NlsnLag den 21. Januar

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Kelmuilj von LoVlen.

Roma» von Ursula Zöge von Manteuffel.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Helmuth Loysen war im Grunde kein leichtsinniger Vergeuder seiner Jugend. Davor bewahrte ihn das Alldenken an die Sterbe­stunde seilles Vaters, der im Jahre 1870 bei St. Privat tödlich verwundet wurde und nach etwa acht Tagen fernen Wunden erlag. Tie Mutter hatte noch Zeit hinzureisen, und sie nahm den Knaben mit, der erst sechs Jahre zählte. So jung er gewesen, so konnte er sich noch heute deutlich jener traurigen Tage und der Stunde erinnern, in welcher sein Vater den Heldentod starb und die Worte, welche er, abschiebnehmend, gesprochen, waren dem Sohn wie mit eisernem Griffel ins Gedächtnis geschrieben. Etwas Großes, Ernstes war damit schon früh in sein Leben getreten, ein Samen­korn, welches ausging und mit den Jahren heranwuchs, eine feste, feilte Kette, welche seinen Uebermut in Schwanken hielt. Sein wiar der Wille, das Rechte zu tun, und wenn er fehlte, so kam er nicht so leicht darüber hinweg, wie hundert andere.

Aber trotze alledem, wie die Zeit hinging, und sich Wiliter Und Sommer folgten, begann Luisane ftlr ihn zu den Vergessenen zu gehören.

IX.

Ter Zug hielt an der Haltestelle Jarowitz-Rothaide. Ritt­meister Helmuth von Loysen, in der ganzen sreudigstolzen. Zu­friedenheit der funkelnagelneuen Beförderung, sprang aus seinem Mteil und hatte kaum den Boden erreicht, als er von ein paar mächtigen Händen bei den Schultern gepackt und umgekehrt wurde, worauf er in ein rotbraunes, von ansehnlichem Vollbart um­walltes Mäimernntlitz blickte und auf jede Backe einen schallenden Kuß erhielt. Tas war sein Schwager Recknitz.

Wahrhaftig, alter Junge! Endlich mal wieder. Laß dich nur ansehen. Der Rittmeister steht dir, steht dir, steht dir! Straff und schneidig siehst du aus. Donnerwetter, wo ist beim der Kerl, der Träger? He! Sie da! Gib ihm deinen Schein. So. Na, und nun komm. Ich sage dir, die Mieze zappelt und die Kinder wollten durchaus alle mit. Alter Junge, alter Junge!"

Tas ward fast zärtlich gesagt und der Rittmeister dabei auf dm Rucken geklopft. Dann gingen sie Arm in Mm durch das kleine Bahngebäude. Dahinter hielt ein, mit zwei schmalen, nervösen ungarischen Braunen bespannter Jagdwagen. Recknitz in seiner grau-grünen Lodenjoppe kletterte wuchtig auf den Bock und nahm dem auf dem Hintersitz stehenden Kutscher die Zügel ab. Neben diesen wurde Loysens Kvsftr hingestellt, der Träger abgefertigt, und dann sprang Loysen auf den Platz links von seinem Schwager. Er sah so recht tiefinnerlich froh und sorglos aus und blickte lächelnd nm sich in die Gegend.

Eine von Pappeln flankierte Chaussee ging's entlang, mit werten Ausblicken, rechts und links, in die fruchtbare, fruhlings- helle Gegend. Mit vogelähnlicher Schnelligkeit griffen die flüchtigen Pferde aus und so entrollte sich Bild auf Bild., In weitgc- schweiften Mulden hob und senkte sich das Terrain. Frischge­ackerte, tiefbraumi Felder wechselten ab mit Wiesen, welche das

junge Grün des Aprils überzog. Hier und da leuchtete ein blühendes Rapsfeld auf in lichtem Gelb, ober schimmerte der weiße Blütenschnee der Schlehenhecken und Pflamnenbäume. Torfes deren rote Ziegeldächer freundlich und Wohlstand verratend zwi­schen den Obstbäumen hervorblickten, tauchten auf und glittest vorbei, während der gleichmäßige Hufschlag der Pferde erklang^ und der leichte Wagen auf der glatten Landstraße IjinroUte.,

Lieber Sohn," sagte Recknitz gemütlich,Mieze wird dich auszanken, darauf mache dich gefaßt."

Weil ich wirklich unverantwortlich lange nicht bei euch war? Darauf bin ich gefaßt. Solche Schelte sind eigentlich schmeichel­haft. Ihr wißt ja aber wie es ging vorigen Sommer wollte ich wirklich und da wart ihr an der Ostsee! Na, man hat sich ja gesehen dort aber freilich, es war nicht Bardes, und Bardes ist nun mal daszu Hause"."

Siehst du, das höre ich gern, alter Sohn. Ho! ho! Willst du gleich?" dies letztere zum heftig scheuenden Sattelpferd.

Tn, die Gäule sind famos," sagte Loysen.

Recknitz schnalzte vergnügt.

Sind auch. Gelegenheitskauf. Tas muß ich dir erzählen."

Während er das tat, sah er immer mit väterlichem Wohl­wollen >a uf den Schwager, dessen Vormund er einst gewesen. Er hatte die drei Waisen (»ei sich ausgenommen und ihnen Bardes zur Heimat gemacht. Helmuth kannte hier seit Knabenzeit jeden Weg und Steg. Er ließ sich auch in buntem Durcheinander von den verschiedenen Nachbarn berichten. Oberamtmann Rieteln auf Jarowitz hatte Grenzstreitigkeiten mit Lobwitz und der Ta» litzschiw hatte eine Zuckerrübenfabrik angelegt. Und Hochwerth, ja Hochwerth, die Krone der Landschaft, gehörte wahrhaftig diesem Geldbaron Ellenheim, von dem niemand recht wußte, wo er heriam der Sprecher zeigte mit dein Peitschenstiel in eine be­stimmte Richtung, da bläuliche Höhen den Horizont abschlossen. In Nothaide stand wohl alles beim alten und Graf Trauen lebte mit feiner letzten, noch unverheirateten Tochter nun in einer Villa bei Braunstädt nnd die Komtesse brächte Leben in die stille Geselligkeit der guten alten Stadt.

Ist sie hübsch geworden?" fragte Loysen.

Na nicht Geschmack nicht gerade, aber ihr junges Volk ne Mit es wobl so."

Bitte einen alten Haudegen von Rittmeister doch nicht so ohne weiteres zumjungen Volk" zu werfen," verwahrte sich Loysenalso die kleine Henny ist hübsch. In welchem Alter sind denn jetzt die Besseichorfs?"

Na, auch man solche flügge Gören."

Und in Rothaide steht alles beim alten?"

Doch nicht, nein, es steht besser. Der Haide scheint auS den Sorgen heraus zu feilt. Alle Achtung sage ich!"

Hatte er wirklich Sorgen?"

Und ob. Ein schönes, aber ganz heruntergekommenes Gut iind Schulden drauf. Unter uns gesagt, ich bot ihm mal meine nachbarliche Hilft an nun, er nahm es aber nicht an."

Ich werde wahrscheinlich schon morgen hinveiten." Das dachte ich mir."

Sie schwiegen beide nnd Loysen sah wieder mit anaenehmest