Ausgabe 
25.5.1908
 
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ftrw fort:Doch das ist ja alles Torheit Unsinn! Und ivenns ein Hindernis gäbe zwischen uns heute sollst du mir nicht davon sprechen. Morgen heute nicht. Heut will ich glücklich fein, ganz glücklich. Du ... ." sie lächelte ihn niit blitzenden Zähnen mtdu ... ich sag immerdu" zu dir. Aber warum sollt ichs nicht, da ich dich doch in meinem Herzen so lange schondu" und immer nurdu" nenne? Wes­halb sagst du mir nicht endlich, wie lieb du mich hast, mein Heinz? Du sollst es mir jetzt endlich sagen," schloß sie im Schmollton eines verwöhnten Kindes.

-Heinz wehrte ihre Hände mit sanfter Bewegung von seinem Gesicht ab und stand auf. Und während er sich schwer auf die Lehne eines Stuhles stützte, offenbarte er der Geliebten alle Sorgen und Zweifel, die ihn bedrückten, zeigte er ihr die Kluft, die zivischen ihm und ihr gähnte.

Isabella sah ihn au, als verstünde sie ihn garnicht; und als er sich, überrascht und bekümmert durch ihren Blick, in Eifer redete, unterbrach sie ihn zuletzt mit einem Auflachen:

Aber, Liebster .... das sind ja doch alles nur Hirn­gespinste. Reichtum ist doch schließlich keine Schande. Wenn du eine reiche Frau hast, um so besser doch ftlr dich so wirst du deinen Armen doppelt und dreifach geben können. Und ich werde immer mit dir gehen, der gute Engel deiner Armen werden, du lieber Tor du!"

Heinz schüttelte den Köpf.

Das können Sie nicht, Jsä. Sie wissen es selbst, daß Sie es nicht können. Dazu.gehören Eigenschaften, die Ihnen nicht gegeben sind, und die Sie sich nicht erwerben können, mit allem Ihren: besten Willen nicht. Niemand kann aus sich heraus Sie nicht und ich nicht. Jeder von uns Menschen bleibt das, was Veranlagung und Daseinsschule aus ihm gemacht haben. Und darauf allein kommt es bei uns an. Ich könnte mich nicht schicken in die verschwenderische Lebensweise, die Ihnen zur zweiten Natur geworden ist. Für mich steht das eine fest: so lange es Unglückliche gibt, darf ich nicht einen Pfennig für Unnützes, Ueberflüssiges aufwenden, nmß ich meine Bedürfnisse einschränken auf das geringste Maß. Oft hab ich in den letzten Wochen ge­dacht: einen gewissen Luxus dürfte ich Ihnen wohl freigeben, wenn Sie die meine würden. Ein paar prächtige Zimmer, an denen ich keinen Teil hätte, -die ich nur betreten würde, wie etwa dep Vasall die Gemächer seiner Königin betritt. Und noch in vielen anderen Dingen habe ich nach einem Ausgleich gesucht, nach einem Plan zur harmonischen Gestaltimg einer Ehe zwischen zwei so grundverschiedenen Menschen, wie wir es nun einmal sind. Denn meine Sehnsucht war zu stark, als daß sie sich durch Beruunstsgründe hatte zum Schweigen bringen lassen. Aber jetzt erkenne ich, daß alle meine Gedanken nur Träume waren Es geht nicht. Das Haus, das ich mir gründe, muß ein Pfarr­haus sein, schlicht und einfach im inneren wie im äußeren Wesen Meme Fran muß eine echte Pfarrerin sein, sie muß aufgehen und volle Befriedigung finden im schlichten Rahmen ihrer Häus­lichkeit, muß allen Frauen der Gemeinde ein Vorbild der An­spruchslosigkeit mit) Bescheidenheit geben. Meine Frau muß zu- ft'ieden sein und sich einzurichten wissen mit dem Wenigen, was ich durch meine Arbeit verdiene. Mein Stolz, oder nennen Sie ses, wie Sie wollen, läßt die Annahme einer reichen Mitgift nicht zu. Ich muß an meinem, nicht an meines Weibes Tische sitzen. _ Und noch eins: Mein Amt ist schwer und nimmt mich vollauf ich möchte sagen: Tag und Nacht in Anspruch. Srfj könnte meiner Frau nicht viele Stunden widmen, könnte ihr kein Troubadour, kein allezeit ihres Winkens gewärtiger Lieb­haber sein. Meine Frau müßte sich begnügen mit der inneren Gewißheit, daß sie meines Lebens höchstes Gut und Kleinod ist. Und dann .... meine Zukunft liegt noch im Dunkeln- Ich weis; nicht, wohin mich von hier aus des Schicksals Wind ver­schlagen idtri). Aber gesetzt selbst den günstigen Fall, daß ich bald in Reichardts Stelle rückte können Sie's ausdenken, unten im Pfarrhaus ihre Tage hinzubringen, während Ihr Vater oben auf dem Schloß Feste feiert, während Ihren Viererzug eine fremde Hand lenkt, in Ihren Sätteln sich andere wiegen, und der schwarze Zanga im Wintergarten die Palmen besprengt, seiner Herrin gedenkend, die nfcht mehr seine Herrin ist?"

