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Oder einandernral, Imetotr am heißen Sowiuersonntag^ über die Herde schlendern, Brombeeren nnd Rauschbeeren suchend- Oder wie wir beim Blühen die Nester der Erdhummeln aufspüren und! wenn auch mrt manchem schmerzhaftem Stich, die süße Beute davonbringen. Oder, wie wir in schwüler Mittagsstunde am' Rand der wapergesullten Graben hinschlcichen und den Hechten die träumend und wie halb betäubt in der Sonne stehen, Schlingen dre wrr uns aus Haaren des Pferdeschweifes gedreht haben, über den Köpf zrehen und sie mit plötzlichem Ruck aufs Land schnellem Oder, wre wir das Wasser eines kleinen Bachs abdämMen und unsere Mühlen zu treiben nötigem Oder, wie wir am Zaun mrt kundiger Wahl Werden zu Bogen schneiden und starke Schilf­rohr, das totr aus dem Dach des Hauses ziehen, mit Pfeilspitzen versehen- Oder, wre wrr iM Herbst draußen auf dem Felde Feuer anzunden und Mrtoffeln braten; Stahl und Stein nebst Schwamm fehlte nie in der Tasche, und noch ein anderes Mittel, rreuer anzumachen, hatten wir in Gebrauch: das Brenn- glas; tote wir denn auch Sonnenuhren in Gestalt von verstellbaren Rrngen bei uns trugen- Oder, wie wir int Winter Schneeburgen bauen und verteidigen, oder auf Schlittschuhen stundenweit über die überschwemmten Wiesen fliegen-" Und ebenso wird die nächt­liche Welt den Knaben vertraut, wenn das dichte Salzgras in den taufeuchten Morgenstunden gemäht wird, und er lernt den Auf­ruhr der Natur im Gewitter kennen- Aber auch an dem Arbeits­leben tnt Dorfe nimmt er früh teil-Vom siebenten, achten ^abrhab ich ^ahr für Jahr meinen Anteil an allen landwirt- schaftlteyen Arbeiten gehabt, beim Pflügen und Eggen, bei der Heu- und Kornernte, unzählige Heu- und Kornwagen hab' ich mit kunst­sicherer Hand geladen, viele lange Julitage voM frühesten Morgen bis zum Abend auf den entfernteren Wiesen beim Mähen und Heuen geholfen: tn meiner Erinnerung die sonnigsten Tage meines Le­bens.^ Daneben gab's im Karten zu tun, zu pflanzen und zu begtetzen, zu holen und zu genießen; und gelegentlich war auch ein- mal beim Backen und Knochen, beim Füttern und Tränken eine hilfreiche Hand mehr zu brauchen." Der Knabe beobachtet auch die Handwerker bei ihrer Arbeit, und so ist ihm die ganze Welt E. rinnen Kreis gegenwärtig, da auch die Lebensveryaltnisse emmch und durchsichtig sind und der innere Zusammenhang menschlicher Dinge, die notwendige Beziehung von Charakter und Schicksal vor aller Augen klar liegt. Zu dem Reichtum gesellt sich auf der anderen Seite eine nicht minder glückliche Armut: an Spielzeug! Paulsen hat oft im pädagogischen Kolleg von der Phantasietotenden Kraft des, fertigen, allzu vollendeten Spiel- zeugs gesprochen; er konnte sich aus Beispiele aus seinem eigenen ^^?en beziehen:Wer Spielzeuge brauchte, machte sie sich selbst, das Mädchen die Puppe und den kunstvoll gestickten Ball, der Knabe die Schleuder nnd den Bogen, die Mühle und den Karren, den Drachen und das Schiff, mit hundertfältiger Freude, erst des Erfindens und Ausführens, dann, daß es ging. Nnd wenn's zerbrach, war s nicht schlimmer, als daß man ein neues und "Meres machte.' Ja sogar ein Schachspiel hat der Knabe sich selbst geschnitzt. Und in der Dorfschule fand dieser Unterricht diirrn) das Leben Jeine Ergänzung, indem überall an praktische ?ä!ä.c angeknupst werden konnte. Ein Beispiel:Auch ein schlichter. Unterricht in der Physik fand mannigfache Anknüpfung rm Gebiet der eigenenAnschauung und Tätigkeit des Knaben. Es ip mir noch gegenwärtig, wie uns die Lehre vom Hebel und der Wage vorgetragen worden war, und wie ich nun mit selbst- gefcrtigtem Apparat, Kastanienschalen und Erbsen dienten zur Wage, dm Richtigkeit der Sache bestätigt fand. Ein andermal s! Heber gehabt. Das muß man doch versuchen,

