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die älteren Schwestern des' kleinen Alexis ein gewisses Gefallen zu finden wüßten. Um diese Bahn in Betrieb zu setzen, muß sie mit einem Steckkontakt in der Wand in Verbindung gesetzt werden, und die Reise kann beginnen. Dieses Spielzeug, das unter den Zarenkindern viel Jubel hervorgerufen hat, ist auf eine Anregung der Tochter Fallitzres von einer Pariser Spielwarenfabrik angefertigt worden.
* Ohne Eheinann auf die Hochzeitsreise. Daß eine Ehefrau ohne ihren Ehemann aus die Hochzeits- reise geht, dürfte zu den Seltenheiten zählen. Daß sie diese Hochzeitsreise sogar von Amerika nach Serbien macht, dürfte auch nicht gerade beweisen, daß sie sich danach sehnt, ihren jungen Ehemann so schnell wie möglich wiederzusehen. Die Dame, die ihren Honigmond allein verleben will, ist die Gattin eines Newyorker Cafshausbesitzers, der so stark beschäftigt ist, daß er seinen Betrieb unmöglich längere Zeit im Stiche lassen kann. Nun hatte er aber seiner Frau, einer geborenen Serbin, versprochen, mit ihr die Hochzeitsreise in ihr Heinratland zu machen. Als es nun dazu kam, rechnete er ihr vor, daß er täglich hundert Dollar weniger verdienen würde, wenn er in seinem stark frequentierten Eafs nicht selbst nach dem Rechten sähe. Er schlüge ihr daher vor, ihr die Hälfte seines Mehrgewinns als Extra- Gratifikation zu schenken und zu Hause zu bleiben, während sie sich ihren serbischen Verwandten als junge Frau allein vorstellen könne. Die liebevolle Gattin ging auf den Pakt ein und wirbelt jetzt ohne ihren Gatten, aber von Tag zu Tag um 50 Dollar reicher, allein in der Welt herum. Sie hat sogar alles Interesse daran, die Zeitdauer ihrer Reise möglichst auszudehnen.
ipc. Die Kunst, angenehm zu träumen. Raymond Meunier plaudert in den Hebdo-Debats von der Kunst, angenehm zu träumen. Natürlich gehört zu einem angenehmen Traum ein gesunder Schlaf, und so wird der Wunsch, seine Träume ganz nach Belieben zu regeln, nur gesunden Menschen in Erfüllung gehen. Die Hauptstütze für sein System hat Meunier an einen: Marquis, -der seit dem 13. Lebensjahr jeden Morgen aufschrieb, was er geträumt hatte. Fast 2000 Träume gab er in einem Buche wieder. Danach ist es ihm gelungen, nach Wunsch zu träumen. Er bedient sich hierbei des Asso- ziationeverfahrens. So hatte er einmal während des ! Sommers auf einem Schlosse glückliche Tage verlebt, s Während seines Aufenthaltes in jener Gegend atmete er I täglich ein kostbares Parfüm ein, das er sich eigens mitgenommen hatte. Nach Paris zurückgekehrt, besprengte er abends das Kopfkissen mit dem gleichen Riechstoff und nun träumte er wunderschön von alldem, was er auf jenem Schlosse erlebt hatte. Von dem Schriftsteller Maury er- I zählt Meunier, daß er während seines Schlafes von Kirchenglocken träumte, sobald man in seiner Nähe Metallstücke aneinander schlug. Spritzte man ihm einen Tropfen auf die Stirne, so glaubte er zu schwitzen und in Italien zu sein. Ein derartiges System ist natürlich sehr fraglich, weil man die Sinneseindrücke auf einen Schlafenden nicht vorher bestimmen kann und man auch garnicht weiß, wie die Sinneseindrücke im Schlafe vom Bewußtsein gedeutet werden. Ebenso kann niemand vorher angeben, wie diese Sinneseindrücke mit vorangegangenen Erlebnissen zusammen gestellt werden. Nach unangenehmen Erlebnissen liegt es nahe, zu vermuten, daß diese im Traume wiederkehren, und angenehme Träume kann schließlich uur der haben, der auch in wachem Zustande fähig ist, angenehme Erlebnisse wirklich in sich aufzunehmen. Die Entstehungs- | Ursache der Träume scheint allerdings nicht dafür zu I sprechen, daß es eine Kunst gibt, angenehm zu träumen. K r.er kl ein e Will i war ein „süßer Junge"; wenigstens dachte ferne Mutter das BtS vor kurzem. Eines Tages vermißte sre den Knaben eine ganze Zeit, und als er wieder auftauchte, Zagst sie ihn: „Wo bist du gewesen, Liebling?" — „Ich habe Postbote gespielt, antwortete der „Liebling". „Ich habe in jedem 1
Haus in unserer Straße einen Mief abgegeben. Ganz richtige Briefe. — „Wo tn aller Welt hast dn die denn herbekommen?" fragte ferne Mutter heiter. — „Es waren die alten, die in deiner Kommode lagen und mit einem roten Band zusammengebunden sind," war die unschuldige Antwort. Willi wünscht jetzt zu wissen, weshalb er Prügel bekam. Wie konnte seine Mutter erwarten, daß er wisse, daß es ihre alten Liebesbriefe waren, die er ausgetragen hatte?
