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Aus dem Leben der reichsten Krau der weit.

lieber die Lebensweise von Hetty Green, die kürzlich ihr ärm- l ich es Logis in der Vorstadt aufgab, imt in dem luxuriösen Plaza- Hotel Wohnung zu nehmen, berichtet Barzini aus Newyork einige interessante Einzelheiten. Das Experiment mit dem Gesell- schastsleben ist Hetty Green mißglückt; sie fand keinen Gefallen an den vielen unnützen Ausgaben, sie langweilte sieh und bereute das schöne Geld, das sie bezahlen mußte. Heute sitzt sie wieder 'mit ihrer Tochter Sylvia, einem schweigsamen, verschlossenen 40- jährigen Mädchen, in den ärmlichen kleinen Gaststuben in Ho- boken, in denen sie vordem hauste und wohl auch allen; An­schein nach bis an ihr Lebensende hausen wird. Nur wenige kennen sie in dieser ihrer Häuslichkeit. Die Brille vor den Augen sitzt sie da am' Fenster unb näht eifrig an ihrem Leinen­zeug; schweigsam sitzt die Tochter daneben und strickt aus Wolle warme Pulswärmer. Hin und wieder rasselt lärmend das Tele­phon; dann wirst Hetty Green ihre Arbeit beiseite, sie eilt zuni Telephon und während sie nun mit den Maklern der Börse von Geschäftsdingen spricht und entschlossene Weisungen gibt, leuchten ihre Augen auf und der harte Zug um ihre Mundwinkel steigert sich zu sicherer Tatkraft. Jetzt entscheidet sie hier über das Schicksal von Millionen; eine Minute später feilscht sie mit ihrer Wäscherin um einen halben Dollar und erklärt ihr, daß sie der­artig hohe Wäschpreise nicht aufbringen könne. Noch heute er­zählt eine Wäscherin von denk Vorschlag, den die Millionärin ihr eines Tages allen Ernstes gemacht hat. Hetty Green schlug der Wäscherin vor, an den Unterröcken doch nur den unteren wirklich schmutzigen Streifen zu waschen, wofür sie daun nur die Hälfte bezahlen wollte. Der Schlächter hat die Anweisung, unter keinen Umständen Fleisch zu schicken, das mehr als zwölf Cent das Pfund, also rund 50 Pfg. kostet, und das sind nicht die ein­zigen Proben von Hetty Greens berühmter Sparsamkeit. Eines Tages befand sie sich gerade in Philadelphia, als an der Börse große Kursschwankungen eintraten. Die erfahrene Geschäftsfrau merkte sofort, daß sie hier bei raschem Handeln Millionen ver­dienen könne; aber eines war nötig dazu, sie müßte nach New- hork, unb zwar vor Schluß des Marktes. Keuchend kommt sie in Philadelphia auf den Bahnhof gestürzt und erkundigt sich stach dem' Preise eines Extrazuges. Mau will ihr einen Waggon Mit einer Lokomotive für eine bestimmte Summe überlassen, allein Hetty Green ist hegreiflicherweise über Taxe und Luxus gleich empört und schüttelt energisch den Kopf. Sie versucht den Preis herunterzuhandeln: umsonst, die Bahn bleibt fest. Ta kommt sie schließlich zu folgendem Vorschlag:Hängt den Waggon ab, ich tu erbe in der Lokomotive fahren, dafür macht ihr mir die Rechnung um fünf Dollar billiger". Was auch geschah. . . . Als ihr Sohn stach Beendigung feiner Studienzeit in einer fröhlichen Laune eine unverzeihliche Verschwendungssucht bekundete der einstige Erbe des 400 Millionen-Vermögens wär so leichtsinnig, 2000 Dollar stuszngeben da war die Mutter untröstlich und schickte ihn nach Texas insExil": sie machte ihn zum Präsidenten einer Eisen- Lahngesellschaft im Süden. Ihr ganzes' Leben gleicht einem Ro­mane, wie nur Amerika sie hervorbringt. Ms vor 40 Jahren die junge reiche und lustige Hetty den amerikanischen Konsul Eduard Green aus Manila heiratete, wurde sie zwar eine reiche Frau; aber sie besaß nicht den dreißigsten Teil des Vermögens, das sie heute W eigen nennt. Als ihr Vater starb, erbte sie 17 Millionen und kurz darauf bei dem Tode einer Tante weitere drei. Um diese letzte Erbschaft gab es einen großen Prozeß, mau hatte ein Testament der Taute gefunden, das alles der Wohltätigkeit verschrieb; Hetty Green aber besaß ein zweites Testament, und so kam es »u einem langen Prozesse. Als er zu Ende war, war Hetty Green um drei Millionen reicher unb inzwischen längst zur getoiegten Geschäftsfrau geworden. Aber je mehr das Gold sich häufte, je schwerer überwand sie sich dazu, es auszugeben unb um so größer ward ihr Geiz. Eines Tages' beschloß sie sogar, ihr Pferd und ihren Wagen zu verkaufen, und um Vermittelungsgebühr zu ersparen, übernahm sie selbst das Geschäft. Sie ließ anspannen, fuhr zur Börse, befestigte ein Awßes PlakatZu verkaufen" an der Equipage unb harrte nun des Wafers. Ihr Mann war wenig erbaut von all dem und erhob energischen Einspruch;- gegen ihr Benehmen. Aber Hetty Green gab nicht nach.Wenn du nicht sofort nach Hanse fährst, so werde ich dich durch eine Kommission von Aerzten für geistes­gestört erklären lassen," drohte ihr ihr Mairn, der sich gar nicht Mehr zu helfen wußte. Wer Hetty Green blieb ganz kühl.Wir werden ja, sehen, wer von uns beiden verrückt ist." Wenige Monate später halte ihr Gemahl der Börse sein ganzes Ver- strögen verloren, während sie das ihre verdoppelte. Bor einigen Jahren starb der Manu in sehr bescheidenen Verhältnissen, wäh- irend die Frau, die in der Vorstadt im kleinen Gasthanse wohnt, |em Vermögen von 400 Millionen Mark ihr eigen nennt.

