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Sdj hatte ihn auf der Reife bei mir und habe ebensowenig daran gedacht, ihn abzulegen, wie ich meinen Anzug gewechselt habe.
Wo haben Sie ihn gekauft?
Er ist mir von Mister Simpson geschenkt worden; es ist ein „Andenken".
Gcstehen Sie, bemerkte der Richter kalt, daß dieser Mister Simpson eine bequeme Persönlichkeit ist. . . Doch weiter! Nur |toei Schüsse dieser gefährlichen Waffe sind abgefeuert, und drei Menschen sind getötet worden. Sie haben mir über das Ende des Auftritts noch nichts gesagt.
Ach! sagte der Mann in traurigem Ton. Wozu denn? Nachdem zwei meiner Gegner am Boden lagen, war die Partie gleich geworden. Ich packte also den letzten, den Soldaten, nm den Leib und warf ihn nieder. Er fiel gegen eine Tischeckc — und stand nicht wieder auf.
Segmüller hatte den von Lecoq gezeichneten Plan der Schenke «uf seinem Schreibtisch auSgeb reitet und sagte zu Mai:
Kommen Sie näher, und bezeichnen Sie auf diesem Papier genau Ihre Stellung und die Ihrer Gegner.
Der Mann gehorchte und erklärte das Drama mit einer sär einen Mann seines Standes überraschenden Sicherheit.
Ich bin eingetreten, sagte er, durch diese mit C bezeichnete Tür, ich saß an dem Tisch: F, links vom Eingang, die anderen faßen an dem Tisch zwischen dem Kamin E und dem Fenster B.
Als Mai mit feiner Erklärung fertig war, sagte der Richter:
Ich muß, der Wahrheit gemäß, einräumen, daß Ihre Er-- fßmtneen sich vollkommen mit den Feststellungen der Aerzte decken, wonach der eine Schuß aus unmittelbarer Nähe, der zweite aber aus einer Entfernung von einem bis zwei Metern abgefenert worden ist.
Ein gewöhnlicher Angeklagter hätte triumphiert. Mai da- flegen zuckte nur unmerklich mit den Achseln und murmelte:
DaS beweist, daß die Aerzte ihre Sache verstehen.
Lecoq war zufrieden. Ms Richter hätte er das Verhör auch uicht anders geleitet. Er pries den Himmel, der ihn, Herrn Segmüller an Stelle von Herrn d'Escorval gegeben hatte.
Da also dies erledigt ist, fuhr der Richter fort, so bleibt Khncn, Angeklagter, noch übrig, mir den Sinn eines Satzes M erklären, den Sie ausfprachen, als der Beamte hier Sie um den Leib packte
Ein Satz?
Ja! Sie haben gesagt: „Die Preußen kommen, ich bin Verloren!" Was bedeutet das?
Eine flüchtige Röte überzog Mais Wangen. Augenscheinlich Htttte er alle anderen Fragen vorausgesehen, aber diese kam ihnr unerwartet; er sagte daher mit schlecht verhehlter Verlegenheit:
DaS wäre ja recht sonderbar, wem; ich so was gesagt hätte!
Augenscheinlich suchte er Zeit zu gewinnen, um eine Erklärung zu finden.
Fünf Personen haben sie gehört, sagte der Richter.
Nun, schließlich, versetzte Mai, ist die Sache möglich. Es ist eine Redensart, die ein alter Soldat von Napoleons Garde vft zu wiederholen pflegte; er war nach der Schlacht bei Waterloo ö« Mister Simpsons Dienst getreten.
Die Erklärung war sinnreich, wenn sie auch ein wenig spät kcmr. Segmüller schien sich denn auch damit zufrieden zu geben »üb sagte:
Das kann sein. Mer da ist noch ein Umstand, den ich nicht begreifen kann. Hatten Sie sich Ihrer Gegner entledigt, bevor die Polizeipatrvuille eindrang? Antworten Sie, ja oder «ein!
Ja.
. Wie kommt es denn also, daß Sie nicht durch den Ausgang entflohen, dessen Existenz Sie vermutet haben wollen, sondern baß Sie sich mit einem Tisch verbarrikadiert hatten und in der Berbindungsttir stehen blieben, die Waffe gegen die Beamten gerichtet?
Mai senkte den Kbps und antwortete eine Zeitlang nichts.
Ich war wie wahnsinnig, stammelte er endlich, ich wußte, nicht, ob die neuen Ankömmlinge Polizeibeamte wären oder etwa Breunde der von mir Getöteten.
Ihr Interesse erheischte, vor bett einen so gut wie vor beit eirbercii zu fliehen.
Der Mörder schwieg und Segmüller fuhr fort:
, bktm, die Anklage nimmt an, daß Sie sich wissentlich und Absichtlich der Verhaftung aussetzten, um den beiden Frauen, die pch in der Schenke befunden hatten, den Rückzug zu decken.
Was? ich sollte mich für zwei Weibsstücke aufgeopfert haben, die ich gar nicht einmal kamrte?
Oh bitte! Die Anklage hat starke Gründe zu dem Glauben, daß Sie diese beiden Frauen im Gegenteil sehr gut kannten.
Na nu! Das soll man mir erst mal beweisen!
Er grinste, aber das Grinsen erstarb aus feinen Lippen, als der Richter, im sichersten Tone, jede eimelne Silbe betonend, sagte:
Ich wer —de es Jh — neu be — !vei — fett!
21. Kapitel.
Der Untersuchungsrichter war der Meinung, die Anwesenheit der beiden Frauen fei der schwache Punkt im Verteidigungs-- svstem des Mörders, auf diesen Punkt mi sse er also die wichtigsten Angriffe richten. Doch wollte er bei dem ersten Verhör nicht gleich allzuweit gehen. Er fuhr daher, als er glaubte, daß feine Drohung genügend gewirkt habe, in ruhigem Tone fort:
__ Also, Sie behaupten, Angeklagter, baß Sie von den in der Schenke sich aufhaltenden Personen keine einzige gekannt haben.
Ich schwöre es.
Cie haben niemals Gelegenheit gehabt, eine Person zu sehen, deren Name in diese beklagenswerte Geschichte verwickelt ist, einen getvissen Lacheneur?
Ich hörte diesen Namen zum erfbennmt, als der sterbende Soldat ihn aussprach und dabei hinzufügte, dieser Lacheneur fei ein früherer Schauspieler.
Er stieß einen sapoeren Seufzer aus und fuhr fort:
Der arme Soldat! Ich hatte ihm den Todesstoß gegeben, und seine letzten Worte waren die Bezeugung meiner Unschuld.
Dieser kleine sontimentale Erguß ließ den Richter sehr kalt; er fragte ruhig:
Sie nehmen demnach die Aussage dieses Soldaten tut?
Der Mann zögerte, als wittere er irgend eine Falle, und müsse daher seine Antwort wohl erwägen.
Ich nehme sie an! sagte er endlich. Bah!
Sehr wohl. Dieser Soldat wollte sich — wie Ihnen erinnerlich sein muß — an Lacheneur rächen, der ihm Geld versprochen und ihn dadurch in ein Komplott verwickelt hätte. Gegen wen richtet sich dies Komplott? Gegen Sie offenbar! Andererseits behaupten Sie, in Paris erst am selben Nachmittag ange- kommen und nur durch einen Zufall in die „Pfefferbüchse" hineingeraten zu sein. Reimen Sie uns das zusammen!
Mai zuckte nur die Achseln und sagte:
Ich sehe die Sache ganz anders an! Die Leute planten einen schlechten Streich gegen irgend einen, ich weiß nicht wen, und, gerade weil ich sie genierte, brachen sie einen Streit mit mir vom Zaun. -
(Fortsetzung folgt.)
Mutter und Sohn.
Von Lina Sch. in L. (Original-Artikel der „Gieß. Jam.-Bl."). (Nachdruck verboten.!
Es war zur Zeit, als Knochen und Lumpen noch Wert hatten. Da lebte in einem oberhessischen Landstädtcheit ein Judenehepaar, der Leopold und die Elle. Beide waren bei alt und jung gleich beliebt, denn sie ioaren harmlose« einfache Menschen, die täglich ihrem Berufe nachgingen und niemandem etwas zu Leioe taten. Er handelte. Und zwar verhalf er den Bauern die Kühe und Kälber zu verkaufen, das überflüssige Heu und Stroh an den Mann bringen, und bei den Bauersfrauen war er persona grata, denn jedes Stückchen Leinen, das im Winter zu viel gesponnen war, fand durch seine Hände immer einen gut zahlenden Käufer.
Elle tu ar allen Kindern nur denkbar mit einem Bündel auf dem Kopfe und einem Sack unter dem Arm. In dem Bündel hatte sie ein ganzes Mereerietvarenlager. Sie ging Von Haus zu Haus, überall eine gern gesehene Person. Kam sie die Straße entlang, so liefen die Mägde, ihren gesammelten Hader zu holen, um es bei der Elle gegen Wolle, Seide u. dgl. einzutauschen. Bares Geld gab es bei ihr nicht.
Auf diese Weise hatte das Ehepaar von früh au einen zwar geringen aber doch sicheren Verdienst und lebte in Friede und Eintracht dahirt.
Aus dieser Ehe war ein einziger Sprößling dagetvesen. Ein überaus begabter Junge. Hauptsächlich war er sehr musikalisch und hatte eine prächtige Stimme. Vater und Mutter darbten sich vieles vom Munde ab, um dem Jungen Klavierunterricht geben lassen zu können. War dies eine Freude, als Sally das erste Liedchen spielen konnte. Elle summte auf dem ganzen Weg bei ihrem Handel die Melodien


