Ausgabe 
26.10.1908
 
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* Schillers Größe. Prof. Dr. Richard Weltlich, der bekannte Schiller-Biograph, schreibt denMünch. N. N.": Ge­statten Sie mir zu dein interessanten Artikel in Nr. 485Authen­tische Porträte aus dem frühen Mittelalter" eine kleine Be­merkung ! Er enthält die Angabe, Schillers Körpergröße habe genau wie die Karls des Großen 1,92 Meter betragen. Was Schiller betrifft, so liegt hier meines Wissens ein Irrtum vor. Wir haben eine authentische und ziffernmäßige Bestimmung seiner Körpergröße in seiner im k. württemb. geh. Haus- und Staats­archiv noch vorhandenen Nationalliste der Stuttgarter Militär­akademie: beim Austritt aus dieser Anstalt int Dezember 1780 maß Schiller 6 Fuß 3 Zoll. Damals war er 21 Jahre alt. Es ist wurttembergisches Fußmaß gemeint, und 6 Fuß 3 Zoll des­selben sind 1,79 Meter. Messungen aus spaterer Zeit fehlen. Es ist wohl anzunehmen, daß Schiller, der in Weimar als der größte Mann der Stadt galt, zwischen dem 21. und 25. Lebens­jahr noch nur einige Zentimeter gewachsen ist, sehr unwahrscheinlich aber, daß diese Zunahme 13 Zentimeter betrug. Die zeitge- nössischeu Schilderungen würden mit viel mehr Erstannen von seiner Körpergröße reden, wenn diese das Riesenmaß von 1,92 Meter erreicht hätte. Einiges nähere gibt meine Schillerbiv- graphie I, S. 323 ff.

* Schnaps, der nach dein Aieterinaß verkauft wird, ist der im Norden Chiles beliebte Anisado, eine Art Anislikör. Hebet1 ihn erzählt Erwin v. Hase in seinen lustigen chilenischen SkizzenAus der Heimat der Kartoffel" (Berlin, C. A. Schwetschke & Sohn) folgendes:Den See­leuten ist es meist verboten, alkoholische Getränke mit an Bord zu bringen. Deshalb sind einige findige Händler auf den genialen Gedanken gekommen, den Anisado in Tierdärme zu füllen, die sich wie ein Riemen um den Leib binden lassen und die so an Stelle bauchiger Flaschen auf die Schiffe ge­schmuggelt iverden. Tas Geschäft wickelt sich etwa ivie folgt ab:Hallo: Caballero, schneiden Sie mir mal drei Meter Schnaps ab!" Der Budiker holt seine Anisadowurst von der Stange herunter, die wagerecht über deni Ladentisch hängt, mißt an den Kerben, die am Rand des Tresens ein­geschnitten sind, drei Meter nebst einer kleinen Llapa (Zu­gabe) ab, macht mit Bindfaden vor und hinter dem ver­messenen Ende Umschnürungen iind säbelt zwischen ihnen den Darni diirch, den Jan Maat sich coram publica wie ein indischer Schlangenbändiger um beit bloßen Leib schlingt, um damit von dannen zu trollen."

* Versuche an Hingerichteten. Aus Newyork wird berichtet: An sieben zum Tode Verurteilten, die im Singsing- Gefängnis der Hinrichtung entgegensehen, will Dr. George F. Shrady, der Totenschaner der Stadt Newyork, Versuche machen, durch die sestgestellt werden soll, ob Verbrecher, die durch den elektrischen Strom hingerichtet werden, furchtbare Qualen er­leiden, bevor sie tot sind. Dr. Shrady ist fest überzeugt, daß die Hinrichtung durch Elektrizität eine unmenschliche Grausamkeit ist. Er behauptet, daß die elektrischen Schläge nicht den Tod herbeiführen, und daß dieser erst bei der Sektion durch die Aerzte eintritt. Nach seiner Meinung ist es in fast allen Fällen mög­lich, Personen, die dem elektrischen Strom im Singsiug-Gefäugnis unterworfen wnrdeu, wieder zn beleben, und er führte an, daß in einigen Fällen, in denen diese Wiederbelebung tatsächlich statt- gesunden hat, die Personen gransige Schilderungen des Todes­kampfes bei Anwendung der Elektrizität geben. Ein Fall ist zn seiner Kenntnis gekommen, in deut ein Verbrecher, ein ge­wisser W. G. Taylor, nach dem elektrischen Schlag wieder zu sich kant und dann durch Chloroform getötet wurde, indem die Aerzte ihn niederhielten, während das Betänbungsmittel ange­wandt wurde. In dem Fall eines gewissen William Kemmler wurde der Körper, nachdem der erste Schlag keine tödliche Wir­kung getan, das zweite Mal grauenhaft verbrannt, und selbst dann noch zeigte er Lebenszeichen, als die Aerzte das Gehirn sezierten. Den bevorstehenden Hinrichtungen will Dr. Shrady Hun beiwohnen, und nachdem die Delinquenten von den Ge­richtsbehörden für tot erklärt sind, will er Versuche an ihnen machen, um zu zeigen, daß sie wiederbelebt werden können. Wenn ihm dies gelingt, so wird die wahrscheinliche Folge die Abschaffung der elektrischen Hinrichtung im Staate Newyork, für die eine große Zahl Aerzte so lauge Zeit lebhaft agitiert haben, sein.

