Ausgabe 
23.1.1908
 
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ganz vernachlässigt werden dürfen. Möglicherweise i|t auch die zn große Bevorzugung des Gehirns und Vernachlässigung der anderen Organe (des Rumpfes) daran schuld, das; alle Wägungen, Messungen und Studien der Windungen an den Gehirnen genialer Männer zn keinen; Ziele führten. Nach alledem erscheint cs erwünscht, daß durch Messungen an Schulkindern in io. sichere Ausschlüsse über die dargclegte Regel, welche zweifellos auch tu Bezug aus das Rassenvrvblem nicht zu unterschätzen ist, gewonnen werden (Umschau.)

* Eine französische Vermög eilsstatistrk. Der Direktor des Pariser Statistischen Amtes, Dr. Jacques Bertillon, gibt einige interessante Zahlen über die fran­zösischen Vermögensverhältnisse und die Bevölkerungs­ziffern bekannt. Nach seinen Darlegungen besitzen % aller Franzosen im Alter von 50 Jahren Ersparnisse; aber in weitaus den meisten Fällen ist das Vermögen nur winzig; die Hälfte der Erbschaften geht über 1600 Mark nicht hin­aus/ Von 770 000 Personen, die im Jahre 1905 starben, haben nur 1343 ein Vermögen von über 400000 Mark hinterlassen. 6257 besaßen ein Vermögen von 40 000 bis 400 000 Mark. Gegen 7000 hinterließen 40 00080 000 Mk., 326 000 weniger als 8000 Mark. . . In Paris liegen die Verhältnisse hinsichtlich der größeren Vermögen günstiger, bei den kleineren Erbschaften dagegen unverhältnismäßig schlechter als in der Provinz. Hinterlassenschaften von über 80000 Mark sind drei- oder viermal zahlreicher in der Hauptstadt als auf dem Lande. Dr. Bertillon kommt dann auf den Bevölkerungsrückgang Frankreichs zn sprechen. Vor hundert Jahren stellte das französische Volk 27. Prozent der Bevölkerung Europas; heute ist diese Zahl auf 11 Prozent zusammcngeschrumpft.Unser poli­tischer, ökonomischer und intellektueller Einfluß ist nicht mehr der gleiche, wie vor hundert Jahren und in diesen Zahlen liegt das Geheimnis." Der Wohlstand eines Landes hängt nicht allein von der Fruchtbarkeit des Bodens und von beit Fortschritten der Industrien ab. Bor allein ist die Zahl der Arbeitenden in Rechnung zn setzen.In Frank­reich ist die Bevölkerung ein halbes Jahr stationär ge­blieben und unsere wirtschaftliche Lage hat sich kaum ge­ändert", während in anderen Ländern der Wohlstand mit dem Anwachsen der Bevölkerung Schritt gehalten hat.

* Die Riesenschlange als Friedensstifter. Ans Asmara in Abessinien wird demCorriere della ferro" ein Vorfall berichtet, der einen amüsanten Beitrag bildet zur Kennzeichnung der Macht des Aberglaubens, die selbst tm äthiopischen Reiche sich bisweilen ;u>ch stärker erweist, als die Autorität des Negus. Im vergangenen Jahre lies; der Statthalter von Amba Amba«, Averra Agos, einen benachbarten Tistriktchef, einet; Günstling Mcneliks, ermorden. Ter Negus ließ den Uebeltäker absetzeu und unterstellte dessen Gebiet dem Statthalter Garasellasi von Adua, aber Averra Agos schien nicht gesonnen, so ohne weiteres seine Macht niederzulegen und Garasellasi musste sich zu einem regelrechten Feldzug bequemen. Agos widerstand und nach zwei- wöchentlicher Belagerung mußten Garasellasis Soldaten sich einst­weilen zurückziehen, um sich Nahrungsmittel zu verschaffen: als sie die Belagerung wieder aufuehmen wollten, stand ihnen ein neuer Gegner gegenüber. Agos hatte sich dem Statthalter Ghesseso von Semeen ergeben; Ghesseso ist als ein sehr eigen­williger, trotziger, unbotmäßiger Führer berüchtigt und auch dies­mal scheute er keinen Augenblick davor zurück, die Situation für sich auszuuützen und dem Befehl des Negus mit Waffengewalt zu trotzen. Averra Agos hatte Ghesseso herüeigernfen und ihm seine Stützpunkte nach vorheriger Absprache ausgeliefert. Eine prachtvolle Scheinfusillade war dem vvrhergegangen und Averra Agos machte nun glauben', daß er einen überraschenden Gewalt­streich zum Opfer gefallen. Inzwischen währte der 'Kriegszustand im ganzen Distrikt fort: in allen Schlupfwinkeln, in allen festen Plätzen liegen Ghessesos Truppen, von den Soldaten Garasellasis belagert. Monate gehen ins Land, keiner der Gegner erringt einen Mrteil, keiner denkt daran, einen Schritt zurückzuweichen. Der dkegus ist höchst ungeduldig, aber macht gute Miene zum chvsen Spiel und vermeidet es, von Amba Ambara zu sprechen. Da, an einem schönen Oktobertag. geschieht das Wunderbare, $3in Lande taucht eine gewaltige Schlange, eine Riesenschlange, EN man hat es gesehen, wie sie in eine Hohle, kriecht, an; Fuße dcs Hügels, auf den; die Hauptfestung Ambas liegt. Der iEindruck des Geschehnisses ist grenzenlos, alles zittert, nächt- Licherweiw von dem Ungeheuer erdrosselt zu werden. Was kein Wefehl Mcneliks, was kein monatelanger Kleinkrieg vermochte, .diese Schlange bringt es zuwege. Das Gerücht von ihrem' Er­scheinen eilt durchs Land, seit den Tagen König Theodors hat