woher einen Heber nehmen? Einen Gummi- schlauch gab s im ganzen Dorf nicht, und ich glaube auch, in der Wachsten Stadt wäre er damals nicht zu haben gewesen; eine ge­bogene Glasröhre erst recht nicht. So verfiel ich darauf, die langen hohlen Stengel des Löwenzahns, die auf dem Hofe wuchsen, zu verweuden, sie waren gebogen oder ließen sich biegen, und siehe da: die Sache ging. Ich hab' manchen Eimer Wasser so ablauwn lasten. Auch hier die Armut eine Quelle des Reich­tums : sie macht erfinderisch und nötigt, sich selbst zu helfen. Ich hab von diesem Physikunterricht mehr gehabt, als mancher aus einem wissenschaftlichen Unterricht mit reich ansgestattetem Apparat nntbr-ngt." Gerade diese enge Berührung mit einer so allseitigen Welt hat den Philosophen verhindert, den Zusammenhang mit dem Leben zn verlieren, nnd immer den Wunsch in ihm lebendig erhalten, zu den großen praktischen Fragen, die in unserer Zeit aufgeworfen werden, entschieden Stellung zu nehmen.

Zieh nicht an den MM!

Ei« Herr, der wohl um jetnert Preis beachtet sein !vill, wie der selige, aber wahnsinnige Herostrat, ein Herr, der vielleicht Reklame sür ein nächstens erscheinendes Buch machen will, erläßt in der letzten Nummer derNeuen Revue" unter dem TitelDie Berliner und der Rhein" einen durch die Kühnheit der Idee und die Satire, die er über die groteske Phantasie der Berliner Rheinenthusiasten ausschüttet, ausgezeichneteti Artikel.

Er schreibt etwa folgende Blasphemie, der der humoristische Uusimt deutlich anzusehen ist, die wir aber trotzdem nicht gut­

heißen können, weil sie von mancher Seite zweifellos ernst genommen wird. Und weniger luiäte mehr gewesen.

w ."Wentt ich etwas in meinem ganzen .Leben nicht begreifen werde, so ist es dre Tatsache, daß alle Leute in Deutschland für den Rhem schwärmen. Es scheint hier eine ganz merkwürdige Massensuggestion vorzuliegen, denn ein öderes und lang­weiligeres Gewässer als den Rhein kann man schwerlich austreibeN. Die paar Ruinen, die der Verschöne­rn n g s V e r e i w angelegt hat man weiß ja, wie die Sache geutacht wird imponieren mir ebensowenig, wie der Kölner Tom, art dessen Lotterie schon mein' Vater zehn Jahre lartg sein Geld verloren hat, ohne je etwas zu gertrinnert. Und die sogen. Weircherge, diese Erdhügel, die die W einfabr ika ntert zu Reklamezwecken art gekarrt haben, damit man ihr Gemisch von Brennspiritus, Regenwasser und Zucker sür Lieb­frauenmilch halten soll ich will lieber gar nicht darüber reden. Alles ist falsch an dem Rhein. Der Mäuseturm ist

