* Schillers Größe. Prof. Dr. Richard Weltlich, der bekannte Schiller-Biograph, schreibt den „Münch. N. N.": Gestatten Sie mir zu dein interessanten Artikel in Nr. 485 „Authentische Porträte aus dem frühen Mittelalter" eine kleine Bemerkung ! Er enthält die Angabe, Schillers Körpergröße habe genau wie die Karls des Großen 1,92 Meter betragen. Was Schiller betrifft, so liegt hier meines Wissens ein Irrtum vor. Wir haben eine authentische und ziffernmäßige Bestimmung seiner Körpergröße in seiner im k. württemb. geh. Haus- und Staatsarchiv noch vorhandenen Nationalliste der Stuttgarter Militärakademie: beim Austritt aus dieser Anstalt int Dezember 1780 maß Schiller 6 Fuß 3 Zoll. Damals war er 21 Jahre alt. Es ist wurttembergisches Fußmaß gemeint, und 6 Fuß 3 Zoll desselben sind 1,79 Meter. Messungen aus spaterer Zeit fehlen. Es ist wohl anzunehmen, daß Schiller, der in Weimar als der größte Mann der Stadt galt, zwischen dem 21. und 25. Lebensjahr noch nur einige Zentimeter gewachsen ist, sehr unwahrscheinlich aber, daß diese Zunahme 13 Zentimeter betrug. Die zeitge- nössischeu Schilderungen würden mit viel mehr Erstannen von seiner Körpergröße reden, wenn diese das Riesenmaß von 1,92 Meter erreicht hätte. Einiges nähere gibt meine Schillerbiv- graphie I, S. 323 ff.
* Schnaps, der nach dein Aieterinaß verkauft wird, ist der im Norden Chiles beliebte Anisado, eine Art Anislikör. Hebet1 ihn erzählt Erwin v. Hase in seinen lustigen chilenischen Skizzen „Aus der Heimat der Kartoffel" (Berlin, C. A. Schwetschke & Sohn) folgendes: „Den Seeleuten ist es meist verboten, alkoholische Getränke mit an Bord zu bringen. Deshalb sind einige findige Händler auf den genialen Gedanken gekommen, den Anisado in Tierdärme zu füllen, die sich wie ein Riemen um den Leib binden lassen und die so an Stelle bauchiger Flaschen auf die Schiffe geschmuggelt iverden. — Tas Geschäft wickelt sich etwa ivie folgt ab: „Hallo: Caballero, schneiden Sie mir mal drei Meter Schnaps ab!" Der Budiker holt seine Anisadowurst von der Stange herunter, die wagerecht über deni Ladentisch hängt, mißt an den Kerben, die am Rand des Tresens eingeschnitten sind, drei Meter nebst einer kleinen Llapa (Zugabe) ab, macht mit Bindfaden vor und hinter dem vermessenen Ende Umschnürungen iind säbelt zwischen ihnen den Darni diirch, den Jan Maat sich coram publica wie ein indischer Schlangenbändiger um beit bloßen Leib schlingt, um damit von dannen zu trollen."
* Versuche an Hingerichteten. Aus Newyork wird berichtet: An sieben zum Tode Verurteilten, die im Singsing- Gefängnis der Hinrichtung entgegensehen, will Dr. George F. Shrady, der Totenschaner der Stadt Newyork, Versuche machen, durch die sestgestellt werden soll, ob Verbrecher, die durch den elektrischen Strom hingerichtet werden, furchtbare Qualen erleiden, bevor sie tot sind. Dr. Shrady ist fest überzeugt, daß die Hinrichtung durch Elektrizität eine unmenschliche Grausamkeit ist. Er behauptet, daß die elektrischen Schläge nicht den Tod herbeiführen, und daß dieser erst bei der Sektion durch die Aerzte eintritt. Nach seiner Meinung ist es in fast allen Fällen möglich, Personen, die dem elektrischen Strom im Singsiug-Gefäugnis unterworfen wnrdeu, wieder zn beleben, und er führte an, daß in einigen Fällen, in denen diese Wiederbelebung tatsächlich statt- gesunden hat, die Personen gransige Schilderungen des Todeskampfes bei Anwendung der Elektrizität geben. Ein Fall ist zn seiner Kenntnis gekommen, in deut ein Verbrecher, ein gewisser W. G. Taylor, nach dem elektrischen Schlag wieder zu sich kant und dann durch Chloroform getötet wurde, indem die Aerzte ihn niederhielten, während das Betänbungsmittel angewandt wurde. In dem Fall eines gewissen William Kemmler wurde der Körper, nachdem der erste Schlag keine tödliche Wirkung getan, das zweite Mal grauenhaft verbrannt, und selbst dann noch zeigte er Lebenszeichen, als die Aerzte das Gehirn sezierten. Den bevorstehenden Hinrichtungen will Dr. Shrady Hun beiwohnen, und nachdem die Delinquenten von den Gerichtsbehörden für tot erklärt sind, will er Versuche an ihnen machen, um zu zeigen, daß sie wiederbelebt werden können. Wenn ihm dies gelingt, so wird die wahrscheinliche Folge die Abschaffung der elektrischen Hinrichtung im Staate Newyork, für die eine große Zahl Aerzte so lauge Zeit lebhaft agitiert haben, sein.
