Des Lyrano -e Vergerac phantastische Zugmaschinen.
Da entschloß sich der unter»
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kurze Zeit
den
die Sonne
Der Vollmond erleuchtete Chrano und seinen Genossen den Heimweg von Clamard nach Paris. Man war in lebhafter Gesellschaft gewesen, und gar bald drehte sich die Unterhaltung nur um die große „boule de safran“ (Safrankugel), die am wolkenlosen Himmel stand. Die verschiedenartigsten Erklärungen ihres Wesens wurden gegeben. Während einer den Mond für eine Dachluke des Himmels erklärte, hielt ein anderer ihn für die Sonne selbst, die durch ein Loch auf die Erde sehe, um zu beobachten, was man dort tue, wenn sie nicht da sei. Chrano dagegen meinte, der Mond sei eine Erde wie die unserige. Er fand mit seiner Ansicht nur Lacher. Da entschloß sich der unter» nehmende Held, selbst nach dem Mond zu reisen, dort Beobachtungen zu machen, und sie nach der Rückkehr zu veröffentlichen. Das Ergebnis war die Voyage de la Lune (um 1650), bereit Erfolg riesengroß war und den Namen des Verfassers in aller Mund braclste. Am eigenartigsten sind die Flugapparate erdacht, die er ausführlich beschreibt. In saft seherischer Weise hat er dabei die Anwendungsmöglichkeit gewisser naturwissenschaftlicher
Prinzipien vorausgesehen.
Nicht lange setzte unsern Helden die Frage, wie er nach dem Mond gelangen könne, in Verlegenheit. Eine kurze Zeck phh- sikalisckxn Studiums in einsamer Waldgegend lehrte thn bald das Rechte finden. Auf der Waldwiefe zog die Sonne den Morgentau sehr schnell an sich, so daß schon kurze Zett nach ihrem Aufgange das Gras völlig trocken war. Wen» Chrano also Flaschen mit Morgentau füllte und diese an sich band, so mußte die Sonne, die den Tau doch so gierig an stch zog, bte Flaschen, und damit seinen Körper, mitnehmen. Er hatte stch nicht getäuscht, denn als er so ausgerüstet sich den Sonnenstrahlen «ussetzte, ward er emporgehoben und flog der Sonne entgegen, höher und höher. Aber Chrano wollte gar nicht nach der Sonne; er wollte auf den Mond, und da an ein Abschwenken, ni dieser Richtung nickst zu denken war, wollte er lieber zur Erde zurück. Schnell zerschlug er einige seiner auftreibenden Tauflaschen und sank richtig tiefer. Wie groß war fein Erstaunen, als er nicht in Frankreich auf den Boden kam, sondern in Kanada. Dm Erklärung >var darin zu finden, daß die Erde sich während setnes Ausflugs unter ihm weggedreht hatte. Uiientinutigt begann der kühne Reisende einen neuen Versuch, nach dem Monde zu gelangen. Da er die erste Reise unterbrechen mußte, weil die Sonne ihn zu stark anzog, so baute er Mt einen Apparat, der ihn von der Sonne unabhängig machen sollte. Richtige Flügel galt es diesmal in Bewegung z!n sehen, und zwar sollte dto Be- wegung durch Federkraft erfolgen, nm den Flieger selbst zu entlasten. Von einem hohen Berge slog er auf; da er. aoer seine Maßnahmen nicht richtig getroffen hatte, fiel er mit feiner Maschine unsanft auf die kanadische Erde, daß er geschunden lüimkehrte und den Schmerz seiner Wunden durch Besttcichen init Ochfcnmark zu lindern suchte. Inzwischen chatten Soldatm seinen Apparat gesunden und gedachten, einen die feindlichen Fndianer eiuschüchternden Feuerdrachen daraus zu machen, indem sie mit answärtstreibenden Raketen die Kraft der Feder unterstützten. Von dunkelm Ahnen getrieben, kommt Chrano von seniem Schmerzenslager und gerade zur rechten Zeit, um auf der zum Anzunden fertigen Maschine Platz zu nehmen, aber zu spat, um die Ent- züudung zu verhindern. So erhebt er sich denn auf dem feuerspeienden Apparat in die Luft. Reihenweise brenne» die Raketen ab und die Maschine ist schon in beträchtlicher Höhe, als das letzte Pulver verpufft. Da aber geschieht das Wunderbare: die Maschine versinkt, dem Gesetz der Anziehung folgend, unter ihm, er aber fliegt durch die Stille der Nacht dem Monde zu. lieber diese wunderbare Erscheinung nachzuoenken, hat Chrano wahrend der Fahrt genügend Zeit und Muße. Tn findet er selbst die Erklärung: der Mond steht im letzten Viertel, und in die,er Zeit fangt er das Mark der Tiere auf; — imifite da nicht das Gestirn auch den in feiner Nähe schwebenden nut Ochsenmark eingeriebenen Chrano anziehen? I» riesiger . ^Lchwindigkelt nähert er sich dem Mond, und er hätte wohl bei der Landung, die doch nur ein Sturz war, den Tod gesunden, wenn Nicht oie Zweige einiger Bäume seinen Anprall gemildert hatten.
