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Erfahrungen und Versuche die Züchter von Petaluina zu hervorragenden Kennern ihres Faches gemacht, und sie Haden es auch * verstanden, ihr Gewerbe zu einem außerordentlich nutzbringenden zu machen. Einer der bekannteren Züchter, der über die stattliche Zahl von 7000 Legehennen verfügt, erzielt im Jahre einen Reingewinn von über 24000 M. und ein anderer, der bei Beginn seiner Tätigkeit nur über das kleine Kapital von 4800 M. verfügte, verdient sich int Jahre fast das Doppelte seines Kapitals, nahe an 9000 M. Das freilich sind besonders gewiegte Geschäftslettte und sie erzielen durchschnittlich pro Henne "im Jahr 5,20 M. Im allgemeinen rechnet, die Züchter mit einem Gewüm von 4 M. pro Henne und Jahr. Es fehlte zu Anfang nicht an manchen bitterei, Erfahrungen, an Enttäuschungen und schlechten Geschäftsjahren, aber in kurzer Seit rangen einige Zähe sich durch und ihr Kapital an gewonnenen rfahrungen und Kenntnissen kam der Milbürgerschnü bald zu gute. Heilte besitzen fast alle Einwohner von Petaltlinn ihre Brutapparate und ihre geheizten Räume für die jungen Küken, und mit der Praxis des Landmannes vermählen sich die Errungenschaften der Wissenschaft, um dem Städtchen in Kalifornien noch eine weitere Entwicklung zu eröffnen.
*£>0111 Schminken einst n nd jetzt. Aus der klassischen Zeit der Schminke und des Puders führt der Geschichtsschreiber der französischen Sitten, Alfred Franklin, in einem neuen Buche ein paar bezeichnende Beispiele an. In einem Hungerjahre des siebzehnten Jahrhunderts brauchten die eleganten Herren des französischen Hofes soviel Mehl zum Pudern, dass man damit gut 10000 Leute hätte speisen können. Zu der höchst schwierigen und keineswegs angenehmen Operation, die das Schminken darsteklte, kam ein Friseur, der mit einer Art Handblasebalg ausgerüstet war, und um das HauS nicht in eine Mühle zu verwandeln, wenigstens dem Aussehen nach, wurde das Pudern auf der Treppe vorgenommen. Der Elegant, eingehüllt in einem Bademantel und das Gesicht bedeckt, setzte sich ' geduldig dem langwierigen Spritzen mit dem Puder aus, bis das Haar wie mit einer dichten Schneeschicht bedeckt war, und dann bekam auch das Gesicht sein Teil ab. Eine wie absolute Herrschaft die wunderliche Mode ausübte, illustriert am besten folgender Zwischenfall. Als im Jahre 1745 Maria Theresa an§ Spanien kam, um mit dem Dauphin verheiratet zu werden, bemerkten die ihr entgegengesandten französischen Hoflente mit Entsetzen, daß sie sich nicht schminkte. Auf ihre Borstellungen, daß anch der frischeste Teint einer sechzehnjährigen jungen Dame keinen Vergleich mit der geschminkten Schönheit der französischen Hofdamen anshalten konnte, wollte die Prinzessin sich jedoch nicht fügen, es sei denn, daß der König, die Königin und der Dauphin es ihr befehlen. Ein Eilbote jagte mit verhängten Zügeln nach Versailles, wo man einstimmig der Meinug war, daß der Anblick eines ungeschminkten Gesichts allzusehr an einen Sterbenden erinnerte und den Dauphin erschrecken konnte. Der Herzog von Richelieu eilte selbst der Prinzessin entgegen, und es gelang ihm, sie endlich von der Notwendigkeit des Schminkens zu überzeugen... Andere Zeiten, andere Sitten. In England erlangte kürzlich ein Manu die Scheidung von seiner Fran, weil sie sich — schminkte! Sie hätte ihm damit vor der Hochzeit ein Gesicht vorgetänscht, das in Wahrheit nicht das ihre wäre, und eine Frau, die über ihr Gesicht eine Lüge verbreitete, — welcher Lüge wäre die nicht sähig? Aber das Merkwürdigste an der Sache ist," daß die Scheidung auf Grund eines Gesetzes ausgesprochen wurde, das zweieinhalb Jahrhunderte zurückdatiert, also gerade in der klassischen Zeit der Schminke erlassen wurde. Das ehrwürdige Gesetz aus dem Jahre 1670 erklärt, daß jede Fraii, welchen Alters und welchen Standes sie auch sei, die einen der männlichen Untertanen seiner Majestät durch den Gebrauch von Schminke, Schönheitsmitteln, künstlichen Zähnen, falschen Haaren, durch eine ausgepolsterte Büste oder allzu hohe Hacken zur Eheschließung verleitet, den Gesetzen verfallen solle, die gegen die Zanberer und Hexen (1) in Kraft sind, und daß ihre Ehe null und nichtig sein solle. Das Gesetz war, wie so viele andere in dem konservativen England, auch heute noch nicht außer Kraft gesetzt, und so konnte es angewendet werden, obwohl sonst kaum ein Engländer noch daran gedacht haben mag.
