liebes Kind, — sie sei auch wieder deine — liebe Schwester. Ich könnte sonst — nicht ruhig abscheiden."
Ter neigte den Kvpf und seine harte Hand umfaßte mit rauhem Griff die der Schwester, als wolle er sie zerdrücken.
„Um deinetwillen, Vater," sagte er mit heiserer Stimme.
Von alledem merkte der Kranke nicfet viel, seine Kräfte toaren erschöpft, er sah nur die ausgestreckte Versöhnungshand, empfand dankbar die Beruhigung und schlummerte ein.
Mit einem tiefen Atemzug, der fast wie ein Stöhnen klang, verließ Gotthard Becker, ohne sich umzusehen, so leise wie möglich die Schlafstube. Luise stand einen Augenblick regungslos, ganz mechanisch auf die Atemzüge des Schlafenden horchend, dann faßte sie sich und» ihrem unwiderstehlichen Verlangen folgend, glitt sie aus dem Zimmer.
Unten an der Treppe standen die Geschwister.
„Er schläft," hörte sie den Bruder sagen, „aber das gibt mir noch wenig Hoffnung. Ich bleibe jedenfalls bis morgen hier."
„Kommt zum Essen," bat Julchen aus der offenen Wohn- stubentur heraus, „es ist fertig."
Tas Kind hatte den Tisch gedeckt und den So nn tag sbräW aufgctragen, aber der sonntägliche Blumenstrauß fehlte heute-: und seltsam stumm saß man um den Tisch, hastig jvenige Bissest herunteWvingend, ein jedes mit seiner Sorge beschäftigt. Zwischen Luise und Gotthard wurde kein Wort geivechselt, fii saßen sich gegenüber unb er vermied es', sie anzusehen. FriMs eilte bald wieder hinauf, wo indessen das. ebenfalls ganh vev- störte Dienstmädchen Wache gehalten hatte, der Kandidat sprang auf und ging hinaus ins Freie. Augenblicklich legte auch Luise Gabel und Messer hin und lief ans' Fenster. Als sie zu wissen meinte, wohin er gegangen, raffte sie ein Tuch auf und folgte ihm leise, verstohlen. Er bemerkte die Nach-, schleichende auch wirklich nicht, ging zwischen den bliihcndest Kirschbäu men fein über das junge, mit Veilchen durchsprenkeltü Gras bis zu dein großen Haselnußstranch, unter dem eine Bank stand. Von hier aus sah man in den Erlenbusch herab, in dessen. Umhegung der kleine Teich glänzte, der die Wiesen abschlvß, Ter Fußpfads den Wilhelm und Edeltraut so gern zur Kirche hcranstiegen, schlängelte sich durchs saftige Wiesengrün, Gin«; Amsel flötete und die Finken schlugen — es war ein klarer, köstlicher, wenn auch noch herzhaft frischer Frühlingstag. Der Kandidat schien nichts davon zu spüren. Er hatte sich auf düj Bank gesetzt, stützte den Kvpf in beide Hände und atmete schwell.
Sie blieb hinter ihm stehen, ihn halb verwundert, halb erregt beobachtend. Ist das nur die Sorge um den Vater oder ringt eben der Theologe mit dem Bruder, der gern PersöhW lich fühlen möchte?
Ihr Schleppkleid aufraffend, kam sie heran, fest end' schlossen, sich durch nichts zurückschrecken zu lassen. Er schrak zusammen, als die seidenen Röcke so neben ihm knisterten, un& trollte aufspringen, sie aber hängte fickt an seinen Armt
„Bleib!" sagte sie herrisch, „ich muß mit dir reden
Er schüttelte ihre Hand ab rind, zur Seite rückend, sah er sie mit finsterem Groll an.
„Was willst du nur von mir? Kannst du mich nicht unbde lästigt lassen, du, um deretwillerr ich eben vor dem Vater, zum Lügner werden mußte? — Weißt du das? Und ahnst du, tvas mich das kostet? — Mein Herzblut gab ich hin, könnte ich jenen Augenblick ungeschehen machen — die Schmach — die Erniedrigung verwinde ich nicht."
Jetzt glaubte sie einen Weg vor sich zu sehen, der zriist Ziele führte, und all ihre Kunst mag ihr, sollte das eigene Fühlen nicht ausreichen, zu Hilfe kommen.
Ihre Stimme, ihr Blick, ja ihre Bewegungen strahlten hinreißende Liebenswürdigkeit aus, als sie schnell einfiel:
„Ich bin nicht gekommen, um die Lüge zur Wahrheit zu machen. . . damit wäre uns beiden geholfen! — Gotthard!"' — ihre Hand berührte toieder seinen Arm, ihre Stimme schmolz in weicher Bitte — „Bruder — sie sind alle wieder gut M mir, nur du nicht."
„Wunderst du dich drüber?" — fragte er bitter.
„Ich wundre mich nicht, aber es frißt mir aut Herzen, Es hat mich krank und eleird gemacht, all die Wochen . . . Ich. will Friede mit mich allen und nicht zum letzten mit E"


