Ausgabe 
25.6.1908
 
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Kronen do wieder i zahlen! Ja, ja, mit die Weiber ts a groß's Kreuz!"

* D i e drittgrößte deutsche Stadt der Welt ist, wie dieNature* feststellt, Nemyork, denn es zählt 659 000 deutsche Einwohner; mehr Deutsche beherbergen nur Berlin (2 000 000) und Hamburg (730 000). Unter den 3 500 000 Einwohnern Newyorks zählt man nur 737 000 wirkliche Amerikaner, Kinder von in Amerika geborenen Eltern; neben den 659 000 Deutschen wohnen dann in New- york noch 595 000 Irländer, während die größte Stadt Irlands, Belfast, nur 349 000 Einwohner hat. Weiterhin ist Newyork die größte jüdische Metropole, denn es hat 672 00 0 jüdische Einwohner, während Warschau, die von den meisten Juden bewohnte Stadt Europas, deren nur 263 000 zählt. Nur drei österreichische Städte, nämlich Wien, Budapest und Prag, beherbergen mehr Oesterreicher als Newyork, nur fünf schwedische Städte haben mehr schwe­dische Einwohner, sechs norwegische, sieben italienische und acht russische Städte übertreffen an Einwohnerzahl die ent­sprechenden Zahlen in der Newporter Bevölkerung, die nur ctira zum fünften Teile aus Amerikanern besteht, im ganzen aber ein großes kosmopolilisches Gemisch aus allen Natio- nalitäten ist.

* § uit bei reue. In einem Gehölze zwischen den Ort- schaflen Billcmareuil und Montceaux-les-Meaux lebte seit Jahren ein alter Sonderling in einer aus Aesten selbstver- fertigten Hütte. Sein, einziger Umgang war der mit seinem Hunde, der auch nie von seiner Seite wich. Als dieser Tage nun ein Bauer in die Nähe der Hütte des Einsiedlers kam, stürzte sich der Hund winselnd auf ihn, indem er den Bauer unzweideutig bat, zu folgen. Der Bauer tat dies auch und gelangte zur Hütte, in der er den 73jährigen Greis entseelt am Boden vorfand. Der Tod des Einsiedlers mußte bereits vor Tagen eingetreten sein, denn der Körper verbreitete be­reits einen starken Geruch und war über und über mit Wür­mern besät. Trotzdem hatte der Hund seinen ehemaligen Herrn nicht verlassen und als man mit einer Bahre später zur Abholung der Leiche kam, lag der Hund auf dem Körper des Ncrschiedeuen in den letzten Zügen. Bei dem Alten be­fand sich auch eine Art Testament, das bestimmte, daß man aus dem Erlös der vorhandenen Kostbarkeiten den Hund in eine VerpstegungSanstalt einkaufen solle.

* Weil ) ie sich . . . schminkte. Man schreibt uns: In England ist soeben eine kuriose Ehescheidungssache zur Verhandlung gekommen. Ein Mann wollte von seiner Frau geschieden sein, iüeil sie sich . . . schminkte. Er behauptete, daß ihn die Frau auf diese Weise schon bei der Eheschließung betrogen habe, denn das Gesicht, das sie ihm gezeigt habe, fei nicht ihr eigenes gewesen. Einer Frau aber, die schon mit ihrem Gesichte lüge, seien auch andere Lügen zuzu­trauen. So weit wäre die Sache nicht besonders merk­würdig; merkwürdig wird sie erst durch das Urteil des Richters, der den Ehescheidungsantrag des Mannes für durchaus begründet hielt und auf Grund eines Gesetzes, das fast 250 Jahre alt ist und an das in England kein Mensch mehr gedacht hat, die Scheidung verkündete. Das Gesetz stammt aus der Zeit Kurls II. und erklärt (so lesen wir in der Revue Hebdomadaire), daß Frauen von jedem Alter, jeder Gesellschaftsklasse und jedem Beruf, die einen der männlichen Untertanen Seiner Majestät durch Essenzen, Schminken, kosmetische Mittel, künstliche Zähne, falsche Haare, ausgestopfte Büsten, Schuhe mit allzu hohen Ab­sätzen zur Ehe verleiten, nach den für Zauberer und .Hexen geltenden Gesetzen (billiger tat man's damals nicht!) bestraft werden sollen, und daß ihre Ehe null und nichtig sein soll. - ^Ein weiser Gesetzgeber! Ein Daniel, ein wahrer

