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itfe arisge- : umwallte
hi Mckttcher Ehe mit einet Prinzessin von Kurland, einer Nichte Les branoenburgischen Kurfürsten verheiratet, imb diese, seine „allerlibste Frawe" Luise Elisabeth hielt den hitzigen und heraus- polfernden, häufig unüberlegten Rcitergeneral recht kräftig in Kaum und Zucht, so daß er „dahero fast die Patience verlor". Wohl besäst dieser fröhliche Kriegsmann, der in den Kriegen des Großen Kurfürst«! so rühmlich seinen Mann stand, eine gewisse Eigenwilligkeit und ein ungestümes Feuer des Angriffs, aber die Erzählung von seiner gegen den Befehl ansgesührten Attacke in der Fehrbelliner Schlacht und von der in Gnaden wieder- aufgehobenen Verurteilung zum Tode ist eine Legende, die sich erst im 18. Jahrhundert gebildet hat.
Tic Briefe, die er kurz vor und nach der Schlacht an seine Krau schrieb, verbannen in ihrer burschikosen Lustigkeit diese Geschichte ins Reich der Sage und charakterisieren zugleich den Mann selbst vortrefflich Von Rathenow aus schrieb er am« 17. 3uni, am Tage vor der Schlacht: „Meine Engeksdickc, wir feint straff auf der sacht mit den Herren Schweden, sie feint hier beim basse Nauen diesen nwrgen übergegangcn^ muffen aber bei 200 Todfen zurückelasscn von der arriergnarde; jenseits haben wir bei Fer-Berlin alle brücken abgebrannt und alle übriche f;tiefte so besetzet, daß sie nun nicht aus dem Lande wieder können. Sobald unsere infanferie fonrot, soll ob Gott wolle, die gmize arnmda dran." „ES ist die schönste netton von der Welt, vor der ganzen FeindH arnmda einen so konsiderablen Ort zu gemimten," heißt es des weiteren von der Erstürmrurg von Rathenow. „Ob Gott will, folgt bald ein mehreres; hätten wir unsere Infanterie bei uns, wollten wir den Feind gut schlagen, «tritt (Sott wird schon machen. Adieu, ich kann nicht mehr schreiben: sterb' Tein treuer Mann und Diener." Die glän- -ende Aktion, die er am! „Tage von Fehrbellin" mit der Avantgarde aussührte, erzählt er am 19. seiner „Engelsdicken". „Allcrlibste Frawe! Ich sage nun E. L. hiermit, das ich gester morgen, mit einichen Tausent mann in die aiwangnart comman- diret gewesen, aufs des Feindtes contenance achtung zu haben, La ich denn des Morgens gegen 6 Uhr des Feindtes gantzer Ürtntö ansichtig wurde, der ich dann so nahe ging, das er sich muffe in ein Scharmützel einlassen, dadurch ich ihn so länge auffhielte, bis mir I. II. der Churfürst mit seiner gantzen Ecröallcrie zu Hülfe kam. Sostalten ich des Churfürsfen an- kunft versichert war, war mir bang, ich möchte wieder andre vrdre bekommen, und fing ein hartes treffen mit meinen Bor- truppen an, da mir denn Dörffling sosorth mit einichen Regi- rnentent secontierte. Ta ging es mcht lustig ein fhntbte 4 oder 6 zu, bis cntlichen nach langem Gefechte die Feitidite weichen nutsten und verfolgten tott sie von Linum bis Fer-Berlin, und ist wohl nicht viel mehr gehört morden, das eine formirfe iarmee, mit einer starken Infanterie und cauonen so wohl versehen, von bloßer Cavallerie und tragonern ist geschlagen worden . . ." „Rachdeme alles nun vvrbey gewesen, haben mir au ff der Walstatt, da mehr als 1000 Todfen nmb uns lagert, gessen und uns braff lustig gemacht."
Zu irgendwelchen Konflikten zwischen deut Großen Kur- fürst und dem Prinzen von Homburg ist es also bei dem fröhlichen Reifersiege nicht geformnen, doch scheint Friedrich Wilhelm allerdings mit seiner Kavallerie nicht ganz zufrieden gewesen zu sein, denn es ist ein Brief von ihm bekannt, in dem den Regimentern, die ihren Erfolg nicht ausgennht hätten, der Prozeß angedroht wird. Ter Prinz scheint jedenfalls nicht den T-ank erhalten zu haben, auf den er gehofft hatte; er zog sich Auf ein Jahr mißmutig zurück. 1676 aber war er wieder mit seinem kurfürstlichen Herrn im Felde.
Tjas Geschick hat es gewollt, daß uns auch von dem wirklichen Prinzen von Homburg eine Darstellung durch die Hand eines genialen Meisters erhalten worden ist. Am Tore des Schlosses in Homburg v. d. Höhe findet sich als dekorativer Schmuck, als sog. „schwarzes Männchen" ein« Miste des Prinzen Von Homburg von 1,20 Meter Höhe, di-e von Gurlitt als ein eigenhändiges Werk Schlüters in Anspruch genommen wird tritt» in ihrer wundervollen bildnerischen Kraft wirklich von keinem anderen damals lebenden. Meister sonst hät' K werden können. Der von einer Lockenperücke _____________
zeigt in den derben breiten Zügen eine monumentale Ruhe und doch im festen Wick, im ausdrucksvollen Mund und breitem Kinn ein machtvoll .gesundes Lebensgesühi, dem Hermelin, Feldherrnschärpe und Rüstung die gedrungene Resonanz schaffen.
Rekord.
