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Eine
aufgeschlagen uni> leiser Stimme zu
Park etiva in der auf dein rechten
„Mein Gott.... was haben Sie nur heute? Sie sind' ja blas; wie Kreide?" fragte Werner, den erschreckten Blick auf seines Lehrers Antlitz geheftet.
Heinz stand und lauschte. Nach einer geraumen Weile fragte er mit zuckenden Lippen:
„War cs nicht, als trenn jemand Hülfe ries?"
„I wo . . . wer soll denn hier int Park Hülse rufen?" entgegnete Werner lächelnd, klappte aber doch, von seines Lehrers Aufregung angesteckt, sein Buch zu.
(Fortsetzung folgt.)
Mitte durchschnitt, während der See ganz Flügel lag.
Werner hatte im Gehen seinen Horaz begann die Ode, die au der Reihe war, mit übersetzen. Er war gerade bis zum fünften
Esttlieb der Anecht.
Von G. Zitzer (Niedereisenhausen).
(Nachdruck verboten.)
(Schluß,)
Mittlerweile kam die Zeit der Heuernte herbei. Da gabs alle Hände voll zu tun. Dies war weniger nach Gottliebs'Gc- scyrnack. Ja, er huldigte sogar der Ansicht, daß die Welt noch lange nicht aus den Fugen ginge, trenn feine geschätzte Mitwirkung merber ganz und gar unterbliebe. Er samt bereits seit einigen Lagen darüber nach, wie er wohl auf gute Art loskämc. Noch nie ut seinem Leben war er so lange in einer Dienststelle ge-- weten. Falls er sich jetzt aus dem Staube machte, konnte er lercht wieder nach Gefallen eine andere Arbeitsgelegenheit finden/ denn zum Herbst — darüber gab er sich keinen Illusionen hin —■' imiroc iyn der ^.rteschbauer doch binauseckeln. Dazu wurde ilnn
.... ___________ Verse gekommen,
als Heinz plötzlich stillstand und mit heftiger Bewegung feinen Arm faßte.
Eindruck zu erwecken, als ob er eine „zufällige" Begegnung mit Isabella suche, einen Weg ein, der den
schritt er heim und warf sich vor dem Bildnis des Heilandes auf die Kniee.
H®3 2mrl<m Tage, an benen er sich M Higer und selbstsicherer chhlte, Tage, an benen ihm Isabella nicht begegnete, oder mt CT tte fil,f "neu Slugenblick sah, ein gleichgültig-heiteres Gencht zeigte.
sie stark ist," sagte er sich, „so willst du es erst «cht sem. Aber an der Wurzel seiner Kraft nagte der eifersüchtige Schmerz darüber, daß sie stark mcd gleichgültig sein So war ihre Zuiieigung zu ihm doch tiicht so' groß, so unüberwindlich, lute er geträumt hatte; und von dem leid- bnrS• eC/,n?, ®I.?u6cu an 'hve Liebe genossen, sollte nur das Leid ubrcg bleibeii? .
Abe« wenn er sich auch an'solchen Tagen fühlte, daß Isabellas Lebensniiidigkeit nur eine Art flüchtigen Stimmungsrausches
gewesen war, die Sorge, Wilhelm Bartikow nröchte eine Nichtswürdigkeit gegen sie planen, ließ ihn nie los
Eilte BÄche etwa nach der letzten flüchtigen Begegnung mit l L ^end, rounde sah er diesen eines Nachmittags wieder das
i Parrgittcr umschleichen. Und wieder schlug der Heimlichtuer sich i bet seiner Annäherung in die Büsche.
I Da wuchs die Unruhe in Heinz von neuem. Was hatte | Hartha besagt an jeuem Frühherbstttage, an dem er unter deut ^trnbaum tut Bartikowschen Garten über ihres Lebens Kummer und Sorge unt ihr gesprochen hatte? ,Wilhelm ist gaiiz toll tu seiner Siebe zu dem Fräulein vom Schloß und treibt's um ihretwillen sicher noch einmal zum Unglück' .... Und gewiß, wenn der Mensch etwas Unrechtes Vorhalte, kein Wunder bei ihm, der notgedrungen auf schlechte Gedanken kommen mußte m fernem , dauernden, entnervenden, entartenden Müßiggang.
Heiitz das Schloß betrat, erfuhr er von dem geschwätzigen Zanga, der ihm das Portal geöffnet hatte, daß der Kommerzienrat mit vielen, aus Berlin eingetroffenen Güsten auf die Sauhatz geritten wäre; — bet junge Herr warte itt seinem Zimmer, ünd das gnädige Fräulein säße auf ihrem Lieblingsplatz am See. Gegen Abend würden beide im Wagen nach Forsthaus Lagowsee fahren, wo nach beendigter Jagd ein Souper im Freien stattfinden solle, und wohin das Gros der Dienerschaft mit Kisten und Körben schon aufgebrvchen wäre.
Heinz fühlte, tote ihm die Unruhe vom Herzen zum Kopie stieg. Nachdem er hastig Werners schriftliche Arbeiten durch- gesehen hatte, machte er den Vorschlag „in Anbetracht des herrlichen Wetters" die für diesen Tag noch aus dem Stundenplan stehende Lektüre des Horaz im Park zu erledigen.
