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innigen, zärtlichen und frommen Familienlebens ab, das unter allen Mitgliedern des Wolfsschen Kreises herrschte. Im Jahre 1631 hat Eberhard dann Jena verlassen; er hat später noch eine Reise nach Frankreich gemacht und 1638 sich mit einer Schenck zu Schweinsberg verheiratet. JU hohen Aemtern und Würden ist er 1663 gestorben.
VeNMefchtes.
* Ideale und Interessen. Der Dürer-Bund schreibt uns: In launisch gewundenem Lauf schlängelt sich das von Weidengebüsch umsäumte Bächlein dnrchs frühlings- grüne Wiesental. Wie oft habe ich mich darüber gefreut, wenn die Schwertlilien blühten, wenn von versteckten: Tümpel die Wildenten aufflogen, oder wenn die Forelle durchs klare Genoässer huschte. Aber, o bittere Tropfen der Wehmut, es sott „zusammengelegt" werden, rmd richtig, da stelzen sie schon herum, die Apostel der geraden Linie, visieren und stecken ab mit ihren schönen rotweißen Pfählen: in ein paar Jahren wirst du begradigt sein, mein Bach! Dann ade, Weidengesträuch, ade, ihr goldenen Lilien, ade auch ihr Forellen. — Aber da kommt mir das Lachen: da oben steht, in stitter Leidenschaft angelnd, unser Amtsrichter; der schimpft jetzt auch im Gemüte, aber aus anderem Grunde als ich — und ebenso ohnmächtig! Ohnmächtig in diesem Einzelfalle, aber sollten wir nicht noch mehr als bisher ein materielles Interesse mobil machen können gegen die zunehmende Landschaftsverschandelung? Ich freue mich jedesmal, wenn ich im Anzeigenteil unserer illustrierten Blätter das Reklameklischee des Marburger Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs sehe. Ja, das ist das alte gemütliche Bergnest ;von der „ChinesischenMauer", durch die sie inMarburg die alte Schönheit ruiniert haben, sieht man da nichts. Die Marburger Herren wissen also recht wohl, was schön war cm ihrer Stadt, sonst würden sie doch wohl ein neues, der Wahrheit entsprechendes Klischee wählen, das „allen Komfort der Neuzeit" ahnen ließe. Aber das alte Bild muß doch mehr ziehen. Dieses stillschweigende Zugeständnis könnte uns nun eigentlich recht freuen, wenn es nicht eben nur ein Reklametrick märe. Auch hier könnte den Beteiligten noch mehr als bisher klargemacht werden, daß ihre eigenen materiellen Interessen leiden, wenn in der jetzt geübten Weise fortgefahren wird, kostbares Erbgut, das erhalten werden könnte, zu ruinieren. In kluger Berechnung die Interessen den Idealen dienstbar machen: das wollen wir nirgend versäumen, wo sich die Gelegenheit bietet.
Dr. Hofmann-Rosenthal.
* Diplomatische Reklame. Herr (hustend): „Hören Sie, wie ich huste?" — Apotheker: „Ja." — Herr: „Und ich habe Ihr Mittel gebraucht, von dem Sic schrieben: Sie husten nicht mehr, wenn Sie Schlaumanns Pastillen nehmen." — Apotheker: „Ja, husten Sie denn jetzt mehr?"
* Lebensregel. Sei sparsam, dann behältst du sehr viel Geld zum Verschwenden übrig!
Das Leben der Pflanze.
