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HUttg in der Puppenstube and Küche auf ihren Hausfrauen- berüf vor. Der kleine Knabe zeigt schon seine Neigung KU dieser oder jener Tätigkeit im Spiel an. — Im frühen Kindesalter genügt das allereinfachste Spielmateriast Pa- pierschnitzest Hölzchen, Steine, ein Ball, zur angenehmsten Unterhaltung, das ohne Gefährten die Zeit gut ausfüllt. Später erst zeigt sich der Hang zur Geselligkeit. Bei jedem Spiele treten die allerverschiedensten Eigenschaften des Kindes hervor, und der Beobachter sollte nrit Fleiß darauf merken, um Fehler und Tugenden zu unterscheiden. Wie die Spiele schon das Kind unbemerkter Weise in die Schule nehmen, so lehren sie auch den Erzieher Aufmerksamkeit. Wie das Kind eine Sache ansieht, so sucht es sie spielend darzustellen, indem es ymandert und formt, wie es ihm angebracht erscheint, und so wendet es seine Körper- und Geisteskräfte, gleicherweise an. Was aber angewandt wird, das erstarkt, und somit dient auch das Spiel zum Besten des ganzen Körpers. Der Wert des kindlichen Spieles darf in keiner
. Art unterschätzt werden, denn nicht allein, daß dadurch, wie schon bemerkt, die guten und bösen Regungen und Neigungen zu Tage treten, also gefördert oder bekämpft werden können, sie dienen auch zur Stählung der Nerven, zur Anspannung des Mutes, zur Schärfung des Auges, zur Belebung der Phantasie, zur Kenntnisnahme der näheren und weiteren Umgebung, wie auch der Raturkräftc. Aus allen diesen Gründen leitet sich das Recht des Kindes auf das Spiel ab, welches ihm durch keine ungesunde Anschauung geraubt werden darf.
Die LebensermnerunM der Lore Zuller.
In den nächsten Tagen erscheinen im Buchhandel unter dem Titel: „Fünfzehn Jahre meines Lebens" die Memoiren der Lote Fuller. Während es allgemein bekannt sein dürfte, daß Lote Fuller den Serpentintanz kreiert hat, wissen nur wenige, das; die Tänzerin mit dem geschmeidigen Körper und dem pikanten Gesicht allch die Sada Pacco und die Hanako in Paris lanciert hat. An einer Stelle ihrer Memoiren erzählt Lote Fuller mit Humor, in welcher Weise sich die Einführung des Kawakami in Paris abspielte. fJni „Matin" ivird dieser Abschnitt des Memoirenwerks mitgeteilt:
„Wer ist der Autor der Stücke, die Sada Yacco spielt?" fragte mich eines Tages ein bekannter Schriftsteller. „Kawa- kami, ihr Mann." „Richtig. Aber ich halte es für notwendig, daß er in die Gesellschaft der Autoren eingeführt wird." Und wir beschlossen seine Kandidatur. Am festgesetzten Tage führte ich ihn in die Socisto des anteurs ein. Ich war überrascht, und Kawakanii nicht minder, als er sah, daß die Herren des Komitees vollständig versammelt waren. Man führte uns in den Saal, in dem die Mitglieder um eine runde Tafel saßen. Sardon präsidierte, und empfing uns mit liebenswürdigen Worten. Er begrüßte Kawakanii als das erste literarische Bindeglied zwischen Frankreich und Japan. Er beglückwünschte Kawa- kami zu dein Mute, eine Truppe so weit von ihrem Heimatslande nach einer Stadt geführt zu haben, in der kein Mensch ein Wort Japanisch versteht. Er machte ihm Komplimente über Komplimente und nannte ihn „teurer Bruder". Dann schloß er.
Nun entstand eine Pause, und ich'begriff, daß man von Kawakami eine Antwort erwartete. Aber dieser dachte nicht im entferntesten daran, das Wort zu ergreifen. Er blieb ruhig sitzen und betrachtete eingehend die Gesichter der Anwesenden. Ich fühlte die Notwendigkeit, daß etwas geschehen müsse. Irgendeiner mußte eingreifen, und ich übernahm, koste es, was es koste, diese Rolle. Ich wandte Wich zu Kawakami und fragte ihn mimisch: „Haben Sie verstanden?" Er schüttelte mit dem Kopfe. Da meinte Sardon: „Miß Fuller, übersetzen Sie ihm doch, was uh gesagt habe!" Nebcrsetzen. Das war gut gesagt, indessen es mußte sein. Ich nahm alle meine Kräfte zu- fammen und erklärte Kawakami auf Englisch, wovon er kein Wort verstand, daß Sardon ihm soeben du Hochachtung ausgedrückt habe, weil er ein japanischer Autor sei, weil er seine Truppe nach Paris gebracht habe, und daß die Gesellschaft der Autoren ihn mit Freuden emp
fange. Ich brückte alsdann Kaivakami mit der ganzen Kraft der Pantomime, deren ich fähig war, ans, daß er sich jetzt erheben und einige Worte auf Japanisch sagen müsse. Die Hauptsache bestand ja doch darin, daß diese Herren glaubten, ich hätte Sardous Worte übersetzt.
