gH [eiben, da ich niemals im Amte einen Unterschied zwi­schen Deutschen nnd Tschechen gemacht hatte, die Führer der letzteren, insbesondere Eduard Gregr, meine Schüler gewesen waren und ich bewiesen hatte, daß mir Furcht fern lag. Der einzige Fall, wo man im 5kolleg zu demon­striere,: suchte, war im November 1860 eingetreten. Das Oktoberdiplom hatte beit Tschechen die Köpfe verrückt. Ich sprach in der deutschen Rechtsgeschichte über die Aufnahme des deutschen Rechts in Böhmen, ein tschechischer Student scharrte laut. Ich hörte mit dem Vortrage auf und sagte, den Scharrer unverwandt fixierend :Meine Herren! Prin- cipiis obsta, Sie wissen, daß ich stets objektiv war, ich habe streng wissenschaftlich die wirkliche Geschichte vorzutragen; wem das nicht behagt, der bleibe meinen Vorträgen fern. Demonstrationen dulde ich nicht, ich habe das Vertrauen zu meinen Herren Zuhörern, daß sie einen Ruhestörer so behandeln die Verantwortlichkeit nehme ich auf mich I daß er den Hörsaal verläßt." Allgemeiner Beifall. Ich trug ruhig weiter vor. Der tschechische Jüngling aber kam nach der Vorlesung zu mir und. bat unter Tränen um Verzeihung.

Eines Morgens int November 1865 kommt der Pedell Goth in meine Wohnung ich war Dekan, an jenem Tage durch Unwohlsein verhindert, Vorlesungen zu halten und sagt:Ew. Gnaden, im Karolinum ist Revolution, die Studenten haben Prof. Höfler aus der Vorlesung ge­drängt, man kann nicht ins Gebäude kommen." Gut, sage ich, da muß ich gehen, ich nahm einen Fiaker, fuhr mit dem Pedell, ging durch die Seitentür und hörte, wie Rektor NLhlowski tschechisch in ganz unwürdiger Weise die Tumul­tuanten flehentlich bat, ruhig zu sein. Mit Gewalt machte ich mir Platz, drang bis zur Treppe vor, rief fallt:Ich befehle, sofort das Karolinum zu verlassen", faßte zwei Rechtshörer, die tschechisch opponierten, bei den Armen und schob sie iit den Vorraum des Sitzungssaales, mit dem Bemerken,Sie bleiben hier, ich werde mit Ihnen ein Protokoll aufnehmen", drängte die Tumultuanten anseiu- ander, hatte die Satisfaktion, daß das Gebäude in fünf Mtnuten geleert war und der klägliche Rektor allein dastand; ich ließ die Tür schließen, ging ins Sitzungszimmer und traf dort Höfler zitternd und bebend. In der nächsten Nummer derNarodni Lisch" stand, daß ich brutal zwei Studenten gefaßt, mit den Köpfen zusammengestoßen und die Treppe herunter geworfen hätte. Meine Kollegen meinten, ich müsse eine berichtigende Erklärung in dieselbe Zeitimg setzen.Gott bewahre, erklärte ich, wenn die Tschechen mir eine solche Kraft zutrauen und mich für so verwegen halten, dies zu tun und zu können, obwohl es so voll war, daß kein Apfel hätte zur Erde fallen können, so werde ich mich hüten, diese gute Meinung von mir zu zerstören."

So lange ich in Prag war, ist keine Störung mehr vor­gekommen. Als ich Prag verließ, haben die tschechischen Rechtshörer mehrere Deputationen zu mir geschickt, welche das tiefste Bedauern über meinen Rücktritt ausdrückten und Mich ihrer Verehrung und Anhänglichkeit versicherten."

IPerKsiSdbte»,

* Als Hof-Zahnarzt in Fcz. Aus der Residenz­stadt Mulai Hastds wird von den Vergünstigungen und von den Vorteilen berichtet, die ein spanischer Journalist beim Sultan und seinen Getreuen in kurzer Zeit zu erringen wußte: nicht als Reporter, sondern dank dem Umstande, daß er im Nebenberufe aiS Zahnarzt sich erprobt. Seine Versuche untren von einem Erfolge gekrönt, den er selbst kaum erträumt hatte. Der Sultan nahm seine Dienste in Anspruch, und wie es scheint, sehr aus- giebig: denn zur Zeit ist der spanische Journalist iwch damit beschäftigt, 14 schmsische Backenzähne mit Goldplomben zu ver­sehen. Tenn das Gebiß des Sultans hat nie die Segnungen der Aahnheilkunde erfahren und befand sich in durchaus reparatur­bedürftiger Verfassung. Aber auch Fez hat seine Snobs, deren Ehrgeiz es ist, auch in den kleinen Aeußerlichkeiien dem Sultan MwlMsifern; sie alle empfanden nun plötzlich das Bedürsttis,

