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weniger das Publikum als die Leute vom Bau, die Presse, die Theaterdircktvren- meine Bemühungen um d-ie Veredlung der leich­tern theatralischen Künste gedankt haben, ist betrüblich kennzeichnend sür den bei uns immer noch herrschenden Mangel an wirklicher ästhetischer Kultur. In Frankreich, wo solche ästhetische Kultur seit Jahrhunderten M Hause ist, nimmt man literarische Clowns (b. h. populäre Chensonniers und Baudevillisten) in die Aka­demie auf itnb errichtet ihnen Denkmäler, bei uns verachtet man sie ebenso gründlich, wie man sie um ihrer Tantiemen willen be­neidet. Und selbst allgemein anerkannten ernsten Dichtern wird das Horazische ,-desipere in l»co" von den kritischen Ordnungs­philistern meist so itbcl vermerkt, daß sie den Makel ihr Lebcnlang nicht los werden und sogar in den Literaturgeschichten noch als Geürandmarkte künftigen Geschlechtern zum abschreckenden Bei­spiel hiugestellt werden. Schon immer1 war ich unfern kritischen Pedanten ein Aergernis, weil ich von früh an meinen Ehrgeiz dreinsetzte, mich nicht selbst zu wiederholen, sondern mit jedem Werk ein anderer zu fein, wenigstens in der Form; seit ich aber in meinem Ueberinute so weit ging, meine eigene Person in der Maskarade eines tanzenden Propheten im Sinne Nietzsches auf die Bretter hinauszustellen, um damit meine deutschen Kunst­genossen zur Nachahmung anzureizen, seitdem tvurden mir von unfern eifrigen Zensoren, diesen strengrepublikanischen Sitten­wächtern, sozusagen die bürgerlichen Ehrenrechte abgesprochen. Galt ich schon vorher meiner Vielseitigkeit wegen für leichtfertig und oberflächlich, so wurde ich jetzt als völlig nndiskutabcl aus der Liste beachtenswerter Zeitgenossen gestrichen. Die Marke Tingel- tangeldirektor war mir an weithin sichtbarer Stelle anfgepappt, so daß die Gassenbuben mit Fingern darauf weisen konnten. Das laten sie denn auch. Das WortUeberürettelci" wurde als eine Schimpf- und Schmachstampiglie gebraucht für alles, was rann in Poesie und Musik als nichtig, leer, leichtfertig, frivol, zotig, schweinisch brandmarken wollte. Und ich, der ich mir eingebildet hatte, den plumpen Geist des deutschen Spasses, der jüdischen Wort­witzelei und der französischen Cochonnerie dadurch bekämpfen zu können, daß ich für die Unterhaltung eines anspruchsvolleren Publikum durch ein Programm von liebenswürdigen Kleinig­keiten sorgte, die alle das anmutige Gepräge geschmackvoller Must- lerschast tragen sollten ich justament wurde als Vater der Zote, als böser Geist des Ungeschmacks, als intellektueller Urheber des ekelhaften Animierkneipcnwesens, das sich unter dem Namen Kabarett in den Großstädten breit machte, hingestellt, und zwar nicht nur von einzelnen frommen Eiferern, sondern auch von der überwältigenden Mehrzahl der für besonders freisinnig, modern und geschmackvoll geltenden Blätter. Die rühmlichen Ausnahmen könnte ich an den Fingern einer Hand herzählen. Im Grunde verdankte ich meinen schmerzhaften Ruhm als Begründer des literarischen Varistss nur der flüchtigen Begeisterung des uasch- l-aften Snobismus unserer jüdischen Großstädte; für die Mehr- heit der übrigen Deutschen aber bin ich trotz jenes meines idea­listischen Schwabenstreiches geblieben, was ich ihnen vorher gc- lvesen !var: ein Seelsorger, der besonders das Vertrauen der Jugend besaß. Es war das Werk meines Lebens gewesen, das junge Volk unserer Tage, dem in all der erschrecklichen Wirrnis unvereinbarer Gegensätze zwischen Wissen und Glauben, vernünf­tiger und gesellschaftlicher Moral der Kvpf zu schwindeln und das Herz vor Ekel schwach zu werden begann, den Mut wieder aufzurichten, indem ich es lehrte zu lachen über die alten ängst- Uchen Hampelmännchen der Gewohnheit, deren Tragödien um Gotteswrllen nicht tragisch zu nehmen, deren Lustbarkeiten da­gegen zum Heulen traurig seien. Ich fühlte mich glücklich in dem Amte des Predigers einer, meiner Meinung nach urgesunden, weil humoristisch erhabenen Weltanschauung und reichlich belohnt durch die außerordentliche Verbreitung, welche meine Schriften unter beit Gebildeten und Bildungshungrigen vornehmlich der germanischen Welt fanden, sowie besonders durch den persönlichen Dank, der mir von einzelnen armen Seelen zuteil ward, denen ich durch meine Predigt das Rückgrat gesteift hatte, also daß sic fröhliche Siege über sich selbst und die miserable Welt erfechten Ersten. Und für diese Gemeinde, für welche der Humorist kein gleichgültiger Spaßmacher, sondern ein würdiger Seelsorger, und dre Erwerbung eines kernfesten Humors ein ernstes Lebensziel

Tüt diese Gemeinde habe ich meine alten und neuen An- stchten und Aussichten zusammengestellt.

