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Wirket, so lange es Tag ist.
Roman von Maximilian Böttcher.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Gehen wir weiter", sagte Heinz mit einem schweren Auf- a toten, und schüttelte, in Gedanken verloren, ben Kopf. Sollte der Schrei, den er gehört hat, wirklich nur eine Halluzination gewesen sein, hervorgerusen von dem Zittern. und Schwingen seiner angespannten Nerven, von dem Klingen und Brausen des Blutes in seinem Ohr?
„Da!" rief Werner, mit einem Ruck zusammenfahrend, „jetzt hab' ich's auch rufen hören. Isabella . .
Heinz lief schon, lies, was er laufen konnte, quer durch Stämme und Gebüsch, durch Gras und Moos, auf den See zu. Werner hinterher aus Lungenkräften, aber doch außerstande, dem Tahinstürmenden auf den Fersen zu bleiben.
Tie Hülferuse wurden heftiger, folgten sich in immer kürzeren Intervallen, Hangen zuletzt halb erstickt.
Die zwei-, dreihundert Schritt, die Heinz zu durchlaufen hatte, kamen ihm ivie deren tausend vor. Endlich blinkte der Spiegel des Sees durch Stämme itnb Gezweig . ... da war auch der Pavillon, der Rasenplatz, die bunten Korbsessel . . . und da die wieder ganz in schneeiges Weiß gekleidete Isabella in ihrem Triumphstuhl, halb verdeckt von der Gestalt Wilhelm Bartikows, der neben ihr kniete, die sich verzweifelt zur Wehr Setzende umschlungen hielt und küßte.
Zwei Sätze und Heiitz stand neben ihm. Seine Brust arbeitete. Seine Faust packte den bestürzten Liebhaber am Halse, riß ihn aus seiner kuieenden Stellung empor und fuhr ihm bann mit wuchtigem Schlage mitten in das vom Fieber der Leiden? schäft rot angeglühte Gesicht:
„Schurke erbärmlicher!"
Wilhelm Bartikvw taumelte — bis auf da8 Mal des empfangenen Schlages, das sich auf Stirn und Nasenrücken brennend abzeichnete, kreidebleich geworden. Seine Finger bogen sich wie Krallen, sein gedrungener Körper duckte sich zum Sprunge, und ans seinen Augen sprühte sinnloser Haß.
Eben erschien Werner auf dem Plan. Seine jugendliche, Heißblütigkeit riß ihn hin, mit beiden Händeit einen Sessel zu ergreifen und ihn hoch über beit Kopf gegen ben wutschäumenden Frechling zu schwingen.
Heinz fiel ihm in den Arm. schweres Unglück verhütend.
Wilhelm wich zurück, schrittwcis, das Gesicht noch immer vom Ausdruck toller Wut verzerrt. Er sah noch, wie Isabella, die aus ihrem Stuhl emporgeschnellt war, sich an der Lehne hielt, schwankte und zu Boden gesunken wäre, hätte Heinz Vollrath sie nicht in seinen Arm aufgefangen. Dann wandte er sich unb entfloh in wilden Sprüngen. Seinen Hut, der int Grase liegen geblieben war, schleuderte ihm Werner mit einem Fußtritt nach.
Isabella lag wie betäubt an Volkrüths Brust; und der, seiner ©inne nicht mächtig, hingerissen von der Sturmflut der
Empfindungen, die ihn durchbrauste, beugte sich über das lockige Haupt und hauchte einen Kuß auf die tvtbleiche Stirn. Fester schmiegte sich Isabella an ihn, Schutz suchend und hingebend zugleich, ihre Hände ruhten an seinem Halse, ihre Wange an seiner Schulter, und die Erregung löste sich in einem Strom befreiender Tränen.
Als Heinz sie endlich mit begütigendem Zuspruch in den Pavillon geführt hatte, saß sie da in einem Polstersessel, den Werner zurechtgerückt hatte, die Hände im Schoß gefaltet, das holde Antlitz von einem Hauch von Seligkeit verklärt, wenn ihr auch Tränentwpfen noch immer über die blassen Wangen perlten.
„Werner, liebster Junge", wandte sie sich nach einer Weile des Schweigens an ihren Bruder, „geh', hol' mir ein Glas Wasser. Mir ist die Kehle wie verdorrt."
Werner, dessen Herz noch ganz von zorniger Entrüstung über Wilhelm Bartikow erfüllt war, nickte: „Gewiß, gern!" Wie er aber seiner Schwester noch einmal voller Besorgnis ins Gesicht sah, in dieses glückselig lächelnde, gleichsam von innen erhellt« Gesicht, begriff er und sprang davon, mit dem Vorsatz, nicht so. bald wieder zu erscheinen.
Isabella saß regungslos und blickte Heinz au. All ihr Leben schien in ihren Augen zu liegen, in diesen großen, dunklen, schönest Augen. Und sie riefen: „Nun sind wir allein . . . nun komm und sage mir, wie lieb du mich hast!"......
Heinz, bleich bis in die Lippen, stand in der offenen Air des Pavillons, den Köpf an beit Pfosten gelehnt. „Was hast bit getan, Schwächling, der du bist", zürnte bie Stimme ist feiltet Brust, und er biß die Zähne zusammen. Aber drübest bie Augen, die großen, glühenden, lockten und lockten, zogen ihn an und rissen ihn hin, trotz Widerstrebens. Er tat ein paar rasche Schritte und siel vor Isabella auf die Knie nieder, ilM Hände mit heißen Wissen bedeckend.
„Heinz, mein Heinz," hauchte sie, umschlang' ihn und hing ihren Mund mit der verzehrenden Inbrunst der viele Monate hindurch mühsam eingedämmten Leidenschaft an seine Lippen.
Zwei, drei Herzschläge lang gab Heinz sich dieser Umstrickung hin. Dann lösch er sich aus Isabellas Armen, preßte feine Stirn auf ihre Hand und stöhnte:
„Es darf ja nicht sein. ... es darf ja nicht fein, daß wir uns lieb haben,"
„Was darf nicht sein?" fragte Isabella. „Meinst du etwa, mein Vater möcht' unsre Heirat nicht zugeben? Ach. . . mein Vater ist so gut; nnb dich sieht er gewiß tausendmal lieber, als' all die andern, die mich haben wollen."
„Es ist nicht darum," entgegnete Heinz und wollte sich ech heben. Aber Isabella hielt ihn fest, nahm feilten Köpf zwischen ihre Hände und sagte schelmisch:
„Hat mein Schatz etwa einer anderen die Eist versprockien?. Ich traus ihm nicht zu. Doch, Wenns auch so wäre, ich würde wenig darnach fragen. Mir gehört er jetzt, mir allein, und ich geb ihn nicht wieder her, und wenn ich mit der ganzen Welt um ihn streiten sollte." Ihre Stimme hatte eilten tiefen, bebenden Klang angenommen, und in ihren Augen flammte ein grelles Licht auf. Aber gleich fuhr sie .wieder in chckenden Schelmeit-,


