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zutraulich und niedlich, mit langjährigem Pedigree, reinster Nasse, sind pro Stuck mit 8 Dollar zu verkaufen. Bedingung — gute Behandlung. — Und gleich darunter findet sich eine zweite Annonce: Ein Kind weiblichen Geschlechts, drei Monat alt, ist ohne Entgelt abzugcben. Wer darauf reslektirt, möge cS sich West street 22 'abholen.
* Nicht erkannt? Hauptmann L. von der Zehnten war reif zum „Abgesägtwerden". Er war zwar kein schlechter Soldat, anch kein dummer Kerl, aber Bequem und nachlässig. Diese Eigenschaften machten sich nicht nur in den Leistungen seiner Kompagnie, sondern auch in seiner eigenen äußeren Erscheinung bemerkbar. — Die Besichtigung durch den gestrengen Divisionskommandeur naht. L. weiß, daß vom Ausfall sein Schicksal abhängt; er beschließt daher, einen letzten Versuch zu machen. Er kleidet sich von Kopf bis Fuß neu ein, Bart und Haare werden elegant gestutzt, das Pferd bekommt neues Sattel- nnd Zaumzeug. — Bei der Besichtigung klappt alles vorzüglich, die Zehnte wird bei der Kritik gelobt. — Alles ist sprachlos, am meisten Hauptmann L. Schließlich erleichtert er sein Herz zn einigen ihn auf dem Heiinwege begleitenden Herren durch die Worte: „Kinder, ich glaube, der Kerl hat mich nicht erkannt."
Helden eintritt. Daß Goethe de§ öfteren zn Wort kommt ift er« Marita, bemi er, der Mann der Tat, die machtvolle Persönlichkeit, ,st der berufene Vorkämpfer für den Vermittlungsweg. Jedem der für höheres Strebe» empfänglich ist, namentlich auch der berair- wachsenden Jugend, empfehlen wir das von einer inneren Freudig. Fett getragene Bändchen. u
— Ernst Ro § in e r, „Maria Arndt" (Sdimifripf (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. 2 Mk. - Luu' jehcl hat die unter dein Pseudonyin Ernst RoSmer bekannte Schriftstellerin in !^re>i Dramen das Verhältnis der Eltern gu den Kindern besonders daraufhin geprüft, wie es diirch das Erwachen der Liebe im einen oder anderen Teil gefährdet und verwandelt wird. In ilirmr luiigsten Werke „Maria Arndt" ist es eine Muller, die ihre Liebe und ihr Leben hingibt, iveit sie in dem Widerstreit zwischen der Liebe, die sie ans einer längst innerlich gelösten Ehe lockt, und deut Anspruch ihrer Tochter erliegt. Ein zarter, rührender, herbstlicher Haiich liegt über dem Werk, eine Mütterlichkeit und Innigkeit mit der schmerzlichen Süße der Resignation. Dabei ist die Gabe mit wenigen Strichen eine Gestalt hinzustellcii, unvermindert geblieben, und sie entwickelt das Drama lebendig und wirksam.
N. W.
Vld.
Auflösung tu nächster Nummer. Else, Lese, Seele, Esel.
Rätsel.
Eine Stadt am Meeresstrand Aus der heii'gen Schrift bekannt. Spricht inan's etwas anders aus, Wird ein Kleidungsstück daraus, Das in ivarm' lind kühlen Tagen Bauersmann und Jäger tragen.
Die Sage vom GänsSorrr.
Aus der Einleitung zuni Katalog der Langsdorfer Geineindebücherei
(„Skizze von Langsdorf verfaßt von Lehrer Ad. Neirmaun s-j-1869] in den Jahren 1855—1860").
Es war eine mondhelle Sommernacht, der Langsdorfer Schäfer lehnte an seiner Hütte iind das Herz schmolz in Andacht vor der Größe und Güte des Schöpfers. Lautlose Stille! Da vernimnit der Schäler plötzlich zwischen den Lindenbergen, durch die „Franken" kommend, hoch in den Suiten den ängstlichen Ruf einer Kinder- ftimme: „Vater! Vater!" — Der Schäfer horcht erschrocken, sieht aber nichts. Eine atemlose Pause, luic zwischen Blitz und Donner, dann ertönt jener herzzerreiße Schrei ivieder. Der Ruf zieht sich über den „Gänsborn" hin, den, Feldheimer Walde zn. — Nun herrscht die tiefste Rtihe. Deut Schäfer gratist's, und „Alle guten Geister loben ben Herrn" entschwebt den zitternden Lippen. — §ur selbigen Stunde aber will der Huugeiicr Schäker, den die laue ommernacht auch nicht in seiner Hütte ließ, unweit seiner Hürden einen Mann gesehen haben, der ein völlig gesatteltes Pferd mn Zügel haltend, sich au! jenen Augstruf, den auch er vernoinmen, in den Sattel geschivungen unb gleich barauf einen Knaben in seinen Arm ausgenommen, mit dem er in sausendem Galopp davonspringt. Verschwunden ivar der gespenstige Reiter, ohne daß man den Hllftritt des Pferdes vernommen.
Weni fällt da nicht die Goethesche Ballade voiii Erlkönig ein?
Die weiße Fra« vom Schönberg.
In einsamen Lüsten steht kreisend der Weih, Tiefunten ziehen die Wolken vorbei.
