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Herr Major!
zurückdcmkcn
und blickten'
das
von
Siehst du — Mazda — -
- jetzt erstirbts auch in
Endlich äußerte sich auch Gntterutann.
„Du meinst wohl wegen der Kandidatur des" Hohcnzollern-- priuzen?"
Die Essenden legten Messer und Gabel nieder niehr verwundert als erschrocken einander an. Otto lachte- — "7 "Ja, in — das wird nun nicht anders- Menschen, seid Ihr denn solche politische Wickelkinder, daß Ihr die schwarzen Wolken am Völkerhimmel nicht seht?"
. Hugo stand auf und lehnte sich an Ottos Stuhl. Sein Gesicht glühte vor Begeisterung, und ntthr für sich sagte er: „Wenn das wahr wäre!"
,,Natürlich! — Bei uns ist das Tagesgespräch. Napoleon soll ja gesagt haben, daß die Ablehnung der spanischen Krone das einzige Mittel Mr Erhaltung des Friedens sei."
„Und wird der Prinz ablehnen?" fragte Hugo.
„Vielleicht — vielleicht auch nicht. Wenn es nach Herrn! Bismarck ginge, jedenfalls nicht!"
„Und dann?" Mutter und Irene fragten es zu gleicher Zeit. — Otto zuckte mit den Achseln; aber Guttermann stand energisch auf und stieß den Stuhl zurück. „Wegen solcher private« Sachen eine Welt in Krieg zu verwickeln, wäre unverantwortlich!"
Polternd verließ er das ZimUier.
Wußte er schon einmal gehabt haben, ■— zum wenigsten int Traume; dieses Gefühl, das einen so jäh überkommt und das Herz preßt und die Ktzhle schnürt. Da fiel sein Blick auf ein verblichenes Bild über der Truhe — sofort wußte er: Damals, wo hier der Sarg stand und da drüben eine Wiege — da hatte es ihn gepackt wie jetzt, da hatte alles in ihm' geschrien: Nun ist alles aus!! Und in dem Sarge lag eine tote Frau, seine Frau — — und in der Wiege ein Kind, sein Kind, Magda. —;
stürzte in jäher Erinnerung über ihn herein. Magda sollte er fortgeben, auf Jahre?! — Damals mußte er sein Weib fort» geben, auf immer. Das Hatte Gott fo gewollt, und jetzt sein Kind, sein einziges Kind, das will der Herr da drüben so. — Der Zorn stieg in ihm auf. Damals Gott — jetzt der Herr- — Ja, der Herr drüben ist doch kein Gott! — Er fluchte, er schluchzte, er lästerte. — — Damals Gott — — oder war es der Tod? Sinnend blieb er mitten im Zimmer stehen. Der Tod war es Geiviß, der Lod nimmt uns das Liebste, nicht Gott — und der £err drüben ist wie der Tod. Was in seine Klauen kommt, erkaltet, weil alles m ihm selbst kalt und hart ist. Was er beherrscht, erstirbt: Er selbst, seine Frauen, - die erste und die ziverte, ;eine Kinder, — — seine Knechte, alles — alles — __
und er, Merlin, er mit.
Ein verzweifelter Schrei entrang sich ihm'. Er stürzte hinaus, stieß Magda beiseite. Er sprang durch die Schneehaufen, blieb stecken, würgte sich weiter, —■ — durchbrach die weißen Wälle und schlug rm Herrenhanse die Haustür auf, daß sie krachend an die Wand prallte. —
Da stand er vor Guttermann, zitternd an allen Gliedern, Schaum vor dem Munde, Haß in den Augen.
Der Mühlherr rührte sich nicht. Wie ein kalter Hauch ging es von ihm aus und legte sich um den Erregten. Doch Merlin wehrte sich dagegen: „Und ich tue es nicht--das ist mein
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Und dann erstirbts!"
Einen Augenblick zuckte Guttermann zusammen bei dem Morte „Tod . ■— — r
. aber sagte er ruhig: „Wenn dir meine Maßnahmen
nicht passen; — im weißt doch, daß nicht bei mir, sondern b«m ersten Buchhalter gekündigt wird-"
Z” ~?"---Kein Wort mehr
W K'Eer Er wandte sich, - mechanisch verließ er das Hans, mechanisch ging er heim, jetzt mitten auf den Wegen, die am Morgen der alte Elan geschaufelt hatte.
Er hockte sich auf den Küchenstuhl und zog Magda an seine xjrujr. ' 1 i
war der Neumhrstag in Merlins Hütte. — Gegen kehrten die Schneeschnaufler zurück. KUrz vor ihnen aber !n Mühlhof. Die drei nebeneinander ge== hMtmtett Pferde dampften vor Glut uild der Kutscher zitterte
. J^ verdeckten Wagen ward eS lebendig und aus einem Berg ^^^^sken enthiillte sich ein junger Mann in der Uniform eines Emjahrig-Freiwtlligen.
w >r Haustür trat Frau Guttermänn und schloß den Ankömmling in ihre Arme.
„Mein Otto —- du kommst doch?!"
^kter, ein königlicher Einjähriger fürchtet sich doch M vor emer Hand voll Schnee. - Notabene: Wir wären l« elendiglich stecken geblieben, wenn Vater uns nicht die Schneeschaufler geschickt hätte."
bängte sich in Mutters Arm. Ein eigenes Bild, der ««s runge Mann neben der blassen, sanften
und schmächtigen Frau-
3X0 Wohnzimmer begrüßten ihn die anderen Familien-
vio hast du eigentlich den Wagen aufgetrieben?" .Das war die erste Frage Guttermanns.
