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überzeugend sind seine ntannigfachen Auswege. Am modernsten mutet der Fallschirm an, den der Mantel des kühnen Mondfahrers bildet, nachdem dieser die Ranchbehälter von sich gelassen hat. Jedesmal aber muh der Flieger seine Maschine opfern, um eine Landung ermöglichen ju können, da es ihm nur unvollkommen gelingt, die Geschwindigkeit seiner Fahrt so zu verringern, daß eine Landung mit der Maschine möglich wird. Selbst die wunderbare Magnetkugel ergab ein zweifelhaftes Resultat ; sie stellte immerhin den Versuch dar, die Fahrgeschwindigkeit zu regeln. Bei der Sonnenflugmaschine ist dann zum ersten Male der Versuch der Lenkbarkeit gemacht. Soviel wird mau xnsauunenfassend sagen dürfen: Cyranos geniale Sehergabe hat es ihm ermöglicht, der Entwicklung um Jahrhunderte vorauszu- eilen und anzudeuten, was der Meuschengeist erst nach langer Entwicklung tatsächlich fertig bringen konnte.
vermischtes.
* Lernet Deuts ch! Eine kürzlich zu Dresden gehaltene Schulrede über die Geschichte des Fremdwortes int Deutschen endete mit dem folgenden prächtigen und warmherzigen Mahnrufe an die Schüler: Es hat in Deutschland noch int 19. Jahrhundert Gesellschaftskreise gegeben, in denen es als Zeichen von Bildung galt, reichlich Fremdwörter zu gebrauchen. Dies schien Kenntnis fremder Sprachen zu beweisen, uitd darauf hat man in Deutschland immer viel gegeben. Wer hettte auf Bildung Anspruch macht, von dem wird nicht verlangt, daß er Fremdworte in seine Rede tuische, nur daß er sie richtig anwettde, ineitit er nun einmal nicht imstande ist, sich deutsch auszudrücken. Ihr aber, liebe Schüler, ihr werdet die Zeit erleben, Ivo es als Zeichen höchster Bildung gilt, nur deutsch zu reden. Diese Zeit steigt mit euch herauf. Das hoffen jetzt viele Deutsche. Ihr seid die Träger dieser Hoffmlug. Und darum sage ich euch: lernet Deutsch, damit ihr nicht genötigt seiet, entbehrliche Fremdworte zu gebrauchen. Ihr seid es euch selber schuldig. Denn häufiger, als mancher denkt, kommt es vor, daß auch Männer sich lächerlich machen durch den falschen Gebrauch entbehrlicher Fremdivorte in Rede und Schrift. Lernet Deutsch! zunächst in den Stunden, die für dieses Fach angesetzt sind, aber auch in den andern. Sie dienen, jede in ihrer Art, dem hohen Zwecke, euch Deutsch zu lehren in Sprache und Gesinnung. Lernet Deutsch! damit ihr, die reichen 'Erben, nicht zu borgen 'brauchet bei dem Auslande, das euch darob nur verachtet. Lernt den Reichtum des deutschen Wortschatzes kennen! Er ist größer, als viele denken. Wer Fremdausdrücke gebraucht, ist selber schuld daran, wenn sein Wortvorrat .nicht wächst. Lernet Deutsch, damit eure Rede klar und bestimmt werde! Das verschwommene Denken flüchtet sich gern unter den Ivetten Mantel des Fremdwortes. Lernet Deutsch ! damit eure Rede rein und schlicht bleibe und nicht blende und gleiße in unwahren Farben. Lernet Deutsch! sage ich, damit euer Wort so echt sei wie euer Herz!
* F a l fchc Tischgewohnheiten. Die allgemein verbreitete Sille, das Mahl mit dem Genuß von Reizmitteln wie Likör und Kaffee zu beschließen, wird in der bekannten medizin. Zeitschrift „The Lauert" einer interessanten Untersuchung unterzogen. Weder der Likör noch der Kaffee und die von den Herren nach gutem Diner so hoch geschätzte Import-Zigarre haben auf die Verdauung den günstigen Einfluß, den man ihnen in der Regel beimißt. Der Kaffee hat sogar auf die Verdauung eine hemnlende und verlangsamende Wirkung, die in der leicht verursachten Schlaflosigkeit sich spiegelt. Die Liköre aber, der Curayao, Cbartrenfe und Benedietiner wirken günstig gegen Blähungen, und sie sind daher nur dann nützlich, wenn man niehr Nahrung zu sich genommen hat, als es eigentlich nötig gewesen wäre. Die reineren Spirituosen, wie Kognak und dergleichen, haben weniger, auf die Verdauung als auf das Nervensystem Einslnß, und die den Nerven gebrachten Anregungen wirken der Verdauung eher entgegen und beeinträchtigen ihren regulären Ablauf. Dadurch jedoch wirken sie wiederum hemmend auf die Nerven zurück. Dieser eigenartige Parallelismus der Wirkungen scheint die französische Sitte zu rechtfertigen, die die Liköre gleichzeitig mit dem' Kaffee servieren läßt: aber damit komplizieren ich die Wirkungen und bekämpfen sich gegenseitig. Schwieriger md die Wirkungen des Tabaks zu prüfen. In manchen Fällen chernl er die Verdauung zu verlangsamen, in anderen zu beschleunigen. Man kann jedoch annehmtn, daß auf Leute, die unregelmäßig verdauen, der Genuß von Reizmitteln bei oder
nach dem Dessert eher einen Nachteil als einen Vorteil ein» bringen. Die meisten Desserts sind schon an sich Reizmittel, und die Hinzufügung von Kaffee und Likör bedeutet nur eilte Neberspannung der Nerven. Die Sitte hat sich nicht aus körperlichen Erfordernissen heraus entwickelt, sondern muß als rein künstlichen Ursprungs angesehen ^werden.
