Ausgabe 
26.2.1908
 
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Brudern in Schweden, Norwegen und in der Schweiz. Es fehle ihm nicht, so führte Arndt darin aus, an Fähigkeiten, fernem Interesse kräftig vorzustehen und der Adel sei ebenso wenig vermögend, ihn zu vertreten, als er den Adel. Der Zensor bemerkte indessen dazu:Ganz übertrieben wird dabei dem Bauernstände geschmeichelt. In ihm be­ruhen die Kräfte und die Macht des Staates, die ersten Tugenden des Menschengeschlechts; er übertrifft alle übri­gen Stände an Redlichkeit, Frömmigkeit und Tapferkeit. Ohne Herrn Arndt seine Vorliebe abzustreiten, schien mir feine Abhandlung nicht für eine Zeitung geeignet, tvo sie bruchstückweise, ohne Zusammenhang und ohne Anleitung in die Hände unbelehrter oder gar unbefugter Leser fallen und unfehlbar zu Mißverständnissen und Mißdeutungen Anlaß geben würde. Ich habe ihm daher vorgeschlagen, selbige für das statistisch-politische Journal seiner Mit­arbeiter Rühs und Genossen aufzusparen, da ich ihr dann mein Imprimatur nicht versagen werde." Arndt aber achtete dieses Rates nicht und veröffentlichte diese Bro­schüre, in der er dasselbe ausführte, aber wesentlich er­weitert. Dazu äußerte sich der Zensor Renfner folgender­maßen:Die Zusätze sind meistens historisch, und die Schrift, die manches Wahre und Gute enthält, mag im 'ganzen, so wie sie fetzt erscheint, weniger populär sein als in ihrer ersten Anlage. Meines Erachtens wird ihr aber der unbefangene Beurteiler immer eine überspannte Vor­liebe für die intellektuellen und moralischen Eigenschaften des Bauers und eine unpassende Gleichstellung des deut­schen mit dem schwedischen und schweizerischen Bauern­stände vorwerfen. Hinzugekommen ist auch noch großer Tadel gegen Hannover, das in seiner neuen Verfassung die Bauern durch den Adel vertreten läßt."

*Tanagra in der Pariser Mode. Die Parise­rin hat ein neues Modeideal gefunden, dem sie mit Eifer Und Geschmack nachstrebt. Ihre neuesten Toilettemodelle sind die entzückenden farbig gemalten Tonfigürchen, mit denen die Gräber der beotischen Stadt Tanagra die Welt um ein eigenartig kokettes Bild der Antike bereichert haben. Der grazile Reiz flatternder Gewandung, zierlich geraffter Draperien und entzückender Haartrachten, eingeordnet in die beherrschten Linier: einer großen, durch die Marmor- Plastik erzogenen Kunst, reizen mondäne Damen zur Nach­ahmung dieser locker gelösten und doch streng zusammen- gefaßten Formen. Das Rauschen plissierter Volants, die an­mutige Bauschung gekräuselter Jabots, das Rieseln weicher Spitzengarnituren und der Fall der fein gefältelten Man­schetten über das Handgelenk, all das webt um die schlanke, mit tiefer spitzer Korsage gegürtete Gestalt einen flattern­den schwebenden Hauch, dem sich die üppige Verschwen­dung bunter Stickereien und durchbrochener Nadelarbeit in preziöser Kostbarkeit vereinigen. Aber diese unruhige, im tanzenden Liniengewirr die Figur umklingende Melodie wird zu einer strengeren plastischen Wirkung geläutert durch das Zusammenfassen der flatternden Gewänder in großen Rosetten, löst sich der einfach gehaltenen griechischen Frisur, die die Massen des gewellten Scheitels in vollem Knoten zusammenfaßt oder die Haare in Rollen über die Ohren legt. Und dieses Pikante Gemisch von antikem Form­gefühl und kokett kapriziöser Unruhe wird bekrönt von dem großen malerischen Hut mit Aigretten, Vögeln und Blumen, dessen freie große Wirkung die moderne Pariserin doch nicht der spitzen, naiv schlichten Kopfbedeckung von Tanagra geopfert hat.

®eY Gründ.Denke dir, Anna, die Mali heiratet den Schlangenmenschen vom Kolosseum!"Na ja, der paßt auch lnr ne am besten, die muß einen Mann haben, den sie um den Finger Nuckeln kann!"

, .AHch st e Devotion.Trinkt denn der Herr Sekretär fo viel? Er hat ia eine gänz rote Nase!"Die schminkt er sich nur semem Vorgesetzten zuliebe, der 'ne echte hat."

Literarisches.