man tu Amba kein solches Ungetüm gesehen, die Phantasie, feer 'Aberglaube tun ein Uebriges, die Schlange wird zum Symbol, zu einem Gotteszeichen und ein Grauen beschleicht die wackeren Kämpen. Ghessesos Truppen ziehen ab. Bald glückt es indessen, die Boa zu erlegen. Nach langwieriger Beobachtung ihrer Lebcns- gewohnheitcn gelingt es einigen Wagemutigen, eine Steinmasse über das satte, träge Reptil zu stürzen und die Schlange wird zerschmettert. Das wird zum neuen Symbol des Himmels; so wie diese Schlange werden alle zu gründe gehen, die stakt in Frieden und Eintracht zu leben, kämpfend einander befehden. Und alsbald herrscht in Amba Frieden und Eintracht.

* Schutz des Elefanten in Afrika. Der französische Gelehrte G. Basse bringt interessante Mitteilungen über das Schick­sal der afrikanischen Elefanten, über deren allmähliche Aus­rottung auch schon von deutscher Seite, z. B. jüngst von Hans Dominik, Klage erhoben ist. Die unglücklichen Dickhäuter werden von einer ganzen Armee schwarzer und weißer Jäger auf das schonungsloseste verfolgt und die Zahl der jährlich getöteten Ele­fanten kann man mif wenigstens 253ÖÖ00 beziffern. Ta nun die weiblichen Elefanten nicht vor dem sechzehnten Jahre Junge bekommen und höchstens nach zweieinhalb Jahren wieder Junge zur Welt bringen, so nimmt die Zahl der Elefanten reißend schnell ab. Basse glaubt, daß dem entgegen gearbeitet werden könne durch Einführung einer ähnlichen Gesetzgebung in den fran­zösischen Kolonien kvie in den deutschen und englischen, in denen zur Erlegung zweier männlichen Tiere ein teurer Erlaubnisschein notwendig ist, für das Schießen jedes weiteren Tieres ein neuer kostspieliger (Erlaubnisschein gefordert ivird und di« Tötung eines weiblichen Tieres mit beträchtlicher Geldbuße bestraft wird. Das wirksamste Mittel aber wäre eine international« Organisation, die dieses Werk des Schutzes durch allgemeine Verfügungen regeln und in bestim-mten Zeiträumen die Jagd für mehrere Jahre verbieten müßte.

* Aus der Gesellschaft.Die Silvesternacht verbringe ich' immer äußerst lustig! Ta lesen mein Mann und ich die Nenjahrsrechnungen, die unsere Lieferanten schicken, und da lachen wir uns regelmäßig halb krank!"

* Kindermund. Der kleine sechsjährige Knrk soll, wie gewöhnlich, das Abendgebet sprechen, ehe die Mutter ihm Gute Nacht sagt. Ein sehr lebhaftes Kerlchen wie er ist, fragt er: Sag', Muttchen, warum muß ich eigentlich immer beten: Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen, als du allein; laß mich doch mal beten: Ich hall' einen Kameraden."

Zur Winterszeit.")

In tiefem Traum liegt Feld und Wald.

Des Wiuters filbcrwetBe Hand

Legt sich mit festem eif'gen Druck lieber das weite, weite Land.

Da lauscht manch Herz dem Flügelschlag Ter Euglein, die von; Himmelszelt Jetzt in des Winters Friedenszeit Gott hat gesandt der Erdenwelt.

Und manchem kommt int Tämmerschein

Ter Traum der sel'gen Kinderzeit, 911*3 fei die Welt noch licht und schon, Voll Mürchenglanz und Herrlichkeit.

Das ist die Stille vor dem Blühn, Bis bei der Frühliugölüite Wehn Tie dingen, noch von Tränen trüb, Tes Frühlings holdes Wunder sehn.

*) AusHeimailieder" von Clara Schobest, Verlag von R. Zacharias in Magdeburg.

Goldene Worte.

Wer keine bitteren Erfahrungen und kein Leid kennt, der hat keine Maliee, und wer keine Malice hat, bekommt nicht den Teufel in den Leib, und wer diesen nicht hat, kann nichts Keruhastes arbeiten. Gottfried Keller.

Men Liebe zum Berus durchdringt,

Tcn er sich selbst erkoren,

Tcn; geht, auch wenn er glücklos ringt,

Doch nie ein Tag verloren. ' Greis.

Charade.

Tie erste ist ein männlicher Vorname,

Die. zweite ein Ort in Baden, Das Gai^e ein Ausländer.

Auflösung in nächster Nummer?

Auflösung dcs Silbenrätsels in voriger Nummer: 0111 n: n

Redaktion: B. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.