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Form vorher schon in Perioden einer wachsenden Panik sich angekündigt hatte; das Verlangen Gold zu erhalten und in Sicherheit zu bringen, ehe die Preise völlig ge­sunken wären, übermannte alle. Droben in den Lüften stürmte Kampf und Zerstörung seine furchtbare Bahn; unten aber vollzog sich etwas, das dem Geldwesen und dem Handel, auf die die Menschen so blind vertraut hatten, noch viel verderblicher wurde. Mährend droben die Luft­schiffe ihren Kampf sortsetzten, schwand in den Tiefen das Gold. Eine Epidemie wilder Spekulationen und allgemeinen Mißtrauens brauste durch die Welt. In wenigen Wochen verschwand alles Geld, in Kellern, in Gewölben oder heim­lich verscharrt an abgelegenen Stätten. Und mit dem Schwinden des Geldes starb Handel und Industrie. Die ökonomische Welt taumelte; dann brach sie tot zusammen. Es war wie der Anfall einer unfehlbar tödlichen Seuche; es war, als ob einem lebenden Wesen das Blut ansliefe; es war das jähe unaufhaltsame Erstarren jedes Verkehrs, llnb während die Völker, hilflos und staunend, das furchtbare Wunder eines mit einem Schlage zerstörten Kredites mit ansahen, brausten zahllos und ruhelos die Luftschiffer Asiens durch die Wolken, eilten ostwärts nach Amerika, westwärts nach Europa. Der Gang der Geschichte toard zu einem ivild aufbrausenden Creszendo von Kämpfen und Schlachten. Dann folgte die vierte Phase. In dem verzweifelten Ringen gegen das Chaos, in dem ohnmächtigen Kampf gegen die Hungersnot, trat ein anderer alter Feind der Menschheit ein: der schwarze Tod, die Pest. Doch der Krieg stockte nicht. Noch flatterten die Fahnen. Reue Luftflotten hoben sich vom Boden, neue Formen der Luftschiffe erstanden und im Schatten ihrer furchtbaren Kämpfe verdunkelte sich die Welt. Als eine unabwendbare Folge des weltenweiten Krieges folgte der allgenleine soziale Zusammenbruch. Wo immer die Menschen sich zusammendrängten, sahen die Volksmassei: sich ohne Arbeit, ohne Geld und ohne die Möglichkeit, Nahrung zu erlangen. Drei Wochen nach Aus­bruch des Krieges herrschte die Hungersnot in allen Ar­beitervierteln. Nach einem Monat gab es keine Stadt, tvo das Gesetz nicht durch Getvaltmaßregeln ersetzt wurde, in denen die Feuerschlünde und die militärischen Hinrichtungen mühsam eine Art Ordnung aufrecht erhielt. Ms endlich die Erschöpfung der technischen Hilfsmittel der Zivilisation die Lüfte von Kriegsfahrzeugen reinigte, da herrschten in der Tiefe die Anarchie, die Hungersnot und die Pest als unumschränkte Meister. Die großen Nationen im Reiche waren int Munde der Menschen nur noch leere Worte. Ueberall sind Ruinen, unbeerdigte Tote und die abgemager­ten bleichgelben Ueberlebenden, die in tödlicher Apathie sich dahinschleppen. Hier arbeiteir Räuber, Guerillabanden be­herrschen ausgesaugte Landstriche, seltsame Brüderschaften bilden sich und lösen sich aus und ans den hungerglän­zenden Augen anderer spricht der religiöse Fanatismus, durch die Verzweiflung ausgepeitscht. Alles ist in Auflösung. Die Ordmcng und die Wohlhabenheit der Welt schrumpfen zusammen wie eine zerrissene Blase. In fünf kurzen Jahren wird die Welt in ihrer Entwicklung so weit zurückgeschlendert, wie der Abstand vom Zeitalter der Antonine bis zum Ecr- ropa des neunten Jahrhunderts . . ."

Vermischtes.

D i e j ü n g st e U r g r o ß m utter d e r W e l t. Frau Eda Bertonelle, eine Schneiderin aus dem Quartier Mont- martre in Paris, dürfte sicherlich die jüngste Urgroßmutter der Welt sein. Als dieser Tage ihr Urenkel angemeldet tvurde, stellte es sich heraus, daß sie mit 14 Jahren in Mai­land geheiratet hatte. Mit 15 Jahren bekam sie das erste Kind, das mit 15 Jahren einen Mann nahm, unc ihrer Mutter in ihrem 16. Lebensjahre den ersten Enkel zuzu- führen. Frau Bertonelle war also mit 31 Jahren schon Großmutter. Ihr Enkel heiratete im 17. Lebensjahre eine gleichalterige Gefährtin, und nach einem Jahre konnte jetzt Fran Bertonelle im 48. Lebensjahre schon Urgroßmutter- fremden genießen. Ihr Mann erlebte dieses Fest nicht, da er tu jungen Jahren starb.

