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auch der Kaiser auf sich-zu teilten hat: teilt er ist em Herrscher mir von Gottes Gnaden. Dieses Königtum nur von Gottes Gnaden aber hat Kaiser Wilhelm der Alte der Welt und besonders dein Deutschen Reiche wicdergegeben; „das Königtum mit fernen schweren Pflichten, niemals endenden, stets andauernden Muhen und Arbeiten, mit seiner furchtbaren Verantwortung vor dem Schöpfer allein, von der kein Mensch, kein Minister, kern Abgeordnetenhaus, kein Volk den ^Fürsten dispensieren kann.'
Wozu der Kinematograph gut ist.
Die Verwendung des Kinematographen im Dienste der Heilkunde, die bisher nur als eine interessante' Ausnahme bekannt geworden, tritt in ein neues Stadium. Gin englisches Krankenhaus hat den entscheidenden Schritt getan. Das Middlesox-Hospital steht unmittelbar vor dem Abschluß der Verhandlungen, deren Ziel die vollkommene Ausrüstung der Operations- und Untersuchungssäle mit Mnematographenapparaten ist. Schon mehrfach hat man hier versucht, die lebende Photographie der Forschung dienstbar zu machen und für das Studium von Nervenkranken wertvolles Material gesammelt. Bisher freilich beschränkte man sich auf wenig besonders bemerlLrw- werte Fälle. Die Versuche haben ergeben, daß mit der genauen photographischen Fixierung der flüchtigsten charakte- rischen Bewegungen bei solchen Erkrankungen für die Wissenschaft außerordentlich interessante Anhaltspunkte gewonnen werden. Auch in der Chirurgie sind auf diesem Wege wertvolle .Hilfsmittel zu Lehr zweck en gewonnen worden. Schon vor zehn Jahren hat der bekannte Pariser Arzt Dr. Doyen Versuche mit der Photographie bei seltenen Operationen' angestellt, die zur Veranschaulichung der chirurgischen Technik treffliche Dienste leisten. Auch in der Naturwissenschaft hat man den Wert lebender Photographien erkannt, und der Kinematograph bringt eine erwünschte Ergänzung der Aufnahmen, die man von dem freien Leben der Tierwelt mit Mühe gewonnen. Der Naturforscher F. Martin Duncan gab in einem Vortrag in London einen interessanten Ueberblick über die Stellung des Kinematographen im Dienste der Naturwissenschaft. Er selbst hat es sich zur Spezialaufgabe gemacht, derartige Naturaufnahmen zu gewinnen und manches gefährliche Abenteuer dabei bestehen müssen. „Das Schlimmste freilich erlebte ich im Tiger käsig bei Hagenbeck in Hamburg. Ich betrat immer die Zwinger, um meine Aufnahmen zu machen. Bei einer solchen Gelegenheit schlug ich auch bei den Tigern meinen Apparat auf. Während der Aufnahme aber verlor eine der Bestien die Geduld und mit grimmigem Geheul sprang sie auf mich zu. Glücklicherweise schien weniger ich als der Apparat der Anlaß zum Zorne. Das Instrument fiel um, der Tiger packte das Gestell und knirschend brach das Holz zwischen seinen Zähnen. Das beruhigte ihn offenbar; gemächlich setzte er sein Zerstörungswerk fort, während ich glücklich aus dem Käsig entkam." Ein anderes amüsantes Erlebnis hatte Duncan in Südamerika. „Damals erwarb ich mir das Verdienst, mit meinem Apparat eine Revolution — wenigstens eine Zeitlang — zu unterdrücken. Es war vor drei Jahren, ich besuchte eine der Republiken und war gerade in die Zeit der ortsüblichen Revolution geraten. Die Kämpfer beunruhigten sich sehr über meinen Apparat, sie mochten es für eine Höllenmaschine oder ein Maschinengewehr halten, kurz, die stellten ihre Schlacht ein und nahmen mich gefangen. Man schleppte mich ins Gefängnis und die Kombattanten unterwarfen das verdächtige Instrument einer vorsichtigen und eingehenden Prüfung. Als sie den wahren Charakter meiner Maschine endlich erkannten, gab es tausend Entschuldigungen, ich ward freigelassen, und man beeilte sich, den Freiheitskampf wieder fortzusetzen." Besonders interessant war die kinematographische Aufnahme zweier riesiger Ameisen- Heere, die Duncan vorführte. Die beiden Haufen lieferten sich eine furchtbare Schlacht. Die Ameisen schienen
dabei aufrecht zu stehen, und mit unbeschreiblicher Wut stürzten sie aufeinander, griffen an, wurden zurückgeworfen, Gegenattaüen erfolgten, bis das Schlachtfeld mit Hunderten von Toten bedeckt war.
