Donnerstag den 25. Juni

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Wirket, so lange es Tag ist.

Roman von Maximilian Böttcher.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Nachdem Bannemann sich noch durch eingehende Kreuz- und Querfragen über den Konflikt zwischen ihr und Bollrath orientiert Hatte, sagte er mit philosophischer Miene:

Ich muß eigentlich bewundern, daß Ihr Herr Bräutigam Ihren Vorschlag so schroff abgelehnt hat. Einmal würde er doch ein äußerst glänzendes Geschäft machen, wenn er seine, doch immer» Hin nicht gerade hervorragende Stellung als Landgeistlicher gegen die Teilhaberschaft an des Herrn Kommerzienrats ausgedehnten Unternehmungen eintauschen möchte. Nicht allein wegen der ge­sellschaftlichen Position, sondern auch deshalb, weil er als reicher Großindustrieller seine Ideale doch unzweifelhaft sehr viel besser ver­wirklichen könnte denn als Pastor. Und dann. . dann der Forstmeister räusperte sichum es offen zu sagen: ich bin sest überzeugt, daß Herr Vollrath mit seinen Grundsätzen eigentlich gar nicht zuin Pfarrer paßt. Gewiß sind die Ansichten, die er vertritt, äußerst. . . äußerst christlich. Aber. . . nun ja ... . das kann doch keinem vernünftigen Mensch«: verborgen bleiben, daß auch im Christentum zwischen Theorie und Praxis ein Spalt klafft. Die Welt steht heutzutage eben unter einem ganz an­deren Zeichen als anno dazumals, als der Nazarener seine Ideen verfocht, und es ist doch nun mal so, daß wir uns alle von der starken Macht der Zeitströmung treiben lassen muffe«, ob Wit wollen oder nicht. Ja, wie gesagt also", fuhr er fort, da Jso- bella ihn schweigend, mit gespanntem Ausdruck ansah,ich fürchte sehr, daß Ihr Herr Bräutigam eines bösen Tages seinen Talar doch wird an den Nagel hängen müssen, weil er zu fest an feinen Idealen hängt, mit dem Kopf sozusagen durch die Wand will. Ob­gleich es ihm wie ich zufällig weiß seiner Zeit von: Kon­sistorium übel vermerkt worden ist, daß er den Claus Schwarz­meier, der seine Kinder und sich mit Kohlengas erstickte, kirchlich beerdigt hat, hat er dasselbe im vorigen Herbst auch beim alten Bartikow wieder getan; und es stand keineswegs einwandsfrei fest, daß der Mann seinen Selbstmord in geistiger Umnachtung begangen hatte. Hm. . . und dann" Bannemann sah auf seine Stiefelspitzen und drehte seinen Siegelring hin und her Herr Vollrath hat Feinde. Herr von Simon ist erbittert auf ihn, weil die Holzarbeiter ihn: fortwährend Späne niacheu; und daß die Großgrundbesitzer der Nachbarschaft Ihrem Herrn Bräu­tigam nicht grün sind, das werden Sie ja wohl schon selbst gemerkt haben, gnädiges Fräulein. Ja . . .", der Forstmeister richtete den Blick seiner Augen wieder fest auf Isabellas Antlitz,wenn der Streik im Frühjahr nicht dadurch, daß Ihr Herr Vater die bei­den stillstehenden Fabriken gekauft, einen so raschen Abschluß gefunden hätte, dann hätte wohl schon derBrief", den Ihr Herr Bräutigam damals Mblizierte Sie kennen ihn wohl gar nicht üble Folgen für ihn gehabt. Denn dieser Bries war äußerst kraß. Aber natürlich" Bannemann zuckte die Achseln wo kein Kläger ist, da ist kein Richter,"

Isabella saß mit vorgebeugtem Oberkörper, die Hände vor Erregung geschlossen; ihre Augen funkelten.

Sie meinen also", fragte sie, und ihr Atm: ging rascher, daß .... daß es meinem Bräutigam die Stellung kosten könnte, wenn jener Brief dem Konsistorium bekannt mürbe?"

Allerdings" > der Forstmeister zuckte wiederum die Achseln ich bin beinahe überzeugt. Zufällig besinne ich mich aus den Inhalt des Briefes ziemlich genau."

Hm . . . ." Isabella starrte ins Leere;würden . . . würden Sie nicht . . .?" Sie brach ab-

Was . . . wenn ich fragen darf?" forschte Bannemann.

Ach nichts", entgegnete Isabella kopsschüttelnd, indem sie mit nervösen Fingern am Spitzeneinsatz ihres Kleides zupfte.

Aber bitte", drängte der Forstmeister,wenn ich Ihnen dienen kam:, gnädiges Fräulein. . . Sie wissen, was irgend in meinen Kräften steht. . . ich märe glücklich..." Er beugte sich vor, und in seine Augen trat ein warmer Glanz.

Isabella seufzte.

Mein Gott", entgegnete sie,wenn ich nur wüßte, ob ich recht habe mit dem, was ich denke. Ich denke nämlich, daß nur der Stolz meinen Bräutigam ab hält, meinen Wunsch zu er­füllen. Er sprach von der jämmerlichen Rolle des' Mannes, der nichts weiter ist, als der Mann seiner Frau."

Oh" Bannemanr: verzog fein schmales Gesicht zu einem Lächelndas würde doch hier auf keinen Fall zutresfen. Herr Vollrath ist doch eine Arbeitskraft allerersten Ranges geradezu ein Arbeitsgenie. Und ob er nun fein Gehalt wie jetzt von Staat und Genreinde bekommt, ober ob fein Schwiegervater ihn für seine Leistungen entschädigt mir scheint . . . jedenfalls bin ich sicher, daß Herr Vollrath von diesem zweifellos falschen Stolz mit der Zeit selbst abkommen....."

Nicht wahr?" fiel ihm Isabella eifrig ins Wort.Und dann ... wie Sie schon sagten... er könnte feine Ideale doch auch viel besser verwirklich«:. Ich meine, man täte ihm geradezu einen Gefallen, wenn man ihn zwänge, seinen Beruf aufzngeben und meines Vaters Teilhaber zu werden. Denn was anderes bliebe ihn: doch hernach einfach nicht übrig . . ."

Allerdings wohl kaum", versetzte Banneinann.Aber zwingen... wie ihn zwingen gnädiges' Fräulein?"

Wiedermu seufzte Isabella. ,

Wem: Sie haben mir so oft gesagt, Herr Baron, daß Sie alles für mich tun würden, !vas ich nur von Ihn«: verlangen möchte wenn ich Sie nun bitte, bei:offenen Brief" meines Bräutigams den: Konfistorimn zu übermitteln . . . an: besten viel­leicht mit einer kurzen Beschwerde von Amts wegen? . . ."

Der Forstmeister zog die Brauen hoch und hob ein ivenig die hageren Schultern.Ich kam: Ihnen gar nicht sagen, gnä­digstes Fräulein", entgegnete er in: Tone lebhaften Bedauerns, wie schwer es mir wird, Ihnen diesen, gerade diesen Dienst nicht erweisen zu können. Alles ... zu allem sonst wäre ich mit Freuden bereit, bedingungslos; aber den 'Denunzianten ab­geben, noch dazu gegen einen Herrn, mit dem ich auf durchaus gutem Fuße stehe . . . Neu: . . . so leid es mir tut . . . ich kriege es wirklich nicht fertig . . ."