Die sehen Schloß Schönberg im Waldgrund ruh», Die Ritter all schlafen in steinernen Truh'n. —-
Verweht ist der Schloßkirche Helles Geläut, Doch wandelt die weiße Frau noch bis heut — Sie trägt einen Goldfchlüssel in der Hand
Unb rosiger Lichtglanz umfließt ihr Gewand.
Wenn um sind sieben mal sieben Jahr', Dann steigt sie zum Seegrund kristallen und klar; Tort wäscht sie ihr Linuenzeug silberrein
Unb bleicht es in fiiiuuierndein Mondenschein.
Begegnet am Weg ihr ein Sonntagskind, Dem gibt sie den Schlüssel als Angebind, Bis droben sich in der Somnvenduacht Am Schönberg die lichtblatie Flamme entfacht.
Faßt Mut der Beschenkte und folgt er dem Schein, Tann dringt er in Schönbergs Gewölbe ein, Wo funkelnd in Gängen wohl bergetief
Ter Reichtum gehäuft Jahrhunderte schlief.
Wenn's Frühgeläute in Lißberg erschallt Unb rauscht der Morgenwind durch den Wald, Da schließt sich dem, der den M u t verlor, Unfindbar für immer der Wölbung Tor.
Dr. Carl P u s ch.
Literarisches.
~~ «Wer in der tvirklichen Welt arbeiten kann und in der tdealen . leben, der hat das Höchste erreicht." Dieser Spruch von Borne ist als Leilinotlo dem uon P. I. Tanger heransaeaebenen Werklein „Wollen und Wirke n" (Verlag von P. I. Tanger m Köln, 160 Seiten kl. Oktav, Leinwandband, Mk. 1.—) voran- gesetzt. Wir begrüßen mit Freude das Büchelchen, iveil eS für eme Aussöhnung der Gegensätze zwischen Materialismus und Idealismus mittels Sprüchen und Gedichten auserlesener Geistes-
Aphorisme«.
Tas Heiraten ist die erste Dummheit, die man begeht, wen» man vernünftig geworden ist.
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Wirst man seiner Frau den Handschuh hin, hebt sie den Pantoffel auf. „
Biele Töchter Eva§ gleichen auch darin ihrer Stanunutter, daß sie durch einen Sündenkall zu ihrer ersten Toilette kommen.
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Mit der Liebe ist cS wie mit einer Kinderkrankheit: je später sie kommt, um so gefährlicher ist sie.
(Aus ben Blättern für Sporthumor,)
Gssrsndheitspftegs.
Das Tränen der Augen. Eine übermäßige Tätig- kert der Tränendrüsen t)t sowohl für den damit behafteten Menschen tote für feine Umgebung etwas recht Unangenehmes. Tenn ivcnn die Tränen auch zuiveilen eine wirklich befreiende Wir- kung am das Allgemeinbefinden haben, so ist häufiges Weinen doch recht wenig beliebt und wird eigentlich in jedem Dialekt der deutschen Sprache mit besondern Provinzialismen an beit w ^bstellt. Man denke nur an den schönen ostpreußischen Ausdruck „plinzen oder an das süddeutsche „flennen". Zum eigentlichen Leiden aber wird der Tränenüberfluß, wenn er auf irgendwelchen Veränderungen der Organe, mit denen die Aus- scheidung dieser Flüssigkeit zusammenhängt, beruht. Die Ursachen können sehr verschieden sein und abgesehen von dem bekannten Einfluß gemütlicher Aufregung in der Gegenwart von Fremdkörpern, dem Eingriff von beißenden Gasen, Entzündungen der Bindehaut, Verengerung des zur Nase führenden Tränenkanals usw. bestehen. Zuweilen ivird diese krankhafte Disposition zu einem chronischen Uebelstand, so daß die Augen schon bei ganz geringen Beeinflussungen, z. B. durch einen etlvas schärferen Wind geradezu überfließen. Daß damit eine ungünstige Wirkung aus das Auge verbunden ist ober wenigstens nach längerer Zeit eintreten kann, ist wohl begreiflich. Ueberbies aber ist der Zn- Mnd so unangenehm und beeinträchtigt selbstverständlich auch die Sehschärfe in so hohem Grade, daß das Verlangen nach einer Abhilfe schließlich geradezu leidenschastlich werden kann. Infolgedessen werden unzählige kleine Operationen ober andere Mittel dagegen versucht, und doch sind vollständige Heilungen nicht häufig. Bei einigen Patienten hilft freilich schon die Beseitigung von leichten Sehstörungen. Wenn aber die eigentliche Ursache im Tränenapparat selbst liegt, wird die Behandlung schwierig. Bei einer Verengung des Tränennasenganges wird gewöhnlich dessen künstliche Erweiterung angestrebt, indem man durch einen Einschnitt eine Sonde einführt und unter Umständen längere Zeit darin beläßt. Darauf tritt wohl nach Beseitigung der Sonde eine Erleichterung ein, aber sie ist nicht häufig von Dauer. Dr. Fergus hat jetzt in einem Vortrag vor der Medico-Chirurg. Gesellschaft in Glasgow die Ausschneidiing des Tränensackes ober schließlich sogar der ganzen Tränendrüse empfohlen; dies Verfahren soll denn auch einen sichern Erfolg gewährleisten.
Redaktion: P. Witt ko. — Rotationsbruck unb Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Bnch- und Steinbruckerei, R. Lange, Gießen.