R. H. F r a n c o, „D a s L e b e n d e r P f l a n z e", 1. Abteilung: „Das Pflanzeuleben Deutschlands und der Nachbarländer" (vollst, in 26 Lief. Lex. 8» mit 350 Abbildungen und 50 Tafeln und Karten). 17/26 Lieferung ä 1 ,Mk. Verlag des „Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde" (Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart). — Von dem ersten Teil dieses auf 7—8 Bände berechneten Werkes liegt wieder eine größere Anzahl Lieferungen vor, und bei jedem neu erscheinenden Heft muß der Leser wiederum erstaunt eingestehen, daß sich ihm itene Perspektiven eröffnen in eine Kleinwelt der Wunder, die er früher nur duukel geahnt hat. Francs ist nicht nur ein Gelehrter, er ist gleicherweise ein Künstler, ein Meister der Feder, und Ivie den: Wissenschaftler in der organischen Natur alles beseelt erscheint, weiß er auch als Künstler durch die glühende Liebe zil seinem Stoff die Darstellung mit warm pulsierendem Blute zu erfüllen. Frances Buch ist unstreitig eines der am besten geschriebenen Bücher in der naturwissenschaftlichen Literatur. Es ist die erste Botanik, die mehr bietet als bloße
Systematik und Physiologie und damit eine oft empfundene Lücke ausfüllt, wie es zugleich den von Laien gehegten Irrtum beseitigt, die Pflanzenkunde sei eine trockene oder nur eine für den fachmännisch Vorgebildeten verständliche Wissenschaft. Die neuesten Fortschritte der Naturwissenschaften haben uns beide Reiche des Lebens als einheitlich und den gleichen allgemeinen Gesetzen gehorchend kennen gelehrt. So behandelt nun auch Francs das Pflanzenleben als Glied im großen Kreise der Natur und in innigstem Zusammenhänge mit dem Tierleben. Pflanzen und Tiere verkörpern nur verschiedene Stufen des Lebens, beide sind Ausdrucksformen der lebendigen Kräfte und treten uns, weil sie in steter Wechselwirkung stehen, in der Natur immer zusammen entgegen; die Ursachen und Folgen dieser Wechselwirkung werden in dem Werke in anziehendster Weise gemeinverständlich dargestellt. Die Pflanzenwelt hat aber auch tausenderlei Beziehungen zu dem Menschen und zu unserer Kultur gewonnen, die in der glänzenden Schilderung des Verfassers nun zum erstenmal ihrer ganzen Bedeutung nach ans Licht gerückt werden. — Daß es sich bei Francos „Leben der Pflanze" um ein Werk zum Lesen und Studieren, nicht um die beliebte „Zierde des Bücherbretts" handelt, geht aus dem Gesagten genugsam hervor. Wir wünschen deshalb dem Werk, das alle Voraussetzungen in mustergültiger Weise erfüllt, daß es bald wie Brehms Tierleben Gemeingut des deutschen Volkes werden möge. Der Verlagshandlung sei schließlich noch unsere besondere Anerkennung ausgesprochen für die glänzende Ausstattung: jede einzelne Lieferung ist den modernen Erfordernissen gemäß reich illustriert durch Farbentafeln, Karten und zahlreiche.Text-Abbildungen, zum Teil Reproduktionen berühmter Gemälde erster Meister, so daß das Werk zugleich einen kostbaren und einzig dastehenden Atlas der Blumen- und Landschaftsmalerei, sowie kunstgewerblicher Motive umfaßt. Wir werden nicht verfehlen, unsere Leser über das weitere Erscheinen dieses großangelegten Werkes, das selbst, dem Laien Auge und Herz für die Pflanzenwelt zu öffnen vermag, stets auf dem Laufenden zu erhalten.
Hauswirtschaft.
— Filzhüte reinigt man durch Abreiben mit einem Flanelläppcheu, das nur wenig nut Salmiakgeist benetzt wurde, wobei das Läppchen gedreht und gewendet werden muß, wenn die in Gebrauch genommeue Stelle schmutzig geworden ist. Man darf aber den Hut beim Reinigen nicht selbst zu feucht werden lassen, weil er sonst seine Form verliert. Nachdem wird der Hut mit einem trockenen leinenen Lappen abgerieben und glatt gebürstet.
— Taillenschutzhüllen für den Kleider- schrank. Ausrangierte, dünne oder sonstwie beschädigte Kissenbezüge geben ausgezeichnete Schutzhüllen für helle, empfindliche Taillen ab. Man bessert die schlechten Stellen aus uyd macht in die obere Mitte ein kleines Loch zum Durchstecken des Bügelhakens. Nun wird der Bezug einfach über die auf dem Bügel hängende Taille gezogen und unten zugeknöpft.
Au- uud Einsichten.
Sehr wahr ist, ivas ein weiser Mann uns lehrt, daß „Zweiiel irgend einer Art nicht anders entfernt iverden kann, als durch Handeln". Aus diesem Grunde möge der, ivelcher mühsam im Finstern oder in unsicherem Lichte tastet, diese anderweitige Vorschrift zu Herzen nehmen, welche für mich von unschätzbarem Werte war: Tue die Pflicht, welche dir nm nächsten liegt, von welcher du weißt, daß sie eine Pflicht ist! Deine zweite Pflicht ivird dann chon viel klarer geworden sein. Carlyle.
Der Schmerz dient in der Schöpfung als Warner vor der Gefahr. R. v. Ihering.
Tausch-Rätsel.
Onkel, Frost, Land, Senne, Moos, Talk, Aase.
Es sollen ans diesen 7 Wörtern dnrch Veränderung eines Buchstabens neue Wörter gebildet werden. Die neu eingesetzten Buchstaben nennen einen Dichter, die fortgelassenen eines einer Werke.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Rübe — Rabe — Robe — Rebe.
Redaktion: B.Wittko. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universitäts-Buch- und Steindruckerei^R. Lange,"©iefeey,


