Ausgabe 
25.7.1908
 
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liitb foiwnit aschfahl. Als er sprach, war es peinlich zu sehen, welche Anstrengung ihn die Selbstüberwindung kostcic.

Wir haben ein Privatgeschäft, Liebe, ein Privatgeschäft." Er zögerte einen Augenblick, und wieder blitzte die Wildheit aus seinen Augen, die ich sofort beiuerkt hatte.Ich verkaufe ihm etwas, so teuer wie mein Herzblut, und ich hoffe, genug zu erhalten, das; du vor Mangel geschützt bist."

Und du, Vater?" fragte das junge Mädchen innig. Es sah niir aus, als laufe ein Beben über seine Gestalt, als er ihr Gesicht zu dem seinen herniederzog und sie küßte.Ich? Laß dich das nicht kümmern, der Krebs hier macht jede andere Sorge überflüssig."

Sie erwiderte nichts, sondern wandte sich ab, uni" die Tränen zu verbergen, die ihr aus den Augen sprangen. Ich habe niemals als besonders gefühlvoll gegolten, das heißt, nicht mehr als andre Durchschnittsmenschen aber in ihren Zügen lag ein Ausdruck, der mir ins Herz schnitt wie ein Messer. Es war mir, als müßte ich mit ihr weinen.

So vertieft war ich in die Betrachtung des Schauspiels vor mir, daß ich Maitlands Eintreten nicht bemerkte, bis er mich am Rock faßte und veranlaßte, herunterzuffeigen. Unten im Flur erzählte er mir, er habe die Wohnung.gemietet, und entwickelte mir seinen weiteren Plan.

Sobald er aufgehört hatte, zu sprechen, sagte ich zu ihm: Maitland, Sie sind zweifellos aus der rechten Fährte. Der Mann da drüben iff der, welchen wir suchen, ganz sicher, aber ich fürchte, wir kommen ein bißchen zu spät."

Zu spät!" rief er in einem Ton, daß ich schon fürchtete, man würde uns hören.Was soll das heißen?"

Das soll heißen, daß Godin schon das Wild gestellt hat." In den nächsten Minuten durchlief Maitlands Gesichtsfarbe die ganze Farbenskala, und ich rückte ihm näher, nm ihn ge­gebenenfalls Vvrm Umsinken zu bewahren, doch es kam nicht so weit.

Godin!" brachte er schließlich hervor.In aller Götter Namen, Doktor! Der iff wirklich, ivofür er gilt, und hat dabei ebensoviel Glück ivie Verstand." Bei diesen letzten Worten zog eine schwere Wolke über sein Gesicht.Machen Sie," fuhr er ärgerlich fort,und sagen Sie mir nur gleich alles, was Sie Nüssen." . H ! i , s

Ich teilte ihm hierauf mit, toaS ich gehört harte, und fragte ihn am Ende, was er nun zu tun gedenke.

Zu tun?" versetzte er.Ich kann nur eines tun. Da gibts gar feine Wahl," und dabei schloß er seinen Mund mit einem Ausdruck von Energie, dessen Bedeutung mir wohlbekannt war.

Hier werde ich mich niederlasien," sagte er,bis ich alles, was ich brauche, über unsere Nachbarn in Erfahrung gebracht habe. Ich habe mich bereits mit Instrumenten versehen, die mir gestatten werden, jede ihrer Bewegungen zu beobachten und, wo nötig, zu photographieren und jedes Wort, das sie äußern, zu hören und festzuhalten. Sie sehen mich überrascht an, aber die Sache ist sehr einfach Ich befestige meine Linsen vor dem Spalt, durch den Sie geschaut haben, ich hätte ihn künstlich hergestellt, wenn er nicht schon vorhanden wäre, und bringe das Bilden meinen Apparat. Mit dem Hören ist es noch ein­facher. Ich werde heute nacht den Gips auf dieser Seite der Zwischenwand vorsichtig beseitigen, bis ich zu der Tapete, welche die Seite drüben bekleidet, gelange. Tie Tapete bleibt nnver- sehrt und dient als Membran. Ich brauche dann nur meinen Stift daran zu befestigen, und siehe da, wir haben ein Mikrophon oder Telephon, _ wie Sie es nun lieber nennen wollen. Ich - acuß nur darauf bedacht sein, das Instrument hoch genug anzn- bringen, damit die Tapete nicht zufällig von der andern Seile einmal beschädigt wird, und bei Entfernung des Mörtels ge­räuschlos zu verfahren. Ich werde natürlich ein Stück schwarzen Ms darüber tun, um das Durchscheinen unseres Lichtes zu ver­hindern und die Geräusche, die von hier kommen, zu dämpfen. Auf diese Weise werden wir alles, was im andern Zimmer vor sich geht, hören können, aber wir brauchen vielleicht eine phono- graphische Festlegung dessen, was drüben gesprochen wird.