VesMschSE
• Zum Hochzeitstest eines chinesischen Kaisers ist folgendes Lied gedichtet:
Die kleinen Enten nisten schon Im Strom am Jnselriff, Der trägt die holde Braut zum Thron Auf einem Königsschiff.
Seerosen schaukeln auf der Flut, Die stolz der Kiel durchfährt. , Still ist und rein und hochgemut Das Weib, das er begehrt.
Begehrt im Wachen und im Schlaf, In Träumen heiß und schwül, Seitdem ihr Bild fein Auge traf, Wälzt er sich auf den, Pfühl.
* Uetzer die „teutsche Schreibwuth^ klagte vor 60 Jahren eine württembergische Zeitung Herz und Stein erweichend also: „Jedermann hat sicherlich den bescheidenen Wunsch, daß endlich einmal dem maßlosen Schreitzunwesen Ziel und Schranke gesetzt werde. Mit dem festesten Willen, „diesem Unfug ein Ende zu machen", ist unsere Regierung schon vor Jahren aufgetreten, und siehe dal, nach wenigen Jahren sind die Dinge ärger denn zuvov geworden. Es ist auch dieser Umstand leicht erklärlich. Abgesehen davon, daß schon das 6-jährige Kind zuerst schreibt und dann liest, macht sich dieser Schreibergeist besonders in den höheren Schichten und Schulen geltend. Der Student schreibt, daß er schwitzt Wird der Bursche vollends Philister, dann Adieu Wort und Tat! Der gekrümmte Rücken, ein verdächtiges Hüsteln lassen uns auf den ersten Anblick den Staatshämorrhoidarius erkennen. Geht es so fort, wie bisher, so werden uns bald die Lokale mangeln, die aufgehäuften Aktenmassen auch nur aufzubewahren..." Was würde dieser „Anti-Staatshämorrhoidarius" heute für eine Jeremiade anstimmen, hätte ihn ein gütiges Geschick nicht vor der modernen Schreibwut, die Plage des papierenen Zeitalters, geschützt. Unmodern ist seine Mage auch heute noch nicht, wovon sich männiglich überzeugen kann....
Ermunterung.
Fort mit deinem alten Laster !
Allen Mißmut ausgefegt!
Für die Wunden, die es schlägt, Reicht das Leben auch das Pflaster. Riß der Strom hinweg die Brücke, Mutig in den Kahn hinein! Nahm die Kugel dir ein Bein, Greife rüstig nach der Krücke!
D. Fr. Strauß.
Goldene Worte.
Ich habe für das Wahre, vielleicht mehr noch gegen das, was mir als unwahr erschien, fort und fort gekämpft und bin darüber an die Schwelle des Greiseualters gekommen. Da vernimmt jeder ernstgesinnte Mensch die Mahnung: „Tue Rechnung von deinem Haushalt." Daß ich mm ein ungerechter Hausvater gewesen wäre, dessen bin ich mir nicht bewußt. Ein ungeschickter mitunter und wohl auch ein lässiger; aber im ganzen rat ich, wozu ich Kraft und Trieb in mir empfand, und tat es, ohne rechts oder links zu fetzen. D. F. Strauß.
Dreisilbiges Rätsel.
Die beiden ersten Silben hier Hat jeder Mensch fast jedes Tier. Und dann die dritte Silbe mein Kann janftmutsvoll und-zornig sei». Das ganze ist in schnellster Zeit Vorbei, zur Lust bald, bald zum Leid.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummert Auch festes Eis macht die Sonne zu Wasser.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