* Die Hunde von Konstantinopel sollen dem 7,Börs.-Cour." zufolge der netten Verfassung zum Opfer fallen. Die Konstantinopeler Blätter verkünden mit unverhohlener Ge- nugtuung und mit etwas komisch amnutendem Ernst, daß die Jungtürken die Hauptstadt von der zweiten Kategorie ihrer Ein­wohner, d. h. von den Hunden, befreien wollen. Unbefangene Gemüter werden sich fragen, was das Verschwinden der Hunde mit der von den Jungtürken proklamierten Wiedergeburt der Türkei zu tun hat. Die Jungtürken lassen sich aber durch diese

Frage nicht in Verlegenheit bringen: sie sehen iit ihrer Ank- wort ausführlich auseinander, was sie unterWiedergeburt des ottomanischen Reiches" verstehen:regenerieren" heißtettro- päanisieren", heißt alles tun, was in den zivilisierten Laudern ge­tan wird, heißt alles entfernen, was irgendwie an die Zeiten dep Barbarei und der asiatischen Sitten und Gewohnheiten erinnert- Den Attfang muß man natürlich mit derEuropäauisieruug" der Hauptstadt machen: ihr vor allem muß man das Aussehen einer zivilisierten, einer europäischen Stadt zu geben suchen. Die Hunde, die sich als nmimschrüukte Herren der Straßen und der Plätze von Konstantinopel fühlen, erinnern immer an die Vergangen­heit, und ihre Gegenwart, beleidigt das Auge der Jungtürken, die ja die Zukunft des Landes darstellen. Empfindsame Seelen und Tierschutzvereine brauchen sich aber nicht aufzuregen: man will die Hunde von Konstantinopel, die nach Tausenden zählen, keineswegs dem Schinder überliefern, siutciual cs in Konstcur- tinopel einen Schinder gar nicht gibt. Um das Hundevolk aus dem Straßenbilde zu entfernen, will man folgendermaßen ver­fahren: es sollen alle Hande eingefangen, nach Geschlechtern getrennt und auf Schiffen nach zwei unbewohnten Inseln des! Marmara-Meeres gebracht werden; hier in der Verbannung, sollen dann die Hunde auf Staatskosten durchgefüttert werden, bis sie an Altersschwäche sterben und in das HundcparadieK eingehen. Dieses Huudevertilgnngsmittel ist human und gerade­zu genial.

* Beschränkt. Lehrer:Schmidt, sagen Sie mir, was ist eilt Satrap?" Schüler!:Ein Satrap ist ein persischer Bcv- waltitngsbeamter; er hatte etwa die Macht eines heutigen Ober­präsidenten, war jedoch nicht so beschränkt wie dieser."

Literarisches.

Unter dem TitelGo ldeue Kla s sike r-B ib lio - thek" überrascht das Deutsche Verlagshaus Bong u. Co. mit einem Unternehmen, das auf dem deutschen Bücher­märkte bisher kaum seinesgleichen hatte. Wer sich früher eine Hausbibliothek unserer großen Dichter und Schrift­steller anlegeit wollte, der mußte wählen zwischen Ausgaben,- deren hoher Preis eine Anschaffung int größeren Umfange den meisten unmöglich machte, oder aber die ihre Wohl­feilheit mit minderwertigem Papier, engem Druck uud un­ansehnlicher Ausstattung bezahlten. Die Goldene Klassiker- Bibliothek bietet zum ersten Male zu ganz geringem Preise eine Ausstattung, die in Bezug auf Einband, Papier und! Druck alle Anforderungen eines verwöhnten Geschmacks be­friedigen muß. Keineswegs jedoch bildet die äußere Aus­stattung den einzigen oder wichtigsten Vorzug oer Bibliothek. Vielmehr ist durch eine große Zahl erster Fachleute dasüy gesorgt worden, daß jede einzelne Ausgabe dem gegenwär­tigen Stande der literarhistorischen Wissenschaft entspricht. Ein ausführliches Lebensbild, Einleitungen zu den einzelueu Werken sowie erklärende Anmerkungen sollen dem Leser das! Verständnis erleichtern, wie auch dem Fachmann wertvolles' Material bieten. Alphabetische Verzeichnisse, Wort- und Sachregister erhöhen die Benutzbarkeit der Ausgabe. Zahl­reiche Porträts, Handschriftenproben und sonstige Abbil­dungen dienen gleichzeitig zum Schmuck und zur Belehrung. Alles in allem ist die Goldene Klassiker-Bibliothek ein be­redter Beweis für die außerordentliche Leistungsfähigkeit des heutigen deutschen Buchgewerbes.

Rösselsprung.

Auflösung in nächster Nummer.

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Auflösung des Verwandlungsrätsels in voriger Nunuuerr Nero, Tuch, Lenne, Herr, taub, echt, eigen;

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Redaktion: E. Anderson. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen UntversitütS-Vuch- und Stetudruckeret, R. Lange, Gieße».