* Alte Wahrheit. Es ist viel leichter, Bücher zu behalten, als das, was drin steht.
* Ein seltener Arzt. „Ich sehe mehr auf gute Behandlung als aus hohen Lohn."
Literatur.
:— Einen Almanach in künstlerisch hervorragender Ausstattung, ein durchaus modernes Buch, von den leitenden literar. und ästhetischen Gedanken unserer Tage erfüllt, geben — zum erstenmal —• Velhagen u. Klasings Monatshefte heraus. Der entzückende Band bildet die reizvollste Ergänzung der geschätzten' Monatshefte, ist aber nicht nur ben Lesern dieser Zeitschrift gewidmet,; sondern wendet sich mit seinem reichen und vielseitigen Inhalt an die gesamte deutsche Leserwelt. Die ersten und erfolgreichsten Autoren der Gegenwart haben dem neuen „Almanach von Velhagen u. Klasings Monatsheften" ihre Gaben zugewandt. Paul tz e y s e, Hugo v. Hofmannsthal, Isolde Kürz, Hermann Hesse, Marie v. Ebuer-Eschenbach, Börries Freih. v. Münchhausen, G. v. d. Gabelentz, Otto v. Leitgeb, Georg Freih. v. Ompteda, Joseph Laufs u. a. siud darin mit erzählenden Beiträgen in Poesie und Prosa, Novellen, Skizzen und Balladen vertreten. Clara Vie big und Richard Voß plaudern Erinnerungen aus ihrem Leben aus. Der Beitrag der gefeierten. Romandichterin heißt: „Wie ich Schriftstellerin wurde." Fragen der Literatur behandeln Prof. Dr. Berthold Litzmann: „Probleme der Shakespearischen Römerdramen", Prof. Dr. Hehck: „Ein Liebesbrevier vor hundert Jahren", Dr. Ernst Heilborn: „Die Frau int modernen Drama." Dr. Max Osborn schreibt über Frauenbildnisse, unterstützt durch hervorragend schöne Reproduktionen — Jntagliodrucke und mehrfache Kunstblätter — von neuen Gemälden F. A. Kaulbachs und P. A. Läszlös. Auch für das praktische Leben enthält der reizvolle Band Hinweise von ersten Fachleuten. So behandelt Geheimrat Dr. Jng. H. Muthesius in einem klugen und überzeugenden Aussatz die Ausstattung des Musikzimmers. Das äußere Gewand dieses neuen Almanachs ist das vollendetste, was die moderne Buchkunst zu bieten vermag. Einband, Papier, Buchschmuck, die Kunstblätter, der Karton — alles verrät vornehmen Geschmack. Auf dem deutschen Büchermarkt gibt es augenblicklich kein zweites Werk, das sich so wie dieser Almanach als Geschenk, zumal an eine ästhetisch veranlagte, feinsinnige und kunstempfängliche Frau, eignet.
Gedanken und Betrachtungen.
Von Helvstius.
Die Menschen sind immer gegen die Vernunft, wenn die Vernunft gegen sie ist.
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Der Grund unserer Achtung oder Verachtung für eine Sachs entspringt dem Verständnis oder dem Unverständnis, die wir ihr entgegenbringen.
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Die Geschichte ist der Roman der Tatsachen, und der Roman die Geschichte der Gefühle. Die Geschichte lehrt uns, daß die Tugend nichts mit den Menschen zu tun hat, daß unter Hunderten kaum einer aus Neigung tugendhaft ist. Der Roman zeigt uns Vorbilder der Treue und Rechtschaffenheit.
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Der Verstand skizziert das Glück, das die Tugend aussührt.
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In Unglückszeiten zieht man die Tugend dem Geist vor, weil man ihrer dann mehr bedarf und nicht etwa, weil sie wertvoller ist. Es sind immer nur unsere eigenen Bedürfnisse, die uns eine Sache der anderen vorziehen beißen.
Wenn man jung ist, macht man Verse und windet Kränze. Ist man reifer, hat man vernünftige Erwägungen. Es geht den Menschen wie den Bäumen, die erst Früchte tragen, wenn sie die Blüten verloren haben. Man hat erst Gefühle und Wünsche, ehe man Ueberlegungen hat.
Dreisilbiges Rätsel.
Beim Eintritt in die Erste, bist Du gleich das ganze Rätselwort; Tie Zwei und Drei wird später oft Der Mann in seinem Heimatsort.
Lauterbach. E. K e l l e r.
Auflösuitg in nächster Nummer.
Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummer: Ohrfeige.
Redaktion: N. Witiko. — Rotationsdruck und Verlag der B r L b l'sche» Universttäts-Buch^Htemdruckerei, R. Lange, Gießen.