Vermischtes.

* Seltsame Lebensrettung. Amerikanische Blätter berichten von einem geradezu sensationellen Fall von Lebensrettung. Ein Mann in Newyork, der durch eine

Viertelstunde einem Starkstrom von 2400 Volt ausgesetzt war und für tot galt, ist durch die Bemühungen eines Arztes wieder zum Leben erweckt worden. Er befindet sich jetzt auf dem Wege der vollständigen Heilung. Nur einige Brand­wunden sind zurückgeblieben. Der Fall erregt in den Ver­einigten Staaten das größte Aufsehen, da man jetzt durch einen praktischen Fäll den Beweis erbracht hat, daß Elek­trizität für Hinrichtungen ein ungeeignetes Mittel ist. Einer der lebhaftesten Bekämpfer der elektrischen Hinrichtung Dr. Peter Gibbons weist schon seit Jähren darauf hin, daß der elektrische Stuhl nicht vollständig töte, sondern erst die nachfolgende Obduktion. Der vorerwähnte Fall selbst hat sich folgendermaßen abgespielt: Jölm Brauda, ein herkulisch gebauter Arbeiter, stieg vorige Woche in ein Einsteigeloch der Straßenbahngesellschaft, wo Dutzende von Drähten sich kreuzen, um eine Reparatur vorzunehmen. Durch eine Un­vorsichtigkeit kam er mit dem Starkstrom in direkte Berüh­rung, so daß ein Strom von 2400 Volt 15 Minuten lang durch seinen Körper jagte. Als seine Kollegen Nachschau hielten, fanden sie den Unglücklichen tot vor. Die Äugest waren weit aus den Höhlen getreten, bläuliche Flammen zuckten aus dem Körper hervor. Der Vormann Tany Lu- telle war so unvorsichtig, den Körper anzufassen und wurde sofort bewußtlos zu Boden geschleudert. Mit Balken unb' isolierten Zanger; schaffte man nun den völlig Leblosen in die frische Luft. In der Zwischenzeit war nach dem Hudson- Spital um eine Ambulanz telephoniert worden. Dr. Ro­berts, ein ganz junger Arzt, traf mit derselben ein. Jrst Hospital wandte der Arzt alle erdenklichen Mittel an, nur künstliches Atmen herbeizuführen. Zwei Stunden arbeitet« er mit einem Krankenwärter an dem Leibe des Leblosen, so daß ihnen der Schweiß in Strömen vom Körper lief. End­lich gab Branda Lebenszeichen von sich. Die Bemühungen wurden fortgesetzt und nach 10 Stunden erlebte der Arzt zu seiner Freude, daß Brauda wieder ganz zu Bewußtsein kam. Möglicherweise wird dieser Fall den Kongreß veran­lassen, die Abschaffung der elektrischen Hinrichtung zu be­schließen. _____________

Literatur.

Im Verlag von Emil Roth in Gießen erschien in zweiter AuflageHessens Fürstenfrauen", von der heiligen Elisabeth bis zur Gegenwart, in ihrem Lebest und Wirken dargestellt von Hofrat Alfred Börckel, Biblio­thekar an der Mainzer Stadtbibliothek. Mit 16 Porträts und der Photographie der Großherzogin Eleonore als Titel­bild. (Preis 3 Mk., geb. 4 Mk.) Das Werk enthält di« Biographien von 11 Landgräfinneu, nämlich der heiligest Elisabeth und der Gemahlinnen Philipps des Großmütigen, Georgs L, Ludwigs V., Georgs II., Ludwigs VI., Ernst Lud­wigs, Ludwigs VIII. und Ludwigs IX. und der Gemahlinnen: der Größherzöge Ludewig I., Ludwig II., Ludwig III., Lud­wig IV. und Ernst Ludwig und schildert zum ersten Male; im Zusammenhang die hessischen Fürstenfrauen, über die bisher zum Teil nur dürftige und zerstreute Mitteilungest vorhanden waren. Es stillt damit nicht nur eine Lücke in der hessischen Regentengeschichte, sondern bildet zugleich einen Beitrag zur Kulturgeschichte des Landes. Bei der Dar­stellung wurde eine große Anzahl von Sammelwerteip Stammtafeln und Monographien benutzt. Die dem Text« beigegebenen Bildnisse der hessischen Fürstenfrauen sind znnr größten Teil nach Gemälden der Großherzoalicheu Ahneu- galerie hergestellt.

Charade.

Es zeiget eine Färb' die erste Silbe dir, Hast du ein böses Weib, so sag' das zweite ihr. Das ganze Wort ist dir schon längst bekannt, Es nennt dir eine Stadt und auch ein ganzes Land.

' Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Vorsetz-Rätsels in voriger Nummer: a. ) b.

Elle, Zelle,

Maus, Emaus,

Osten, Posten,

Aar, i Paar,

Wald, i Ewald,

Ast, Last,

Sokrates, Jsokrates,

Adel, s Radel.

Zeppelin.

Nedaktion: E. Anderson. Notationsdr»^ ..h sn»1;rM t>ex Brühl'jchen Universitäts-Buck- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießen.