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Stoadleu' eanean gestoppt wearn," belehrte sie der Kaspar, ob der Unwissenheit seiner Frau mitleidig lächelnd. „Moan froih (morgen früh) gih ich eannüwer zoum Beilshannes ean knef eam d' Aecker oab, hernoch müsse däi Franlfotter mir komme. So, itu waeßt d' die Neuiglaet, eans Maul gehale, Gret, wann d' eh Woart verlaure leßt, dann sollst d' emol seh'." Mit diesen Worten erhob der Kaspar drohend den Finger. Er wußte ganz genau, je schärfer er seiner Frau das Hüten des Geheimnisses anriet, umsomehr brannte es ihr auf der Zunge und umso sicherer konnte er darauf rechnen, daß sie es sobald wie möglich ausplauschen würde.
Und in dieser Annahme täuschte er sich auch jetzt nicht. Der Grete wurde es bald zu eng in der Stube, am liebsten wäre sie sogleich zu ihren Bekannten geeilt, um die Geschichte sofort durchzuklatschen. Aber das durfte ja nicht jeiit, das schadete ja dem Plan. So ging sie denn vorläufig nur in den Garten, um Unkraut zu rupfen, wie sie ihrem Mann gesagt hatte.
Ein Freudenschein ging über ihr Gesicht, als sie gleich bejm Eintreten in den Gemüsegarten die Nachbarin in dem ihrigen erblickte. Auch diese hatte die Grete sofort bemerkt. „No, m'r ineent, d' hast ean goure Kaffi tzetrunke," ruft sie ihr schon von weitem entgegen, „weil d' so ea frouh Gesicht mächst."
„Doas auch, oawer doas net eallee (allein). Die Hauptfach, daaß ich so frouh sei, wäi d' sehst, doas eaß die Spekelation." Aber rappelte da uicht der Scheunenladeu? Feuerrot im Gesicht, wendet sich die Grete herum. „Ach, ich soll joa uaut faa," meinte sie ganz verlegen."
„No, wann d' uaut saa sollst, daun will ich dich nach nait weirer folltern," gab sich die Liese sofort zufrieden. Damit ivar das Gespräch abgebrochen, und beide Frauen wandten sich wieder ihrer Arbeit zu.
Mit dem Jäten war es aber bei der Grete heute nichts. Sie verdarb mehr, als sie gut machte. Sie schielte bald wieder zwischen den Latten hindurch und über den Zaun hinüber. Liese jedoch schien an der ganzen Sache kein -Interesse mehr zu haben. Slhnte sie denn gar nicht, wie es in ihrer Freundin Grete brannte und zur Explosion drängte?
„Lies'?"
„Ja." Die Angeredete hebt den Kopf und lauscht gespannt hinüber.
„Lies', ich glaewe, d' gönnst m'r mei' Gleck uäit."
„Del' Gleck? Woas für ea Gleck?"
„Ach, woas ich d'r eawer vezehn (erzählen) ivollt. Siehst d', wann m'r keeir selige Mensch hott, wu m'r so rächt erüwer ean eannüwer metschwätze kann, Wann ehm das Herz so voll für lauter Fraeh eaß, danu eaß 's ehm so. Mei' Kapper, siehste, der kappt mich immer glach oab ean haeßt mich ea domm Eul', wann ich üwer so Hänuel (Händel) mit eam schwätze will. Ean austausche will m'r sich doch aach emol. Wann isi Männer aach manchmoal struppelich sei üwer so allerhand Krehm, doas brach is naut se schiniern."
„Die Mannsleu' sei ea so," bemerkte die Liese philosophisch, „verzehl nor, woas d' waeßt."
„Ja, woas ich saa wollt. Du kennst doch dem Donner Beil sein grüße Aecker do owe ohm Hollerbusch, do soll en Sanetoriuni droff gestehlt wern. Waeßt d', doas eas so eOart Ohstahlt, wu däi nervigte Stoadleu' eneann komme. Mei' Kapper kohm groad d'zou, wäi en poar Franlfotter Herrn droff nteasse ean oabschreire daere, du waeßt joa, mei' Kapper eaß ewink (ein wenig) konnterwittisch (klug), ean hatt's bäht aus ean erausgebrohcht."
„No deswege brachst d' doch näit so frouh se sein," bemerkte die Liese lauernd.
„Ach joa, doas eaß joa aach groad näit," erwiderte die andere zögernd, „ich meen —"
„Aha, aweil fällt nrir'sch ean", unterbrach sie die Nachbarin rasch, „ihr gedenkt mitt (euren) Aecker vielleicht inet se verkaefe."
„Joa, joa," bestätigte die Grete schnell, „so woas aach."