Werner stimmte mit Freuden bei. Wann auch hätte er wohl einen Vorschlag seines verehrten Lehrers nicht „famos" oder „herrlich" geftmdetl? ....
Im Vestibül hängte er sich vertraut in Vollraths Arm.
„Sie sollten sich mehr Ruhe gönnen", sprach er mit Besorgnis. „Sie fangen jetzt auch schon an, nervös zu werden, gerade tote Isabella. Das beste wäre vielleicht, man schickte Sie beide an die Nordsee oder in die Schweiz." Er sagte daö harmlso mit offenem Lächeln, ohne mit einer Miene seines hübschen Gesichts den geheimen Nebensinn zu verraten, den seine Worte hatten.
Heinz erwiderte nichts. Er lauschte schon wieder itt den Park hinaus, ob er nicht einen Hülfe ruf hörte. Daß dieser tzülferuf von Isabellas Lippen, den er fast in jeder Nacht int Fieber seiner Träume vernahm, einmal auch in Wirklichkeit laut werden müßte, war ihm fast schon zur fixen Idee geworden. Dennoch schlug er, um nicht in Werner den
c« sich. Erstens bot es für einen mäßig gewandten Kletterer! keine Schwierigkeit, den großmaschigen Drahtzautt an beliebiger Stelle zu übersteigen; und selbst, wenn Wilhelm das Friedheimsche Besitztum durch die Tür verlassen würde, so war er gewiß nicht der Mann, der sich seine geheimen Absichten abfragen ließ — nnt wenigsten von einem, dem er feindliche Gesinnung entgegenbrachte.
Heinz ging weiter und strich sich dabei mit der Hand über die Stirn. Dummheit! Er jagte Hirngespinsten nach . . . der Kampf, den er bei jedem Wiedersehen mit Isabella gegen seine Leidenschaft ausfechten mußte, fing mit der Zeit wohl doch an, ihm die Nerven zu zerrütten. Heute besonders wollten sie nicht zur Ruhe kommen, zitterten und bebten sie ivie die Saiten einer Harfe, in die ein harter Faustschlag gefahren; und alle Stimmen in seiner Brust klangen schrill und verworren durch- einauder. Trug Isabellas Getändel mit dem Lebensmüdigkeits- gedanken die Schuld daran? Es war doch wohl nur ein Getändel gewesen und nicht verzweifeltes Erwägen, von dem es pur einen kleinen Schritt galt bis zur Ausführung der Tat? ... .
Heinz stand still, stocherte mit seinem Spazietrstock in d»m weichen schwarzmoorigen Boden des Wildpfades hin und wieder " das Parkgitter hatte er bereits hinter sich gelassen.
?koch nie iöar er so wenig bei feiner Sache gewesen wie in d«v heutigen Stunde, die er Werner gegeben hatte. Die angstvolle Beklemmung, die ihm schon auf die Brust gefallen, als' er Isabella iwch am See gegenüber gesessen hatte, war nicht von ihm gewichen^ Mit angespannkem Ohr hatte er nur immer durch dw offenen Fenster in den Park hittausgelauscht, ob nicht ein Mfeschret ertönen würde oder ein Ruf der Dienerschaft nach dem .Mmlem, das plötzlich verschwunden wäre .....
. Di« Dämmerung sank. Tief drinnen im 'Wald zwischen den beria-tolmmendeti Stämmen breitete schon die Nacht ihre Flügel
ltnor Käuzchens melancholischer Schrei gellte durch die B dem Talgrnnd zur Linken, in dem ein rauschendes W6 seine vieftach gewundene Straße zog, stiegen die Nebel auf
J? vll feiert wallenden Schleiern sah Heinz Isabellas schlanke Neu wstikte " 16m ^bte und ihm mit weißen
E« nahm seinen Hut ab und lehnte den Kvpf rückwärts an den Stamm einer Buche. J nn
k lVffr cr der sich vorgenommen hatte, Kraft und SS1Uih unverkürzt den Pflichten seines Amtes, D.U Est der Allgemeinheit, zu wahren und zu widmen . . . S nwS?? Einmal gelesen hatte, fiel ihm ein: von
Mönch, desicn Herz bte Liebe ergriffen hatte, der ihrer ntebt Her« werden konnte, obgleich er sich allen Martern d^s Hungers und Durstes,. des Nachtwachens und der Selbstgeißelung unterzog, obgleich er sich in einer Stunde der Verzweiflung die Augen auZMch um nickst mehr sehen zu können. Blind tastete mc rP k16 A^snmkeit des Eisgebirges, an dessen Fluß fein
i ?»ch die Flamme in seinem Herzen brannte Wester, Ü {etnm 2ewn ^gleich auslöschte durch einen Sturz
Heinz blickte durch das Gew'rr der Zweige zum Firmament empor, an dessen dunkelblauer Wölbung schon Stern an Stern
<■ Z ebenso WM ivie jener Mönch? Hatte er nicht die Kraft, die Versuchung zu beiiegen? Wie, wenn er ihr ent- Karh T JUt ^"liehen für ihn gab, wenn er die Untcr- richtsstunden, die er Werner bislang erteilt, unter irgend einem ffdem Zusammentreffen mit Isabella fortan JiHs dem Wege ging?
„Feigling", schalt er sich und biß sich auf die Livpen. „Eine -Verpflichtung, oie man einmal übernommen hat, führt man auch zu Mio-e.


