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hatte i>en Ort gegründet, "als er die Mühle kaufte und das Mühlgut.

Das Volk klebte an der Scholle, die Kinder würden wieder für die Herrschaft erzogen, es herrschte freiwillige Leibeigen­schaft. --3d

Dorias ging fluchend zur Scheune und weckte die böhmischen Fuhrleute, und fluchend machten sich diese bereit.

Was würde ihnen heute der Vorspann wieder kosten?

Der Vorspann, das war des Alten Trick-

Von Böhmen herein brachte man auf alten, holprigen Straßen das goldgelbe Körn zur Talmühle Guttermanns. Der kaufte jede Quantität, und er zahlte gleich: aber nicht mit Geld, sondern mit Mehl. Und die böhmischen Bauern waren froh, wenn sie so ihr Getreide los wurden; denn ihre Felder trugen reich, und das Mehl verkauft sich leichter als das Kbrn.

Guttermanns Mühle lag im Talkessel, nach allen Seiten strebten steile, dichtbewaldete Höhen empor. Ohne Vorspann kam mau nicht den Berg hinauf.

Den Vorspann stellte Guttermann, seine Pferde zerrten die Fuhre bis auf die Höhe.

Doch vorher müßte dieser Dienst bezahlt werden, und zwar mit Mehl. Der Preis war ein schwindelhaft hoher und nicht selten nahm Guttermann den vierten oder dritten Teil der ge- famterr Ladung wieder weg.

Nach kurzer Zeit stand der Planwagen, beladen bis oben huf, zur Abfahrt bereit.

Dorias mit seinem Viergespann stand am .Hoftor.

Noch imüier krachte es in den Wäldern, noch immer rieselte der Schnee hernieder und deckte fußhoch den Boden.

Der Herr trat auf den Hof.

Heut wird's eine schwere Fuhre," sagte er zu den mischen Knechten,unter zehn Sack kann ich euch nicht Vor­spann geben!"

Die Fuhrleute schwiegen in finsterer Wut.

Euer Ueberlegen dauert mir zu lange jetzt kostet der Vorspann schon zwölf Sack!"

,',Lad ab, Blutsauger!" schrie der Fuhrmann und deckte die schwere Plane zurück.

Das Schimpfwort verdroß Guttermann wenig. Er sprang selbst auf den Wagen und zerrte die Säcke herunter, die der Obermüller in Empfang nahm und in die Mühle karrte. Der Fuhrmann stand zähneknirschend dabei und zählte, weil er wußte, daß Guttermann sich gern verzählte und oft eine Zahl zweimal nannte.

Unterdes spannte Dorias seine schweren Pferde vor, nnd unter Rufen und schreien ging es die Waldstraße hinauf. Die Küechte müßten noch tüchtig in die Speichen greifen, mußten oft den Wagen stützen, wenn er in ein ansgefrorenes Loch geraten war. Der Mühlherr stand am Hoftor und blickte ins Leere- Das war wieder ein Verdienst und kein geringer. Sein Ver- mögeil schwoll ihm an unter der Hand. Aber hente freute ihn das nicht. Das Totenglöckchen war daran schuld- Sein kläg­liches Gewimmer gemahnte an das Ende des Ganzen.- Ob er dann oben mit Mehlsäcken zahlen konnte, was er unten ver-, schuldet?! Ihn grauste es; dann packte ihn der Zorn wegen der Glocke da oben.

Morgen bestimmt mußte sie weg, das ganze unheimliche ,Erkertürmchen sollte fallen.

GntternMnn achtete nicht auf die eisige Kälte. In seinem Herzen war es kälter, ihn fröstelte von innen heraus; das kalte schwere Gold hatte jeden warmen Funken drin erstickt.

Er schnitt bis zum Kdpf der steinernen Brücke, die über den Fluß führte. Unten wälzte sich das schneegesättigte Wasser schwer­fällig fort, vom Ufer riß es eckige Eisfetzen ab, die dann mit dumpfem Krach an den Pfeiler stießen.

Das lange, breite Dach da drüben am' anderen Ufer, das fast bis zur Erde reichte und darunter! die niedrige Hütte, das war fein Vaterhaus.

Ost trieb es ihn nachts vom Lager; mit magischer Gewalt zog es ihn hierher an den Brückenkopf, und dann starrte er trübe sinnend auf sein Vaterhaus.-. Als Müllerknappe hatte sein Vater drin gÄvdhut; dort, unter dieseni Dache waren die ersten Taler gespart worden, und als er das Erbe antrat, waren 1600 solcher harter Dinger sein. Danut hatte ev gewirtschaftet, schon jals 20 jähriger junger Mann- Alte Bilder stiegen in ihm' auf: Wie er vor dem greisen Pfarrer der Stadt gestanden, der für seinen Sohn eine Schuld zahlen müßte, wie er den Schein auf tausend Taler in der Hand hielt und er bloß achthundert aufo Kühlte; wie ihn das auf deut Rückwege gereut hatte und er Mkehren wollte, feineij Wstckx.r rückgängig zu machen; aber die

'00 Taler, die in seiner Tasche verblieben, waren so schweb gewesen und der Tag so heiß da ist er heimgegangen.

So hatte sich sein Besitz vermehrt und schon mit 25 Jahren war er Herr der kleinen Talmühle.

Jetzt war sie die größte in weitem' Umkreise und er ein reicher Mann dabei geworden und ein alter Mann.