Bon den wunderbaren Verhältnissen, die Chrano auf dem Monde antrifft, weiß er uns gar viel zu.berichten,und geschickt benutzt er jede Gelegenheit, um an den irdischen Verhalt,usstn, die ihm ganz und gar nicht hold waren, Kritik M üben. Besonders interessant ist die Begegnung nut entern -^nglmg, dessen Vorfahren einst den Mond verlassen hatten, um die Erde M bevölkern. Da sich die Sitten der Erdbewohner int Laust der qcit verschlechterten, so ward in einem Enkel der Wunsch rege, in das Mondland zurückzukehren, von dessen Herrlichkeiten ihm s'stn Ahu so viel zu erzählen gewußt hatte. Emm.Flugapparat wußte er sich in ebenso einfacher wie geistreicher Weise zu bauen. Wie ost hatte er nicht beobachtet, daß der Rauch 'wmernn die Höhe steigt; so füllte er denn zwei Behälter nut Rauch und verschloß sie luftdicht. Band er sich diese nun »»ter die AHfeln, so mußte er mit dm Behältern aufgekrieben werden, da der R R nach oben strebte nud bannt den Beeilter hob, dessm Wand er nicht durchdringen konnte. Der Erfolg gab seiner, Anna^ie recht, und bald war er nahe am Monde anittlangt, den schönen Meten erkennen konnte, von dem sein Vorfahr ihm
so ost erzählt hatte. So beschloß er zu landen, band sich von seinen Behältern los und fiel dem Monde zu, dessen Anziehungskraft seine Geschwindigkeit mehr und mehr beschleunigte. Da bewährte sich le grand tour de sa robe, weil hierin der Wind sich fing und so bnS Kleid wie ein Fallschirm wirkte. So kam er beil auf dein Monde- an und zeigte wohl noch ost seinen Mitbürgern die ihm bienstbaren Kugeln, die weiter und weiter gestiegen waren, bis sie. in weiter Ferne als Sterne sichtbar blieben und das Sternbild der Wage bilden bis auf den heutigen Tag. Ganz anders war der Enkel dieses kühnen Fliegers, der Jüngling, beu Cvrano traf, von der Erde nach dem Mond gefahren. Der Fortschritt der Wissenschaft auf Erden hatte ihm ein viel sichereres, unabhängigeres Mittel gegeben, seine Fahrt zu bewerkstelligen. Zwei Quadratmeter Magneteisenstein behandelte er in einem chemischen Ofen. Nachdem er sie genügend gereinigt und gelöst (in der französischen Alchimistensprache purge, preeipite et dissout). hatte, zog er daraus die kristallisierte Anziehungskraft (1 attractit calcine, die er dann auf die Größe einer mittelmäßigen Kugel zusammenpreßte. Mittlerweile war auch ein glänzendes Eisengestelt angefertigt worden mit einem Sitz, auf dem er Platz nahm.. Warf er nun die stark magnetische Kugel nach oben, so zog sie den Eismkorb mit Riesengewalt nach sich. Indem er bte Kügel, sobald sie erreicht war, weiter und Weiter warf, konnte der Jüngling das Weltall durchmefsm und auch an den Mond, das Ziel seiner Wünsche, kommen. Bald war er dahin ans dem Weg. Wie Feuer schimmerte das Gestell im Sonnenfihr in; immer Wieder muhte es der emporgeworfencn Kügel folgen in fo großer Geschwindigkeit, daß der Flieger bald an die Laiiduug deinen konnte, die doch möglichst sanft erfolgen sollte. Auch dazu konnte er die Mgel gut gebrauchen. Er warf sie manchmal ftitwarts und rückwärts und verminderte so die Schnelligkeit der Fahrt. «Mio war er der Mondobersläche ganz nahe; da warf er nochmals die Wunderkngel Weit hinauf über sich, ließ aber bett sitz allem ihr folgen; er hatte durch einen Sprung auf den Sand sein Ziel erreicht, die Laildung sanft und sicher vollzogen. ..
