Ausgabe 
25.11.1908
 
Einzelbild herunterladen

740

Wie du willst," sagte der Beamte und ging aus der Tür.

Gleich darauf kam er mit einigen Männern zurück.

Ihr nehmt beide mit euch," herrschte er sie an.Der Kerl, der Simon Simonitsch hat sich auch der Beamteu- bestechuug schuldig gemacht."

Es war umsonst, daß Maria Brouzolvska niederfiel und um Erbarmen flehte, umsonst, daß sie sich verschwor, viele hundert Rubel beschaffen zu wollen, so viel, wie der Gewaltige, der Gebieter nur wünschte. Water und Sohn wurden abgeführt.

Das Schlimmste, Gatt meiner Väter, ist, daß er ihn um 25 Rubel verkauft hat," stöhnte die Zurückbleibende. Straf' ihn der Herr dafür!" schrie sie dann verzweifelt auf,straf' ihn der Herr dafür tausendfach!"

Vevm!dchtes.

* lieber ein venezianischesAbenteuer" des Prinzen August Wilhelm wird dem Berl. Börs.-Eour. geschrieben:Eines Abends kehrte Prinz August Wilhelm mit seiner jungen Frau während seines venezianischen Aufenthaltes in einem jener bekannten italienischen Gasthöfe ein, die nicht mit Unrecht, ton dem Fremden als Sehenswürdigkeit gepriesen werden. Still und unerkannt sitzt das junge Paar an einem Tisch und betrachtet interessiert seine Umgebung. Zwei Italiener sitzen am Nebentische vor dem vollen Glase. Mit der ihren Landsleuten eigenen Freimütigkeit trinken sie dem prinzlichen Paare zu und knüpfen ein Gespräch an. Bald rücken sie naher und setzen sich nach vorheriger Anfrage an den Tisch August Wil- helms.Sie trinken Asti", meint der eine,das ist ein Ge­tränk für Kinder und Greife, aber nichts für Kenner. Laßt euch doch den gutenWeißen" des Wirtes geben. Er ist zwar etwas teurer, doch darauf darf es einem auf der Reise nicht ankommen." Der Prinz winkte -b»2in oamericne und bestellt das Gewünschte. Hvchseitsreise?" fragt der andere Italiener leichthin. August Wilhelm nickt.Ihr tedesci kommt immer mit einer Bürde zu uns entschuldigen Sie, gnädige Frau, es ist nicht böse ge­meint", fährt er fort und der süffige Wein beginnt seine Zunge zu lösen,entweder mit einem Weibe oder mit einer Kiste voller Bücher. Ihr werdet Italien nie verstehen lernen. Wie schmeckt der Wein?" August Wilhelm lobt ihn, anscheinend mit zu wenig Begeisterung.Er ist gut genug, junger Freund, um von einem veritablen Grafen getrunken zu werden. Sie sind wohl Maler, wie die meisten Deutschen, die zu uns kommen?"Nein, politi­scher Doktor."Ei, ei, das ist etwas ganz besonderes", meint der Italiener, der den Ausdruck nicht kennt.Dann setzen Sie mir die gegenwärtige politische Lage auseinander, die besonders verworren zu sein scheint." August Wilhelm sagte einige ganz all­gemeine Redensarten.Das ist nicht das Richtige", erwidert darauf der andere.Warum bekämpfen sich die Völker und bauen große Kriegsschiffe und unterhalten Armeen? Die gemeinsame Eintracht und die Liebe der Völker ist das Schönste. Der Welt­frieden soll leben!" Die Gläser klingen aneinander.Und die Frauen dazu", sagt der andere, der seine frühere Ungeschicklichkeit gut machen will. Man fährt ab, die Italiener in der Gondel des Prinzen; man tauscht gegenseitig die Visitenkarten aus. Großes Erstaunen" . . .

* Kolonialer Humor. Das Tischgebet. Schul­meister (zum Klippkaffernschüler):Nun sage mal, Apollo, hältst du denn auch täglich dein Tischgebet?" Apollo:Nein, Myn­heer, ich kann nicht." Schulmeister:Warum denn aber nicht?" Apollo:Ich habe keinen Tifch." Tro st bedürftig. Der Missionar traut ein ernst und zivilisiert aussehendes Hotten­tottenpaar. Nach der Trauung tritt der junge Ehemann an ihn heran und sagt:Mynheer, ich danke sehr für die trost­reichen Worte!" Das verkannte Fieberthermo­meter. Die Hererofrau Katrina fühlt sichsick, banje sick" (krank, sehr krank) und bekommt das Fieberthermometer in den Arm. Als es nach zehn Minuten herausgenommen wird, erklärt sie aufatmend:Danki, jetzt schon viel besser."

Citcrarifdics.

Neue philosophische Bucher.

Das Interesse für psychologische Forschung nimmt un- zweifelhajt zu, und das ist ja in unserem Zeitalter der naturwissenschaftlichen Speziolforschung auch natürlich. Die Philosophen der alten Schule stehen dieser fungaufblühen- den Wissenschaft zum Teil noch recht skeptisch, ja sogar unfreundlich gegenüber, aber das hat rhren Fortgang bisher nicht zu hemmen vermocht. Die Psychologie er­obert sich fast täglich neues Terrain. Ein solches ist u. a. auch die Kinderpsychologie. Vom Gießener Philosophen

Karl Gross liegt über dieses Thema gegenwärtig ein sehr interessantes Werk vor, die zweite umgearbeitete und vermehrte Auflage seines Buches überDas Seelen­leben des Kindes" (Verlag von Reuther & Reichard in Berlin). Der Verfasser nennt die Kinderpsychologie eine liebenswürdige Wissenschaft, eineWissenschaft vom Teuersten, Liebsten und Liebenswürdigsten, was wir auf der Welt haben, was wir hegen und pflegen, eben darum' aber auch studieren und verstehen müssen." Diese Worte charakterisieren den Verfasser und sein Buch, das dem Er­zieher, dem Lehrer und den Eltern eine Fülle der Anregung zu nützlichen Beobachtungen und mancherlei Winke bei der Erziehungstätigkeit gibt. Das Mich wendet sich natürlich in erster Linie an die Männer und Frauen vom Fach, aber auch der Laie wird es mit Ntttzen studieren. Eine außer­ordentlich reichhaltige Literaturangabe gibt eine dankens­werte Orientierung über das ganze in Betracht kommende Gebiet. Von besonderem Interesse erscheinen in diesem Buche die Erörterilngen über die intentionale Beziehung, über Assoziationen, das Humesche Problem, das Gedächtnis und die Erinnerungstäuschungen. Dieses Bucht gibt keine trockene Theorie, die Darstellungsweise wird vielmehr durch Beispiele belebt, und das kommt der Klarheit und Deut­lichkeit des Buches sehr zu statten.

Ein zweites, ebenfalls recht lesenswertes Buch aus dem gleichen Gebiete der Psychologie ist: Th. Ribot, Die Psychologie der Aufmerksamkeit. (Uebersetzt von Dr. Tietze; Leipzig, Verlag von Eduard Maerter. 1908.) Der Verfasser behandelt in diesem Buche zunächst die beiden verschiedenen Formen der Aufmerksamkeit, die natürliche, absichtslose und die künstliche, willkürliche. Die erste, von den Psychologen am meisten vernachlässigte, ist die Ur- und Grundform der Aufmerksanlkeit. Die zweite ist lediglich ein Ergebnis der Erziehung. Der Mechanismus der Auf­merksamkeit ist nach Ribot wesentlich motorisch, d. h. die Aufmerksamkeit istein Stillstand, der nur erzeugt werden kann durch einen physiologischen Mechanismus, der die Ab­gabe von wirklichen Bewegungen in der sinnlichen Auf­merksamkeit, Bewegungen int Entstehungszustande in der Reflexion verhindert." Aufmerksamkeit bedeutet kurz Kon­zentration und Hemmung der Bewegungen. Die Aufmerk­samkeit ist, wie Ribot meint, ein Augenblickszustand des Geistes, kein dauerndes Vermögen wie die Sensibilität oder das Gedächtnis.

Briefkasten der Redaktion.

L. M. Wie in den früheren Jahren lueiöen wir natürlich auch in vielem Jahre ein Weihnachts-Preisrätsel 'ne unsere jungen Leser veranstalten. Am Samstag abenb könnt ihr euch schon die kleinen Kopie zerbrechen. Cb du einen Preis erhältst, können wir nicht wissen, denn wir können doch unmöglich wissen, ob du die neblige Lösung findest. Jedenfalls haben wir schöne Preise ausgesucht, die unseren kleinen Freunden willkommen sein iverden. _____________

Altegyptische Hieroglyphe«.

(Jedes Bild bezeichnet den An'cmgsbnchslaben seines Namens z. B. Sonne = s, Glas ----- g, re. Tie Vokale sind zir ergänzen.)

e.

1

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kreuzvätsels in voriger Nummer: AAS

n u o d t h

A n <l r o m e d &

Anton i n u s 8 c h m i r g e 1

eng d n e

a s 1

Redaktion: E- Anderson. Rotationsdruck und Vertäu de» Bküdl'lchev Unwersuätd-Buch» und ©leiuöcuctetei. 8L Lange. Gießen.