* Die Hunde von Konstantinopel sollen dem 7,Börs.-Cour." zufolge der netten Verfassung zum Opfer fallen. Die Konstantinopeler Blätter verkünden mit unverhohlener Ge- nugtuung und mit etwas komisch amnutendem Ernst, daß die Jungtürken die Hauptstadt von der zweiten Kategorie ihrer Einwohner, d. h. von den Hunden, befreien wollen. Unbefangene Gemüter werden sich fragen, was das Verschwinden der Hunde mit der von den Jungtürken proklamierten Wiedergeburt der Türkei zu tun hat. Die Jungtürken lassen sich aber durch diese
Frage nicht in Verlegenheit bringen: sie sehen iit ihrer Ank- wort ausführlich auseinander, was sie unter „Wiedergeburt des ottomanischen Reiches" verstehen: „regenerieren" heißt „ettro- päanisieren", heißt alles tun, was in den zivilisierten Laudern getan wird, heißt alles entfernen, was irgendwie an die Zeiten dep Barbarei und der asiatischen Sitten und Gewohnheiten erinnert- Den Attfang muß man natürlich mit der „Europäauisieruug" der Hauptstadt machen: ihr vor allem muß man das Aussehen einer zivilisierten, einer europäischen Stadt zu geben suchen. Die Hunde, die sich als nmimschrüukte Herren der Straßen und der Plätze von Konstantinopel fühlen, erinnern immer an die Vergangenheit, und ihre Gegenwart, beleidigt das Auge der Jungtürken, die ja die Zukunft des Landes darstellen. Empfindsame Seelen und Tierschutzvereine brauchen sich aber nicht aufzuregen: man will die Hunde von Konstantinopel, die nach Tausenden zählen, keineswegs dem Schinder überliefern, siutciual cs in Konstcur- tinopel einen Schinder gar nicht gibt. Um das Hundevolk aus dem Straßenbilde zu entfernen, will man folgendermaßen verfahren: es sollen alle Hande eingefangen, nach Geschlechtern getrennt und auf Schiffen nach zwei unbewohnten Inseln des! Marmara-Meeres gebracht werden; hier in der Verbannung, sollen dann die Hunde auf Staatskosten durchgefüttert werden, bis sie an Altersschwäche sterben und in das HundcparadieK eingehen. Dieses Huudevertilgnngsmittel ist human und geradezu genial.
* Beschränkt. Lehrer: „Schmidt, sagen Sie mir, was ist eilt Satrap?" — Schüler!: „Ein Satrap ist ein persischer Bcv- waltitngsbeamter; er hatte etwa die Macht eines heutigen Oberpräsidenten, war jedoch nicht so beschränkt wie dieser."
Literarisches.
— Unter dem Titel „Go ldeue Kla s sike r-B ib lio - thek" überrascht das Deutsche Verlagshaus Bong u. Co. mit einem Unternehmen, das auf dem deutschen Büchermärkte bisher kaum seinesgleichen hatte. Wer sich früher eine Hausbibliothek unserer großen Dichter und Schriftsteller anlegeit wollte, der mußte wählen zwischen Ausgaben,- deren hoher Preis eine Anschaffung int größeren Umfange den meisten unmöglich machte, oder aber die ihre Wohlfeilheit mit minderwertigem Papier, engem Druck uud unansehnlicher Ausstattung bezahlten. Die Goldene Klassiker- Bibliothek bietet zum ersten Male zu ganz geringem Preise eine Ausstattung, die in Bezug auf Einband, Papier und! Druck alle Anforderungen eines verwöhnten Geschmacks befriedigen muß. Keineswegs jedoch bildet die äußere Ausstattung den einzigen oder wichtigsten Vorzug oer Bibliothek. Vielmehr ist durch eine große Zahl erster Fachleute dasüy gesorgt worden, daß jede einzelne Ausgabe dem gegenwärtigen Stande der literarhistorischen Wissenschaft entspricht. Ein ausführliches Lebensbild, Einleitungen zu den einzelueu Werken sowie erklärende Anmerkungen sollen dem Leser das! Verständnis erleichtern, wie auch dem Fachmann wertvolles' Material bieten. Alphabetische Verzeichnisse, Wort- und Sachregister erhöhen die Benutzbarkeit der Ausgabe. Zahlreiche Porträts, Handschriftenproben und sonstige Abbildungen dienen gleichzeitig zum Schmuck und zur Belehrung. Alles in allem ist die Goldene Klassiker-Bibliothek ein beredter Beweis für die außerordentliche Leistungsfähigkeit des heutigen deutschen Buchgewerbes.
Rösselsprung.
Auflösung in nächster Nummer.
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Auflösung des Verwandlungsrätsels in voriger Nunuuerr Nero, Tuch, Lenne, Herr, taub, echt, eigen;
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Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen UntversitütS-Vuch- und Stetudruckeret, R. Lange, Gieße».