Rekord, Rekord, das Modewort, Der niederträchtigste Import! Ach mir zum Tort, an jenem Ort Treibt mit dem Wort man förmlich Sport! Ja flüchtest du zum fernsten Port — Wie im Akkord rennt mit das Work.
Ich werde wild und rufe: MordI
Fort mit dem Wort! Werft's über Bord! H S ch st leistung ist Rekords allein
s kann Leistung auch, kann Wettstreit fein,
Glanzleistung, Meisterschaft und Preis, Menn man's nur recht zu drehen weiß.
Oft faßt man's bei dem rechten Zipfel
Mit Vorrang, Borsprung, Abgrund, Gipfel, Mit Sieg und, frischer zum Gebrauch, Mit einem Obsieg, Wettsieg auch.
Auch f ü h r 'n d e Stellung, Führung geht, Wenn einer a n der Spitze steht. Wenn er den Vogel abgeschossen. Voraus ist allen den Genossen, Wenn er den Rang hat abgelaufen Dem ganzen Wettbewerberhaufen.
Und wer daun „den Rekord gebrochen". Der hat den Sieger a u s g e st o ch e rk. — Wenn einer hungert, einer frißt, Wie's noch nicht dagewcsen ist, So weiß es bald die ganze Welt, Daß „den Rekord" er a u f g e st e ll t". ®ie längste Rede, die je gehalten, Der härtste Schädel, der je gespalten. Die schnellste Fahrt, die je gemacht ist, Der dümmste Titel, der je erdacht ist. Die frechste Schnute, die jemals laut ward, Die dümmste Pute, die jemals Braut ward — Das alles und viel andres mehr Stolz! heute als Rekord einher.
Sagt, muß das sein in deutschen Landen? Haöt ihr mich eben nicht verstanden. Als ich das Allerweltswort mied Und euch in schlichtem Deutsch beschied?
Edward Lohmeyer (Mssel).
* Genie und Körpergröße. Matt kann vielfach die Veobachtung machen, daß Gewandtheit und großes Talent mit einem kleinen Körper vereint find, und daß Genies, von denen die politische oder die Kulturgeschichte berichtet, mit auffallend kleiner Gestalt verbunden erscheinen. So finden wir unter den Staatsmännern und Feldherren Attila, Cromwell, Friedrich II., Napoleon, Gantbelta, Thiers, — sämtlich sehr klein gewachsen oder von unter Mittelgröße. Ueber Jesus aus Nazareth berichtet der Talmud, er sei von sehr kleiner Statur gewesen: Paulus war ebenfalls fTcin, Luther war mittelgroß und sehr stämmig. Von bildenden Künstlern ist bekannt, daß Raffael klein, Michelangelo mittelgroß und Adolf Menzel von kleinster Figur!var. Hingegen sollen Tizian und Leonardo da Vinci von Hoher Gestalt geweseir fein. Unter den Musikern finden wir die gettialsten, von Handel abgesehen, klein gewachsen. Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Richard Wagner waren sehr klein, Schumann, Schubert und Vrahms kaum von Mittelgröße. Von Dichtern und Schriftstellern waren von mittlerer Statur: Dante; klein: Horaz, Cervantes, Rabelais; hingegen waren hoch gewachsen: Pelrarka, Bac- eaccio und Tasso. Rousseau war sehr klein, Victor, Hugo war kurz und stämmig, Heine und Heinrich v. Kleist klein und dick. Unter den Philosophen und Naturforschern finden wir Spinoza klein. Newton und Leibniz rtur mittelgroß, Kant sehr klein, Schopenhauer klein, Hegel mittelgroß^ Mexauder v. Htunboldt, Rauke und Mommsen waren kleingeftaltete Figuren. In Gemeinde- und Verwaltungsräten, politischen Ausschüssen, bei Kaufleuten, die zueinander im Kompagnieverhältnis stehen, selbst bet Schulknaben wird man in den größeren Verstand vorwiegend ber den kleiner Gebauten finden. Diese bemerkenswerte Erscheinung hat nun Dr. I. Popper zum Gegenstand eingehender ^Uitter- suchungeit gemacht: (Polftisch-anthropolog. Revue 190 c, Heft o.) Durch den Schachmeister Wilhelm Steinitz, der sehr kurze Bente hatte, kam er zu der Ansicht, daß es atkf die Länge des Rumpfes oder des Oberkörpers, entweder absolut genommen oder im Verhältnis zu der Länge der unteren Gliedmaßen an- kommen müsse. Hierin wurde er bestärkt durch eine Stelle in Homers Ilias. Dort heißt es nämlich von Ulysses und Achtlces, daß, wenn sie nebeneinander standen, Achilles über Ulysses wert hervorragte, wenn sie aber faßen, sei Achilles kleiner erichcenen.i Und dieke Bemerkung deckt sich auch mit der Beobachtung, daß die relativ kleineren Menschen mit größerer Begabung beim Sitzen höher über ihren Sessel hervorragen, als die großer gewachsenen, unfähigen. Also.: je länger der Oberkörper eines Menschen im Verhältnis zu seinen Beinen ist, desto größer, sagt Popper, ist seine Begabung (Goethe, Bismarck, Lassale). Was nun die physiologische Bedeutung eines großen Oberkörpers/ resp. eines langen Rumpfes anlangt, so kann es sich 8er offenbar nur um die Hlolle handeln, die Herz, Lunge und dre Ver- daunngsorgane bei dem ganzen Lebensprozeß, insofern er auf den Jntellett Bezug hat, spielen. Es darf also wohl lircht bezweifelt werden, daß alle diese für die Blutbereitung und dre Kraft des Blutumtriebes so wichtigen Organe hierbei nrchr, wie. wir es bisher zu tun gewohnt sind, neben dem Gehirn


