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und neuerdings in rascher Steigung auf den gegenwärtigen Stand von mehr als 1500 Studenten, eine seit langem nicht mehr erreichte Höhe. Hing die Schwankung früher mit tiefgreifenden politischer! Ereignissen ebenso wie mit dem Erstehen anderer Universitäten zusammen, so gibt jetzt mehr und mehr in dem großen geeinigten Deutschland die Ausstattung einer Hochschule mit hervorragendem Lehrapparat, mit landschaftlichen Vorzügen und geschälten Eigenschaften den Vorzug. Dies aber gehört nicht mehr der Geschichte an; es gibt denr heutigen Betrachter Jenas indes einen recht erfreulichen Abschluß des wechselvollen historischen Bildes und einen freundlichen Blick in die Zukunft dieser im Glutschein einer heißloderuden Geistesgeschichte flammenden Vergangenheit der Jenaer Hochschule.
Da§ gekrankte Bremerhaven.
Unsere Leser erinnern sich des Bremerhavener Reisebriefes unseres Mitarbeiters Tr. A. Z. Das in verhältnismäßig sehr kurzer Frist aus dein Nichts herausgewachsene Konglomerat von ausdruckslosen Maurermeisterbauten für meist ärmliche Bremer Vorortbewohner kam in der Schilderung des Dr. Z ziemlich schlecht weg. Darüber ist man nun aus voll berechtigtem Lokalpatriotismus in Bremerhaven baß erbost und rümpft über den bösen Dr. Z. die Vorstadtnasen. Die berufene Hüterin des Bremerhavener Geineinsinnes, die dort erscheinende, übrigens recht respektable „Nordwestdeutsche Zig.", faßt ihre Zurückweisung des raschen Urteils des Dr. Z. in folgende Worte zusammen:
Die Stadt des Grauens nennt ein Dr. A. Z im „Gießener Familieu-Blatt" nnser Bremerhaven. Dieser Ber- >aner, der jedenfalls die Schriftstellerei als Dilettant und nicht als Beruf betreibt, hat auf der Reise »ach Amerika Bremerhaven Passtert und «ich hier anscheinend schlecht amüsiert, so daß er nun die schale seines Zornes über unfern Ort ausgießt. Er ruft aus: „Wie überwältigte mich der erste Anblick von Hamburg, wefches liebe Erinnern an Stunden reichen Genießens knüpft sich nur an die Quais von Antwerpen, ja, wie oft nnd Ivie gern 123 )ch mir die Nase voll T.erduft an den Ufern der Spree!" So schreibt der Herr wörtlich und macht dann die Unterweserorte ui einer Weise herunter, die erkennen läßt, daß er infolge maugel- hafter Orientierung von unfern Sehenswürdigkeiten nichts zu sehen bekommen hat. Kein Wort von dein Ausblick vom Weser- d?ch- kein Wort von dem Gecstemünder Fischereihafen oder dem mesigen Baumwollverkehr, kein Wort von der imponierenden Kauerschleuse oder den ihres Gleichen suchenden Schnelldampfern. Auch von unseren Wersten und Docks hat er nichts gesehen. Sollle &m Dr. A. Z. auf der Rückreise von . Amerika wieder über Bremerhaven kommen, so erbieten wir uns, ihn herumzufuhren, und er wird dann jedenfalls nicht mehr in seiner iöetntflt so verkehrte Ansichten über die Unterweserortc anskramen.
. freundliche Anerbieten der Kollegin von der Weser, unsern Herrn Mitarbeiter mit dem halben Dutzend der Bremerhavener Sehenswürdigkeiten bekannt gif machen, Aurde Herr Dr. Z., soweit wir ihn kennen, gewiß mit Tank annehmen und sich gern belehren lassen; er würde Irrtümer gewiß bereitwilligst richtig stellen — wenn er nicht, was die Bremerhavener Redaktion nicht wissen kann, als
des Norddeutschen Lloyd sie vielleicht gründ- licher kennt als diese selbst! Tie Handvoll Sehenswürdigkeiten die das Matt aufzühlt, hat so ziemlich jede Hafenstadt und sie charalteristeren nicht Bremerhaven speziell. Darum wohl unterließ Dr. Z. deren Erwähnung. Sie bilden zum min- desten keine besonderen Vorzüge für jemanden, der ästhetisch zu schauen gewohnt ist, wie nnser Dr. Z., den wir den Unfern nennen, weil er, wie die Kollegin an der Uuter- we,er ganz richtig vermutet, ein geborener Gießener ist. «öto übrigen pflichten wir aus unserer eigenen Kenntnis Bremerhavens Herrn Dr. Z.'s Urteil vollkominen bei, wenn wir auch zugeben, daß dem Ausdrucke „Die Stadt des Grauens" Wohlwollen nicht gerade anhaftet.