rTd) binzige Ort i« der ganzen Gegend, wo es keine Mause gibt. Ueberall sonst wird man von diesen Tieren aufge- freffen. Ueber den Ansichtskartenhandel auf der Loreley hat ja schon der Schriftsteller Heine genagt. (?) Natürlich schwärmt man für den Rhein am meisten in solchen Gegenden, die möglichst weit davort entfernt liegen, wie art der russischen und österreichischen Arenze. Das klassische Land der Rheinbegeisterung ist aber Berlin. Der Berliner ist in tiefster Seele Romantiker, in seinem Herzen lebt eme heimliche Sehnsucht nach Schönheit. Wie glücklich fühlt er sich, wenn er des Sonntags in einer sogen, rheinischen Winzer­stube zwischen künstlichem Reblaub und Papierrosen sitze« kann! Voll Andacht bestellt er sich! eine Flasche Rüdesheimer und ver- sncht dann, den berühmte« rheinischen Humor und Frohsinn zu entwickeln. Ich fragte einmal eine junge hübsche Berlinerin, wie sie sich Köln vorstellte.Ach ja, Köln, das liegt wunderschön! Der alte Dom mit dert himmelaufragenden Türmen spiegelt sich in beit grünen Wellen des Rheines, auf dem die majestätische« Dampfer mit Militärkapellen dahirtgleiten, umschwärmt von schau­kelnden Fischernachen. Vom hohen Drachenfels herab aber grüßt die Loreley, und die Ruinen uralter Ritterburgen liegen von Moos und Efen überwachse« auf den Berggipfeln. (Sirte Draht­seilbahn führt uns bequem hinauf, und wir sehen unterwegs, wie die jugendlicheit Winzerinnen auf bett Rebenhügeln ein fröh­liches Lied singen und den Wei« in Tonnen und Flaschen füllen.- Und überall trügt matt noch die alten, malerische« Trachten, die man leider in Berlin nur Noch auf Maskenbälle« kennt. Dabei trinken die Kölner immer das edle, feurige Traubenblut und singen dann ihre begeisterten und ergreifenden K'arnevalslieder." Glücklicherweise bleibt diese junge Dame hübsch in' Berlin nnd malt ihr Ideal in ihren Träumen immer schöner und lieblicher aus. Wenn sie nach Köln käme und dort keine Ritterburgen auf Rebenhügeln träfe, sie würde die Enttäuschung nicht überleben,"-

Nun, das wäre ja weiter kein Schade, denn wenn die Berlinerin den Rhein auch nicht kennt, so ist das nicht weiter bemerkenswert. Trotzdem halten wir dafür, daß die Aeußevungen ein Scherz sein sollen, aber ein sehr übel angebrachter. Wir wären über diese Ergüsse wie über so vieles andere schweigend hinweggegangen, toenrt wir dieN. R." nicht für ein ernst zu nehmendes Blatt gehalten hätten, dem man solche Plattheiten eigentlich nicht zu- trauen sollte. Und wenn dem Verfasser der Rheinwein so übel bekommen ist, daß er zum Rheinhass er geworden ist, so wäre es vielleicht ganz gut, wenn er einmal mit Rhei «wasser in Berührung käme, damit es ihm ein wenig licht würde in dem! Raum, wo andere Menschen zu denken pflegen. Ein guter Scherz findet immer Lacher, der aber ist gar zu plump. K. N.

NskMkMSer.

* Die Miniatur bah« des Zarewitsch. Tas Geschenk des Präsidenten Fallieres an den russischen Thron­folger Alexis bestand in einer allerliebsten elektrischen Minia­turbahn. Das Wort Miniaturbahn ist hier jedoch relativ! zu verstehen, da das ganzeSpielzeug" eine Fläche von 15 Quadratmetern umfaßt. Auf einer Fläche von 15 Qua­dratmetern, die durch eine Dekoration des Hafens von Dünkirchen abgeschlossen wird, ist eine elektrische Bahn in mannigfachen Biegungen untergebracht. Auf einer Ent­fernung von 20 Metern Gleis sind alle denkbaren Eiseu- bahnbauten, wie Weichen, Wächterhäuschen, Niederlagen, Brücken, Tunnel, Waren- und Personenbahnhöfe unter» gebracht. Der Personenbahnhof ist eine getreue Kopie des Pariser Gare du Nord. Sogar die elektrischen Laterne« sind genaue Kopien des Pariser Originals. Ein richtiges kleines Wunder der Spielwarentechnik ist der Eisenbahn­zug, der diese Gleise befährt. Er besteht aus einer Lokomo­tive der neuesten Konstruktion, zwei Wagen erster Klasse, zioei Schlafwagen und einem Speisewagen mit einer nied­lichen internationalen Puppengesellschaft, an denen sogar