* D er kleine „Edeward" und das Erd beb en. Ein niedliches Geschichtchen weih die „Leipz. Ger.-Ztg." vonk Erdbeben zu erzählen. Als die Erde auch in Leipzig zu. wackeln begann, hielt eine Fran gerade das beliebte Scheuer- fest ab. Sie hatte den Küchenschrank, um ihn zu reinigen, ausgeräumt und das Porzellan ans etliche Stühle im Flur gestellt. „Edeward," hatte sie zu ihrem vierjährigen Jungens gesagt, der sich gelangweilt in der Wohnung herumdrückte, „Edeward, nu sei recht brav, de kriegst ooch was. Abber wenn de mer's Borzellan runderwerfst, dann kriegstes Dresche." Und Eduardchen ging, wie eine Katze um den heißen Brei, um das Porzellan herum, während seine Muttep putzte, wischte und scheuerte, was das Zeug hielt. Plötzlich, es war gegen zwei Uhr, vernahm die Frau ein Gerassel, und gleich darauf fielen einige Porzellansachen, die auf den wackeligen Stühlen gestanden, klirrend zu Boden. Natürlich waren sie sogleich entzwei. Wütend eilte die Frau mit dem nassen Scheuerlappen auf den Flur, packte den gerade dort anwesenden kleinen Eduard und schlug ihm den Lappen links und rechts um die Ohren. Und es nutzte denk Kleinen gar nichts, daß er immer wieder heulend beteuerte, er habe die Sachen nicht hernntergeworfen. Ain nächsten Tage las die Frau von dem Erdbeben, das ihr in der Hitze der Arbeit ganz entgangen war. Eduard bekam nun nachträglich als Schmerzenspflaster zwei „Strumpfsohlen"' (ent Leipziger Gebäck) mit Pflaumenmus. „Wann is'n Widder ä Erdbeben, Mutter?" fragte Eduard freudestrahlend,
* Der gute Sohu. Was dem neuerwählten Präsidenten Taft von jeher bei seinen Landsleuten warme Sympathien eingetragen hat, ist sein ungeziertes freimütiges Wesen, das jeder Pose ausweicht und die rührende Kindesliebe, mit dep er an seiner greisen Mutter hängt. Als er im vorigen Jahr noch auf Cuba war und hart gegen die immer von neuem wieder aufkeimenden Revolntionsgelüste anzukämpfen hatte, umringte ihn eines Tages eine Gruppe wißbegieriger Journalisten, Taft aber winkte einen jungen Reporter ans Boswn, der ganz bescheiden im Hintergründe stand, zu sich heran, und dabei entschuldigte er sich höflich bei den anderen Herren: „Ich möchte,- daß dieser junge Mann nicht ein Wort von dem verliert, was ich sagen werde. Er schreibt nämlich für die -einzige Zeit, die meine Mutter liest, und ich möchte doch gerne, daß sie recht genan alle» erfährt, was ich hier tue." Im Laufe des Wahl- kampfes stellte kürzlich eilt Demokrat an ihn die Examenssrage, was er wohl einem Arbeiter raten würde, der arbeits- und ver- dienstlos Frau und Kinder am Hunger dahinsterben sieht „Das weiß nur Gott, nicht ich." Diese einfache, ehrliche Antwort, in der echtes Mitleid nachklang, hat ihn bei den Arbeitern populärer gemacht, als naheliegende klangvolle Phrasen es vermocht hätten. __________
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In die Felder vorstehender Figur ind die Buchstaben a a a a aaccddddeeee g g hhiiilmmnnnttnnnoo r rssssttuu derart emzutrygen, das; die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben:
1. Frauengestalt aus der griechischen Sage.
2. Römischen Kaiser.
3 Ein Mineral.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Zitaten-Rätsels in voriger Nummer: Gehorsa m ist des Weibes Pflicht auf Erdem
Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck uni Verlag bei Brühl'lchev UnwersuätS - Buch- und Siemdruüeret, R. Lange, Gießeid