, "lieber Fledermäuse als Hausgenossen schreibt der bekannte Zoologe Dr. Kurt Floericke in der Monats- schrlst der Gesellschaft der NaturfreundeKosmos" u. a.: k-me Fledermaus im Zimmer? Huh l wird sich mancher denken. Neun, ich kann versichern, daß es äußerst artige

uud liebenswürdige Tierchen sind, und dabei hervorragend intelligent, so daß der nähere Umgang mit ihneir dem Tier- freunde tatsächlich viel Vergnügen gewährt imd zu den anziehendsten Beobachtungen Veranlassungen gibt. Dabei werden die Nerchen überraschend zahm. Als Student be- ich zwei Mopsfledermäuse, die sich ganz von selbst zum reren Aus-und Einfliegen gewöhnt hatten. Abends husch­elt ste zum geöffneten Fenster hinaus in die benachbarten Garten, betrieben dort die Jnsektenjagd und kehrten frei­willig wieder iiis Zimmer zurück, wo sie ihren Schlafplat; auf einem Büchergestell Hatter und sich an einem großen Lexikon aufzuhängen pflegtet!. Auch die Speckfledermaus, dw ich gegenwärtig pflege, äußert eine geradezu rührende Unhangltchkett an meine Person und folgt mir durch mehrere Zimmpr, wenn ich sie dabei rufe. Dies beweist zugleich, daß ihr Ohr nicht nur für hohe imd schrille Töne empfänglich ist, wie Brehm und andere Forscher behaupten, sondern auch für die tieferen Laute der menschlichen Stimme, .jct sie unterscheidet sogar deutlich bereit verschiedene Nuancen und Betonungen. Spreche ich sie freundlich an, so spielt sie mit den Ohreir ivie ein Pferd, zwinkert ver- anüglich mit den kleinen Aeuglein, leckt sich mit der Zunge die L-chnauze und läßt ein behagliches Schmatzen hören. Fahre ich sie aber hart an, so legt sie die Ohren ängst­lich zurück und klettert ait der Gardine hinauf. Ihren Namen scheint sic zu Feimen, kommt wenigstens auf Anruf sofort herbei, weil sie weiß, daß es jetzt Mehlwürmer gibt. Sitze ich früh bei Lampenlicht am Schreibtisch, so kann ich mich ihrer kaum erwehren; alle Attgenblicke ist sie ivieder da, turnt auf dem Schreibtisch herum oder klettert an meinen Beinkleidern empor oder sitzt an der Gardine und bemüht sich, durch lebhafte Kopfbewegung und schrilles Gezwitscher meine Aufmerksamkeit zu erregen und eine Portion Mehl- würmer zu erbetteln. Ihr Appetit ist überhaupt geradezu unheimlich. 30 feiste Mehlwürmer werden bequem zu einer Mahlzeit verspeist, und danach kann man ungefähr den großen Nutzen ermessen, den sie durch Vertilgung von Maikäfern und Nachtfchmetterlingen unseren Wäldern und Obstgärten verursachen können.

Literarische?-.

Der Tanz. Von Georg Fuchs. Mit 2 Tafeln. Verlag von Strecker & Schröder in Stuttgart. Geheftet 0.80 Mk. Der Verfasser, ein bekannter hessischer, jetzt in München lebender Kunstschriftsteller, plaidiert für den Tanz als Sport, gepaart mit künstlerischer Kraft. Er zeigt, daß der Tanz auch in älteren Zeiten immer ein Sport in diesem Sinne war und daß wir gerade jetzt bei der Entwicklung der Leibesübungen von der turnerischen Abstraktion zur sport­lichen Anwendung hin an dem Punkte angslangt sind, wo wir auch den Tanz in den Kreis der das Leben bereichernden Funktionen wieder aufnehmen wollen und müssen. Die in neuerer Zeit mit so großem Erfolg aufgetretenen Tanz- künstlerinnen iverden zum Teil eingehend analysiert, ins­besondere die Duncan, die Madeleine u. a.

Rätsel.

DaS Erste ist Singen und Springen und Schweben Und Sprossen imb Grünen nnd irisches Leben, Das Zweite findest du in Wald nnd Flnr, Doch nimmer kannst du folgen seiner ©pur.

Das Ganze ist dir wohlbekannt,

Im Ersten findest dn's in Stadt nnd Land.

Büdingen. E. Fresenius.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Silbenrätsel in voriger Nummer:

1. Amanda

2. Laibach

3. Levit

4, Eberhard

5. Sirene

6. Reger

7. Ed nm

8. ttarda

9. Mahdi.

Alles neu macht der Maik

Aedaktwn: I. V.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Auch- und Steindrnckerei, N. Lange, Gießen.