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I Er machte es kurz mit dem Abschied. Als er mit dem Vater schon draußen war, betete die Tante mit geschlossenen

I Augen noch laut darinnen. Sie wußte nicht, war er schon gegangen, oder war er noch bei ihr, das Täubchen, der einzige Trost, den man in diesem Leben hatte?

I Und sie betete noch, als sie plötzlich harte schwere Tritte, eine polternde Stimme draußen, und die jammernde

I des Simon Simonitsch hörte. '

Mit Schimpfworten auf die Juden, die man totschlagen j muffe, da sie sich beut Dienst entziehen und ihr Leben I nicht für den Zaren Gott schütze ihn! lassen wollten, I stolperte ein Polizeibeamter ins Zimmer, Vater und Sohn I vor sich herstoßend.

Da wußte Maria Bronzowska: nun war alles vorbei. Und sie ging zitternd und wimmernd in ihre Ecke, ver­hüllte ihr Haupt und rührte sich nicht.

Sinion Simonitsch aber lvurde plötzlich sehr freundlich.

Väterchen," sagte er zu dem Beainten, setzen Sie sich! Die Schwester wird ein Glas Tee machen und wir werden sprechen miteinander Ivie vernünftige Leute."

Der Beamte fühlte einen Schein in seiner Hand und fetzte sich brummend an den Tisch. Maria Bronzowska besorgte die Teeumschine. Ihre Züge waren schmerz­entstellt und hoffnungslos. Sie kannte Simon Simonitsch. Sophron stand bewegungslos in einer Ecke.

Simon Simonitsch aber flüsterte eifrig mit dem Be­amten, steckte ihm Banknoten zu und schien gilt Freund mit ihm zu werden.

Plötzlich schrie er aiif:Gott meiner Väter, dreihundert Rubel! Nicht nrehr als zweihundert, keine Kopeke mehr!" Er war ganz blaß geworden und stierte den Beamten wütend an. Der lachte dröhnend und fing dann plötzlich: lvieder an zu schimpfen:Totschlägen sollte man euch, ihr Hunde," brüllte er,lvie das anderswo im heiligen Ruß­land geschieht, ihr Ungeziefer uub Volksverderber."

Maria Bronzowska, die sich wieder in ihre Ecke zurück­gezogen hatte, zitterte am ganzen Leibe. Sie sah zu Sophron hin, der gespannt seinen Vater beobachtete.

Da giilg mit Simon Simonitsch eine Veränderung vor sich. Er langte zitterttd in die Tasche seines schnmtzigen Kaftans, brachte mit -ebenden Fingern einige Scheine her­vor und schob sie dem Beamten zu.

Der zählte.Fehlet; noch 25 Rubel, Freundchen!"

Um 25 Nübel.

Skizze von Paul R Ü t hn i n g (Dresden),

Die Tante saß weinend und betend in einem Winkel, der Stube.

knurrte er,Mach schnell, Simon Simonitsch. Meine Zeit ist um."

Der aber war aufgesprungen. Schaitm stand vor seinem Munde.Keine Kopeke keine Kopeke weiter!" lallte er.

| Marte Bronzowska war ein schwaches Weid Miß- billigend blickte sie ihr Bruder Sinton Simonitsch an Wis konnte sie dem Jungen das Scheiden so schwer machen' Saß er nicht da wie ein Lamm, das den Tod erwartet? Ode«

I wollte sie etwa, er sollte bleiben? Nun gut, liebe Seele! Aber dann kann es nur noch kurze Zeit dauern, kann es heute schon feilt, daß man ihn greift, um ihn zum Svl-

I baten zu machen und in den Krieg zu schicken.

Gott meiner Väter," sagt Simon Simonitsch,das nicht!" He, Täubchen," ruft er dann laut.Schwester, sag' dem Sophron ade! Er muß eile». Sonst fährt der: Wagen ohne ihn ab. Was man tun will, muß man in dieser Zeit schnell tun."

s-ophron erhob sich, willenlos. Er war in diesen testen Tagen zur Maschine geworden. Um nichts hatte er 'sich gekümmert. Simon Simonitsch-hatte alles selbst besorgen muffen, als er hörte, die Mobilisierungsorder sei unter­wegs, sei vielleicht schon bekannt gegeben. Aber hätte er nicht schon längst uuterivegs fein können? War Simon Stmonitschs Geiz nicht fchttld, daß er noch hier saß und

! Nch Mer zu Tode ängstigte? Mußte nicht die allerbilligste Gelegenheit zum heimlichen Davonkommen ausbaldowert werden, statt daß man es möglichst eilig hatte!

Ja, Sophron zitterte vor Aufgeregtheit, Zorn und Angst. Am Ende würde noch im letzte;; Augenblick alles vereitelt.

matiorwn anMchlagei; waren, ;n denen alle Jungfrauen des Mandschu-Stammes aufgefordert wurden, nach Peking zrr konrmen und der Kaiserin-Mutter sich vorzustellen, da der Kaiser e;ne zweite Gemahlin nehmen wolle, nm ihm den «ohn zu gebaren, den die erste Kaiserin ihru nicht geschenkt hatte. Romantische Traume von Glanz und Macht mimen das junge Mädchen erfüllt haben, das diese Aufforderung las und bedachte; sofort war sie entschlossen, den Versuch zu wagen,und wenige Wochen später stand sie als eine unter Hunderten m dem Vorzinrmer zum Gemache der Kaiserm- Mutter. Das kluge und anmutige Mädchen kam in die engere Wahl und siegte schließlich auch in dieser. Während Tausende mit gebrochenen Hoffnungen wieder heimkehrten, blieb sie als Erwählte zurück, und die Richter bezeichneten sie alsein Geschlechtes und an Intelligenz ebenbürtig^denen die das erste kaiserliche Exanlen rühmlich bestanden haben. Wenige Wochen später war sie die zweite w ^it dein ersten beispiellosen Erfolge

wuchs auch ihr Ehrgeiz und mit dem Ehrgeiz ihre Kraft An dem Tage, da sie einem Sohne das Leben gab, besiegte

Se ^chtmaßrge Gemahlii; des Kaisers und errang den Vortritt, weitblickende Klugheit aber ließ sie jede Krän- rung der Nebenbuhlerin vermeiden, die gleich dein.Kaiser dvn der Willenskraft und der liebenswürdigen Anmut uvnu fasziniert war und unbewußt dem Einfluß ihres stärkeren Geistes erlag. Als der Kaiser im Jahre 1861 starb, umr der siebenjährige Sohn Tsn-Hsis Erbe des Kaiser- tyrons. wer verstorbeiie «ohn des Himmels hatte genaue Verfügungen über bte Verwaltung des Reiches getroffen, em Regentschaftsrat aus zwei kaiserlichen Prinzen und einem i.cmyh e war eingesetzt, aber die Bewachung und Erziehung des jungen Kauers blieb in den Händen der beiden Kaise­rinnen. -tsn-Hsis weitfliegenden Plänen konnte es nicht geungen im Palaste zu herrschen und die Reichsmacht einem Regentschaftsrat zu überlassen. Ohne Zögern and ohne Zaudern begann sie zu handeln, und der Staatsstreich, der sich mit dem Namen des Prinzen Kung verknüpft, ist in snm'.m<--lrr r ibiner späteren Ausnutzung das Werk Lfn-Hsis. Man verlor keine Zeit und hatte den Mut zu ganzen Maßregeln, die zlvar grausmn und blusig waren, aber bei, Erfolg verbürgten. Unmittelbar nach der Beerdi- S".ug des sterbenden Kaisers wurden die Mitglieder des Regentschaftsrates verhaftet, man klagte sie an, wichtige Zeremonlen beim Begräbnisse vernachlässigt zu haben, und schoii am Abend gab es fernen Regentschaftsrat mehr. Prinz Kung, der jüngere Bruder des verstorbenen Kaisers über­nahm die Zugel der Regierung. Aber Tsu-Hsi war nicht ge- sonnen, sich mit der Herrschaft eines anderen anszusöhnen die Hofkreise zu beschränken Prinz '^^e erfahrtm, daß er zu gehorchen habe, und sie wagte den kühnen Schritt: eines Morgens erschien ein kaiser- *f.rvy Zdilt, das den Prinzen aller Würden entkleidete. Er fügte sich und wurde auch nach einigen Wochen mit aller- dlngs beschranktei, Vollmachten wieder in feine Ann ter ein­gesetzt, aber nun wußte jedermann, wer in China wirklich herrschte. Als ihr Sohn starb nnd eine junge Witwe zürück- ÜR" me in lvenigen Monaten ein Kind erwartete, fand W.u-Hsi die ^attrast zu einem neuen Staatsstreich, der ihr wiederum ans lange Zeit die Macht sicherte. Ohne die Geburt des Thronerben abzuwarten, eilt sie um Mitternacht ur das Lchlafgemach des kleinen Prinzen Kwang-, ihres I Neffen, und läßt ihn im Thronsaäl zu in Kaiser prokla­mieren. Der Vater, Bruder des alten verstorbenen Kaisers, ist I em gutmütiger, kunstsinniger Mann ohne Herrscherehrgeiz: j er wird Regent und Werkzeug des kühnen Frau. Niemand I tut Lande wagte einen Protest; der Selbstmord eines Ge- | lehrten, der damit gegen die gewaltsame Unterbrechung I ber Erbfolge demonstriert, ist das einzige Echo. Seit jenen I Tagen herrscht Tsu-Hsi nnnmschränkt über das große Reich I ber Mitte. Bis zum Jahre 1881 teilt sie mit der ersten | Kaiserin, wenn auch nicht die Macht, so doch die Würden, Und bezeichnend sür Tsu-Hsi Staatsklngheit ist, daß sie -8 Jahre lang friedlich und in herzlichem Einvernehmen I mit der Nebeutaiserin anskam. Seit deren Tode aber herrscht I ba§kleine Sklavenmädchen ans Kanton" allein über das I 400 Millionen-Bolk.