D. Red. der Gieß. Fam.-Bl.
Vermachtes.
Heiratsvermittler. AuS LoU- if?®te, W?r®ette einer seltsamen Liebesgeschichte ff ??’“ tn. das Heiratsregister der alten Heinen Dorfkirche, von tn FuMy eingetragen worden. Die Braut war eine Engländerin, Miß Ethel Brignall aus Wallington; wacher. amerikanischer Ingenieur ans New- 9 6 rc1 S'ltco.lll6-. Vor zwei Jahren war der ■} merikaner auf einer Europareise tn London eingetroffen, verblieb
dort mehrere Wochen nnd besuchte auch die Tate-Galerie. Vor einem Bildnis von Ralph Pearock blieb er stehen; es stellte zwei Schwestern dar und die reizenden Gesichtszüge der jüngeren, die großen tiefblauen Augen, die schüchterne Grazie ihrer Be- wegung gefielen dem Amerikaner außerordentlich. Am Nachmittag kam er wieder, um das Bild noch einmal anzusehen, die eine Schwester erichien ihm noch schöner wie am Morgen, und als er am dritten Tage wiederkehrte, ertappte er sich dabei, daß er sich regelrecht in diese entzückende kleine gemalte Engländerin verliebt hatte. Nach einigen Bemühungen erfuhr er die Adresse des Künstlers und bat Mr. Peaeock, ihm doch eine Kopie von dem Gemälde anzufertigen, das er unter allen Umständen besitzeit müsse. Der Maler, der sich sträubte, fein eigenes Werk zu wiederholen, führte ihn bei einem Kollegen ein, der die Arbeit übernahm, und im Laufe des Gespräches erfuhr nun der Amerikaner, daß die reizende kleine Engländerin die Schwägerin Peacocks war. Er wurde schließlich in das Haus des Malers eingeführt/ stand dem Original des Bildes gegenüber und fand, daß der Schwager mit seinem Pinsel nicht geschmeichelt hatte. Mit ameri- kaniicher Entschlossenheit vermied er jeden Zeitverlust, er erzählte Miß Ethe.l die Geschichte von dem Bilde, das sein Herz ans dem Gleichgewicht gebracht habe, die Sache endete in einer regel- rechten Liebeserklärung. Wenige Wochen später war die „Schwester" feine Braut Nnd jetzt hat diese romantische Liebesgeschichte vor dem Altar einstweilen ihren Abschluß gefunden- Die junge Frau ist in ihrer Heimat als ein außerordentlich schauspielerisches Talent berühmt; bei den alljährlich stattfindenden Dilettantenaufsiihruugen hat die Begabung des jungen Mädchens großes Aufsehen erregt, aber nun wird Amerika ihr Vaterland werden.
* Erster Theaterdirektor: „Ihr erster Liebhaber muß aber schwer zu behandeln sein."--Zweiter Theaterdirektor: „Ist
er auch. Es gibt nur einen, von dem er sich etwas sagen läßt." — Erster: „Und wer ist das?" — Zweiter: „Der Sonffleur." i
* Wieder neu vermählt. Es ist doch etwas Schönes/ solche Hochzeitsreise! Ich begreife nicht, wie die Menschen früher mit einer einzigen zufrieden sein konnten.
An- und Einsichten.
Kühnen und Wagenden steht tmgefehen das Glück bet, plötzlich ist etwas geraten. Jak. Grimm.
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Des Tages Geschähe sind für viele der Art, daß sie für Dinge, welche des Eifers nicht ivürdig sind, alle Kräfte üt Bewegung setzen. Je hastiger nnd atemloser dies geschieht, um so mehr wird der Mensch von den Kleinigkeiten des Augenblicks überwältigt nnd seinen ivahren Interessen entfremdet; er verliert sich selbst.
» E. Surfing.
Wer sich um Weisheit müht und nicht anwendet die Weisheit, gleicht dem Manne, der pflügt nnd zu säen vergißt. Herder.
Rätsel.
Zwei Silben nnd vier Zeichen Bringt dieses Rätsel dir;
Es ist der Tiere Nahrung, Doch auch der Tafel Zier.
Nimm weg das ziveite Zeichen Uni) setz' eilt andres ein. Siehst Vögel in den Lüsten Du ziehn in düstern Reih'».
Vertausch das ziveite Zeichen Nun noch ein ziveites Mal, Nennt dir eilt Schneiderkunstwerk, Des Ehemannes Qual.
Vertausch' zum dritten Male Des zweiten Zeichens Laut: Des Winzers Lust und Wonne Dir froh entgegenschant.
A. A in in a n n.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung de§ Arithmogriplis in voriger Nummer:
Anna Ritter.
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Redaktion: P. Witiko. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'schen^i^e^tätS.Buö^'mtdSteüchrttckeret, R. Lange. Gießen.