Das deutsche Dorf. Vott Robert Mielke. Mit 51 Abbildungen. (Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstel­lungen aus alten Gebieten des Wissens. 192. Bändchen.) Verlag von B. G. TeubUer in Leipzig. Geb. 1.25 Mk.' Es ist eine reizvolle Aufgabe, gerade heute, wo ein volles Jahrhundert hindurch wirtschaftliche, politische und geistiges Strömungen doch vorwiegend von der Stadt ausgegangen sind, und wo wir darum den Anteil der städtischen Kultur an der Gestaltung unseres gesamten Volkslebens leicht zu überschätzen geneigt. sind, hervorzuheben, wie stark auch heute uoch die Kulturkräfte des Landes sind und wie im deutschen Dorfe trotz aller Industrialisierung unseres! Vaterlandes eine wertvolle bodenständige Kultur vorhanden ist als das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwick­lung, die von der Urzeit an in ununterbrochener Folge langsam Schicht auf Schicht hat wachsen lassen. Um diesH Aufgabe zu lösen, geht Mielke, unseren Lesern als Verfasser der vortrefflichen AbhandlungDie Erhaltung des Dorfes" (Fam.-Bl. Fg. 1907 S. 547 ff.) wohl bekannt, von den An­fängen der Siedelungen in Deutschland aus und zeigt, wie sich mit dem Wechsel der Wohnsitze die Gestaltung des Dorfes änderte, wie mit neuen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen das Bild immer reicher wurde, bis es im Anfang des 19. Jahrhunderts ein fast wunder­bares Mosaik ländlicher Siedelungstypen darstellte. Die mit einer zusammenfassenden, über die Kultur des Dorfes schließende Darstellung läßt erkennen, daß die geographische Grundlage ein wichtiger Faktor in der Entwicklung des Dorfes, seiner Häuser, Gärten und Straßen war und gelangt unter diesem Gesichtspunkte zu einer gleichmäßigen Wür­digung der mit der wachsenden Bewegung für Heimat­schutz. immer mehr in den Vordergrund tretenden künst- lerischell wie der wirtschaftsgeschichtlichen Momente. Dem Büchlein ist eine große Zahl von Abbildungen beigegeben, die gerade bei diesem Gegenstände dazu beitragen, die An­schaulichkeit des Dargebotenen zu erhöhen.

Für die Küche.

Kalbsmilch en fricandeau. 10 Personen. Bereitungszeit 11/22 Stunden. Zutaten: IV2 kg Kalbs- milch, 125 g fetter Speck, 2 Löffel geschnittenes Suppengrün, 1 Zwiebel, 1 Kräuterbündchen, einige Nelken-Gewürzkörner, V4 Liter kräftige Bouillon aus Liebigs Fleischextrakt, 1 2reifg Tomaten, 2 Chalotten, 90 g frische Butter, Salz nach Ge­schmack, 50 g Mehl, 1 Glas Weißwein. Die blanchierten! Kalbsmilche werden in Scheiben geschnitten, fein gespickt, mit dem übrig gebliebenen Speck, dem Suppengrün und Gewürzen in eine Kasserolle gelegt, mit Bouillon übergossen und eine Stunde bei gelindem Feuer und unter fleißigem Begießen gedämpft. Währenddessen schneidet man die Tomaten in Hälften, entkernt und schmort sie mit den Chalotten und streicht sie durch ein Haarsieb. Von der Butter und dem Mehl wird ein Weißmehl bereitet, das man mit dem durch­geseihten Fond der Kalbsmilche und einem Glase Weißwein verkocht; dann gibt man das Tomaten-Püree hinzu, läßt die Sauce mit diesem ungefähr 10 Minuten durchziehen, so daß sie dick sämig wird, und richtet die Kalbsmilche in dieser schön rot aussehenden Tunke an.

Weisheitsworte.

Suchst du den Frieden? Die Erde hat ihn nicht!

Blumen hat sie, die vergehst«, Düite hat sie, die verwehst«, Nächte hat sie, ohne Licht, Doch den Frieden hat sie nicht. Herder.

Was ist das höchste Glück? Ach, Glück zu gebe».

Rätselhafter Satz.

ALUS. TIGER. BUBVER. D IRB. T NIED AS. 8. P. IEL. U. N. D- W. ENN. E. R. VER. LIE. R. T. SOM. VIII. 81. HM. N. ICH. T V. IEL.

Auflösung in nächster Nummer.

1. Godesberg. 2, Labrador. 3. Elbe. 4. Jstib. 5. Bregenz. 6. Elefant. 7. Nuue. 8. Gustav.

Redaktion: P. Wittk-u Rotationsdruck rmd Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiadruckerei, N. Lange, Gießen.