* Warnm Frauen sich scheiden lassen. Einen Mann zu bekommen, ist einer Frau schwer; ihn wieder los zu werden, nicht, wenigstens in den Vereinigten Staaten. Was die Scheidungsgerichtshöfe dort für Scheidungsgründe zu hören bekommen, ist recht seltsam. Vor kurzer Zeiß ließ sich zum Beispiel Frau Richards in Chicago scheiden, Weit der Fußballklub, dessen Vorsitzender ihr Manu !var, zu

viele Wettspiele verlor. Eine andere Frau war mit der Behandlung, die ihr Mann ihr zuteil werden ließ, nicht einverstanden. Gegen diesen Grund wäre ja eigentlich nichts ernzuwenden, aber ihr Mann behandelte sie nicht etwa zu schlecht, sondern zu gut! Sie klagte dem Richter darüber $.r, und sagte, sie hätte gehofft, in ihm einestarke Erche zu finden, an der sie einen Halt finden würde, nun aber täte er alles, was sie nur wollte. Der Mann be­hauptete zwar dagegen, er sei seiner Ansicht nach ein Muster von einem Ehemann, aber das half ihm nichts: die Schei­dung wurde vollzogen. Es ist nicht mehr als gerecht und billig, auch festzustellen, weswegen sich Männer scheiden lassen. In einem Falle, der auch in den Bereinigten Staa­ten vorgekommen sein soll, wird man dem Ehemann ohne weiteres beistimmen. Er entdeckte nämlich eines schönen Tages, daß seine Fran erstens ein gläsernes Auge, zweitens ein hölzernes Bein hatte. Der Richter aber war anderer Ansicht als er und sagte in dem Urteil, es wäre das gute Recht der Frauen, die Männer durch derartige Verschönerung des Körpers zur Ehe zu verlocken.

Literarisches.

Fedor von Zobeltitz: Trö st- Einsamkeit. Roman. Verlag von Egon Fleische! u. Co., Berlin W. Preis: 6 Mk.Tröst-Einsamkeit" ist ein Schlagwort aus der Zeit der Romantik. Ein romantischer Phantast ist auch der Held der neuen Zobeltttzschen Erzählung: um zu innerer Stimmung zu kommen, zieht er sich aus dem Getriebe der Welt zurück; aber in der Einsamkeit lernt er empfinden, daß jedwede Stimmung sich ins Leere verliert, wenn sie nicht immer wieder aus dem Realen zu schöpfen versucht. Und so kehrt er aus dem Reich des Abstrakten heim zur tröstenden Arbeit. Es ist im Grunde genommen eine ein­fache Geschichte, die Zobeltitz erzählt. Aber sie wird reiz­voll durch die Art, durch den Uebergaug aus der frischen Realistik der ersten Abschnitte in das romantische Gespinst jener Szenen, die sich in dem stillen Waldwinkel abspielen, in dem der junge Eichendorfs sich ein Paradies zu schaffen hoffte. Stimmungszauber liegt über dem Buche und jene innere Spanmmg, die den Leser nicht locker läßt: Feinheit des Empfindens und die diskrete Ironie des weltersahrenen Mannes, der die moderne Gesellschaft in allen ihren Schat­tierungen kennt.

Erziehung.

Mein Sohn und ich. Aufzeichnungen eines Vaters von Karl Eugen Schmidt. Geheftet Mk. 2.. Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt.Mein Sohn und ich" ist eine Reihe von Plaudereien und kleinen Geschichten, die dem Verfasser aus den häuslichen Freuden und Leiden, aus dem Beobachten und Miterleben des Heranwachsens seines kleinen Jungen zugeflosscn sind. Karl Eugen Schmidt, der seit vielen Jahren in Paris lebt als Mitarbeiter deutscher Zeitungen und Zeitschriften, fesselt den Leser durch seine Eigenart. Hat er es doch in diesen kurzen Skizzen verstanden, in heiterer und unterhaltender Form nicht nur Bilder zu geben, sondern aucy Herzenstöne anzuschlagen und allerlei Gedanken auszusprechen, die vor allem von Eltern und Erziehern Gehör verdienen.

An- und Einsichten.

Der Mann, weil er kühn und stark ist, schickt sich zum Be­schützer ; die Frau, die zart und snrchtsam ist, bedarf eines Schuhes. Der Mann, als Beschützer, wird zu regieren angetrieben; die Frau, die ihre Schwäche kennt, ist zum Gehorsam geneigt.

H. Home:Versuche über die Geschichte des Menschen."

Wo ich aufhöre, siiilich zu sein, habe ich keine Gewalt mehr. ____________ Goethe.

Buchstaben-Nintauschrätsel.

1) Kahn. 5) Sohn. 9) Herne 13) Ober.

2) Oder. 6) Wal. 10) Echse. 14) Sage.

3) Degen. 7) Teich. 11) Lied. 15) Uhr.

4) Pudel. 8) Fach. 12) Zorn. 16) Hort.

Durch Umtausch der Anfangsbuchstaben sollen 16 neue Wörter gebildet werden, deren Anfangsbuchstaben in derselben Reihenfolge 8en Namen eines Staatsmannes bezeichnen. hb.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Die Schule des Leben? kennt feine Ferien.

Redaktion: P. W ittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen.