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Berufs arten zum erfolgreichen Worum em gewisser Grad von Mut und Tatkraft. Der Furchtsame wird bei allem, was er unternimmt, immer nur die Gefahren, die Möglichkeit eines Mißerfolgs vor Augen haben, sich zu einem entscheidenden Schritt nicht entschließen und auf diese Weise jede Gelegenheit, Hab und Gut auf erlaubte Weise zu vermehren, unbenutzt vorübergehen lassen.
Aber auch jeder andere Beruf erheischt Tatkraft und Selbstbewußtsein, welche beim Furchtsamen sich nicht entfalten können. Er verliert jedes Vertrauen zu sich selbst, ohne welches ein gedeihliches Wirken gar nicht möglich ist. Stets wird er durch das Bewußtsein seiner Schwäche, Abhängigkeit und Hilfsbedurftigkeit in seiner Tätigkeit gelähmt werden. Ein Feldherr, der, von Furcht beherrscht, immer nur den ungünstigen Ausgang vor sich sieht, wird bei aller Begabung nie zum entscheidenden Schlage ausholen und vor einem minderbegabten, aber mutigen Feldherrn das Feld räumen müssen.
Ein Redner, dessen Sicherheit durch das Gefühl der Furcht gelähmt wird, kann trotz der reichsten Geistesgaben das Wort nicht meistern und wird einen traurigen Eindruck Hervorrufen, da der Mangel der Form durch den Reichtum des Inhalts schwer ersetzt werden kann.
Ein Schauspieler oder Sänger, über den die Furcht Macht gewinnen würde, könnte, selbst wenn er der größte Künstler wäre, keinen Erfolg erringen. — Der Furchtsame ruft durch schüchternes, unsicheres und ungeschicktes Betragen immer einen schlechten Eindruck hervor, verliert dadurch die Achtung der Mitmenschen und setzt sich ihrem Spotte aus. In seiner Mutlosigkeit wird er sich Beleidigungen gefallen lassen, weil ihm die Energie zur gerechten Abwehr fehlt, sich bei ungerechten Anschuldigungen nicht einmal zu einer Verteidigung aufraffen, weil er bei seinem Mangel an Schlagfertigkeit und Geistesgegenwart das richtige Wort nicht findet, und auf diese Weise auch an seiner Ehre Einbuße erleidet.
Es ist also zwar zu billigen, daß sich der Mensch vor Leichtsinn, Unvorsichtigkeit und Frechheit hütet, daß er sich fürchtet, wo ein vernünftiger Grund zum Fürchten vorliegt, kurz, daß er nach dem Grundsatz handelt: „Was du tust, tu' es klug und bedenke das Ende"; aber im höchsten Grad verwerflich ist die unbegründete Furcht vor eingebildetem Uebel, die in Feigheit und Schlaffheit ausartet und den Menschen geistig und körperlich tief herabfetzt.
meinem väterlichen Gut eme Schafzucht. Unt sie aufzubessern, * fernes Tags nach einer Nachbarstadt (ich glaube, es war CeUe. Anmerkung des Wiedererzählers), wo eine Ausstellung bott Wüschen Rammen war, und kaufte mir dort zwei Schafböcke Sie wurden eingestellt, aber sie konnten sich gar nicht miteinander vertragen, ^mmer haderten sie und stießen einander. Und eines Tages stieß der eme Bock den anderen tot. Nun war Friede auf dem Gut. Dies Bild verfolgt mich immer, auch nachdem ich in den Dienst getreten war, denn bei uns war es ja auch so. Preußen war der eine Bock, Oesterreich der andere und Deutschland die Schafherde, und nicht eher würde es gut gehen, bis der eine Bock den andern totgemacht hätte."
. Die Porträtbüste des Alten wurde inzwischen tüchtig geför- dert. Er selbst liahm den regsten Anteil an dem Werke. Er lvar sogar nicht abgeneigt, corriger la nature. Das Eck am Hinter- bauvt war bei seinem Schädel auffallend niedrig. Ich glaube, nach Gall soll dort die Ehrfurcht sitzen, kann's aber nicht beschworen. Gewiß, das nil admirari lag Bismarck näher, als vor Personen oder Tatsachen sich zu beugen. Er wünschte aber doch, ob aus Schonhettsgefühl oder anderen Gründen, daß jener Vinterhauptteil etwas vorgeschuht, etwas aufgehöht würde. Der Sohn der Alpen erklärte jedoch, was er nicht sehe, könne er auch Nicht nachbilden, und setzte sich durch. Dagegen gab er einmal nach, als sich herausstellte, daß er unrecht und Bismarck recht hatte. Der Kanzler fand nämlich, daß seine Unterlippe zu dick gebildet war." „Etwas dünner! . In der Unterlippe liegt viel darin, Entschiedenheit, Energie, Wille, aber nicht zu dick wie bei manchem, sonst wird es Eigensinn."
