Donnerstag den 23. Juli
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John Darrows Tod.
Roman von Melvin L. S e v e r y.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Sie werden sich wundern, wenn ich Ihnen sage, daß e^ ein paar Minuten dauerte, ehe ich den Mut fand, durch mein Mikroskop auf die Seite des Buches zu schauen. Mich hatte nun einmal die Ueberzeugung ergriffen, ich hätte eine wirkliche Spur des Mörders gefunden, und mich schreckte der Gedanke, der erste Blick könnte zeigen, daß ich mich einer müßigen Täuschung hingegeben hätte. Schließlich ermannte ich mich und blickte durchs Glas. Der fettige Daumen, der das Papier gedrückt hatte, war derselbe, dessen Abdruck das Fenster bewahrte. Es war kein Zweifel: mein Verdacht hatte sich bestätigt. Alles, was dieses Buch betraf, war nun voll größter Wichtigkeit. Die Seite, auf der sich die SMr fand — nun, ich denke, Sie würden große Augen machen, wenn ich sie Ihnen vorläse, doch will ich mir dieses Vergnügen noch aufsparen; es ist Seite 469 in „Die Gifte. Ihre Wirkung und ihr Nachweis" von Alexander Wynter-Myth.
Sofort nach der Feststellung mittelst des Mikroskops machte ich mich auf nach Oakstraße 5, der von Rizzi angegebenen Adresse. Dort wohnte niemand dieses Namens, auch hatte kein Rizzi in den drei Jahren, seit der jetzige Besitzer das Haus innehatte, dort gewohnt. Mit demselben Ergebnis ging ich nach Stanifordplatz 15. Eine etwa fünfundzwanzigjährige Fran kam an die Tür. Sie sagte, sie sei in dem Hause geboren worden und habe dort stets gewohnt: einen Mann namens Weltz habe sie nie gekannt. Ich hatte nichts anderes erwartet. Der Mann, den wir suchen, ist unglaublich verschlagen, und glückt es uns doch, ihn zu stellen, so wird dies sicher nicht sein Fehler sein.
Nun habe ich Ihnen alles mitgeteilt, was ich feststellen konnte, oder wenigstens was mir sicher genug scheint, um mitteilenswert zu sein, — viel ist es nicht, aber es ist doch eine SMr und , kann unserer Hoffnung neues Leben leihen."
„Es ist offenbar von höchster Wichtigkeit, was Sie auf so merkwürdige Weise herausgebracht haben," sagte ich, „und ich will eilen, es zu Hause zu berichten."
Florence und meine Schwester waren ganz der gleichen Ansicht wie ich Über das von Maitland Erforschte, und wir unterhielten uns an diesem Abend bis spät in die Nacht hinein über die Neuigkeiten, die ich mitgebracht hatte.
Drei Tage später, es war an einem Donnerstag, erhielt ich nachmittags in ein paar Zeilen von Maitlands Hand die Aufforderung, ihn in seiner Wohnung aufzusuchen. . In der Mei- - nung, es handle sich um etwas machte ich mich sofort
auf. Ich fand ihn allein und meiner harrend.
»Ich grüble noch immer," fing er an, sobald ich Platz genommen hatte, „über ein mögliches Motiv des Mordes. Mur ein Wahnsinniger würde eine solche Tat ohne ein Motiv begehen, und doch können wir keins finden. Ein Wahnsinniger! Beim Zeus! Daran hatte ich nicht gedacht. Was meinen Sie? „Ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode."., wie?'Az
Ich erklärte ihm, daß mir die Wähnsinnstheorie nicht sehv wahrscheinlich sei. „Sicher ist Wahnsinn oft mit auffallender Schlauheit gepaart, aber foMjier Meisterfchaft im Ränkespiel, wie sie unser Verbrecher durchweg gezeigt hat, ist ein Wahnsinniger denst doch nicht fähig."
„Passen Sie auf, Doktor," brach Maitland plötzlich los, „mir kommt ein Gedanke. Könnte das Interesse, das der Mann am Krebs nimmt, nicht davon koiwmen, daß er selbst daran leidet? Wie wärs, wenn Sie mal bei allen Krebsspezialisten in Boston und Umgebung Umfrage hielten, ob fich nicht einer erinnert, einen Patienten gehabt zu haben, welcher der Beschreibung entspricht, die ich Ihnen auf Grund genauer, von den Bibliotheksbeamten erhaltener Mitteilung entwerfen will? Weiter werde ich in den Zeitungen eine Anzeige los-lassen, in der ein neues Krebs-mittel angepriesen wird und die Interessenten eingeladen werden, sich weitere Auskunft in Ihrem Sprechzimmer zu holen Der Plan verspricht nicht viel, immerhin kann er den Vogel ins Garn locken. Was sagen Sie?"
Ich erklärte mich bereit, mit aller Reiner Kiraft mitzüwirkeN,- worauf Maitland sich gleich auf den Weg machte, seine Absichten zu verwirklichen. In den nächsten Morgenblättern stand die Anzeige, und sie trug mir auch verschiedene Besuche ein. Diese wären mir etwas unangenehm geworden, hätte ich nicht einen befreundeten Arzt, dessen Spezialität die Behandlung von Krebs war, insgeheim ins Vertrauen gezogen und veranlaßt, in meinem Sprechj- zimmer während der in der Anzeige angegebenen Stunden anwesend zu sein Kam ein Patient, so überzeugte ich mich, daß es weder der Gesuchte, noch ein Abgesandter von ihm war, und wies ihn dann an meinen Kdllegen Doktor Rhodes. Ich würde wahrscheinlich nie daran gedacht haben, auch die Patienten aufs Korn zu nehmen, die der von Maitland gegebenen Personalbeschreibung nicht entsprachen, hätte mich Maitland nicht in dieser Beziehung instruiert.
„Wir haben cs mit einem Manne von ungewöhnlichen Fähigkeiten zu tun," sagte er. „Wie wir schon erfahren haben, setzt er sich keinerlei Gefahr aus, wenn er es vermeiden kann. Es ist darum sehr wahrscheinlich, daß er, wenn er die Anzeige liest und davon Gebrauch machen will, sich einer Mittelsperson bedient. Dann sind wir auch keineswegs sicher, daß sein Interesse für Krebs rein persönlicher Natur ist; es kann seine Frau, seine Schwester, irgend ein Verwandter daran leiden. In diesem Falle können wir auch nicht erwarten, daß er selbst kommen wird. Seien Sie also recht vorsichtig und lassen nicht eher mit Fragen von den Besuchern! ab, bis Sie sich überzeugt haben, daß sie in keiner Weise mit dem Gesuchten in Verbindung stehen."
Diesem Rate folgte ich aufs Wdrt und konnte unschwer feststellen, daß keiner meiner Besucher in irgend einer Beziehung zu John Darrows Mörder stand. So ging es mehrere Tage fort. Inzwischen verfolgte Maitland eine neue SMr, die er entdeckt hatte. Er würde mir alles mitteilcn, sagte er, wenn er iHv bis ans Ende gefolgt fei. Drei Tage darauf kam er zu uns und erzählte uns, er habe einen Mann getroffen, der mit einem HevvN Henri Cazvt. einem Franzosen, bekannt gewesen^ sei, welcher Üec.


