Ausgabe 
27.8.1908
 
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Ü34

Genair '42 Minuten, mein Herr I" ertönte e# neben ihm, und dann erschall ein kurzes, herzliches Lachen-

Hennig fuhr erschrocken auf und griff verlegen in seinen Mondbart. Neben ihm stand ein junges Mädchen und lächelte. Und blinzelte ihn schelmisch an. Das Lächeln bannte ihn- Endlich fasste er sich.

Sie kleiner Kobold oder Wassernixe oder was Sie sonst sein mögen, wie kommen Sie in meine Laube?"

Sie lachte wieder, so daß ihre Zähne blitzten- Doch plötzlich Mrd sie ernst und es zog wie düstere Nebel über ihr Gesicht.

Ich bin ausgerissen aus dem Kuhstall."

Das klang so unendlich komisch. Hennig musste laut auf- lgchen.

Lachen Sie nicht! Die Sache ist furchtbar ernst."

Er gehorchte und ward ernst. Das Mädchen blickte scheu Unt sich und wiederholte leise:Ich bin ausgerissen."

Aus dem Kuhstall!" setzte noch leiser Hennig hinzu.

Sie nickte.Ich soll melken und mag nicht. Tas riecht so stark.--Ich bin die neue Mamsell-"

Sie sind die neue Mamsell?" fragte der Baumeister zweifelnd Und blickte verwundert auf die weißen, zarten Händchen des Mädchens.

Ja,--bin erst heute hier angctreten,--wie Sie."

Ja, zum Teufel, wenu Sie einmal Mamsell sind, darf Ihnen doch der Kuhstall nicht zuwider sein!"

Das hatte Hennig wohl härter gesagt, als er wollte, und die flüchtige Mamsell starrte entsetzt und voll Angst hinauf nach denk großen Mann.

Das hat mein Vater auch gesagt, aber ich bin doch noch so jung!"

In Hennig regte sich sofort der Kavalier.

An Ihrer Jugend habe ich nicht einen Augenblick gezweifelt, Utein Fräulein, aber je jünger man zum Lernen kommt, desto Mehr kann mnn im Alter."

Ich mag über gar nichts lernen! Denken Sie, ich habe Lust, den ganzen Tag in der Milchkammer zu stehen oder Eier tzu zählen oder den Quark so lange anzugucken, bis Käse daraus Wird?"

Das dachte ja nun Fritz Hennig nicht. Da er sich aber .über den BegriffPflicht" vollständig klar war, äußerte er: »Wenn Sie zu diesen Dingen nicht Lust haben, dursten Sie tzben die Stelle als Mamsell nicht annkhmen!"

Das kleine Madel wurde immer zorniger.

Hab ich ja gar nicht--nie nie. Ich wollte

wach Lausanne in die Pension und mein Vater hat mich in den Kuhstall gesteckt."

Von Mitleid mit sich selbst überwältigt, kamen der armen Mamsell die Tränlein, so sehr sie sich auch dagegen sträubte. Sie stieß der Bock, wie man wohl sagt, und zwar so sehr, daß der dicke Blvndzopf beunruhigend auf und nieder wippte.

Fritz Hennig konnte nicht verkennen, daß zwischen Lausanne unti dem Kuh stall einiger Unterschied besteht. Die ganze Ge­schichte kam ihm immer schleierhafter vor, und er fragte nun direkt, wer denn der hartherzige Vater sei, der so wenig Ver­ständnis für ihre Pensionsgelüste zeige?

Mein Vater ist drüben--der alte Guttermctnn."

Der Talherr?"

Sie nickte und die letzte Träne hüpfte von ihren rosigen Wangen.

Wenn das Ihr Vater ist, so wären Sie ja . - ."

Seine Tochter!" ergänzte sie, und diese verblüffende Logik Mächte ihr nun wieder Spaß, noch mehr aber ein entsetztes Ge­sicht und seine tiefe Verbeugung, als er sich vorstellte:Fritz Hennig, Baumeister aus Dresden."

Sic reichte ihm ihre kleine Patschhand und zog ihn neben sich auf die Bank.

Ihr Dasein wird mir das meine leichter machen- Ich heiße Irene, Irene Guttermann, und nun er­zählen Sie mir von Dresden!"

Und Hennig erzählte von Dresden, von der alten und von der neuen Stadt, von Palästen und Schlössern und von seiner Wohnung draußen au der Rosenstraße. Als er schwieg, wollte sie, noch Mehr wissen: Ob er König Johann kenne und den Prinzen Albert, und ob er verheiratet sei und schon in der Hof- vper gewesen wäre, und ob es wahr sei, daß es in deut Gange, der vont Schloß in die katholische Kirche führt, spukt?