Der Kopf wurde fertig. Er ist ein ragendes Denkmal ragender Kraft. Der trotzige Sohn der Schneeberge hat den steifnackigeni Titanen der Ebene verstanden. Ich behaupte, kein besserer Bismarck ist auf der Welt, auch der Lenbachs nicht. Und diesen Bismarck haben die Berliner Ausstellungen zurückgewiesen. Er ist ms zum heutigen Tage nicht in die Oeffentlichkeit gekommen, ist Deutschland vorenthalten worden. Da sollte Abhilse geschaffen werden.
An- und Einsichten.
Der Besitz perfönlicher höherer Bildung und sittlicher Makellosigkeit ist der Ritterschlag der Neuzeit. ' A. Schaffte.
Ohne Ideal gibt es weder einen Maler noch eine Zeichnung, aber schlimmer als ohne Ideal sind die Leute, die nur das leihweise erhalten, in der Schule erlernte Ideal besitzen. Delacroix.
Wir trauen fast niemandem gesunden Menschenverstand 511 als demjenigen, der linserer Meinung ist. La Rochefoucauld.
Ejn Haupthindernis der Fortschritte des Menschengeschlechts ist, daß die Leute nicht auf die hören, ivelche ain gescheitesten, sondern die, welche am lautesten reden. * Schopenhauer.
Ich glaube, daß kein ernster und nicht völlig entgleister Mensch fähig ist, sich das Leben zli nehmen, ivcnn er je einmal das Erloschen eines gesunden imb guten Lebens angesehen hat.
Hermann Hesse.
Neues vom alten Kanzler.
Unbekannte Aussprüche Bismarcks teilt in der Berliner Halb- „Neue Revue" (herausgegeben von Dr. Josef Nolf Bondh'Verlag der Neuen Revue" Berlin-Charlottenburg)
Albrecht W1 r t h nut. Sern Gewährsmann ist der bekannte ^Eauer Norbert Pfretzschner, von dem u. a. eine Kur- Wfultatue m Bersin, das List-Denkmal in Küfstein iind eine . nftvolle Portratbuste Brstnarcks herrühren. Pfretzschner weilte ^.Maiund September 1895 jedesmal ungefähr fünf Tage in Friedrichsruh. Er hat die Gespräche, die damals im Bismarckschen Hause geführt wurden, rn treuer Erinnerung bewahrt und Dr Wrrth Mitgeteilt.
Leider läßt sich annoch nicht alles veröffentlichen. Einiges 'Wdbrgegeben werden. Verehrer hatten Bismarck .»Der wär mir zu teuer, um ihn selbst ^kaufen, sonst legte ich nur einen ganzert Keller voll davon an." ibn Eii-uu? s» mreittte dä Herbert, „sonst würden
M.Melleicht Russen und Franzosen austrinken." Ich muß ge- kann das nicht begreifen, denn es lag ja damals, und"bi- ^abanow-Rostowsky den Gipfel seiner Laufbahn erstieg vnn R i prunkvolle Zarenkronung vorbereitete, eigentlich nichts toafPhmr mnrr’f®m•?efHeiun9 ?er russisch-französischen Freund- ^edenM?sä Nb- Bismarck wieder em cauchemar des coalitions. mtb YÄ J*aBe sbersa-r nicht sehr erstaunt geblickt
J « langsam und mit bedeutsamem Ernst gesagt - Meinst Pfretzschner erzählt, daß der'Kanzler sehr Mbnen^dM wnm 5b^?rsen sei, obwohl er ja mit all seinen LMynen, dm wohl erhalten waren, zur Grube gefahren ist. Und Da« ig e!?^ümme vom Diskant zum tiefen Baß umgeschlagen
LÄÄnt «er nicht bekannt ist, soviel ich w^ nig,tens weiß, folgendes. „Ehe ich tn den Dienst trat, da war auf
Das träge Ermatten unb Erschlaffen Kommt stets voii halbem Tun;
Wohl bir, ist beine Arbeit ganzes Schaffe», Dein Ruhn ein ganzes^Ruhn I Friba Schanz.
Unr Epoche in der Welt zu machen, bazu gehören bekanntlich zwei Dinge: erstens, baß man ein guter Kopf sei, unb zweitens, baß man eine große Erbschaft tue.
Goethe (an Eckermann).
Scherzrätsel.
Die Mutter ruft bem Fränzchen, Will geben ihm 'ne Zwei unb Drei, Doch Franz, ber hat ein bös' Gewissen, Ist zwei und drei, kommt nicht herbei. Die Mutter sucht nun 's Fränzchen, Sie zieht es an ber Eins herbei, Statt einer Zwei und Drei gibts leiber Für es mm eine Ein?, Zwei, Drei.
Gießen. t. L,
Auflösung in nächster Nununer.
Ausiösnng des Zahlen-Ouadrat-Rätsels in voriger Nummer»
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