Innerlich war sie froh, daß es ihr Liese so leicht gemacht hatte, gerade den eigentlichen Kern der Spekulation zu verschleiern, was ihr vielleicht sonst nicht so leicht geglückt wäre.
„Deaß dei'm Kapper eabbes eam Köpp erim geng, doas hunn ich geästen seh könne, dann mei' Fritz, der nohm mich 6et’nt Oarn ean saat wirre mich, guck emol, d' Kapper scheint wirre de Kopp voll Hänuel se hu," bemerkte die Liese nach einer Pause wichtig.
Die Beiden erörterten nun des Langen und Breiten big Vorteile, die so eine Anstalt dem Dorfe bringen könne in Bezug auf Lieferung von Milch, Eiern usw.
Am nächsten Morgen wurde in der Wohnung des Winkelfritz früh gelichtet und die Müllers waren kaum aus den Federn gekrochen, da hallte schon der hastige Schritt des Nachbars auf dem Pflaster.
„Wu wärd dann der Fritz ean aller Herrgottsfroih schun hie welle," äußerte der Kasper, während er mit halb offenen Augen durch die Scheiben blinzelte, mit einem Tone, aus dem man nicht recht schließen konnte, ob er mit sich selbst oder mit seiner Frau sprach. Der letzteren mochte aber doch eine böse Ahnung aufdämmern, daß die frühe Reise des Nachbars doch wohl mit dem gestrigen Gartengespräch in einem gewissen Zusammenhang stehen könnte, denn sie machte sich schleunigst aus der Stube.
Mit einem zufriedenen Lächeln blickte ihr ihr Mamt nach. „Aha, es gerät," murmelte er vor sich hin.
Nach Verlauf von zwei Tagen wurde es im Dorfe bekannt, daß der Winkelfritz den Beil'schen Acker gekauft habe und zwar für 3500 Mark. „Do steckt woas dahinter," sagten' die Leute, „sonst hätt sich der Schlaumeier däi Last' näit off de Hals geloare."
„No, Heist d' dann noch näit Aecker soaht" (satt), fragte der Kaspar eines Abends seinen Nachbar, als dieser mit noch einigen anderen Bauern vor seinem Hause stand und wieder mal das Gespräch den Ackerkauf berührte.
„Gelle, eas ärgert dich", gab der Angeredete schadenfroh zurück, „daß du ean näit gritt (kriegt) hoast, hast äeher off muffe stete (steigen)."
„Ach, ich sei goar näit bies drüwer, dann ich harr ernt joa Tausig Mark billiger krigge könne," erklärte der Kaspar gelassen.
„Hah, hah, hah!", lachte der Winkelfritz übermütig. „No, Kapper, ich bezoahle (bezahle) d'r aach ea Viertelche, weil d' mir behelflich woarfcht."
„Ich will naut vo d'r bezoahlt hu."
„Du nimmst doch ea Viertelche, danu vo Wehm sein ich dann sonst anuerscht gewoahre woarn, deaß do owe ea Ohstahlt hiegebaut wearn soll, als vo dir. Ich wär —"
„Aha," rief der Kaspar dem Fritz ins Wort fallend, „eaweil gitt mir ea Licht off. Siehste, Fritz, wann d' mir doch ea Woart devoy gesaat häst, dann wärscht d' näit glach zoum Beilshannes gestürmt ean hast eam sein Aecker oabgekaeft. So oawer host d' dich vo dem domme Weisleu- geschwätz dorchenaunermache lasse. Mit deare Ohstahlt do eaß joa natierlich eabbes dro, awiver näit, deaß m r droff spekeliere kann. Siehste, die vierig Woch, do staun ich . beim Beil off seim Aecker ean, do saare wirre mich, Kapper, üwer däi bieste Grenndköppel do douht die best Loft straiche, weeßt d' woas, ich wünscht, eas köme so ea poar rache Franksotter Herrn ean bere off bem biese Die iß- kopp ea Sanetorium für nervößige Leu baue, bann bchr ich ernt doch mit Gerück (auf gute 2lrt) lus wearn."
Nach bieser Eröffnung des Kaspar entstaub eine Pause, währeub welcher die lauernben Blicke der Umstehenden auf den Winkelfritz gerichtet waren. Dieser verzog das Gesicht immer mehr zu einer schmerzlichen Grimasse. „Ich weaßj näit, ich hu hau (heute) fresch Brut geasse, do hun ich Leibschmerze vo gritt, eas eaß b’ Best, ich lege mich kromin." Mit biesen Worten wandte sich bet Fritz tun und schritt in seinen Hof, b.ie geballte Hand aus bie Wageiigegend drückend.
Ein dröhnendes Gelächter der Bauern folgte dem Fortzi