Isabella war in sich zusammengesunken und starrte ins Leere, c - das wäre doch alles nur auf kurze Zeit,"

fuhr fte nach einer langen Weile plötzlich auf, gleichsam erschreckt von dem Schweigen, das zwischen ihr und Heinz lag.Sie r a ^kiabt. In absehbarer Zeit werden Sie doch

sicher eine glänzende Stellung in irgend einer großen Stadt finden In ihrer Betroffenheit gebrauchte sie jetzt, ohiie sich dessen klar bewußt zu sein, ebenfalls anstatt desdu" wieder dasSie".Und ich lveiß," fuhr sie in steigender Erregung fort,

daß manche reich begüterten Pastoren Häuser machen wie Grasen und Barone Es heiraten ja auch so viele von ihnen adlige Taimn. lind zu den Hofpredigern laden sich selbst die höchsten Herrschaften, mitunter wohl gar die Allerhöchsten, zu Tito"

Heinz stand iwch immer in feiner früheren Stellung, auf die W?S<8äf&6eryiM Um fCi"eU ^u"d Mckce jetzt ein leises, Ich bin gewiß nicht mehr begabt, als viele, als die meisten memer Kollegen," sprach er.Und dann . . . auch das Amt eines Hofpredigers könnte nichts an meinen Ueberzeugungen ändern ll!try '-n den Grundsätzen, die mir für meine Lebensführung maß- xdlich geworden sind und maßgeblich werden müßten auch für die Leoenssührung meiner Frau. Denn das wäre doch gewiß auch "! ^hren Augen eine schlechte Ehe, in der Manu und Fran nicht tm Großen wie nn Kleinen die gleichen Ideale hätten m der der eine hierhin, der andere dorthin seines Weges ginge der eine hier, der andere da Glück und Genuß suchen möchte." Er brach ab und kniff die Lippen zusammen. Aber gleich sprach weiter:Es war Wahnsinn von mir, von der Mög- lichkeit einer Verbindung zwischen uns beiden auch nur zu träumen. Uno wenn ich mich vorhin zu jenem jähen Liebesbeweis hin- r-eißen ließ, halten Sie es, bittesoer großen Erregung zu gute, in die mich Bartikows Angriff auf Sie verseht hat. Verzeihen Sie nur, daß ich schwächer war, als ich es sein durfte. Vielleicht aber," er zuckte die Achselnvielleicht ist es auch ganz gut so, daß nun Klarheit zwischen uns herrscht. Keiner von uns braucht sich nun mehr in Hoffnung und Sehnsucht zn verzehren." Er tat einen schweren Atemzug und ging, das Haupt geneigt, nach dem Sessel am Eingang des Pavillons, auf den er beim Ein­treten feinen Hut abgelegt hatte.

Isabella folgte seinen Bewegungen mit angsterfülltem Blick, kämpfte mit den Tränen, konnie sie nicht bezwingen und brach, das Antlitz in den Händen vergrabend, in Weinen aus.

Aber das .... das kann doch nicht das Ende sein," schluchzte sie mit der Verzweiflung eines Kindes, dem man sein liebstes Spielzeug verbrochen hat.

In Heinz wallte Mitleid auf mit ihr und sich selbst Er kehrte noch einmal zu ihr zurück und strich ihr mit der Hand -über das volle Haar. So fühlte er ihr Weinen nicht nur seelisch, sondern auch körperlich, mit und jedes Aufschluchzen, das ihre Gestalt erschütterte, riß an seinem Herzen.

Plötzlich richtete sich Isabella aus ihrer Zusammengesunren- heit auf, ergriff mit beiden Händen Vollraths Rechte, küßte sie, wandtee ihm dann ihr tvänenübcrströmtes Gesicht zu und stammelte:

Tu . . . du ... ich kann dich ja nicht lassen, ich kann nicht. Ich will hungern und Not leiden mit dir . . . aber ich müßte sterben, wenn du von mir gingest!"

Höre," sprach Heinz und nannte sie nun auch zum erstenmal du",höre . . . Wir wollen das Band zwischen uns nicht jetzt zu zerreißen suchen . . . wir bekämen es' am Ende doch nicht fertig, es ist vielleicht stärker als unsere Kraft. Wir wollen uns eine Pvüsungszcit setzen . . . sagen wir: ein Jahr. In diesem Jahr ivöllen wir an unserer bisherigen Stellung zueinander nichts ändern. Niemand soll wissen, daß unsere Herzen sich gehören. Und in den flüchtigen Momenten unseres Alleinseins soll nicht die Vertraulichkeit Liebender zwischen uns herrschen will ich dich mit keinem Wort, keinem Blick an das erinnern, was wir in dieser Stunde erlebt haben. Vom September an aber, nach Werners Abiturium, werde ich dich auch durch meine Nähe nicht mehr so stark beeinflussen wie jetzt. Durch nichts wirst du an mich gebunden fein, als durch deine Liebe. Du wirst tun und lassen, was du willst, ohne daß ich eine. Silbe darein zu reden hätte. Du wirst reifen oder daheim sein, du wirst Feste feiern, dich vergnügen, so viel du magst, deinem Studium leben oder dich unserer Abendschule widmen wie es dir gerade beliebt. Wie dein Leven an meiner Seite sich gestalten würde, weißt du.' Du kannst dir nun klar werden, was dir mehr ans Herz gewachsen ist: Der Glanz und Reichtum deiner biSherigeu Stellung oder ich. Und wenn das Jahr um ist, so will ich dich nicht fragen, welche Wahl du getroffen hast. Dein Wesen ja ein Blick von dir wird es mir deutlich genug verraten."

(Forlsetznug folgt.)

Nietzsche und die Kraue».

Von Martin Stein (Leipzig).

(Nachdruck verboten.)

Die schauerliche Gedankenlosigkeit, mit der die Er­nährung der Familie und des Hausherrn besorgt wird! Das.Weib versteht nicht, was die Speise bedeutet: und will Kochen sein! Wenn das Weib ein denkendes.Geschöpf wäre, so hatte , cs ja als Köchin seit Jahrtausenden die größten