"Eine Bulldogge als Bombenwers'er. Frys Magazine berichtet von einem seltsamen Uuglücksfall, der kürzlich einige junge Leute betroffen hak, welche auf einer Landpartie in der Umgegend von Melbourne in Australien begriffen waren. Sie wollten' sich ein Fischessen leisten, füllten eine Flasche mit Dynamit, befestigten einen Zeitzünder daran, und schlenderten die Flasche in einen äußerst fischreichen See. Das Fischen wird dann so gehandhabt, daß die Fische, welche bei der Explosion getötet werden und naturgemäß oben schwimmen, vermittelst eines Bootes ans dem Wasser herausgeholt werden. Einer der Kumpane besaß eine Bulldogge, welche die Landpartie mitgemacht hatte. Niemand hatte daran gedacht, daß das Tier daraus dressiert sei, alles aus dem Wasser herauszuholen, was vor seinen Augen hinein geworfen würde. Kaum war die Dynamitflasche ins Wasser geschleudert, als der Hund sich schleunigst daran machte, sie wieder zu apportieren. Vergebens versuchte sein Herr, ihn zurück zu rufen, das eifrige Tier hatte bald schwimmend die Flasche erreicht, saßte sie mit den Zähnen und schwamm zum Lande zurück. Die jungen Leute nahmen nun die Beine in die Hand und rannten in wahnsinnigem Entsetzen davon, während die arme Bulldogge, in der Annahme, daß es sich
um einen guten Scherz handelte, so schnell wie möglich hinter ihnen hergaloppierte. Als der hinterste der jungen Leute nur uocb einen Borsprung von circa 20 Ellen vor dem Hunde hatte, gab es einen fürchterlichen Knall, zwei Personen wurden zu Boden'geschleudert ohne ledoch ernstere Verletzimgen davon zu tragen. Die unglückliche Bulldogge aber wurde in tausend Fetzen zerrissen
Für die Hausfrau.
— Frau Erna Grauenhorst, Katechismus für das feine Hous- nn b Stubenm ä dch en. Ein Lehrbuch in Fragen und Antworten über sämtliche Arbeiten im herrschaftlichen Haus- Ntte. 28stes Zehntausend. 65 Pfg. Fröbel-Oberlin-Vcrlog in Berlm-Sudende, «Mephaustraße 24. — Dieser Katechismus ist em Lehrbuch für Mädchen, ixle in Dienste gehen und dazu sich selbst vorbereiten wollen. Das Buch wird ferner von allen denen gern gekauft, die ein Mädchen anlernen oder ihm einen maßgebenden Leitfaden in die Hand geben wollen. Tenn hier findet man alle Arbeiten im Haushalt, Anstand, Decken, Servieren, Reinigen, Bohnern, Waschen, Plätten, Küchen, Frisieren, Zeit- emteilen usw. in Fragen und Antworten.
Zeitschriften.
— „Frühling", Wochenschrift zur Förderung deutscher Kulturinteressen (Jsaria-Verlag München, Preis pro Quartal 3 Mk., Einzelheft 30 Pfg. enthält u. a.: folgende Beiträge: Jta-Jta, Lärm. Ausgehend von den täglichen Attentaten auf unsere Gehörnerven werden die schädigenden Einflüsse lärmender Ereignisse, die zur psychischen Betäubung und zu einer gefährlichen Abstumpf- ung des Volkes führen, näher beleuchtet unter dem Hinweis, daß der kraftvergeudende Lärm nicht nur ein „hygienisches. Delikt", sondern vielmehr ein sozial-ethisches Verbrechen ist. — Dr. Alexander Lang, „Dietechnischen Hochschulen der Vereinigten Staaten." Eine Abhandlung über deren Einrichtung und Bedeutung. — Dr. Anton Baumstark, Hoffnungen der christlichen Archäologie im Gebiete der Bagdadbahn. Der Artikel mahnt zur Inangriffnahme christlicharchäologischer Forschungen in dem großen, Verkehrs- und wirtschaftspolitisch sehr wichtigen Ausbaugebiete der ana- tolischeu Bahn; reiche Ausbeute scheint bei gründlicher Arbeit bevorzustehen. — Dr. Alfred Berg, Ein Vorschlag zur Veredelung unserer Vergnügungsreisen. Das Verhältnis zwischen Vergnügungs- und Studienreisen wird erörtert unter Einschaltung vieler interessanter Hinweise auf alle Arten von Wanderfahrten zu Wasser, zu Lande und zur Luft.
An- und Einsichten.
In bet Männer Herrfchgebiete
Gilt bet Stärke trotzig Recht. Schiller.
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. . . im Töten unb im Küssen
Zeigt sich bes ManneS höchste Kraft. Hainerling.
Der wahre Mann ist bet, bet anbeten nichts zu benken gibt, sondern sie zwingt, ihm zu gehorchen ober ihn zu verabscheuen.
* Turgenjew.
Tas Glück bes Mannes heißt: Ich will. Nietzsche.
Gar mancher spielt beit Löwen oft und gern;
Mit seinem Brüllen schreckt er Leut und Kinder, Und steckt zum Schluß doch — ein Hanswurst dahinter.
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Feige — feige.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


