Ausgabe 
26.2.1908
 
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Mittwoch den 26. Februar

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|908 Nr. 32

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KelmuLH von Lovsen,

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Erst jetzt schien seine Zuhörerin von iximi, was er sagte, wirklich gefaßt zu werben. Bisher hatte fie nur so hingehört wie auf etwas ganz Fremdes und Unwirkliches. Jetzt war sie ganz Aufmerken und in ihren Augen ein Fragen und Wun­dern und eine schmerzliche Betroffenheit.

Sie malen diesen Charakter mit schrecklicher Genauigkeit," murmelte sie,die anderen blieben mir Phantome, diese ist ein wirklicher Mensch mit Fleisch und Mut. Mir ist, als kennte ich sie nun bereits."

Gott verhiite! Sie und die!"

Weshalb?" fragte sie rasch,war auch sie schlieUich eine Lüge?"

Nein," bekannt« er ehrlich,sie blieb sich und mit bis zuletzt treu."

Was heißt bis zuletzt? Starb sie?"

Nein. Wir trennten uns."

Tas heißt. Sie haben sie verlassen?"

,/Wenn Sie es so nennen wollen. Aber ich tat es nicht, Weil ich ihrer überdrüssig geworden war, sondern weil es das einzig Richtige war, was ich tun formte, und weil die Umstände es so mit sich brachten."

Was ist denn aus ihr geworden?"

Sie ging darrn doch noch zum Theater, aber nicht zur Oper, sondern zum Schauspiel."

Edeltraut wurde rmrul)ig' und vermied es, dabei ihn an- zusehen.

Was waren denn ihre Eltern? Hatte sie denn niemand, der sie vor Elend und Schande bewahren formte ?"

Wer ihre Eltern waren, weiß ich nicht, auf jeden Fall hatte fie sich von ihnen losgesagt, sowie sie mündig geworden, weil dieselben ihre Theaterlaufbahn nicht billigten. Ich nehme an, daß fie niederen Standes waren, sie erwähnte einmal, glaube ich, ihr Bruder hätte Schmied werden sollen."

Ta war sie Nwhl ganz ungebildet?" fragte sie rasch. Ihre Wangen brannten jetzt und sie sah beharrlich seitwärts über die blumige lange Wiese nach dem Schlosse.

Nein, sie war für ihre Verhältnisse ungewöhnlich ge­bildet. Irgend jemand hatte sich ihrer belehrend angenommen. Tas erwähnte sie. Daraus schloß ich auch-, daß ihre Eltern arm und ungebildet waren."

Tas Mädchen sprang auf, fah sich wie verwirrt um und stammelte:

Ich muß zurück, es ist es ist Zeit. Wilhelnr wird fort wollen."

Er war sofort an ihrer Seite, beugte sich herab und ver­suchte, einen Mick zu erhaschen.

Bergeben Sie mir, daß ich Ihnen das alles erzählt habe, Fräulein Edeltraut, es hat Sie verletzt und Ihre frohe Stdst- stmng getrübt."

Es hat mir weh getan, das letzt« meine ich. Sie hattest recht, mit dieser Geschichte legen Sie- keine Ehre ein aber wozu sage ich das. Ich bin nicht Ihr Richter. Wir! wollest rascher gehen, ja? Wilhelm wartet."

Sie bogen nun auf einen zwischen der Wiese und dep Buchenwaldung hinführenden Weg, der gerade auf jene Liche, tung zuführte, die das alte, efeubewachsene Schloß mit feinest spitzen, braunerr Giebeldächern und den stumpfen Turm töte in eist Medaillon faßte. Edeltmut ging voraus mit beflügeltest Schritten, der Weg toast schmäl genug, um dies zu rechtfertigen.^ Beide schwiegen, er in banger Erwartung. Plötzlich fragte fies

War sie hübsch?"

Ich bitte Sie!" bat er,nichts mehr Hiestvon. Nicht wahr? Ich habe alles gesagt, was ich zu sagen hatte, und bist dankbar) daß es geschehen ist,"

Aber ich möchte dies eine doch noch wissen. Es in* tevessiert mich. Wie sah sie aus? Groß? Blond oder braun?"

Er atmete erleichtert auf, ja, es ging ein Leuchten auf in seinen Augen. Doch nur ein Weib, wie andere auch, dachte er Svenn sie so ungestüm fragt, ob die, welche der Mann geliebt hat, schön gewesen, so gibt es ihm dies schon die Gewähr einstigest Sieges. Er hatte Mühe, sich diese frohe Erregung nicht mer* fort zu lassen, als er antwortete:

Sie war klein, schmächtig und schwarzhaarig. Ihr Ge* sicht war scharf geschnitten, fast farblos und mager. Sie er<i schien mir anfangs häßlich und unscheinbar, aber sie war weder daS eine noch das andere. Sowie sie lebhaft und anst geregt Ivar, sah sie reizend aus. Ties Wort paßt am bestech Sie hatte dann Farbe, Ausdruck und Glanz in den Augen, die fürs gewöhnliche stumpf und teilnahmslos erschieneit. Auf der Bühne war sie eine Schönheit, im Leben beeinträchtigtest Nervosität und eine schreckliche Unruhe den Eindruck."

Sie haben sie auf der Bühne geseherr, diese diesei wie hieß sic?" [

Luise."

Edeltraut ging schneller, sie fragte ttichts mehr. Sie nähertest sich schon der Lichtung, als ein blaues Kleidchen und schwarz« Strümpfe sichtbar tvnstden. Lilly kant, den Htlt im Racken,- über das Gras galoppiert.

Hurra!" schrie sie schon von weiterst,die dummest Rietelkirrder Waren gar nicht zu Hause,_ und das ist jetzt fa­mos! So habe ich dich! Sie hing sich in Edeltrauts Arist Tn mußt mit hcraufkommen, hörst du? Du mußt sehen> wie gut cs die Katze hat. Sie hat ihren Korb irrt Schlafzimmer! und ein Kissen drin und aber komm! Nein, sticht dorthin; zu den Erwachsenen! Komm mit!"

Edeltraut ließ sich fortzerren. Es war ihr ganz recht so. Sie verschwand mit Lilly hinter beit Bosketts, während Lvysest sich wieder zu den übrigen gesellte. Wilhelm sah ihn liebe-, voll forschend an.

Waren die sieben Zwerge liebenswürdig?" fragte Mari« Anne.

Wir sind leider an ihnen vorbeigegangen. Fräulein Edel« traut wird gleich foistmxn, sie besichtigt die Katze,"