ßieöatuon; E. Anderson. tiioiauonsötud und Vertan bei Br

ihre ZSHiürvergoldet" Sil sehen, rnS der spanische ZeituWK» niaun ist kaum imstande, allen Wünschen seiner zahlreichen Klienieu! so rasch nnd prompt gerecht Zn werden, wie die ungeduldigen Edle« von Marokko es verlangen. Aus seinem Heimatland hat er sich nun ausreichende Vorräte und eine ansehnliche Sammlung zahn- technischer Instrumente Nachkommen lassen, und er hegt die Ab­sicht, sich in Fez als Zahnarzt dauernd niederzulassen. Miilah Hafid hat ihn bereits zum Hof-Dentisten ernannt, und sogar die Schonen des Harems wurden seiner kundigen Hand anvertrauü- Mehrere der Sultansfrauen haben seine Dienste in Anspruch ge­nommen, doch selbst dem Zahnärzte war es dabei nicht ver­gönnt, die Gesichter der Schönen zu sehen. Mit tief und sorgsanlj verhülltem Angesicht empfangen sie den fremden Zahnkünstlerh so gründlich ist die Verschleierung, daß kaum die Berührung bet' Lippen möglich wird. Eine Anzahl Sklaven weicht während beti Operation nicht von der Seite des Spaniers: sie wachen darüber« das; der Fremde nicht der Versuchung uachgibt, die phantastisches Schleier ein wenig zu lüften.

* Die japanische Franenuniversitat. Dies Frauenbewegung hat im fernen Osten insbesondere bei den wissens- durstigen Jap'anerinnen, lebhaften Widerhall gefunden, der rasH in Taten sich umgesetzt hat. In Tokio besteht bereits eine Jrauennniversität, der eine Präparandenanstalt beigesellt ist: aU der Nniversität ist die Zahl der Hörerinnen bereits auf 300 an- gewachsen und in der Vvrbereitungsanstalt studieren 500 Ja­panerinnen. Die Frauen arbeiten dort nicht um die Erringung eines Titels ober eines Rechts auf öffentliche Anstellung. Ihn einziges Ziel ist die Entfaltung ihrer geistigen Fähigkeitei!, die Bereicherung der Bildung nnd die Erweiterung ihres Gesichts- kreises. Der Lehrgang ist sehr streng und erstreckt sich auch euch dieWusliche Wissenschaft", in der Philosophie, Akoralthwrtc, Nationalökonomie, Physiologie, Hygiene und Hauswirtschaft ge­lehrt werden. Körperpflege nnd Leibesübungen bilden ein besoii- dercs llnterrichtsgebiet und alle Studentinnen unterziehen si« gemeinsam den praktischen Hebungen, die der Entfaltung nn» Stählung des Körpers dienen.

* Wie man die Honigschwiudler entlarve« kann. Der Jmkerverein für den Kreis Teltow hat in einer Versammlung die Mittel erörtert, um HonigfÄschnn- gen festzustellen. Das Kennzeichen des unverfälschte« Honigs ist nach dem Ausspruch der Sachverständigen dev Eiweißgehalt. Wenn Eiweiß künstlich in den Honig herein- gebracht wird, ist das immer bei der Probe zu erkennen, da das aus dem Biencukörper ftammenbe Eiweiß sich nicht imch- ahinen läßt. Wer guten Honig ick Spiritus auflöst, fault in der klaren Auflösung die schleimig-flockige Eiweißmasstz als Niederschlag beobachten. Zucker setzt sich an den Wände«, ab, Zuckerverfälschung ist daher leicht zu ermitteln.

* A.:Nun, Ihre Tochter war so lange krank, hat ihr der Doltor geholfen?" B.:Ja, er hat sich mit ihr verlobt!"

* Falschmünzer (vor der ReichÄwuckerei zu seinem Kom­plizen):Siehste, Ede, da driun machen se noch Banknote« w

Neue L sicher.

(Besprechung erfolgt nach Auswahl, Eine Verpflichtung zu» Besprechung und zur Aufbewahrung unverlangt eiugesanotr« Bücher wird nicht übernommen.!

DieGrimmschenMärcben, Jubiläumsausgabe. Zeich­nungen von Otto llbbelohde. Eingeleitet und heranSgegebei« von Dr. Rvb. Riemann. LeiMig, Turm-Verlag.

Theod. R e h t w i s ch: Bon der Etsch bis an den Belt. Ge­schichtsbilder. Leipzig, Turm-Verlag.

Ä. Ebers Bismarck-Buch. Hannover, Earl Meyer.

Ludwig Finckh, Rapunzel. Stuttgart, Deutsche Ver- lagsanstalt. , . ,

Jos. Angerer, Die Feiubärkeret nn Beruf und HauN> München, Jos. Angerer. . , _ , r

Lord Chesterfields Briefe an semen Sohlt. Frei be­arbeitet von Dr. Karl Mundiug. Stuttgart, Schwabacher.

W. Schultz-Riesen berg : Sizilien, Griebens Reise­führer, Bd. 119, Berlin. Albert Goldschmidt

R. Martin, Deutschland und England. Em offenes Wort an den Kaiser. Hannover, Sponholh. . ,, ,

Zur Psychologie des My'itarismns, von. rmem Soldatem Leipzig, Otto Wigand.

Kryptogramru»

Rhinozeros Rhythmus Felleisen Thran Wartburg Rosette Brenner.

Aus jedem der vorsiebeudeu Wörter sind der Reihe nach zwer zusannnenhängeude Buchstaben zu entnehmen, so daß sich daraus ein Sprichwort ergiebt.

Auflösung in nächster Nummer-.

Auflösung der altegyptischen Hieroglyphen tu vor. Sfammcct Das Leben ist ein Kampf, wo nl emand siegt.

»l'ichev llntv«ksuäts-Buch- uk6 ©teusöiudetei. 8L Lange» (Sieben.