E ^Schützenhaus, — in der Stadt!"
- ? dusteren Schweigens senkte sich über die Familie.
IM Schutzenhaus war Madame Guttermann SchenNnamsell
,.a Dtto fuhr fort: Der Wirt wollte gär nicht voran, - bis ich ihm 20 Mark bot--das zog!"
, . ''^0 Mark?!" — rief der Alte entsetzt. — „Junge wober hast du diese UnsumMe am Letzten?" 3 ' J V
Otto lachte: „Vater — die hab ich einfach gepumpt __
Gepumpt von der Kellnerin!" o M p - ।
';Psui 7" Otto! Wie kann Man sich mit solch Frauenzimmer JÄ' «es Erika entsetzt. D°S fün^L Mwchm hatte keine Ahnung von ihrem Stammbaum
Wieder, trat peinliches Schweigen ein. '
, Frau Guttermänn stand auf und rüctte int ZimMer an Tisch und Stühlen. Dabei zitterten ihre -Hände ein wenig-
ro. Knd am Fenster und kehrte den anderen den Rücken.
.1 höhnischer Zug umlagerte seinen Mund, er empfand etwas tote Genugtuung.
Das Dienstmädchen brachte das Frühstück. Dadurch ward die peinliche , Stimmung verscheucht. Otto erzählte bei Tische allerhand Kasernenhosblüten, vor allem von seinem Major — „Sonst ein seelensguter Mensch, — aber wehe, wenn Man ihn erzürnt. Da reitet er mit finsterer Miene durch die KompägnieN und knirscht: Ich suche mir ein Opfer! — Kürzlich war er in grausiger StimMuug. Er brüllte über den Hof: „Haiiptmaun Bogt — sperren Sie den Unteroffizier Brtztschneider ein!" Der Hauptmann salutiert und entgegnet: „Verzeihung, Herr Majo« — Unteroffizier Bretschneider ist heute gar nicht dabei!" — "Ganz egal — er wird eingesperrt!"
Später sagte Otto: „In Frankreich werde ich an diese Fleischtöpfe." —
toZ' ■■ -Z ~ Z-asZ “■ erstirbts audj in mir. Drm umß ich vpsern für das Brot und die Scholle. Mich läßts Nicht fort — — ich bin zu alt dazu--so mußt du eben
gehen fm. Mich — — Magda , — morgen schon, der Herr wills — — nach Leipzig." — —
Magda lehnte sich an des Vaters Brust, ein Frösteln über- e? a , ksute Trane entrann ihrem Auge. In das
Kindergesicht grub sich ein bitterer, weher Zug ein, ganz gering, SidhrnZ“. “ “ä “* d°- i--«ich-
(Fortsetzung folgt.)
Aus §risdrich Paulsens Iugendermnerungen.
. Wiederholt hat der Berliner Jugendlehrer, dessen Tod vott einer so großen Zahl von Schülern betrauert wird, von bert entscheidenden Eindrücken gesprochen, die das Dorf, in dem er feine Kinderjahre verlebt, in ihn gelegt hat und die fortwirkend irk seinem ganzen _ Leben ihm gegenwärtig blieben- „Ein recht- schaffenes Dorf, ein rechtschaffenes Bauernhaus und eine rechtschallene Dorfschule stellen in ihrer Einheit die vollkommenste Bildungsstätte dar, die es auf Gottes Erd- bvden für die Kinder- und Knabenjahre geben kann," so hat er 7-stvmmal m einem Aufsatz über das Dorf und die Dorfschule
,, Bildungsstätte, den er in der „Dorfschule" veröffentlichte, geschrieben- Und wie liebevoll hat er dieses Leben auf dem Lande und damit seine eigene Jugend in reizvollen Bildern ge- malt, wie erweiterte sich ihm der Bildungsgang, den er hier er» fuhr, zu einem vorbildlichen überhaupt! Zunächst schildert er seine nordfriesische Heimat: „Vor allem, von Nein auf das Leben tn und mit der Natur, im Sommer und Winter, bei Tag und Nacht: Himmel und Erde, Marsch und Geest, Weide und Wiese, Acker Und Heide, Deich und Moor, Düne und Watt, mit allem, was darauf wächst und sich bewegt, Pflanzen und Tiere, zahme und wilde, eine unendliche Welt, und doch durch täglichen Verkehr so vertraut, so verinnerlicht, als wärs ein Stück des eigenen Lebens- In scharfen Kontrast stellt er dazu das Leben des Groß- kkndtiindes,^ das int Bilderbuch, im Zoologischen Garten und int ^Ekundlichen Unterricht die Natur kennen lerne, statt ihrer selbst ein blasses schattenhaftes Abbild sehe- Dem' DvrfjungeN aber steht die ganze Welt offen: „Ich sehe uns, wie wir am rauhen Apnltag, die Backen vom scharfen Ost gerötet, über die ttafien, grauen Stoppelfelder streifen, den graubraun getupften Siern nachstellend, die der Kibitz auf die nackte Erde gelegt hat und die er, mit Geschrei uns fast ins Gesicht stoßend, verteidigt-