Leider gibt »ns Chrano neben feinen tvcmem Erlewtifleu auf dem Monde nicht an, wie ihn ein freuiwsicher Geist zur , Erde zurückbrachte. Kurz meldet er, datz m J.ccheu bei der Landung die Hunde ihn angebellt hätten, weil er noch den Mvud- geruch an sich gehabt hätte. Erst nach einer Reinigung durch ein Sonnenbad konnte er still seines Weges nach Frankreich lieben, nm dort seine Erfahrungen zu verofteuiucmn. Emen Riesenerfolg brachte ihm diese Arbeit, denn in vielen Auflagen erschien die Mondreise, die von jedermann „depuis le gentilhomme jusqu’au meine“ gekauft ward. ..... .
An diesen Erfolg anknüpfend, venmcntttm.-e er bald eine Sonnenreise. Der Erfolg der Mondreise lMe ihm Femde gemacht, denen cs bald gelang, den Verfasser uw Gefängnis zu bringen. Dicsein zu entfliehen, erdachte er eilte neue Flugmaschine, die nach langem Studium Hub großer Arbeit fertig ward. Sie bestaub aus einem Kasten von (> Fuß Lauge und 3—4 Fuß Breite, dessen Deckel und Boden je eine kleine Oefsuung hatten. In die obere Oeffuung paßte genau auschließend ein semersei^I oben durchlöchertes Ktistallgefäß, dessen Wände , ich aus lauter konkav und konvex geschliffenen Glasern ziisanimensetzten. ~,ufe Maschine setzte der Erfinder auf dem Turm semeS GefangmsfeS . den Sonnenstrahlen aus, nahm selbst Platz darin, und wartete, ob kicki i 1-111.- Berechuiinaen als richtig erweisen wurden und er so K Freiheit erftingte/" Der Erfolg übertraf seine Erwariungeu. Die Glaslinsen führten SonnenstraWen m mannigfachen Brech- unaen in das Gefäß; hier ward so die Luft erwärmt, sie stieg i ch olwn und ttitwich durch die oberen Löcher. Die Luftverduii- mtVbdvhlte aber ein Nachströmen der Luft von unten; dadurch ward dem ganzen Apparat ein starker Auftrieb verliehen, und Chrano befand sich bald auf der Fahrt in die Freiheit. Em Segel hatte er auch mitgenommen, um seine Freimde eireichen.zu können; die Steuerung konnte jedoch nicht '» -t-at'gkeit tretm, da dem Fahrer in der Aufregung die Leine entfallen war So fuhr denn Chrano nach der Sonne und kam auch nach vier Mo nuten dort an. Seine Erzählung ist unvollendet, so.daß über die Art feiner Rückkehr nichts berichtet wird. Auch diese phantastische Erzählung fand viele Freunde
Sicherlich hat aber.keiner der zahlreiche» scstr Mdciikm gewagt, daß Cyranos eine oder andere Idee eiiimal praktische Verwirklichung erfahren könne. Beachtenswert ist ttdensalls, Wie der Verfasser die Ausgestaltungsmöglichkeit gewißer damals wenig bekannter vlihsikalischer Prinzipien vorausahnte, wenn er sie auch übertrieben phantastisch darstellte. Als 1783 die. erp.e.chioiigolnere bei Paris in die Höhe stieg, da fiel Wohl niemandem ein, daßschon mehr als 130 Jahre vorher Chrano de Bergerac m seiner Phau- trtfie ieniand durch Rauch, d. h. durch warme Luft, oiv zum Monde stechen sah; verwandt ist ihr auch der gebrauch von Glaslinsen als Brenngläser auf der Reise zur Sonne. Mr Gebaute, den Bogelflng uachzuahiuen, ist uralt; man denke an ÄkaroS und Dädalos. Man wird aber auch an die ganz modernen Flug versuche des unglücklichen Oskar Lilienthal. erinner , bei: feii btden Versuchen den Tod fand. Dagegen blieb e» der neueften »eit Vorbehalten, Maschinen jur ,mii(Kl6eW«mnfl <
Stelle der Feder Cyranos futb zwei starke Motore getreten. »
io. ferner wie sich die Gefahren der Landung in oen Beschreibungen Cyranos ansprägep. Wie umständlich und wen ß


