803 —
. -------- --- ---- ----- LV-Jtll
>r em ganz anderes Bild — sie
I i<®ie «tiifjeit unS mit Weihnachtsabend auch von viele,?
I 'M.6 stnmgen deutschen W c ihn« chtslieder, und die Kinder
feN« s-nae». - Sie wissen, mein Bruder liebt die deüttD
Mü-'.66 J» Teutfchland, und kommt nur auf kurz-' 3®TA 3^r -^o üben Sie nur fleißig mit Nelly undKittv
Jetzt muh ich aber einmal mit der HausWlterin sprechen . <« ^.annt entfernte )ie ficiji und ließ, Elfriede mit ihren 6k» danken an Weihnachten und au das Elternhaus allein
. ^Ä?»66^ürdig, die Gedanken Elfriedens beschäftigten sich jetzt nrcht mehr unt deni letzten Weihnachten und dem lieben SÄF .fie vielmehr ein ganz'anderes Bild - sie sahen das weite, wogende Meer, auf Lein die Sommersouna Ä?' MJli> über dessen schaumgekrönten Wellen die weißen rVr5^,11 ~L.llTTk ^der schossen gleich silbernen Pfeilen. Und sie sah den Strand ton Westgate und sah sich selbst an der Seite eme^ jungen, schlank mch rank gewachsenen Mannes dahinschreite!!, Mbrend -kelty und, Mty uird Anny nach bunten Steinen und Muscheln am Ufer suchten. Sie blickte mir scheuem Auge empor M dem braunen Gesicht des starken Mannes, der ton seinen weiteir I *”et'en rn Jndleir und im Orient erzählte und wie er dann Tirektor | ?uter großen Maschinenfabrik im Herzen Deutschlands geworden, I L dem tleinen Städtchen ihrer Heimat, die von den Wäldern I Thurmgens umrauscht wurde.
_ . "Ihre Elter» imrde ich aufsnchen, Fräulein Elfriede," sagte I ™ bann und sah sie so gut, so freundlich mit seinen klugen grauens
Augen an. „Und werde ihnen erzählen, lute es Ihnen hier ergeht, und daß sie keine Sirge um sie zu haben brauchen, demr meina Schloester Elisabet ist eine gute Frau und hat Sie lieb, wie ihre Schwester."
lind Elfriede errötete und freute sich über das letzte Wort und wußte doch nicht warum.
Tas war Fredy Holm, der Bruder der Frau Elisabet Gordon, der einige Wochen mit ihnen in Westgate an der See verlebt hatte! ,, und letzt wollte Fredy Holm wiederkommen und ihr Herz klopfte heftiger rn dem Gedanken- und ihre Wangen glühten, wenn sie daran dachte, daß sie am Weihnachtsabend ihm entgegentreten
Hilter dem Mistelzweig.
Eine Weihnachtserz-Khlnng von O. Elster.
Nachdruck verboten.
Seit einem Jahre befand sich Elfriede in England — nicht W ihrem Bergmigen, sondern um beit Eltern daheim in der klemeir Provmzmlstadt Erleichterung zu verschaffen, denn außer ihr waren noch fünf Kinder zu Haus, alte jünger als sie, die Hoch alle die Schule besuchteii und viel kosteten.
Und bet, Gehalt des Vaters, der Kantor unb Organist in- bet alten Kirche Mariae Birginis iuar, reichte kaum hin, Mil die hungrigen Mäuler satt zu machen und alle nötigen Aus-- gaben des Haushalts zu bestreiten. Wenn nicht für Elfriede das Lehrermnen-Seminar frei gewesen wäre, dann würde sie auch wohl kaum ihr Lehrerin-ELame» haben machen können, und wenn ihr Vater der Kantor und Organist Miterwerber, nicht ein so vorzüglicher Musiker gewesen wäre, der seine Tochter selbst Unterrichtet hatte,,würde es Elfriede wohl niemals zu derMeister- schart im Klavier,Piel gebracht haben, welckje jetzt jedermann ent- Z-l'ckte und die ihr hauptsächlich die Stelle als Erzieherin in dem reichen Hanse des Großkansmauns Mister Edward Gordon verschafft hatte.