* Das gepfändete Haar. Bei einer bekannten Berliner Käbarettdiva war, so erzählt die Nat.-Ztg., für einen Gläubiger fruchtlos gepfändet worden, doch schien dieser mit dem Resultat wenig zufrieden zu sein, jedenfalls

beauftragte er den Gerichtsvollzieher, nochmals eine Pfän­dung vorzunehmen, wobei er vier herrliche braune Zopf« der Künstlerin mit Beschlag belegen solle. Der Beamte entledigte sich denn auch dieses Auftrages, doch stieß er hierbei aus hartnäckigen Widerstand auf feiten der Diva, welche der Meinung ivar, daß es ihrohne Haare" unmög­lich sei, ihrem Bertcfe nachzugehen. Eine sofortige Be­schwerde gegen diese Pfändung bei Gericht hatte jedoch mir den Erfolg, daß entschieden wurde, die vier herrlichen Zöpfe seien als Luxus der Klägerin anzusehen. Es blieb also bec der Pfändung, so daß ein treuer Freund beispringen mußte, um derHaarlosen" zu helfen und die Sachen aus­zulösen. Am selben Abend bewunderte man denn auch er­neut detc üppigen Haarwuchs der geschätzten Diva.

* Die höhere Tochter. Das 12jährige Töchterlein eines reich gewordenen Landwirts weilt ans Ferien zuhause auf dem elterlichen Hof und ist in ihrer Lausanner Pensionstrecht und ihrer vielen, vielen Bildting der Stolz der Familie und man muß sagen, daß sie auch etwas gelernt hat für das viele sch. ne Geld; denn als der glückliche Vater int Nebenzimmer sitzt und belauscht, wie sie drinnen mn Frühstückstisch die jüngeren und älteren Geschwister belehrt und dirigiert, trifft auch der folgende tadelnde Ausruf sein Ohr:Aber Fritz, schämst du dich nicht, wie ein Ferkel zu schmatzen? Du bist doch nicht der Papa!"

* A.:Wie geht es denn Ihrem kleinen Sohn?" B< (Vegetarianer):Danke er schießt ganz gut ins Kraut "

Literarisches.

I. P. E ck e r m a n u s G e s p r ü ch e m i t G o ethc, deren achte und neunte Originalauflage soeben bei F. A. BrockhauÄ in Leipzig erschienen ist, bietet in der auf Grund des ersten Druckes und des zum Teil noch erhaltenen Originalmanuskriptes Ecker- mauns von Tr. H. H. H o u b e n herausgegebenen Bearbeitung zunc erstenmal einen kritisch gesäuberten Text, der von den zahl- reichen Entstellungen, die allen bisherigen Ausgaben anhaftcten, gereinigt ist und daher als die erste echte Eckermann-Ausgab« bezeichnet werden darf. Der Text hat eine Redaktion erfahren, die sich nicht nur auf deic Stil, sondern sogar auf die Datierung der Gespräche erstreckt, mannigfache Irrtümer berichtigt und Er­gänzungen aus dem Manuskript einschaltet. Dem Herausgeber stand außerdem ein reiches Briefmaterial zur Verfügung, das ebenfalls mancherlei Ergänzungen und Nachträge zu den Ge­sprächen bietet, die in ihren verschiedenen Phasen sehr interessante Entstehungsgeschichte des Buches wiedergibt und eine in vielen Punkten neue Betrachtung des Eckermannschen Buches nicht nur vom historischen, sondern auch vom psychologischen Standpunkte aus ermöglicht. Ein ausführliches Register, in das erläuternd« Anmerkungen verarbeitet sind, erschließt und vereinigt Text und Nachwort zur bequemsten Handhabung des bloß genießenden wie des wissenschaftlichen Lesers. Außerdem ist diese Neuausgabe reich illustriert mit 41 Abbildungen und 8 Dreifarbendrucken, und zwar int engsten Anschluß an den Text.

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Auflösung in nächster Nummer/

Auflösung der Charade in voriger Nummer: Postkarte.

Redaktion: E. Anderson. Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schev UntvrrstlätS»Buch- und Stemüruckeret, UL Lange, Gießen.