Kawakami erhob sich auch sofort und hielt unter lebhaften Gesten und Gebärden eine Rede, die einen sehr ernsten Charakter zu haben schien. Kawakami ist nämlich ein bedeutender politischer Redner. Nachdem er geendet, betrachtete ihn alle Welt offenen Mundes mit Bewunderung. Keiner hatte ein Wort verstanden. Ich natürlich auch nicht. Es entstand eine peinliche Pause; dann fragte Sardon: „Was hat er gesagt, Miß Fuller?" Das war der Gipfelpunkt. Ich verstand ja ebensowenig Japanisch wie die anderen Herren hier. Dennoch fühlte ich eine gewisse Verantwortung dafür, daß die Sache nicht entgleiste, nahm meinen Mut in beide Hände, erhob mich und sprach.
Ich versuchte das zu sagen, was auch Kawakami gesagt hätte, wenn er sich an meiner Stelle befunden, und tont mit Emphase und großen Worten auch glücklich ans Ziel. Bevor ich mich setzte, versicherte ich noch: „Das hat er gesagt, meine Herren!" Meine doppelte Rolle war damit vollendet. Es gab laute Bravos, und das Eis war gebrochen. Die Unterhaltung wurde allgemein und die Sitztlng endete mit einem großen Erfolge für Kawakami.
Das Resultat war, daß Kawakami Sardous „Patrie" in Japan spielte und mit diesem Stücke einen ebenso großen Erfolg erzielte wie mit den Dramen Shakespeares, die er ebenfalls irach Japan verpflanzt hat."
,Jch hatte einen Aufsatz auf. Ich sah, wie ' ’ • ' Ich fing an zu arbeiten, aber
VsfmischSss.
* DaS größte Schulhau8 Deutschlands besitzt nach der „Berl. Volkszig." jetzt Ripdorf, das am Dienstag fein neues 72klassiges BoikSfchulgebände in der Boddinüraße einweihte und der Benutzung übergab. Das Schuihaus übertrifft das bisher größte deutsche Schulhaus, das in Box- Hagen-Rummelsbiirg, noch um zivei Klassen. Es stellt einen gewaltigen Gebäiidekomplep dar, der in der äußeren architektonischen Ausgestaltung der Baulichkeiten gefällig angeordnet und gegliedert ist. Die innere Einrichtung und Ausstattung sind zweckmäßig gehalten. Die Mauern der Korridore und die der einzelnen Schnlzimmer zieren künstlerische Wandbilder. Dazu ist das Riesenschulhaus mit allen modernen schultechnischen Errungenschaften, Brausebädern, Lerrazzo- fußböden, Zentralheizung nstv. verseheit. Der Bau hat 950 000 Mark gekostet und ist im Laufe von fünf Jahren errichtet worden. Erbauer ist der Ripdorser Stadtbaurat
* Die Folgen der Faulheit. Ein Leser aus Hautburg schreibt der „Tgl. R.": Fritzcheu, das hoffmingsvolle Solm- cheu eines meiner Bekannten, hat einen Austatz sich die Schule machen sollen. Aber die Luft zum Spiel war swrker als der Trieb zur Arbeit, und so legt er abends dem tmtci eine »Mett tooi, in der es von Fehlern und Nüchügleiten erschrecklich wimmelt. Fritzchen bekommt des BateiK Hand zu spüren, und als Ergänzung der Strafe muß er hem Baier einen Aufsatz schreiben iiber das Thema: Die Folge,t der Faulheit nu, spateren Leben. Fr'tzckpm geht reuevoll in sich und bringt unter Tränen und Scham lochende Niederschrift fertig: „Ich Ijntte einen Aufsatz auf. ^ck) sah, ttne mein Bruder fleißig arbeitete. Ich fing an auitten, <toet ich dachte immer an Spielen, biS es mich so weit Eub, da» ich meine Schularbeiten flüchtig und schlecht mackste. Meine Muttest warnte mir, ich hörte nicht dahin denn ich dachte am Spiel, pich spielte nun bis dm Wendt. Als ich Heiinkam erzaylte metnel Mutter dem Bater meine Nachlässigkeit. Dieser schimpfte sehr ich mußte ihm meinen Aufsatz zeigen. Als er diesen sah, da Plagte ibn die Galle, und er schlug Mich windelweich. Al» dieses geschehen war, mußte ich mich waschen, uub die Aroest nochmal machen. Als ich fertig war sagte ich meinen Eltern gu.^e nackst. Fch aber vergaß ntid) bei meinen Bater zu bedanken daß er mich Noch früh gewarnt hat.ch Nun denken wir mal ins sMere Leben Wer kann sich wohl tn meine Lage denken. Ich den« Mick es so daß ich ein Straßenbnmlmlev bin. Dann denke ich zurück. Dafür ist das Sprichwort, das Bäumchen biegt sich, aber der Baum nicht mehr. Ich habe mm darüber, nach gedacht, daß es filt meinen Eltern Geschwistern und tmch eine große Schande fei wenn sie einen solchen Bruder und Sohn haben.