Ein Jahr war verflossen, seit sie in der großen Billa Mister Gordons weilte. Einige Tage nach Weihnachten hatte sie das Etliche Haus verlassen, um die Erziehung der drei Töchter Mister Gordons, Anny, Nelly und Kitty, gu übernehmen, die in bent Alter von zehn bis fünfzehn Jähren standen.
Noch war ihr das letzte Weihnachtssest im Eltcrnhause in lebhafter Erinnerung. Ter strahlende Tannenbaum mit den einfachen bunten Schmucksachen und beit Aepfeln und vergoldeten Nüssen, der jubelnde Lärm der jungen Geschwister, die auch über die kleine», wenig kostbaren Geschenke sich unbändig freuten, das lächelnde und doch so ernste Gesicht des VaterS und das sanfte Antlitz der teueren Mutter, deren heitere Laune dem Baler über manche Sorge seines Lebeiis hinweggeholfen halte.
Und dann, der Wschied tont Elternhause! Tie Tränen der Mutter und die sorgenden, so gut gemeinten Ermahumige» des Vaters!
Sie meinen eS alle so gilt mit mir, sie hatten sie alle so lieb, und nun nrnßte sie doch — zum erstenmal m ihrem zwanzigjährigen Leben — das liebe traute Weihnachtssest fern von dem elterlichen Dause verleben, fern ton den jubelnden Geschwistern, fern von Vater und Mutter — und sie sollte zum erstenmal in ihrem Leben den strahlenden, duftenden, grünen Weihnachtsbaum vergessen, denn in dem kalten, nüchternen England, da gab es Teilten Meihnachtsbaum, und der heilige Abend, der in" jedes Knitschen Herz als schönste herrlichste Kindheitseriniteriing eiu- gegiaben ist, verlief hier so nüchtern und gleichförmig, wie jeder andere Abend im Jahr.
Kein Meihnachtsbaum, keine Geschenke, kein Kinderjubrl, kein Kinderlärm, keine Tränen der Rührung in den Augen der Alten, die sich der Weihnachten erinnerten, da sie selbst noch Kinder gewesen, und die jetzt wieder jung wurden, in ihren Kindern.
Ein gewöhnlicher Abend, an dem höchstens ein dampfender brennender Plumpudding nach dem Mendessen anzeigte, daß man jnvrgen das heilige Weihnachtssest feiern würde.
Doch nein — so ganz gewöhnlich, so ganz wie jeder andere Al end im Jahre sollte der heutige Weihnachtsabend in der Billa Gordon diescsmal nicht verlausen, und wen» Elfriede daran dachte, was ihr Frau Elisabet Gordon vor einigen Tagen gesagt, dann glühten ihre Mangen und klopfte ihr Herz heftiger.
„Meine liebe Elfriede," sagte Fra» Gordon, eine hübsche, sanit blickende Frau ton vierzig Jahren, „ich !uei& daß Ihr tit Deutschland Weihnachten ganz anders feiert, als wir in England. Ihr Herz wird Ihnen gewiß schwer, wenn Sie au Ihr dcutiches Weihnachten denken. Aber dieses Jahr wollen auch wir Weihnachten ordentlich feiern," setzte sie lächelnd hinzu, „ein echtes, altes, englisches Weihnachten, wie man es auf dem Lande Noch feier!, mit brennendem Plumpudding und dampfendem Punsch uns grünen Mistelzweigen. Sie kennen doch die Sitte, die sich Mit dem Mistelzweige verbindet?" fragte sie schelmisch.
„Ich habe davon gehört," entgegnete Elfriede, „daß, wenn ein junger Mann ein Mädchen am Weihnachtsabend unter denk Mistelbaum trifft, er sie küssen darf."
Fran Elisabet lachte.
«Ja, so ist es. Also nehmen Sie sich Nur in Acht, beim wir werden am Weihnachtsabend Besuch haben. Ja mein Bruder Fredy .... aber was haben Sie denn, Elfriede? — Sie werden ja ganz rot?"
