Montag den 24. Februar
M
MV
IW
täte
!.m
MWW äht'ä CTrr.l
lajuüiicifiüM
Hl
UWM tifej *
Kelmuih von Lovfen,
Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Bisher hatten sie wenig gespMchen. Sie genoß die von aller Arbeit losgelöste, sorglose Stunde und er mochte sic dabei nicht stören. Jetzt sagte sie ganz unvermittelt:
„Es ging wunderbar gut. Ich glaube, es hat ihm nichts geschadet."
„Die. Fahrt?"
„Ja. Mir bangte etwas davor. Es ist cm volles Jahr her, daß wir zuletzt in Geschäften, die seine Anwesenheit nötig machten, nach Braunstadt aufs Landratsamt fuhren. Welch eine Fahrt! Wie hat er gelitten durch diese gräflichen Nervenschmerzen !"
„Er meist sich seitdem enornr erholt haben."
„Tas hat er gewist, doch am meisten in der letzten Zeit. Und wissen Sie weshalb? Aber Sie müssen es wissen. Es ist Ihr tägliches Kdmmen, welches wie eine wahre Medizin auf ihn wirkt. Jawohl — und ich weist nicht, wie ich Ihnen meine Dankbarkeit genügend ausdrücken soll! Sehen Sie, erstens tut es ihm gut, weil Sie sein Freund, sein Geistesverwandter sind, dann aber ist auch noch dies dabei: Wilhelm war und ist immer nur von Frauen umgeben, der. Verkehr mit einem Manne wie Sie ist ihm eine wahre Erquickung, Sein immer reger Geist umfastt so viele Gebiete, die uns Frauen mehr oder weniger fern liegen, und doch sind immer Frauen seine Zuhörer. Bis vor zwei Jahren gehörten vor allem Frau von Wahrendorf mit ihren Töchtern in diesen Kreis. Sie kamen so oft und so gern und gingen, wie sie sagten, immer belehrt von ihm. Er gab ihnen die Anregung zu neuen Gedanken, während sie ganz passiv blieben, viel zu rücksichtsvoll, ja viel zu andachtsvoll,, um auch nur je eine Einwendung zu niachen, geschweige denn, dast sie ihm neues gebracht hätten. Und ich, was soll ich ihm denn geben, als voas ich von ihm erst empfangen habe? — Aber Sie, das ist etwas ganz anderes. Sie rechten und streiten mit ihm, wenn Ihre Ueberzeugung es so fordert, Sie entwickeln Ihre Ansichten, Sie verstehen ihn aber auch dafür so ganz zu würdigen. Er steht einem Ebenbürtigen gegenüber, und das ist ihm so zuträglich, so köstlich."
Sie hatte immer schneller, warm und eindringlich gesprochen. Jetzt schwieg sie und er wusste auch nicht, voas sagen. Sic gingen durch eine Gruppe alter Kiefern hindurch, an einem- der rostbraunen Stämme fuhren Eichhörnchen spielend auf und nieder. Edeltraut blieb stehen und sah den flinken Geschöpfen zu, kindliche Freude erhellte ihr Gesicht.
„Wir haben keine in Rothaide. Es würde Wilhelm Zeit- v-ertreib gewähren, könnte er sie von der Gartenhalle ans in den Fichten spielen sehen. Schade!" —
Wilhelm und immer Wilhelm.
In ihrem Begleiter regte sich die ltngeduld, aber er zwang sie nieder.
„Wie nahm beim Wilhelm die Verlobungsnachricht auf?"
fragte er. Ihm war Plötzlich der Gedanke gekommen, ob nicht diese Damen Wahrendorf in Beziehung zu dem Bekenntnis einer stillen Liebe standen, welches sein Freund ihm gemacht.
„Wilhelm freute sich, insofern er Helenen alles Gute wünscht und Herrn von Schnadewitz, als Ihren Freund, ohne wei- tercs für etwas Gutes annimmt."
„Tas kann er auch. Er. ist ein tüchtiger, ehrlicher, braver Kauz und nrsolid — solid wie — na, wie —"
„Sie!" ergänzte das junge Mädchen zuversichtlich.
„Wie ich?" — er stutzte — „nun ja, wir sind beide weder! Spieler, noch stehen wir in Gefahr, an Delirium tremens zu enden. Stimmt!" schloß er scherzend.
„Ich meinte es eigentlich anders. Ich meinte, in Bezug auf Frauen —" sie sah ihn mit klaren Augen an. Das goldene Vertrauen in diesem Blick wirkte fast wie ein körperlicher, wenn man so sagen könnte, blendender Schmerz auf ihn. Er schwieg.
„Ist es noch weit bis zum Häuschen der sieben Zwerge?" — fragte sie.
„Nein!" versetzte er zerstreut.
„Wie entstand es? Meine Erinnerung ist, wie gesagt, ganz märchenhaft."
„Ach, es ivar eine kleine Schöpfung Conrads, die er als liebender Vormund für uns drei in Szene setzte. Das Häuschen mit Tischchen und Bänken und einer kleinen Küchen- und Tisch- leveinrichtung gehörte uns, die sieben Zwerge bildeten nur eine zwischen Gestein und Farnen ausgestellte Dekoration davor. Wir hielten es sehr in Ehren; was meine Neffen und Nichten damit gemacht haben, weiß ich nicht."
„Ich bin ordentlich neugierig. Ach, hier ist eilte regelrechte Mvosbank. Wollen wir eine kleine Station machen? Der Platz ist reizend!"
Die Bank stand unter einem Ahornbaum, man hatte von ihr einen Blick über eine von Buchen umschlossene Wiese — ganz in der Ferne, wie ein Bild in grünem, rundem Rahmen, sah man das Schloß durch einen Aushau schimmern.
Loysen setzte sich ganz mechanisch. Edeltraut saß, vorge- bcugt, die Hände um die Kniee gelegt, und sah mit seelenruhigem Behagen in die grüne Waldlandschast hinein. „Wäre Wilhelm hier!" — seufzte sic.
Loysen hörte es gar nicht. Er warf mit seinem Spazierstöckchen Moos uud Steinchen in die Luft. Plötzlich fragte er:
„Halten Sie mich ernstlich für einen Tugendhelden?"
Sie wandte den Kopf: „Ja, das tue ich!" sagte sie einfach.
„Für so eine Art Engel ohne Flügel?"
„Für keinen Engel, sondern was zehnmal mehr sagen will, für einen st'ittenreinen Mann."
, Sie sagte das mit einem schnellen Erröten, welches so gar nichts von Verlegenheit an sich hatte.
„Aber, um Himmelswillen, weshalb denken Sie denn das?" — fragte er, fast außer sich.
„Erstens, weil Sie Wilhelms Freund sind. Tann, weil Sie den Leuten so ernsthaft und ehrlich in die Augen sehen können."
„Kann ich? Na, das fehlte auch iwch, daß ich das nicht könnte. Jetzt, meine ich. Aber es gab viele Jahre, in beiten ich gerade Wilhelm gemieden habe."