Guttermann lehnte noch immer am Brückenkopf, schon langst hörte er nichts mehr vom Krachen des Schneebruchs, seine Gedanken waren weit, weit zurück. Er streichelte mit der Hand über den Steinblock. Der war kalt, und an seinen Fingern klebte Schnee. Wie gern streichelte er über den Stein; denn hier hatte sein Weib zum letzten Male gesessen und mit sehnsuchtsvollen Blicken hinüber nach denk Herrenhaus geschaut. Sein erstes Weib, die treulich mit ihm gedarbt und geschafft hatte, die seinen Reichtum! mitbegründet und die er dann verstieß, Vertrieb als die dunkeläugige Schenkmaid aus dem Schützenhaus drin in der Stadt hier einzog und sein Herz eroberte-

So lange ist das schon her, an die 25 Jahre, und so lebendig steht ihm! alles noch vor der Seele.

Zaghaft blickte er hinauf nach dem' Erkertürmchen. Bon dort oben hatte er ihr nachgeblickt und dann in der Erregung mit dem! Kopfe an die Glocke gestoßen- Die gab einen kläglichen, wini- mernden Schrei gerade löte jetzt. Damals war auch Sil-- vesteruacht gewesen.--

Morgen kommt die Glocke runter samt dem Turme," mur­melte Guttermann und ging endlich ins Haus. Er wußte jetzt wirklich nicht, ob die Glocke noch lautete, oder ob er es nur in seinem' Innern vernahm, das Nagen und Wimmern und Anklagen?!!

** (Fortsetzung folgt.)

Die Mche von GrchM-rmöen.

(Originalartikel derGieß. Fam'.-Bl.")

Unter den Dorfkirchen Oberhessens ist kaum eine so berühmt geworden, wie die l' ' ~ ; Großen-Linden- Das verdankte sie allerdings wesentlich einer dekorativen Zutat, der sich in ganz Deutschland nur weniges vergleichen läßt, den Skulpturen ihres Portals- Es ist etwa ein halbes Jahrhundert her, daß v. Ritgen die Aufmerksamkeit einer Architektenversammlung auf dieses merk­würdige Portal lenkte nnd Professor Valentin Klein in Gießen! ein tiefsinniges, leider nur viel zu tiefsinniges Büch über die Bedeutung und Symbolik seiner Bildwerke schrieb- Die überaus primitiven, zum Teil kindlichen Formen, dieser Steinplastik, die Dunkelheit und Verworrenheit der Darstellung, in "der neben' ausgesprochen kirchlichen Gestalten von gewohnter mittelalterlicher! Typik heidnisch Germanisches vorzükorninen schien, bestimmte jene beiden Forscher zu der Annahme, daß dieses Portal und damit' auch die Kirche, mit der es zweifellos gleichzeitig ist, schon im 9- Jahrhundert entstanden, also wohl das älteste Gotteshaus des seit dem Ende des 8. Jahrhunderts in Urkunden erwähnten Linden: fei- War diese Datierung richtig, so besaß Großen-Linden ein Bau- und Bildwerk von ganz hervorragender kunstgeschichtlicher Bedeutung, ein vollständiges, in sich geschlossenes Skulpturwerk aus einer Zeit, deren Plastik uns sonst nur in dürftigen Bruchs, stücken bekannt ist. Und dann gewann auch die auffallende Bil­dung der Fassade mit ihren dicken Rund türmen an den Ecken eine! besondere Bedeutung; Man durfte sie mit der Fassade der Aachener! Pälastkapelle Karls des Großen vergleichen und den Schluß wagen, daß diese FassadenforM in karolingischer Zeit weitere Verbreitung! gefunden habe-

Es dauerte Jahrzehnte, 'bis die kühne Hypothese, die ssus der früher kaum beachteten Dorfkirche eines der wichtigsten Monu­mente alter deutscher Kunst, ein Seitenstück zur Torhalle von Lorsch und den Einhardsbasiliken machte, einer schärferen Prüfung! unterzogen wurde- Die jüngere Forscher'generation, die mit viel reicherem Bergleichsmaterial arbeiten konnte, mußte die hohe Alter-, kümlichkeit der Skulpturen und damit des ganzen Baues be­streiten, mußte die unbeholfenen Gestalten des Portals als Werke! einer zurückgebliebenen, ländlichen Kunst auffassen. Das war ein großer Schmerz für die Verehrer der alten Ansicht- Ein! kurzer Kampf entspann sich!, in dem die neue Richtung leichtes Spiel hatte; die Datierung in die Karvlingerzeit fiel weg, die! Skulpturen waren int 12-, frühestens im 11. Jahrhundert ent­standen-

Aber damit waren die Probleme, die in diesem Kirchenbau! steckten, keineswegs. erledigt. Es blieb die geradezu singuläre Fassadenform, es blieb die wichtige Frage, was denn diese roten! Steinskulpturen des Portals bedeuten sollten- Und jetzt kaM der Forschung das Bedürfnis des Tages zu Hilfe- Die Kirche war zu klein und ihre RauMausüützung lange nicht so vollständig/ wie ,sie hätte sein könnett; sie verlangte neben Mancherlei tief-; greifende^ Aenderun'gen und Reparaturen eine bedeutende Er­weiterung- In Anbetracht der Wichtigkeit des Baues kaM der Staat der Gemeinde zu Hilfe, nahm aber auch die LeiUmg dO