Tas Verfahren, dessen ich mich zu diesem Zwecke bediene, ift eine Erfindung von mir, die ich Sie bitte, bis ich mir das Patent erworben habe, geheim zu halten. Die Technik im ciu- zelnen werden Sie seiner Zeit zn sehen bekommen. Jetzt gehen ferne, bitte, und schicken mir so bald als möglich die hier ver­zeichneten Gegenstände." Er gab mir ein Papier und fuhr fort:

Wir wollen die Flinte noch nicht ins Korn werfen; viel­leicht kann unser schlauer Nebenbuhler die Beweiskette nicht so schnell schließen wie wir. Auf alle Fälle werde ich, wenn er wiederkommt, mich überzeugen, wie weit er bereits ist. Ehe ich beit. Mann da drüben verhaften lassen kann, muß ich erst

noch einige Punkte aufklären, und es ist mir zweifelhaft, ob Herr Godin in dieser Beziehung besser daran ist als wir. Beim Zeus, ich gäbe was drum, wüßte ich, wie der Teufelskerl so weit ge­kommen ist, ohne auch nur verlauten zu lassen, daß er einen Schritt in der Sache getan hat. Bitte, sagen Sie Fräulein Dar­row, ich folgte einer vielversprechenden Spur vielversprechend wenigstens für diesen oder jenen und könnte mich eine Zeit- lang nicht sehen lassen."

Ich führte den Auftrag aus, und wenn ich mich irgendwie auf die Deutung der Symptome weiblicher Herzensregungen ver­stehe, so bereitete meine Botschaft Florence fein ungetrübtes Ver­gnügen. Jeden Tag besuchte ich Maitland, um nach seinen Wünschen. zn fragen und ihm seine Post zu bringen, denn er verließ seinen Beobachtungsposteu nicht.

(Fortsetzung folgt.)

Aus der Geschichte der Universität Jena.

(Zur Jubiläumsfeier am 30. Juli.)

Vvu Dr. Alexander E l st e r (Jena).

Ein Zeitraum von 350 Jahren, der für ein Städtchen im Herzen Deutschlands nnd eine Metropole des Geistes fast eine Wiederspiegelung der Geschichte Deutschlands in dieser Zeit bedeutet, ist so ungeheuer reich an lebensvollen Bildern und Gestalten, an interessanten Zuständen wie an Entwicklung und Fortschritt, daß es ein kühnes Unterfangen ist, ihn kurz überblicken zu wollen. Aber diehohe Zeit", die setzt für die hübsche Universitätsstadt der Saale ge­kommen ist und sie als Jubilarin und als Besitzerin eines herrlichen neuen Universitätsgebäudes begrüßt," diese Zeit fordert von den Zeitgenossen, daß sie sich wenigstens der Hauptetappen besinnen, die den Entwicklungsgang dieser interessanten Hochschule und ihres Stndentenlebens aus­machen.

Aus ganz bescheidenen Anfängen hat sich die Universität Jena entwickelt. Nicht mit der Pracht einer Vollgründung trat sie ins Leben; ihr Stifter, Johann Friedrich der Groß­mütige, war eüt im Felde geschlagener, seiner Kurlande beraubter Fürst in des Kaisers Gefangenschaft, als er für das ihm verlorene Wittenberg einen Ersatz suchte. Und so ließ er, der selbst in der Gesangenschaft "den Kampf des Geistes hochhielt, 1548 wenigstens ein Akademisches Gym- . nasium gründen, das in Jena seine Stätte fand in einem früheren Panliner Kloster. Theologie und Beredsamkeit waren die ersten und anfangs einzigen Fächer, die hier ver­treten waren. Zu den Professoren Johannes Stigel und Viktorin Strigel, die diese Wissenszweige und neben ihnen noch mancherlei andere lasen (Physik, Geschichte), kamen ein Pädagog, der zugleich die Mathematik vertrat, dann der tüchtige Theologe Erhard Schnepf, der zuvor in Tü­bingen eine Professur gehabt hatte, ferner Justus Jonas n. a. m insonderheit einen Kreis von Theologen bildend, die alsbald als Gegner der Wittenberger Theologie von sich reden machten. In dem Mediziner Johann Schröter aber wurde der Mann gewonnen, der dank seiner hohen Be­ziehungen und feiner* Diplomatie beim Kaiser Ferdinand die Erteilung der Privilegien und der Genehmigung einer unumschränkten Volluniversität erlangte. Das wollte sehr viel besagen. Denn mitten im Glaubensstreit von dem katholischen Habsburger diese Genehmigung für eine neue im Kampfgeist geschaffene protestantische Universität zu er­langen, war alles Mögliche und trug dem später geadelten Joh. von Schröter, den ersten Rektor der Universität Jena, viele Ehren ein.

Sv ward am 1: Februar 1558 dies akademische Gym­nasium zur Universität geweiht. Ihr hochherziger Gründer hat diesen Tag nicht mehr erlebt; er war schon 1554 ge­storben, nachdem er doch noch 1552 bei seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft die Freude gehabt hatte, die Stu­denten und Professoren seines akademischen Gymnasiums zu begrüßen und voll Hoffnung dem frischen Geiste der jungen Gründung zuzuschauen, der ihm Gutes zn versprechen chien.

Für die Einwohner Jenas war die Gründung der Aka- d.emie, wie es scheint, eine Lebensfrage gewesen; denn sie ührten den Mein aus, den sie bauten, um Getreide dafür einzukaufen, und es wird uns berichtet, daß die Konjunktur gerade zu jener Zeit sich recht ungünstig gestaltete, weil eine Aeihe ihrer Abnehmer begannen, ihren Wein selbst zu bauen: Durch die Universität wurde ihnen ein neuer Erwerbszweig,