„Nichts nichts, Frau Gordon . . ." versetzte Elfriede verwirrt und beugte sich tiefer über ihre Handarbeit.
Frau Gordon lachte fröhlich auf, strich dem jungen Mädchen über das blonde Haar und sagte: „Es waren doch schöne Woche», die wir in Westgate an der See verlebte» — nicht wahr, Elfriede?"
Tiefe nickte nur stumm mit dem Köpfchen, sie vermochte nicht zu antivvrten, sonst wäre» ihr die Tränen in die blaue» Auge» | getreten.
Fran Elisabet betrachtete sie eine Weile schweigend mit einem j sinnenden freundlichen Lächeln auf dem gutmütigen Gesicht; dann 1
Das Ende -er Kultur durch das Luftschiff.
Der englische Schriftsteller H. G. Wells veröffentlicht jetzt int Pall Magazine bett Abschluß seines Romans „Der Krieg in bett Lüften", der in seiner packenden phantastischen Ausmalung eines alles zerstörenben Weltkrieges jenseits des Kanals so großes Aufsehen erregt hat und demnächst auch in deutscher Sprache erscheinen soll. In großzügigen Bildern entrollt Wells hier die furchtbaren Folgen dieser netten Form der Kriegsführnng, läßt ein leeres totes ödes London vor den Blicken erstehen und zeigt, wie die Kültttr unter der Wucht der neucrsonneiten Zerstörungsmittel zu- sammenbricht und zugrunde geht, während fnrchtbars .Hungersnöte und Epidemien die von dem Kampfe erschöpfte Bevölkerung der Erde dezimieren. „Das ganze Finanzgetriebe der Welt stockte. Mit der Bernichtuttg der amerikanischen Flotte im Atlantischen Ozean mit der furchtbaren Schlacht, die das deutsche Seewesen in der Nordsee zerschmetterte, mit der Zertrümmerung und der Verbrennung von Billionen Werten an Eigentum in beit vier Hauptstädten der Welt kam zum erstenmale wie ein furchtbarer Schlag die klare Erkenntnis der nutzlosen, Verderblichkeit des Krieges zum Bewußtsein der Menschheit. Im wilden Wirbel überstürzter Verkäufe brach der Kredit zusammen^ Ueberall trat dies gleiche Phänomen auf, das in milderer
Tackte sie an beit grüne» Mistelzweig mit den roten Beeren ? Dachte sie an die altenglische Sitte, die es dem junge» Mamr erlaubte, das Mädchen W küssen, welches er unter dem Mistelzweig traf!
Eilt leises Beben durchrieselte sie! Nein, sie wollte nicht daran denken! Wie konnte sie nur solche Gedanken habe» — er, der wohlhabende, ja reiche Fabrikh-err, und sie, die arme deutsch« Erzieherin.
Tennoch kehrte» ihre Gedanken immer wieder zu ihr zurück. Er war so lieb und freundlich zu ihr gewesen, seine Auge» hatten oft mit solch gedankenvollem Ausdruck auf ihrem Gesicht geruht, und als er zum Abschied ihr die Hand gereicht, da sagte er: „Auf Wiedersehen, Elfriede — zu Weihnachten. . ."
Und immer hatte sie an ihn denken müssen seit jener Stund«! Und jhre Mutter schrieb fast in jedem Brief von ihm, wie freundlich und aufmerksam er sei; er komme fast jede Woche einmal und bliebe des Abends bei ihnen und plaudere mit ihnen ober lausche teilt Spiel der alten Kantors oder tummelte sich mit den Kindern in dem Garten umher. . .
Ta sollte man nicht nnl ihn denken müssen!
Nun kam er wirklich! Und Fran Elifabet hatte so schelmisch dabei gelacht, als sie Elfriede sagte, daß ihr Bruder kommen würde, und hatte ton dem Mistelzweig gesprochen, daß Elfriedc ganz rot vor Verwirrung geworden war.
(Schluß folgt.)