Und als mit der sich senkenden Dunkelheit der Talwind frischer ward, da rückte sie dichter an ihn heran und wärmte sich an seiner Whe. Ihr kam die Welt auf einmal ganz anders vor-

Das falte, finstere Leben, das sie bis jetzt int düsteren Herren- Kausö drüben verlebt, versank in sein eigenes Dunkel, und ein

neues, helles, warmes Leben stieg herauf, ein Leben voller Hoff­nung und Wünsche.

Bon dem tannenzackigen Bergrücken gegenüber sah man nur noch schwache Umrisse, vom Fluß hörte mau trauliches Murmeln, und ganz aus der Ferne klangen sehnsuchtsvolle, italienische Weisen-

Die Talmühle klapperte gleichförmig ihr ewiges Lied, das Lied vom weißen Mehl und roten Gold.

Nachdem Mamsell Irene aus dem Gärtchen geschlüpft war, suchte Fritz Hennig sein Stübchen auf. Noch lange stand er mit offenen Fenster, noch lange lauschte er dem fernen Sang und aus der Poesie der sinkenden Frühlingsnacht stieg, noch dicht um- schleiert, leise, leise Liebe in ihm auf, Liebe zu diesen Bergen, Liebe zu diesen Wäldern und Liebe zu diesem heimlichen Erdcn- winkcl.

(Fortsetzung folgt.)

Die Spefitlation.

Von Gustav Mauk in Wieseck. Nachdruck verboten.

Ich will d'r däi Platt verkaefe," sagte der Ausmärker Johannes Beil zu seinem Grundstücksnachbar Kaspar Müller aus R., nachdem sie beide, auf dem großen Acker des ersteren stehend, lauge genug alles Mögliche und Unmög­liche politisiert hatten.Ea hält 5 aale Moarge, ean ich gaewe dir'n, wann du glaich bezoahlst, für 25 Honnert Mark."

Schwei' m'r stell vo' Aecker se kaefe, ich met meine mei' Last," wehrte der Kaspar ab.No lvaeßt d '.nir denn mei' Last," wehrte der Kaspar ab.

No ivaeht d' mir deuit sonst keau Kaefmaun?"

Oh joa, ich waeß d'r een, ean oach ean ganz gourer Bezähler, den scheck ich d'r. Doas Hal ich in'r oawer aus, woaß ea üwer die 3 Tausig Mit, doaß eaß mei'. Kannst rouhig 3500 foarreru ean off deine väir Aege stitz bleiwe, ea gett d'r sehe."

Gout, ich sei d'met eanverstanue," erwiderte der Hannes über diese Auskunft hoch erfreut.

Adje, Hanues."

Adje, Kapper."

Oefter vor sich hinlachend, schritt nun der Kaspar seinem Dorfe zu. ,,S' gebt ea Aria" (Spaß), murrnelte er halblaut vor sich hin,wauus gerät, eanschoarre (schaden) dout's eam naut, wanne emol gepäetzt werd", fügte er hinzu. Er wog nun alle Sünden, die sein Nachbar denn mit diesem beschäftigte er sich eben gegen ihn schon ver­brochen hatte, ab und kam schließlich zu dem Resultat, daß sein Coup, wenn er ihm gelang, doch Wohl den Aerger über manchen Kuhhandel, dessen Mißlingen von seinem getreuen Nachbar inspiriert worden war, ausheben würde. Als er mittlerweile vor seinem Hause angelangt war, blieb' er stehen, kratzte sich bald hinterm linken, bald Hinterm rechten Ohr, blickte die Gasse hinauf und hinab und ging endlich, als er annahm, daß ihn sein Nachbar lange genug beobachtet habe,- in den Hof.

Woaß lachst d' dann so fürdich," fragte Kaspars Frau ihren Mann, der bei jedeiu Wissen, den er in den Mund nahm, durch die Nase prustete,du weaßt woaß, doas sehn ich d'r o."

Goar naut waeß ich, woaß soll ich dauu waesse," beschied sie ihr Mann, halb belustigt, halb ärgerlich.

Du mußt m'rsch saa."

Was soll ich dann saa, ich waeß joa naut." Doch die Neugierde war nun einmal in der Frau erwacht. Sie schmeichelte, schmollte und beteuerte, nichts sagen zu wollen, solange, bis ihr Mann uachgab.

No will ich dir'sch dann saa," fing er endlich an,eaß (es) eass (ist) ea Spekulation ean (in) Aussicht. Drowe d'm Beils Hannes aus D. sein grüße Aecker wenn ea poar Frankfotter Herrn kaefe ean wenu (wollen) ea Sanetoriunt drof stenn (stellen), ich kohin groad d'zou, wäi se messe ean oabschreire drof däere."

Woas eaß dann doas, ea Sauetorium," unterbrach ihn seine Frau.

Ei no, doas eaß so ea Ostahlt, wu däi nervößigck